Higginsville, Missouri – das beste Lazarett

Ich liebe frühstücken. Das kann ich wirklich stundenlang tun – wobei das Frühstück und der Kaffee natürlich am besten zu mir kommen. Da dies auf dieser Reise eher nicht gegeben ist, vollbringe ich tatsächlich fast jeden Tag das Wunder, mich einigermaßen weltfein zu machen, George abzubauen und meinen Weg zum nächsten Kaffee zu finden. In diesem Fall bin ich in Waverly auf ein nettes Diner gestoßen – sehr lecker und sehr gemütlich:

Der Inhaber fand mich als deutsche Motorradreisende so spannend, dass er mir mein Frühstück spendierte – das war natürlich der Knaller. Und hat mich so erfreut, dass ich mal wieder mein Lieblingsmanöver durchgeführt habe: anfahren an einer Steigung und gleichzeitig in die Kurve gehen. Ich weiß nicht, wann ich lerne, dass ich da nicht gegen die Physik ankomme… Immerhin hab ich inzwischen gelernt, die fallende Josi sich selbst zu überlassen und Abstand zu nehmen. Nur hab ich diesmal leider mein Bein ordentlich am Rahmen gestoßen. Zuerst hab ich das gar nicht so richtig gemerkt, hab den beiden Jungs, die Josi wieder aufgerichtet haben, gedankt, „Ja, alles okay, wirklich!“ und bin losgefahren. Aber dann kam der Schmerz und zwar heftig. Bis auf Kopfschmerzen kann ich eigentlich ’ne Menge Schmerz ertragen, aber das hat mich an meine Grenzen gebracht. Ich hab fahrend unterm Helm geweint und gemerkt, dass ich nicht mehr weit komme. Ein Schild am Highway „Welcome to Higginsville! – 6 miles South“. Mist, ich wollte doch nach Nordwesten! Aber da kam erstmal nix, also blieb nur Higginsville. Wehe, da ist nichts, dann gibt es Ärger!

Und es gab tatsächlich einen richtigen Ort! Mein Lieblingsanlaufpunkt war wie immer die Bibliothek – es gab tatsächlich eine. Hier bin ich rein, noch mit Sonnenbrille und dem Versuch, ganz beherrscht zu sein. Bescheuert… Immerhin sah mein Schienbein inzwischen aus, als hätte ich ein weiteres Knie – da darf man auch leiden:


Miss Tina, die Bibliothekarin, hat sich rührend um mich gekümmert. Hat mir angeboten, dass ich bleiben könne, solange ich wollte. Hat Eis von einer Behörde nebenan besorgt. Hat mir schließlich angeboten, dass ich George auf dem Rasen der Bibliothek aufbauen und dort übernachten könnte. Dass ich in der Bibliothek meine Haare waschen könnte. Es war so wohltuend. Tina, thank you so very much for your great care!


Auch mein Liebster hat mich aus der Ferne bestens versorgt. Mit WhatsApp-Video-Untersuchungen und -Diagnosen, einem perfekten Versorgungsplan sowie regelmäßigen Check Ups. Ich küsse Dich!

Am ersten Tag war an Weiterfahren tatsächlich gar nicht zu denken. Also hab ich mich in der Bibliothek eingerichtet, dem Krabbelkreis zugeschaut und meine Mittagspause beim Mexikaner (ja, unglaublich, oder?) verbracht. Und bei ihm wieder eine Margarita probiert – der Traum geht weiter. Auch hier wurde ich mit Eis versorgt. Mit mehr als genug, um genau zu sein…

Besonders schön war, dass ich jetzt endlich mal Gelegenheit hatte, einen amerikanischen Rotary Club zu besuchen. Sonst war ich immer am falschen Tag vor Ort oder zur falschen Zeit oder war grad besonders ungeduscht oder hatte einfach keine Lust auf fremde Leute. Hier passte alles und es waren zwei unglaublich witzige Stunden, in denen ich mich sehr willkommen fühlte. Außerdem war es toll, Einblicke in die Arbeit des Clubs zu bekommen – die Mitglieder sind sehr aktiv und eng mit der Stadt verbunden. Thank you so very much for welcoming me – I wish I could have stayed longer!

Neben mir saß Chris, der ein Funeral Home betreibt – das ist ja in den USA etwas anders als bei uns. Das fand ich als Fan der Serie „Six feet under“ natürlich hochspannend und es war richtig cool, dass ich den Ort am nächsten Tag anschauen konnte. Thanx, Chris!

Ach, und dann musste ich auch weiter – es half ja alles nichts. Ich wär gern noch länger in Higginsville geblieben, zumal am kommenden Wochenende ein Rodeo stattfinden sollte. Schnief! Aber man kann nicht alles haben. Mein Bein war soweit okay, dass ich wieder laufen konnte, auch wenn länger Hochlegen bestimmt fein gewesen wäre.

Es ist schon verrückt, wie viele schöne Momente und Begegnungen aus so einem Motorrad-Umfaller entstehen können! Insofern nehm ich das alles gern in Kauf.

Thank you, Higginsville, it’s been great :-)!

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3 thoughts on “Higginsville, Missouri – das beste Lazarett

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