On the road – finally

Und endlich, endlich ist alles bereit für den Start! Sicher wäre es klug gewesen, am Vorabend zu packen und früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen und früh loszufahren. Weil dann die Straßen leer sind und die Temperatur noch unter 30°. Aber klug ist eine Sache – meine Morgenabläufe eine andere. Aber was soll’s – ich brauche meine Zeit zum Wachwerden und Asphalt ist auch nur dann schön, wenn er die 30° von unten zurückstrahlt.

Beim obligatorischen Kaffee hab ich innerlich Abschied vom Hostel und den Leuten genommen, die ich dort kennengelernt habe. Die unterschiedlichsten Menschen übrigens – natürlich auch die obligatorischen deutschen Mädels, die nach dem Abi durch die USA reisen. Aber auch die Frau, deren Bruder gestorben ist – sie räumte sein Haus aus. Der Mann, der aus New York wegziehen will. Die Mieten und Lebenshaltunskosten steigen offenbar ins Unermessliche, nun sucht er in Baltimore nach einem Haus für sich. Der Immobilienmakler, der seine Lizenzen erneuern muss. Der Lehrer, der drei Tage pro Woche in New York arbeitet und zwei in Baltimore. Er nimmt dafür je drei Stunden Fahrt und das Wohnen im Hostel auf sich – weil er hofft, dass die Stelle in Baltimore sich irgendwann zu einer Vollzeitstelle entwickelt.

 

Mögen sie ihr Glück finden – ich hab meines :-). In der Mittagshitze geht es auf in den Wochenendverkehr – ist ja zu Hause auch die beste Zeit, um sich auf die A7 zu begeben. Ich krieg gleich zwei totale Extreme: kilometerlange Stau und absolute Raserphasen. Im Stau gehe ich in meinen Klamotten fast ein, aber weil ich mich schon ein bisschen heimisch fühle, nehme ich den Seitenstreifen. In den Phasen, in denen gefahren werden kann, bin ich platt – die Amis rasen wie verrückt, überholen auf allen Seiten, gern auch im Slalom. Das Konzept des Sicherheitsabstandes scheint unbekannt: Tut sich mal aus Versehen so viel Platz auf, dass er diese Funktion erfüllen könnte, wird es sofort als Einladung zum Einscheren verstanden. Das ist kein Fahren, das ist Speedkuscheln.

Das ist echt nicht meins und ich fahre so schnell wie möglich wieder runter. Tanke (eine Füllung = 7 Dollar). Cruise ein wenig durch die Gegend – viel besser. Und schaue so langsam nach einem Schlafplatz, ich will es wagen. Fahre in eine Nebenstraße, von da in einen Nebenweg, von da in einen Nebenpfad. Kein Mensch, viel Grün, viel Ruhe, ein Tümpel. Natürlich will ich wissen, was auf der anderen Seite des Tümpels ist – wobei ich nicht weiß, ob ich da lieber Menschen hätte oder lieber nicht.

 

Die Nacht ist irgendwas zwischen verzaubert und sehr irdisch: Ganz viele Glühwürmchen fliegen auf dem Platz herum, der Sternenhimmel ist wunderschön. Die Grillen veranstalten ein Konzert in Wacken-Lautstärke und bei jedem Geräusch fürchte ich, dass nun doch jemand kommt – in welcher Absicht auch immer. Aber alles geht gut und ich muss zugeben, dass ich doch ein wenig stolz bin, das gewagt zu haben, zumal ich es öfter machen will.

 

Ohrenstöpsel helfen übrigens phantastisch gegen Mücken. Nein, nicht gegen die Stiche – aber man hört die Mistviecher nicht und schläft ganz ruhig. Man ist dann am nächsten Morgen auch fit genug, um die Verwüstungen im Spiegel zu ertragen und um zu versuchen, die Stiche zu zählen. Mein Auge schwoll immer weiter zu, auf der linken Wange hatte ich neun Stiche. Hab dann nicht mehr weitergezählt – wollte ja irgendwann loskommen 🙂

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2 thoughts on “On the road – finally

  1. Arthur Bächle

    Liebe Eva,
    ein furioser Auftakt heute; wie ich Dich mittlerweile von den ersten Tagen der Amerikatour erlebe, wirst Du weiterhin das Abenteuer suchen. Ich wünsche Dir viel viel Glück dabei….und trotzdem, pass auf Dich auf.
    Herzliche Grüße aus dem fernen Germany
    Arthur

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