Nachmacher, Nachmacher!

Ich gestehe: Ich bin eine Nachmacherin.

Und schiebe noch zwei Selbstverständlichkeiten hinterher. Erstens: Manchmal ist Nachmachen okay. Großartig sogar. Zweitens: Wir alle sollten Menschen haben, denen wir das eine oder andere nachmachen wollen.

In meiner Kindheit wurde oft die Frage „Und wer ist dein Vorbild?“ gestellt.  Fragt man das heute noch? Ich weiß, dass ich Juri Gagarin toll fand, weil er so mutig war. Und Gerlinde, die Heldin des Buches „Gerlinde der Jockey“ – die hat sich in der Männerdomäne Rennreiten durchgesetzt.

Heute spricht man wohl eher und cooler von Menschen, die einen inspirieren. Die Inspiration kann die gesamte Lebensweise betreffen, muss sie aber nicht.

Zwei Menschen haben mich in den vergangenen zwölf Monaten inspiriert. Weil sie ihren Traum umgesetzt haben und ihn leben – und dafür Einschränkungen und Mühen auf sich nehmen. Eben weil es der Preis ist.

Zum einen ein Bekannter, der mir hier in Kiel immer wieder über den Weg läuft. Manchmal sitzt er tagsüber draußen, einen Kaffee vor sich, eine Zeitung in der Hand und offenbar alle Zeit der Welt. Und das ist genau das, was er will: Zeit haben zum Leben. Er hat sich zwei Teilzeitjobs gesucht, durch die er mit Sicherheit nicht reich wird, die ihm aber auch noch Spaß machen. Und er lebt – hier und jetzt. Nicht vielleicht irgendwann in der Rentenzeit. Er strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Der zweite Mensch, der mich nachhaltig inspiriert hat, ist Biggi aus Luckenwalde. Wo sie aber schon lange nicht mehr ist. Seit ihrer Jugend wollte sie im Land der Weite, Pferde, Cowboys und Indianer leben – und das macht sie seit vielen, vielen Jahren. Ich habe sie allerdings nicht zu Pferde kennengelernt, sondern hinter dem Tresen einer Bar im kleinen Örtchen Dubois (gesprochen Dübeus, ohne Scheiß) in Wyoming, USA. Das ist einer von zwei Jobs, die sie hat, um ihren Traum zu ermöglichen. Der zweite Job hat sogar mit Pferden zu tun – sie organisiert Reiterferien auf Ranches. Biggi hat mehrere Pferde. Seht Ihr sie vor Euch, wie sie glücklich und entspannt durch Wyoming reitet? Jep, genau so.

Ich saß wegen eines Schneesturms in Dubois fest, und so konnten wir uns nochmal auf einen Plausch in einem kleinen Café treffen. Und als ich ihr dort zuhörte, hat sich etwas in mir eingenistet. Ein leises Gefühl von „Es geht. Wenn man will, geht es.“ Was auch immer es ist.

Biggi hat mich zu dem Modell inspiriert, das ich jetzt ausprobiere. Ich will mein Buch schreiben – dafür brauche ich mehr Zeit als ein Vollzeitjob bietet. Und Geld, um die Lebensgrundlagen zu sichern. Deshalb jetzt der Teilzeitjob bei POLO Motorrad. Ich muss mir noch was einfallen lassen, damit noch etwas Geld dazukommt. Das wird sich finden.

 

PS.: Ich finde, dieser 106-Jährige taugt allemal als Vorbild:

106-Year-Old Great-Great-Grandfather Breaks Zip Line World Record

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Bild: (c) praxis-herzerfrischend.de

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