Der Übernachtungsreport – Teil II

Der geneigte Leser des Übernachtungsreports Teil I (wie jetzt: nicht gelesen??? Das geht ja gar nicht! Hier isser!) mag sich fragen, warum ich so einen Aufwand betreibe und George nicht einfach auf einem Campingplatz aufstelle – da gehören Zelte schließlich hin. Jep, die Frage ist berechtigt, an dem Einwand etwas dran. Und ich habe es tatsächlich probiert:

7. Campingplätze

Allerdings waren die ersten Male herbe Enttäuschungen. Das lag zum einen daran, dass ich in der Ferien- und Haupturlaubszeit in einer der beliebtesten Regionen überhaupt unterwegs war – Pech. Eine Person, ein Motorrad, ein Zelt: 60 bis 124 Dollar. Da kommt Freude auf! Wenn man denn überhaupt reingelassen wird. Viele nehmen keine Motorradfahrer (vielleicht wegen der lauten Harleys?) und keine Einzelübernachtungen an. Da fühlt man sich so richtig willkommen… In einem State Park wurden morgens um 8 Uhr die Rasenmäher und die Rasenkantenschneider in Gang gesetzt. Bis 11 Uhr – ungelogen. IN EINEM STATE PARK!!!

Der „Campingplatz am Meer“ – aber Baden verboten

An einigen Plätzen, die mich genommen hätten, wollte ich nicht bleiben. Oft waren es regelrechte Eventzentren mit Bespaßung und Musik in jedem Winkel. Und/ oder an belebten Straßen gelegen und somit auch auf diesem Kanal schweinelaut. Ganz ehrlich: Schlecht schlafen krieg ich auch billiger.

In der letzten Woche aber wurde mein Glaube an Campingplätze durch zwei Plätze wiederhergestellt. Beide klein, beide ein bisschen schraddelig, sehr naturnah und beide mit vielen liebevollen Details von den – so vermute ich – Dauerbewohnern.

Der zweite Platz lag nicht nur nicht (!) an der Hauptstraße, sondern richtig weit weg davon. Gegen 18 Uhr sah ich das Schild „Lakeside Camping 5 mi“. Na gut, ich kann ja auch mal früh irgendwo sein. Aus der Hauptstraße wurde eine Nebenstraße, daraus eine kleine Straße, daraus ein Schotterweg, daraus ein Sandweg. Aus 5 mi wurden 3, dann 2, dann wieder 3, dann 1. Die wildesten Gedanken gingen durch meinen Kopf: „Wenn ich die Einzige da bin, drehe ich wieder um.“ – „Hier draußen überlebt doch niemals ein amerikanischer Campingplatz!“ – „Warum kommt mir hier niemand entgegen? Ist das etwa ‚Camping im Hotel California‘? ‚You can check in any time you like but you can never leave?'“

Irgendwann war ich da und wurde an der Schranke von der versammelten Campingplatzjugend beäugt. Und wieder ein wilder Gedanke: „Die sind doch irgendwie komisch. Alle. Bestimmt Inzest. Die Familien kommen bestimmt seit Jahren hierher…“ Wie dem auch sei: Der Campingwart (seit 30 Jahren – ich sag’s ja!) war sehr nett, mein Platz in Ordnung, der gesamte Platz total entzückend und der See, in den ich gleich gesprungen bin, ein Traum. Und alles für 27,95 Dollar. Heute morgen habe ich nach meinem Morgenplantschen sogar einen Kaffee abstauben können. Ach, manchmal ist es fein, ein blonde German girl zu sein…

8. Kirchen

Ach ja, die Kirche(n) und ich – eine never ending story. Ich hab ja schon ein wenig ein schlechtes Gewissen, die so zu nutzen (auszunutzen?), wo ich doch sonst nix mehr mit ihr zu tun habe. Ein bisschen wie die Leute, die kirchlich heiraten, weil es ach so schön ist – sonst aber nie da sind. Na gut, Weihnachten. Egal. Von einigen „kirchlichen“ Übernachtungen hatte ich ja schon erzählt. Die eine Nacht am Friedhof, in der ich gar nicht schlafen konnte. Die Nacht, in der Pastor Edward mich einlud, auf dem Sofa eines Gemeinderaumes zu schlafen.

Und nun eine Nacht im Schatten einer katholischen Kirche in einer Kleinstadt. Sie war echt massiv, der Parkplatz dahinter riesig.

Dann ein Grasstreifen – und in der Ecke, die am verstecktesten war, ein Müllcontainer. Nun ja, das ist wohl die Buße, die fällig ist. Als George steht, bin ich ganz schön stolz – das könnte klappen. Josi steht hinter dem Container, auch perfekt.

An eine Sache allerdings hab ich nicht gedacht – so ein Mist:

Katholiken. Messe um acht. Ächz…

Also früh raus, damit ich rechtzeitig weg bin. Hat auch alles geklappt – nicht mal die Polizei kam vorbei. Ich fühle mich vernachlässigt.

9. Von Starbucks bis zum Pub

Was sich beim Essen und Trinken so ergibt, ist echt witzig. Einiges hatte ich schon erzählt – von der Starbucks Gang zum Beispiel und von Lisa und ihrer Schwester Bonnie. Neu sind die spontanen Einladungen von Lisa und Donny, wobei letzterer im Grunde nicht anders konnte, als mir Unterschlupf zu gewähren.

Hier war angeblich kein Platz mehr frei…

Nachdem ich einen Tag in den wunderschönen und kurvenreichen White Mountains in New Hampshire verbracht hatte, war mir nach einem Besuch in Berlin (ein Kaff, aber was soll’s) und einem Wein. Also beschloss ich, dass ich in Berlin schon was zum Übernachten finden würde – der örtliche Pub war schnell gefunden. Inzwischen bin ich es gewohnt, dass die Gespräche verstummen (ungelogen!) und alle kurz gucken. Na gut, ein Mädel in Motorradklamotten mit einem Tankrucksack unterm Arm, in dem ein anzüglich grinsender Plüschbär steckt, ist ja auch was. Ein frisch-fröhliches „Hey there!“ und die armen Menschen sind erlöst und können weiter essen und reden. So auch hier und mit einigen Leuten an der Bar bin ich ins Gespräch gekommen und habe gefragt, wo hier vielleicht ein Fleckchen für mich und mein Zelt sein könnte. Und nach einer Weile meinte Lisa, ich sei auf ihrem Rasen willkommen. Total genial! Spannend war, dass es für sie auch ein Abenteuer war – „I’ve never done anything like that before!“ Nun, ich hoffe, ich habe mich so benommen, dass sie es wieder tun würde. Liebste Grüße, Lisa!

 

Auch Donny habe ich in einem Pub kennengelernt – allerdings wurde ich an ihn verwiesen. Im kleinen Kaff Thornton saß ich nämlich an einem Abend, wieder mit dem Entschluss, hier was zu finden. Der Gin Tonic ließ eindeutig darauf schließen. Ziemlich bald hab ich mitbekommen, dass sich alle im Raum kennen – großartig. Also bin ich zur Kellnerin, die sehr sympathisch wirkte, und hab sie gefragt, wer von den Anwesenden wohl Platz für ein Zelt auf seinem Grundstück hätte – ich würde dann fragen… Brauchte ich gar nicht. Sie zupfte am Ärmel des Typen, der mit ihrem Verlobten rumalberte – das war dann Donny. Also nicht der Verlobte – der andere. Und Donny ist ihr Nachbar und sie kennt ihn seit Jahren. Sicherer konnte ich also gar nicht sein. Donny hat mir dann aber quasi verboten, auf seinem Rasen zu zelten, und mir seine Couch zur Verfügung gestellt. Heaven… Und die Dusche am Morgen! Und der Kaffee! Thank you, Donny, that was great!

 

So, die letzen vier Übernachtungsarten kommen in einem neuen Artikel – so viel auf einmal will doch kein Mensch lesen. Außerdem muss ich mich so langsam auf die Suche nach einer Schlafstätte machen 🙂

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2 thoughts on “Der Übernachtungsreport – Teil II

  1. Ha ha, ja genau die Situation kenne ich. Du gehst irgendwo rein ( Cafe,Pub) und alles verstummt. Wie in einem alten Western.
    Das letzte Mal passiert, hier in Probsteierhagen. Alle schauen dich an als wäre ich ein grünes schleimiges Alien. Herrlich.
    Viel Spass weiterhin.

  2. Pingback: Der Übernachtungsreport – Teil III – Eva-hin-und-weg

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