„Have people been nice to you?“

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt – spannenderweise genau von den Menschen, die am allernettesten sind. Und damit meine ich nichts Aufgesetztes, Oberflächliches, sondern spontane und echte Herzlichkeit.

Der ersten, die mich mit ihrer Freundlichkeit sprachlos machten, waren Lisa und ihre Schwester Bonnie mit ihrer Freundin Tina und Lisas Tochter Catherine. Die vier und ich saßen in einem schnuckligen Diner an benachbarten Tischen und kamen ins Gespräch (natürlich über Gynsburgh, den Charmeur). Wir redeten eine Weile, dann brachen sie auf. Und beim Abschied lud Lisa mich ein, bei ihr in Niantic, Connecticut, zu übernachten, wenn ich möchte – sie ließ mir einfach ihre Nummer und Adresse da. Es war toll, so ein Angebot zu haben und gleichzeitig frei zu sein, es anzunehmen oder eben nicht! Etwa eineinhalb Stunden später bin ich tatsächlich dort aufgeschlagen, bekam das Hauptschlafzimmer ihres Ferienhauses, konnte in Ruhe duschen. Lisa machte mir einen tollen Wrap (mit Chips – oberlecker!), wir redeten eine Weile bei Wein und Knabberkrams, dann fiel ich ins Bett.

Am nächsten Morgen ausschlafen, Quiche-Frühstück im Garten und Aufbruch gegen Mittag – ich sag Euch, der fiel schwer. Ich habe die Mädels wirklich ins Herz geschlossen, und als Bonnie mir zum Abschied spontan eines ihrer Armband schenkte, war ich total gerührt. Ich bin ja sonst nicht so der Klimbimtyp und schon gar nicht für Armbänder – die sehen an meinen dünnen Handgelenken meist doof aus und sind bei Schreibtischarbeiten einfach nur unpraktisch. Aber das hier ist genial und ich trage es so gern – thank you, Bonnie!

 

Ebenso sprachlos haben Karen und Bryan mich gemacht. Ich hatte noch keinen wirklich guten Ort zum Übernachten gefunden – inzwischen war es halb zehn und dunkel. Also bin ich in Rockport, Massachussetts, in eine Nebenstraße eingebogen, um sie auf George-Tauglichkeit zu überprüfen und erblickte den Vorgarten eines Hauses, der richtig gut geeignet war. Also hab ich mir ein Herz gefasst und bin auf der Veranda einmal halb ums Haus rum – der Eingang war meerseitig (seufz…). Im Inneren sah ich eine junge Frau (also so alt wie ich ;-)) und ihren etwa dreijährigen Sohn. Ich hab geklopft, gefragt – und es war gar kein Problem. Sie hat mich sogar eingeladen, noch auf ein Glas Wein reinzuschauen, wenn das Zelt aufgebaut ist. Obwohl ich hundemüde war, hab ich das gemacht und es war richtig schön. Ihr Mann Bryan war inzwischen mit Pizza zurückgekommen (yeah!), hatte mir mit seinem Pickup den Zeltaufbau erleuchtet. Ein super nettes Paar, das sich mehrfach dafür entschuldigte, mir kein Gästezimmer anbieten zu können – unglaublich. Am nächsten Morgen durfte ich bei ihnen duschen und frühstücken, bevor sie mich zu einer Tour zu den nettesten Orten der Umgebung mitnahmen. Bryan stellt nebenbei Kerzen her und ich durfte Model für die Adventure-Anti-Mücken-Kerze sein. Die wird sich jetzt verkaufen wie verrückt 🙂

 

Die Kerzen produziert und vertreibt er zusammen mit Christina, die auch Schmuck herstellt. Und was soll ich sagen? Im Laden fand ich die perfekte Ergänzung zu Bonnies Armband. Das Steuerrad erinnert mich an meine Überfahrt hierher, der Spruch passt einfach und bei dem Glas denke ich oft, dass Zerbrochenes eine ganz eigene Schönheit entwickeln kann. Es sollte alles so sein.

 

Und ich hatte noch so viel mehr Begegnungen, die mehr als nett waren:

Da war der Mann, der mich in einem Café in Portsmouth, New Hampshire, ansprach: Er habe gesehen, wie ich Josi abgestellt habe, die Polizei sei dort viel unterwegs, er habe mal ein Ticket für mich gelöst.

Da ist der Polizist irgendwo in New Hampshire, der seine Antwort auf meine Frage, ob ich im Waldstück in der Nähe campen könne, beginnt mit: „Well, here’s the deal…“ Ich liebe solche Einleitungen – „eigentlich“ fällt in die gleiche Kategorie. (Damit kein Missverständnis entsteht: Ich wollte nicht wirklich um Erlaubnis fragen – ich wollte sie wissen lassen, dass ich da bin, damit sie mich nicht zu Unzeiten wecken. Hat geklappt 🙂

Von Pastor Edward, der mich in den Gemeinderäumen seiner Kirche in Hixville, Massachussetts, übernachten ließ, habe ich schon erzählt.

Ebenso von Oliver, aus Gloucester, Massachussetts, der mich in seinem Chevy fahren ließ.

Oder von John, der mir sein Cape Cod gezeigt hat.

Von Frankie aus New York, der mir allen Ernstes ein Hotelzimmer bezahlt hätte, wenn ich es denn angenommen hätte.

Von Richard aus Keyport, New Jersey, in dessen Gästezimmer ich selig schlafen durfte, während er unterwegs war.

Von den beiden Bibliotheksdamen hier in Kennebunkport, Maine, noch nicht – die haben mir heute Hinweise für das (verbotene) Zelten im Park sowie Hinweise auf Toiletten gegeben. So süß. Besonders, als die eine zur anderen sagte: „We should have done that when we were young!“

Ebensowenig wie von dem Paar, das ich heute an einem Lobster-Imbiss kennenlernte und das mir Empfehlungen für meine Tour schicken will.

Also: Have people been nice to me?

Yes, more than I could ever have hoped!

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5 thoughts on “„Have people been nice to you?“

  1. Sehr schön deine Erlebnisse zu verfolgen. Genau das ist es, was das Reisen ausmacht.Viele freundliche hilfsbereite Menschen. Ein wohltuendes Gegenteil zu den Nachrichten in den Medien. Die Welt ist halt doch anders und die meisten Menschen wollen auch nur in Frieden miteinander leben. Wünsch dir noch viele solcher tollen Momente.

    • Genau so ist es – es gibt unendlich viel mehr gute Menschen als blöde. Witzigerweise warnen immer die Leute vor allem Bösen in der Welt, die sich nicht vor die Haustür trauen…

      Liebe Grüße vom Frühstück im „Mornings in Paris“ in Kennebunkport, Maine!

  2. Arthur Bächle

    Liebe Eva,
    Du erlebst so viele wundervolle Begegnungen, oft spontan, manchmal überraschend, aber – fast – immer bereichernd für Dich, ich folge Deinen Beschreibungen mit Begeisterung. Den Spruch „Don`t wait for things to get….“hänge ich mir jetzt in Sichtweite in mein Zimmer, ich hätte ihn schon immer viel, viel, viel mehr befolgen müssen; es ist mir allzu selten geglückt; aber ich habe ja noch – hoffentlich – mindestens 20 Jahre Zeit, dies ab jetzt zu tun.
    Ich wünsche Dir weiterhin viele Begegnungen mit netten Menschen und endlich auch die Weite der Landschaft, die Du ja auch suchst. Herzliche Grüße Arthur

    • Lieber Arthur,
      danke für die guten Worte! Den Spruch hat Karen in ihrer Küche – er hat mich unmittelbar angesprochen.
      Ich wünsch Dir viel Erfolg beim Umsetzen!
      Liebe Grüße, Eva

  3. Pingback: Der Übernachtungsreport – Teil I – Eva-hin-und-weg

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