Ein Tag in Berlin

Nach meinem Morgenspaziergang – seufz, war das schön – lasse ich George stehen und mache mich auf nach Berlin. Die Stadt kann ich gar nicht links liegen lassen! Auf dem Weg dahin dann die absolute Beruhigung: freilaufende Pferde. Ich komme mir tatsächlich ein wenig vor wie in der Camargue, aber da sind sie wilder und scheuer. Die Pferde hier sind fast wie Indiens heilige Kühe: Sie legen den Verkehr lahm, laufen über den Campingplatz, kommen allem nahe, schnüffeln an allem rum, fressen bestimmt auch Lebensmittel. Egal – ist jetzt nicht mein Problem. Ich freu mich einfach dran.

 

Auf dem Weg nach Berlin gibt es wie überall bisher diverse „For sale“-Häuser – mich zieht es ja zu leer stehenden und verfallen(d)en Gebäuden. Hier ein paar Eindrücke vom Wegesrand:

 

Den Tag hab ich pendelnd zwischen zwei süßen Cafés, dem Restaurant des Atlantic Hotels und den Straßen Berlins verbracht. Es ist schon sehr touristisch, aber augenzwinkernd und sehr sympathisch. Eben „The coolest little town in America“.

 

Zur Krönung gab es dann ab dem frühen Abend Live-Musik im Atlantic Hotel. Die Gäste schienen alle locals zu sein – jeder begrüßte jeden mit großem Hallo. Ein altes Paar kam langsam und zittrig herein, er hatte die Hosen fast schon unter den Achseln. Ihr wisst, was ich meine. Aber als er plötzlich mit verschiedenen Instrumenten (gut) mitspielte und mitsang, war das vergessen. Sein schluchzendes „Do you know what it means to miss New Orleans“ war großer Kitsch und Gänsehautgarant zugleich. Der Höhepunkt des Abends aber: das Liebeslied für seine Frau. Die hatte das Ganze offenbar schon so oft gehört, dass sie gelangweilt in ihrer Tasche wühlte und schon ihre Jacke anzog. Kurz vor dem Refrain musste er ihr deshalb „Look at me, darling!“ zurufen, damit das Schmachten angemessen vonstattengehen konnte. Wir lagen am Boden vor Lachen.

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