Blöde Kuh

Achtung, dieser Text ist weder politisch noch moralisch korrekt, aber das ist mir jetzt mal total egal. Die blöde Schnepfe war das schließlich auch nicht. Wie kann man so sein? Wahrscheinlich ist sie echt unglücklich in ihrem Leben oder einfach nur total doof oder sonst irgendwelche bösen Sachen, die ich trotz obiger Ankündigung nicht schreibe. Ach ja, wirklich wichtig ist der Text auch nicht – ist nur eben Teil meiner Reise und meiner Erfahrungen.

Was los ist? Seit einigen Tagen traue ich mich, am frühen Abend Leute anzusprechen, ob ich George (Ihr wisst schon, mein Zelt) auf ihrem Grundstück aufbauen darf. Und bisher war es total problemlos – im Falle von Karen und Bryan ja sogar einfach toll. Nun bin ich an der Küste von Maine unterwegs und es ist traumhaft schön. Aber natürlich sind hier – wie bisher überall in den Neuenglandstaaten – die schönen Küstenstücke privat. Irgendwelche Häuser, Anwesen und Zäune gibt es immer, und mit meiner kriminellen Vorgeschichte habe ich so gar keine Lust auf irgendetwas in Richtung Hausfriedensbruch. Wenn ich weiß, dass keiner guckt oder gucken wird, ist das natürlich was anderes 😉

Ich bin also eine traumhafte Straße entlanggefahren – rechts von mir nur ein Streifen mit tollen Anwesen, dahinter direkt die Steilküste. Es war schon dunkel und plötzlich war ich an einem riesigen Grundstück mit genügend ebener Rasenfläche, sodass ich weit genug vom Haus entfernt wäre, als dass die Besitzer sich belästigt fühlen könnten. Ich hab Josi im obersten Teil der Einfahrt abgestellt, sodass sie gerade von der Straße runter war, und habe bestimmt zehn Minuten geklopft, geklingelt und gerufen. Nichts tat sich – obwohl im hinteren Teil Licht brannte. Mist. Und nun?

Versuche ich es beim Nachbarn, dessen Rasenfläche an die hiesige angrenzt – unterschiedlich ist nur die Rasenhöhe. Ein älterer Herr – Paul – erlaubt mir nach drei Sätzen, auf seinem Grundstück zu campen. Perfekt! Also wieder zurück zu Josi, um sie zu umzustellen und meinen Krams aufzubauen.

Paul in seiner Holzwerkstatt. Die fertigen Produkte verschenkt er.

Inzwischen aber ist Madame nach Hause gekommen, steht vor Josi und antwortet auf mein „Hello? Are you looking for me?“ fast bellend mit „Is that yours? What do you want? Who are you?“ Ich versuche, ihr zu erklären, dass ich ursprünglich bei ihr wegen des Zeltes anfragen wollte – „No! Not here! My parents are over 80!“ Yeah, right – in deren Bett wollte ich auch schlafen. Dann fordert sie noch, ich möge Josi von ihrer Einfahrt entfernen „Yes, mam, of course.“ Ich fahre Josi auf neutralen Grund am Straßenrand und bringe George zum ausgewählten Platz. Als ich wiederkomme, sehe ich zwei Gestalten bei Josi rumwuseln – sie und ihren ach so gebrechlichen Vater. Und sie macht doch tatsächlich ein Foto von Josi! Ich bin so sauer geworden – ich hatte nichts mehr mit ihrem Grundstück zu tun. Auf meine Frage, was das solle, warum sie ein Foto gemacht hat, antwortete sie „Ich wollte sehen, ob Sie tatsächlich umgeparkt haben.“ Was für ein elender Schwachsinn – das hat sie auch ohne Foto gesehen! Sie merkt das wohl selbst und versteckt sich von nun an hinter ihrem Vater – eine Frau von knapp 50 Jahren. Unsäglich – allein sowas macht mich ja schon rasend. Nun verhört er mich, was ich denn hier mache. Blöderweise kann er mir nichts, weil sein Nachbar mir ja seine Erlaubnis gegeben hat. Also schwenkt er um auf Josi – die könne so nicht stehenbleiben. Ach, und warum nicht? Das sei zu gefährlich. Ah ja – na, das ist ja wohl meine Entscheidung, ob ich das Risiko eingehe. Zwei Meilen weiter gebe es einen Platz, an dem ich sie parken könne. Ja, is klar – ich fahr da jetzt hin und laufe zwei Meilen im Dunklen zurück. Wohl kaum. Im Hellen übrigens auch nicht. Na, dann werde er wohl die Polizei rufen müssen, damit die darüber entscheidet. Ja, bitte gern – ich baue derweil weiter mein Zelt auf. Alter, bin ich inzwischen geladen – wie unglücklich müssen Leute sein, um sich derart anzupissen???

Zunächst kommt nur ein Beamter – ungewöhnlich. Er befragt mich, checkt Josi („Well, it’s not on their property.“ – „I know.“) und George („Well, this isn’t either.“ – „I know.“) Irritiert fragt er mich: „So, what do they want?“ Ich versuche, ihm die Sache nüchtern zu erklären, rege mich aber doch wieder etwas auf und sage zum Schluss: „I wish I knew. I guess they are quite unhappy.“ Und ich schwöre, ich hab ein Grinsen in seinem Gesicht gesehen.

Während er sich aufmacht, um mit den Leuten zu sprechen, baue ich mein Zelt weiter auf. Plötzlich leuchtet mir eine Taschenlampe ins Gesicht und ich frage „Is that you again?“ Die Antwort kommt von weiter weg aus Richtung des Doofen-Hauses: „No, that’s the handsome one – so it ain’t me.“ Yeah, sowas mag ich. Ich frage zurück: „So, you are not doing good cop – bad cop any more, but handsome cop – not handsome cop?“ Daraufhin der handsome cop am Ende der Taschenlampe: „Well, I’m bad, too!“ Großartig!

Wir drei haben dann noch ein wenig gequatscht, die blöden reichen Idioten haben den Polizisten (die sie selbst gerufen haben!!!) nicht einmal ihre Tür aufgemacht, ich hab Josi noch einen halben Meter von der Straße weggerückt und das war’s. Vollkommen unnötig, der ganze Scheiß – nur weil Töchterchen nicht loslassen konnte oder zu viel Schiss hatte und Väterchen wohl hoffte, dass die Polizei mit mir schimpfen würde. Ha, Freundchen, nicht mit mir! Ich kenn die Jungs 🙂

Am Morgen hab ich echt noch überlegt, der Schnepfe einen Zettel zu hinterlassen. Wahlweise einen bösen („Dein Leben muss echt scheiße sein, dass Du sowas nötig hast.“) oder einen netten („Dein Leben scheint gerade echt schwer zu sein – ich hoffe, es wird bald wieder besser.“) Aber wenn ich ehrlich bin, wäre der nette Zettel nur ein getarnter böser gewesen. Auch von der Bitte, mir doch das Foto zuzumailen, hab ich Abstand genommen.

Dafür hab ich den Anzeiger ihres Briefkastens hochgeklappt. Ha, das wird ihr zu denken geben – das wird sie so schnell nicht vergessen! Und wehe, der Postbote wirft Briefe ein!

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2 thoughts on “Blöde Kuh

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