Chrom, Kaffee, Karofliesen

Ich frag ja gern mal Wieso? Weshalb? Warum? Manchmal auch öfter – was durchaus anstrengend sein kann. Und wenn nicht das, dann der Umstand, dass ich Zwischenantworten zuweilen mit einem nachdenklich-vorwurfsvollen (und nie böse gemeinten!) „Aber das ist doch voll unlogisch!“ kommentiere und dann mit obigen Fragen wieder von vorn anfange.

Ich kann nichts dafür – ich will und brauche dann einfach Antworten. So war es auf meiner Tour, so ist es jetzt beim Schreiben meines Buches. Und ich finde, es spricht nichts dagegen, Dich an meinen Fragen und Antworten teilhaben zu lassen. Heute: American Diners.

In Salisbury, kurz vor der Grenze zu New Hamshire, fand ich ein kleines Juwel: Pat’s Diner. Das 1948 eröffnete Schnellrestaurant hat kein WLAN und akzeptiert keine Kreditkarten – und das im Jahr 2017 in den USA!

Dafür begrüßt Inhaberin Pat jeden Gast persönlich, hat von ihrem Platz am Tresen aus alles im Blick, lässt sich gern in einen Plausch verwickeln und auch mal mit besonders attraktiven Gästen fotografieren.

Der Hinweis, das Diner sei ein National Historic Diner, macht mich neugierig.

Diners stehen wie wohl nur wenige andere Dinge für den American way of life. Mir war gar nicht klar, dass die Schnellrestaurants, die man vorrangig im Mittleren Westen, an der Ostküste und im Nordosten der USA findet, Fertigbaurestaurants sind.

Einige der ersten Diners entstanden aus ausrangierten Speisewagen (= lunch oder dining cars) der Eisenbahn, was zur Bezeichnung diner führte. Ab dem späten 19. Jahrhundert wurden sie – ähnlich wie mobile homes – vorgefertigt und dann per Truck oder Zug an die gewünschte Stelle gesetzt. Wegen dieser Transporte und möglichen Umzüge sind die Diners meist relativ klein, schmal und lang. Außerdem kann man die Diner selbst an der kleinsten Ecke aufstellen und in Betrieb nehmen.

Natürlich gibt es in den USA auch ein American Diner Museum. Und wer vom Diner-Fieber gepackt wird, kann dort für einen knapp fünfstelligen Betrag seinen eigenen Diner-Wagen kaufen – start your own diner!

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Die Amerikaner sind so oberflächlich…

… wie ich pünktlich bin.

Wer mich kennt, liegt jetzt lachend und nach Luft schnappend am Boden – ich gebe Euch noch einen Moment, Euch zu beruhigen.

Ich muss das Thema einfach mal ansprechen, denn es regt mich echt auf. Wir hegen und pflegen dieses Oberflächlichkeitsklischee so liebevoll, sodass es ohne jede Daseinsberechtigung zum Dauerblüher geworden ist. Unser Argument: die berühmte „How are you?“-Frage, die in den Staaten tatsächlich immer gestellt wird. Wir Deutschen sind dann gern entrüstet: „Aber die Antwort interessiert sie überhaupt nicht!“ Böse, oberflächliche Amis.

Nö.

Zum einen finde ich es gut, dass diese Frage überhaupt gestellt wird. Je nachdem, wie einem grad ist und wie das Verhältnis zur fragenden Person ist, steht es jedem ja frei, mehr oder weniger offen zu antworten. Wird eine solche Frage gar nicht erst gestellt, werden wohl nur die Wenigsten mal eben so ihr Seelenleben ausbreiten.

Zum anderen wurde im Rahmen einer Studie (Quelle folgt!) festgestellt, dass 67% der Deutschen auf die Frage „Wie geht’s?“ mit „Gut.“ antworten, selbst wenn es ihnen nicht gut geht.* Was ihr gutes Recht ist – siehe oben. Aber meiner Meinung nach kann man nicht das Recht auf eine solche kleine Lüge für sich beanspruchen und sich dann darüber beschweren, dass sich jemand nicht für diese Lüge interessiert.

Wie ich jetzt darauf komme?

Im Juli 2017 hat legte mein Containerschiff Independent Spirit in Chester, Philadelphia, an. Unfasssbar, dass das bald zwei Jahre her ist… In den folgenden Wochen und Monaten habe ich die wunderbarsten Amerikaner kennengelernt. Zu den meisten von ihnen habe ich tatsächlich noch Kontakt und dafür staune ich voller Dankbarkeit.

Von Sherry aus Illinois, die mit der Horseshoe Bar den urigsten Pub im Mittleren Westen führt, habe ich vor einigen Tagen die witzigsten Pub-Shirts überhaupt bekommen.

Bisher darf ich nur das langärmelige anziehen (s. ganz oben), weil Gynsburgh die anderen für sich und seine Stummelärmchen reklamiert, aber noch habe ich Hoffnung, sie auch mal tragen zu dürfen.

„I got lei’d* at Horseshoe Bar
*hawaiianische Abwandlung von „laid“
„Ich wurde in der Horseshoe Bar flachgelegt“

Klar, dass Gynsburgh dieses Shirt liebt.
I would cuddle you so hard — Ich würd dich knuddeln wie verrückt.

Amin, der Taxifahrer, der mich auf der Suche nach Josi kühn durch die unbekannten Weiten des Baltimorer Frachthafens gefahren hat, füttert meinen Wunsch, mit dem Motorrad durch Pakistan zu fahren. Es ist sein Heimatland und muss atemberaubend schön sein.

Steve aus Berlin versorgt mich immer wieder montags mit Bildern, Musik und Anekdoten aus dem „Hotel Atlantic“ in Berlin – was war das für ein toller Abend damals!

Mit Chris, dem Bestatter aus Higginsville, Missouri, diskutiere ich online leidenschaftlich über das amerikanische Waffenrecht, mit Porky, dem wunderbar verrückten Motorradbastler aus Wyoming, der mich spontan bei sich beherbergt hat, über Trump und die Baufortschritte in seiner Scheune.

Gut, die Musikerin Spring, Mitglied der Starbuck’s Gang in in Keyport, New Jersey, hatte sich etwas zurückgezogen. Dafür hat sie in den letzten beiden Jahren sowohl den Schock über ihre Krebsdiagnose, als auch den Krebs selbst überwunden. Das lasse ich gelten.

Also, ich hab da drüben nichts Oberflächliches gefunden. Zumindest nicht mehr als hier in Deutschland.

Und jetzt versuche ich nochmal, an die kurzärmligen Shirts von Sherry ranzukommen.

___
*Kantar EMNID-Institut im Auftrag von chrismon: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2019/43282/umfrage-welche-luegen-lassen-sie-noch-durchgehen

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Steinbeck – ich, Rosinante – Josi, Charley – Gynsburgh. Noch Fragen?

Höchstens eine weitere Parallele: Nämlich, dass die von uns (wenn auch zeitlich knapp versetzt) unternommenen Reisen durch die USA viele gemeinsame Abschnitte hatten.

Gynsburgh hat seine Nähe zu Steinbeck und dessen Freunden ja bereits auf unserer Überfahrt in die Staaten entdeckt:

Wer ihn kennt, ahnt, dass es von da noch ein kleines bisschen schwerer mit dem Dicken auszuhalten war. Aber natürlich muss man ihn einfach lieben… Und meine Mutter konnte das ja nicht ahnen, als sie mir das Buch geschenkt hat. Das sich übrigens auch noch grandios liest.

Wie dem auch sei: Natürlich haben wir das Steinbeck-Museum in Salinas, Kalifornien, besucht und waren hellauf begeistert. Bücher und Filme sind hochspannend und kreativ dargestellt – wer in Kalifornien ist, muss da einfach hin.

Wer jetzt genug von Gynsburgh gesehen hat und noch mehr von Steinbeck sehen und erfahren will, wird hier fündig. Arte hat bis Ende April eine Doku über die Steinbecks Tour in der Mediathek.

Viel Spaß!


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Wer braucht schon Schnee…

… für gute Weihnachtstage?

Eben – das wirklich Gute geht auch ohne, was auch immer das für Dich sein mag.

Ich wünsche Dir schöne Weihnachtstage, die Du hoffentlich entspannt mit Deinen Herzensmenschen verbringen kannst!

Eva

PS.: Die Bilder stammen aus Mississippi (gegen Ende meiner Tour) und aus dem traumhaft schönen New Mexico (wo ich mein Herz an das Örtchen Jemez und seine Menschen verloren habe).

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Es liegt in der Familie. Angeblich.

Wer mich und meinen Bären Gynsburgh durch die USA begleitet hat, weiß, dass er zu allem eine Meinung hat – und natürlich die richtige. Sicher, davon kann ich mich auch nicht gänzlich freisprechen, aber jetzt fühlt der Kerl, der in Baggs, Colorado, ja sogar zum Hilfssheriff ernannt wurde, sich einmal mehr darin bestätigt, das Argumentieren in seinem Bärenblut zu haben.

In den Kinos läuft nämlich eine Reportage über eine Anwältin. Und obwohl das wie das Langweiligste auf Erden klingt, ist „RBG“ hochspannend, witzig und lehrreich. Der Film portraitiert die 85-jährige Ruth Bader Ginsburg – die derzeit einzige Frau am höchsten amerikanischen Gericht, dem neunköpfigen US-Supreme Court.

Dave Granlund / politicalcartoons.com

Diese Frau ist wirklich einzigartig und inzwischen eine Ikone junger progressiver US-Amerikaner – die produzieren schon Fanartikel wie Shirts, Tassen, Mini-RBGs!

http://www.scpr.org

Diese Papierbastelpuppen hatte ich früher als Pioniere!

http://blog.FCTRY.com

Schaut Euch den Trailer an und sucht vor allem fix ein Kino, in dem der Film läuft! Ich verspreche, dass es sich lohnt – und versuche inzwischen weiter, das unerträglich breite Grinsen in Gynsburghs Gesicht abzumildern – der Kerl behauptet doch allen Ernstes, mit Frau Ginsburg verwandt zu sein…

PS.: Einen Spielfilm gibt es ab März 2019 auch noch!

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