„Du bist so mutig!“

Wie oft habe ich diesen Satz gehört – vor meiner Reise von Freunden und Verwandten, auf meiner Reise von Menschen, denen ich begegnet bin. Er klingt toll, bewundernd und war sicher meist als Kompliment gemeint.

Aber ich habe mich dabei immer wieder gefühlt, als würde ich mich mit fremden Federn schmücken (lassen). Denn ich war nicht mutig, als ich diese Tour – mehr oder weniger – geplant habe und als ich losgefahren bin.

Zum einen wollte ich sie schon so lange machen, dass es mir absolut selbstverständlich schien, auch wirklich loszufahren. Natürlich war ich aufgeregt, aber es stand nie in Frage, ich musste mich nie überwinden. Zum anderen begibt man sich mit einer Reise in die USA ja nicht wirklich in Gefahr – auch nicht als allein reisende Frau. Und wenn, dann wird man von Deputy Sheriff Gynsburgh beschützt. Aber im Ernst: Es gibt da ganz andere Länder, die zu bereisen es tatsächlich Mut braucht.

Ich glaube, man ist nur dann mutig, wenn man eine Angst überwindet. Mich hat diese Reise keinen Mut gekostet – anderen wäre das anders gegangen. Die eine braucht Mut, um vor vielen Menschen zu sprechen, der andere nicht. Einer lässt sich ohne Probleme aus einem (funktionierenden!) Flugzeug fallen, die andere nimmt sich seit Jahren vor, endlich vom Zehner zu springen. Kriegt es einfach nicht hin – fährt aber ohne zu zögern für ein paar Monate allein durch die USA.

Wer sich überwindet, ist mutig. Weil er in erster Linie eben sich überwindet, in zweiter Linie seine Angst und erst in dritter Linie eine Sache.

Ich brauchte meinen Mut nicht zum Losfahren. Ich brauche ihn zum Zurückkommen.

Anfang September habe ich erfahren, dass mein Arbeitsverhältnis doch nicht ins Jahr 2018 reichen, sondern mit Dezember 2017 auslaufen wird. Alles ist korrekt gelaufen, es ist einfach das Leben. Und war natürlich trotzdem ein Schock. Ich musste mich entscheiden, wie ich jetzt, während meiner Tour, damit umgehe. Jede der ohnehin schon spärlichen Möglichkeiten nutzen, um ins Internet zu gehen, Stellen zu suchen, Bewerbungen zu schreiben und mögliche Termine dann doch nicht wahrnehmen können, weil ich grad nicht in Kiel bin? Und auf der Straße ständig an mögliche Stellen, Reaktionen oder nicht-Reaktionen denken und mir Strategien überlegen? Nein, danke – dann hätte ich die Tour auch gleich abbrechen können. Weil ich gedanklich nicht mehr hier in den USA gewesen wäre, die Menschen, Straßen und Landschaften nicht mehr wahrgenommen hätte und das Fahren auf Josi nicht mehr genossen hätte.

Keine Option.

Also habe ich mich dazu entschieden, das Thema beiseite zu schieben. Ganz bewusst und egal, wie unvernünftig das sein mochte (ja, Mama, ich hab mich beim Arbeitsamt gemeldet – alles soweit geregelt). Das hat mich einige tiefe Atemzüge gekostet – dafür habe ich Mut gebraucht.

Und ich brauche ihn in diesen Tagen vor dem Rückflug und in den ersten Wochen. Denn bisher hatte ich die Entscheidung ja nur getroffen – nun muss ich mit ihren Konsequenzen leben.

Es sagt sich leicht: Ich will ein Buch über die Tour schreiben. Bin ja arbeitslos, hab viel Zeit – ha! Aber irgendwoher muss ja auch genügend Geld kommen um zu leben und um meine Reise abzuzahlen. Ein Job mit 20 oder 25 Stunden, der das leistet und der genügend Zeit lässt zum Schreiben – das hätte ich gern. Um die Disziplin muss ich mich dann kümmern.

Also: Dafür sind bei mir jetzt Vertrauen und Mut gefragt. Denn hier hab ich tatsächlich Schiss.

Und gleichzeitig hab ich tierisch Lust darauf, dieses Buch zu schreiben! Ich wollte schon immer ein Buch schreiben, hatte aber nie ein Thema. Aus der Tour lässt sich eines machen – Ihr werdet den Prozess miterleben, wenn Ihr wollt.

Und dann kauft Ihr das Buch – is klar, ne?

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7 thoughts on “„Du bist so mutig!“

  1. Lucy

    Ich auch!
    Und ich verstehe Deinen Schiss vor der Rückkehr. Christopher fiel nach der Rückkehr in ein tiefes Loch, in dem er ebenfalls auf Jobsuche ging. 2 1/2 Monate später hatte er ihn, aber die ersten Wochen waren hart. Du kannst gerne zu mir kommen, wenn es zu schlimm wird. Und auch, wenn nicht. Also anytime 😊 Ich würde mich sehr darüber freuen. Ich hab auch kostenloses WLAN …

  2. Arthur Bächle

    Das Buch will ich sicher auch haben, schreibst Du mir, wenn es fertig ist…wann auch immer.
    Ich wünsche Dir einen guten Heimflug und ein gutes wenn auch erschwertes Wiederankommen in Kiel und „good luck“ bei der Suche nach einer Stelle
    Liebe Grüße
    Arthur

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