Mondzeit

Plötzlich ist das Ende der Überfahrt in Sicht. Land noch nicht – immerhin. Und Netz hab ich auch noch nicht. Aber die ersten Frachter sind am Horizont zu sehen, während wir in den letzten Tagen komplett allein auf dem Atlantik waren. Die ersten Funksprüche sind zu hören, die Crew ist im Endspurt für die Inspektion in Chester, und der Kapitän gibt mir die Dokumente für den Zoll und für das Homeland Department. Ich überlege noch, ob ich tatsächlich einen Anschlag plane und die bei meinen Kontaktlinsen versteckten Waffen angebe. Den Sinn dieser Fragen habe ich nie verstanden – die entsprechenden Leute haben doch keine Skrupel, bei diesen Fragen zu lügen…

Heute ist Freitag, am Montagabend sollen wir im Hafen anlegen, am Dienstagvormittag dann von Bord können. Jetzt muss ich mir sagen, dass es immerhin noch zweieinhalb volle Seetage sind – und das ist ja nicht wenig. Mist, ich mag diese Art, von A nach B zu kommen; ich will mehr davon… Wo sonst kann man einfach aus der Luke krabbeln und einen mondbeschienen Ozean atmen?

 

Wie dem auch sei – heute habe ich nochmal Wäsche gewaschen und endlich die Protektoren in meinen Motorradanzug befördert – schließlich gehören sie dahin, aber ich habe es vor meiner Abfahrt einfach nicht geschafft. Und ich muss den Anzug nochmal imprägnieren. Die 80-Euro-Supersonderimprägnierung bei einer Reinigung in Kiel hat mich trocken bis Kaltenkirchen gebracht. In Großenaspe fing der Regen an. Gutgläubig, wie ich bin, habe ich meinen Regenanzug nicht mitgenommen – wozu auch bei einer 80-Euro-Supersonderimprägnierung? Na, ich werde in den USA etwas finden, wenn es nötig ist. Aber ich mag diese Ganzkörperkondome auch nicht wirklich, sie sind unhandlich und man schwitzt sich tot. Ein Grund, weshalb ich die 80-Euro-Supersonder… na, lassen wir das.

Hab ich schon vom Fahren durch die verschiedenen Zeitzonen erzählt? Das geht so:

 

Genau. So geht das.

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