… besondere Menschen und kleine Orte

Es geht weiter in Nebraska! Wer die Landschaften verpasst hat, muss nochmal hierhin  zurückgehen – darf dann aber hier weiterlesen. Oder andersrum – ist mir auch egal. Ich hatte eine Margarita, das merkt man, oder?

Die ersten besonderen Menschen, die ich in Nebraska wahrgenommen habe, waren die Amish. Ich hätte schon in Neuengland mehr als ausreichend Gelegenheiten gehabt, mich in Amish-Gegenden rumzutreiben und Museen oder sogar Dörfer zu besuchen, um sie zu sehen. Na, zu beobachten – das trifft es wohl eher. Denn ich find sie superspannend. Dass man tatsächlich heute noch so reduziert leben kann – gerade wenn die Alternative so nah und greifbar ist – finde ich krass.

Weil ich es aber komisch finde, Menschen so dezidiert zu beobachten, während sie einfach ihr Leben leben, habe ich es in Neuengland und vor allem in Pennsylvania gelassen (sorry, Richard – sorry, Richard’s sister!).

Und nun sah ich sie plötzlich in Nebraska – wo ich sie nun überhaupt nicht mehr vermutet hätte. Zuerst, als ich in einer Tanke saß und einen Kaffee trank. Plötzlich fuhr draußen eine Kutsche vorbei – einfach so! Ich konnte es gar nicht glauben, mein Mund stand offen. Kaum hatte ich das verdaut, kam die zweite Kutsche – ist das zu fassen? Natürlich war ich zu langsam – als ich mit meinem Fotoapparat draußen war, war die Kutsche längst weg. Und in den nächsten zehn Minuten, die ich draußen verbrachte, kam auch keine weitere. Klar, Murphy ist ein Mistkerl.

Aber dann – die dritte. Unglaublich. Ein Paar und ein etwa siebenjähriger Junge in schlichter Kleidung, die mich anlächelten, während sie vorbeifuhren. Ich mochte sie nicht einfach so fotografieren, deshalb gibt’s hier ein schönes Bild von hinten. Ich brauchte etwas, um mich aus dem Staunen zu lösen 🙂

In einem Laden in der Nähe verkaufen die Amish Produkte, die sie herstellen – ganz viel Handarbeit. Die Schaukel hat es mir angetan. So kann man mit seinem Schatz alt werden, oder? Daneben gab es allerdings ganz viel Kitschkrams, der oft auch noch in Plastik verschweißt war – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Amish das hingebungsvoll an langen Winterabenden fertigen…

Als ich weiterfuhr, bekam ich ein besonders schönes Amish-Abschiedsgeschenk: Auf einer Straße kam mir ungelogen ein Amish auf einem blauen Tretroller entgegen. Und es ist hügelig hier! Voller Elan schubste er sich bergauf und grinste dabei. Lebensfreude pur – und das bei einem Erwachsenen. Ich muss kurz überlegen, wann ich das das letzte Mal auf Deutschlands Straßen gesehen habe…

Und weiter geht es in die Weiten Nebraskas. Du weißt übrigens, dass Du in Nebraska bist, wenn ein Ort wie Taylor mit 190 (!) Einwohnern…

… auf der Gesamt-USA-Karte verzeichnet ist, die monatelang in meinem Wohnzimmer hing und mich jetzt auf meiner Tour führt:

Allerdings geht es auch noch kleiner – viel kleiner…

Ich frag mich angesichts der Schilder schon, wie oft die aktualisiert werden… Ach, kommt, ich nehme euch noch in zwei, drei kleinere Orte mit:

Deutsche Vorfahren hat hier tatsächlich fast jeder und ich muss gestehen, dass ich den Enthusiasmus, mit dem mir das mitgeteilt wird, inzwischen nicht mehr so sehr teilen kann. Ich meine, deshalb sind wir ja noch lange nicht verwandt und ich merke mir ja doch nicht, wessen Tante und wessen Urgroßvater wann nach Amerika gekommen sind. Wobei das Warum ja noch das Spannendste wäre – aber das ist selten bekannt. Wenn jetzt jemand kommt und mir fast um den Hals fällt mit den Worten „My ancestors are from Germany!“, muss ich echt aufpassen, nicht zu sagen „Well, mine aren’t!“ Nicht nett, ich weiß. Aber ich kann einfach auch nicht alle Geschichten hören, nur weil ich zufällig Deutsche bin. Oder?

Jetzt hab ich so viel geschrieben, dass der Rest von Nebraska in den nächsten Artikel muss. Bis dann!

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One thought on “… besondere Menschen und kleine Orte

  1. Pingback: Nebraska – jetzt aber! – Eva-hin-und-weg

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