Oglala Lakota des Indianerreservats Pine Ridge

South Dakota – Himmel und Hölle

Nur eineinhalb Tage war ich auf meiner Tour in South Dakota. Keine 48 Stunden – das ist nichts.

Aber diese Stunden haben mich mehr geprägt als viele, viele andere während der fünf Monate. Jetzt, wo ich für das darüber schreibe, ist die Zeit in der Pine Ridge Reservation wieder präsent, die Beklemmung, die ich damals gefühlt habe (Artikel).

Natürlich wird es nicht besser, wenn man dann solche Artikel liest – mit „Statistiken aus der Hölle“.

Ich bin immer hin- und hergerissen zwischen „Man, das ist so schlimm, und man kann sowieso nichts tun, und es gibt so viel Schlimmes auf der Welt – ich kann mich nicht mit allem belasten!“ und „Andere mussten/ müssen es erleben, dann sollte ich mich ja wohl zumindest damit beschäftigen!“

Keine Ahnung, wo die Wahrheit liegt – sicher wie immer irgendwo dazwischen. Und sie bewegt sich zumindest bei mir auch abhängig von Tagesform und eigener Situation mal mehr zum einen, mal mehr zum anderen Pol.

In meiner Kindheit und Jugend habe ich meine Indianerbücher („Die Söhne der großen Bärin“) rauf- und runtergelesen. Bin mit dem Indianerjungen Harka in eiskaltes Wasser getaucht (nur nicht so lange) und mit ihm durch die Prärie geritten. Wenn ich die Natives im Reservat so sehe oder im Artikel oben über die Situation der Kids lese, könnte ich heulen.

Ich hab für diesen Artikel keinen netten Twist, kein versöhniches Ende. Ich weiß nur, dass mir damals der nicht weit entfernte Badlands Nationalpark geholfen hat, wieder durchzuatmen.

Wer noch ein paar Bilder gebrauchen kann, findet sie hier.

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Beitragsbild: (c) Aaron Huea/ Alamy

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Wenn die Recherche ganz kurz ausfällt

Nein, nicht ich bin die Recherche. Auch wenn ich zwischen den beiden Cowboys so richtig kurz bin.

Ich wollte Hintergrundinfos zu Johnstown, Nebraska, sammeln, dem Ort, in dem ich meine ersten Cowboys getroffen hatte. Aber ich habe nur den wohl kürzesten Wikipedia-Eintrag gefunden, der mir je angezeigt wurde:

Auch der Link auf die offizielle Webseite Johnstowns versprach mehr, als er hielt:

 

 

 

 

Geht es noch deprimierender?

Ich hoffe, es gibt den Ort noch – ich hatte mich doch so über den Einwohneranstieg von 53 (2000) auf 64 (2010) gefreut!

Es bleibt nur Nostalgie…

Nebraska – jetzt aber!

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Mini Frau ganz groß

Ruth Bader Ginsburg ist Richterin am Supreme Court der USA. Und sie ist 86 Jahre alt – eine absolut toughe Frau.

Vor einiger Zeit lief eine Dokumentation über ihr Leben im Kino, und ich habe selten einen so spannenden und unterhaltsamen Bericht gesehen.

Der Max Moor von ttt empfiehlt den Film hier…

 

… und das ZDF hat den ganzen Film noch bis zum 19. Juli 2019 in der Mediathek. Es lohnt sich!

Gynsburgh freut sich natürlich über den Bericht aus der Familie :-D!

 

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Friedrich

Hin und weg – mal ganz anders.

Florian Jänicke, Photograph, portraitiert seit nunmehr 14 Jahren seinen Sohn Friedrich. Weil dieser schwerst behindert ist, sind die Bilder nicht immer nur schön. Dafür aber immer ehrlich und selbst in ihrer Verzweiflung zärtlich.

Wie der Vater im Interview.

Mich berühren die Photos sehr, ich tu mich so schwer im Umgang mit behinderten Menschen. Vielleicht auch, weil man im Alltag keinen selbstverständlichen Umgang entwickeln kann – man sieht sie ja kaum.

Das ZEIT-Magazin veröffentlicht derzeit eine Auswahl der Photos. Bilder und Kommentare sind sehr besonders – traut Euch!

Fotokolumne ZEIT Magazin – Jänicke 9/21

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Beitragsbild: Ausschnitt von 19/21 (c) Florian Jänicke

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„Nu Jim bald wird singen vor Freude…“

Na, kann jemand das Zitat einordnen? Ich gebe zu: Das Bild oben hilft.

Heute Mittag hab ich angesichts eines total verrückten Zufalls fast vor Freude gesungen: Ich war gerade dabei, über meine Fahrt durch Cairo, Illinois, zu schreiben. Diese Stadt macht einfach nur traurig, sie ist wohl die desolateste der Vereinigten Staaten. Selbst Geisterstädte sind angenehmer, weil in ihnen niemand mehr lebt, der seine Hoffnung auf Besserung begräbt oder am Leben hält – ich weiß nicht, was schlimmer ist.

Ein Sprung in die Vergangenheit ist nötig, um zu dem Zufall zu kommen.
Aufgrund seiner Lage geriet Cairo Ende des 19. Jahrhunderts in der Sklavenhalterfrage zwischen die Fronten der Nord- und Südstaaten. Was es dazwischen überhaupt geben kann? Sehr, sehr wenig. Ein bisschen Wasser, mehr nicht.

(c) www.legendsofamerica.com

Cairo, zu Illinois und damit einem Gegner der Sklavenhaltung gehörig, war auf drei Seiten von den Südstaaten Kentucky und Missouri umgeben – und entschied sich, bei den alten Gepflogenheiten zu bleiben und nix auf freie Schwarze zu geben. Die geselltschaftlichen Entwicklungen im restlichen Illinois und in den anderen freien Nordstaaten ignorierte man einfach. Das wurde für viele Schwarze, die aus dem tieferen Süden nach Norden flohen, zur Falle – Cairo war eben nicht das ersehnte Tor zur Freiheit, sondern bedeutete oft den Rückverkauf in den Süden.

Lange Rede, hoffentlich auch Sinn: Ihr erinnert Euch an Huckleberry Finn? Und vielleicht sogar an den Schwarzen Jim, der „Jim von Mrs. Watson“ (=Sklave von Mrs. Watson)? Eine meiner Notizen behauptete, Twain habe beide auf einem Floß in Richtung Cairo fahren lassen!

Solchen Dingen muss ich ja immer gleich auf den Grund gehen. WLAN gibt es in meinem Schreibcafé nicht, auf dem Handy war mir die Recherche zu mühsam. Also ab nach Hause zum Internet!

Manch eine/r von Euch weiß, dass ich an keiner Bücherkiste vorbeigehen kann, seien die Bücher nun zu verschenken oder zu verkaufen. Und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass die Überwachung auf der Holtenauer Straße 1A funktioniert. Denn dort lagen, ohne Scheiß, diese beiden Bücher in einer Kiste:

Ist das verrückt oder ist das verrückt? Reflexartig hab ich sie eingesteckt, denn sie haben ja eindeutig auf mich gewartet. Zuhause hab ich dann mein eigenes Exemplar aus dem Regal gezogen: eine Ausgabe von 1974, ein Jahr älter als ich. In diesem Buch habe ich schon als Kind gelesen…

… und jetzt als erwachsene, reife und abgeklärte Frau nachgeschaut, was es mit Huck und Jim und Cairo auf sich hatte.

Jim ist seiner Mrs. Watson weggelaufen. Auf seiner Flucht treffen er und Huckleberry aufeinander (sie kennen sich). Sie suchen sich ein Floß und fahren den Mississippi hinab – hinauf ist mit einem Floß sehr anstrengend. Ihre Hoffnung und ihr Ziel stromabwärts ist die Stadt Cairo, Illinois. Für Jim ist klar, dass „er … im selben Augenblick, wo er sie zu Gesicht bekäm, ein ’n freier Mann wär.“ Immer wieder ruft er beim Anblick von Lichtern in der Dunkelheit: „Da ist Cairo!“ – „Da ist die Stadt!“

In den freien Staaten will Jim arbeiten und das Geld sparen, um seine Frau freizukaufen. Dann „wollten sie beide schuften wie’n paar Pferde, um auch ihre beiden Kinder loszukaufen.“

Hucks Reaktionen auf Jims Träume sind ein spannendes Thema für sich, ebenso wie Jims Schicksal. Das wird aber heute nix mehr, und überhaupt kann das ja jeder selbst nachlesen. Nur so viel: An Cairo fahren die beiden aus Versehen vorbei…

Habe ich jetzt erzählt, was ich erzählen wollte?? Dass Mark Twains Helden mein Cairo kannten? Jep. Und dass genau das Buch in einer Bücherkiste lag, nach dem ich mich grad umschaute? Ja, irgendwie auch.

Es muss ja nicht immer alles stringent erzählt sein, oder?

PS.: Über Cairo findet Ihr so einiges im Netz, unter anderem einen Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur.

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Endlich Neues vom Boss

Ich bin hin und weg: Das neue Album von Bruce ist da!

Allein das Cover ist einfach toll, oder?

Den Song „Hello Sunshine“ hat er schon vor einigen Tagen veröffentlicht. Wenn Ihr heute nur noch ein Lied hört, dann dieses – laut natürlich. Denn leise Musik muss man laut hören.

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