Ich hatte eine Farm…

… in Iowa…

Ach nein, das war etwas anderes. Ähm, Moment, jetzt: „Die Gewissheit, jemanden so zu lieben, hast du nur einmal in deinem Leben.“ Seufz… Das war soooo traurigschön… „Die Brücken am Fluss“, dieser Schmachtfetzen mit Clint und Meryl. Die beiden an der alten überdachten Holzbrücke… Ihre Hand an der Autotür… Hätte sie es wagen sollen? Oder doch nicht? Was ist besser – das bekannte Unglück oder das unbekannte Glück?


Wer den Film nicht kennt, hat tatsächlich etwas verpasst. Ich hab das Buch während meiner Au pair-Zeit Mitte der 90er gelesen – ich kann mich noch genau daran erinnern. Das Sofa im Wohnzimmer, die Sonne scheint (man ist ja nicht umsonst auf Kauai), der Blick auf den See und ich mit angezogenen Knien auf dem Sofa, weil es so dramatisch ist, dieselben Passagen und Seiten immer wieder lesend, nur um noch weiter so schön heulen zu können. Autor Robert James Waller soll mal verkündet haben, mit einem Schal an der Schreibmaschine gesessen zu haben, weil er selbst so weinen musste. Naja.

Aber all das ist zweitrangig, denn es geht um die Brücke! Um die schöne überdachte Holzbrücke, von denen es in den USA noch etwa 1.000 Stück gibt, über die Hälfte davon in den Neuenglandstaaten. Auch Europa hat welche – mehr Infos zum Thema hier. Die Brücke von Meryl und Clint ist in Iowa und ich hatte die ganze Zeit mit dem Gedanken gespielt, dort vorbeizufahren. Aber weil ich von Süden (Higginsville) kam, wo ich gerade zwei Tage wegen meines Beins verloren, nein – gewonnen, hatte, und weiter nach Nordwesten wollte, hab ich es gelassen – ich hätte nach Nordosten in Richtung Des Moines fahren müssen. Außerdem hatte ich ja schon in Neuengland einige dieser Brücken gesehen und z.T. durchfahren. Aber ihr habt sie noch nicht gesehen! Die Brücke in Iowa, die ich nun nicht gesehen habe, ist jetzt der perfekte Anlass 🙂

Zu allen Bildern müsst ihr euch vorstellen, dass es vor Ort wunderbar nach Holz riecht – warm, satt, voller Geborgenheit. Selbst wenn Autos durchfahren, ganz verrückt. Ach, vielleicht bin ich auch einfach verliebt in die Dinger, weil ich Holz so mag.
Die Brücken wurden überdacht, um die tragenden Balken vor Verwitterung zu schützen – sonst hätten sie alle paar Jahre erneuert werden müssen. Außerdem gingen die Tiere – ob Pferde oder ganze Herden – so leichter über die Brücke: Sie sahen das Wasser nicht und fühlten sich durch Dach und Seitenwände offenbar an ihre Ställe erinnert.

Manchmal führen die Brücken auch über Flüsse, die Staatengrenzen markieren, das ist dann irgendwie besonders cool.

Und es gibt relativ alte Inschriften. Allerdings hatte ich mir angesichts der Tatsache, dass es die Brücken ab dem frühen 19. Jahrhundert gab, noch ältere erhofft. Oder die waren einfach nicht mit einem Datum markiert…

Das hier ist die längste Holzbrücke der USA und die zweitlängste zweispurige überdachte Brücke der Welt (jaja, man muss nur die richtigen Kategorien finden, dann ist man immer ganz weit vorn!). Ihre Länge macht die Brücke zwar nicht zwingend schöner, aber beeindruckend ist sie trotzdem. Hört ihr das Hufeklappern der Pferde, die über (oder durch?) die Brücke geführt werden?

Schön ist, dass heute noch oder wieder überdachte Brücken gebaut werden. Wenn man bedenkt, dass es früher über 14.000 von ihnen gab, ist da wirklich noch Luft nach oben. Einige neue habe ich entdeckt und auch einige süße kleine Nachbauten:

Ich hoffe, ich hab euch damit jetzt nicht gelangweilt… Für mich gehören die Brücken zur Reise, deshalb mussten sie unbedingt noch rein. Und ihr könnt ja jetzt auf Entdeckungsreise gehen und überdachte Brücken in Deutschland (meine deutschen Leser) und im Rest der USA (meine amerikanischen Leser) gehen :-).

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4 thoughts on “Ich hatte eine Farm…

  1. Philipp

    Hab ich mit meinem Kumpel (2 harte Kerle!!!) angeschaut als wir 19 Jahre alt waren… Und wir hatten keine Taschentücher bei…Das T- Shirt tat es auch…
    Ergreifend…

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