Ein ganzes ganzes Jahr.

Ein Jahr ist er her – der Aufbruch aus Kiel in mein großes Abenteuer.

Ja, ich weiß, dass die Zeit schneller vergeht, wenn man älter wird, aber sooo schnell??

Packen in Eile, weil natürlich alles viel knapper ist als geplant. 19 Uhr wollte ich los, es wurde 23 Uhr. 01:50 Uhr Ankunft in Tostedt, Übernachtung bei Cornelia, einer wunderbaren Studienfreundin.

Am nächsten Morgen weiter nach Bremerhaven – Josi abgeben. Meine Kleine fährt auf einem anderen Schiff über den Atlantik als ich, schnief…

Und ich mache mich mit dem ganzen Gepäck auf nach Antwerpen, wo die Independent Spirit auf mich wartet.

(Hier ist alles ausführlicher.)

Mehr braucht man nicht für ein halbes Jahr. Na gut, das Motorrad dann doch noch.

Eines muss ich gestehen: Wenn ich mehr Kohle hätte und weniger Schatz, würde ich sofort wieder losfahren. Die gleiche Strecke nochmal, diesmal aber mit viel mehr Zeit und hoffentlich mit ganz Wyoming, mit Montana, mit dem Crater Lake in Oregon.

Ich hab Sehnsucht.

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Vom 16-Bett-Zimmer in die Eigner-Suite

Am nächsten Morgen gehe ich zurück zum Bahnhof, wo ich gestern die Hälfte meines Gepäcks in einem Schließfach gelassen habe. Beim besten Willen hätte ich nicht alles zum Hostel tragen können – und was soll ich da auch mit Zelt und Helm?

Ich gönne mir noch einige Stunden in einem Café um zu arbeiten. Ich liebe diese Stunden, in denen ich noch nicht wirklich irgendwohin muss, es sind richtige Zeitoasen. Und zum Glück stört es auch niemanden, dass ich meine Motorradstiefel ausziehe, um die Socken ausdampfen zu lassen. Die Pflanze in der Ecke sah vorher schon so schlecht aus – isch schwöre!

Der Ehrlichkeit halber muss ich aber zugeben, dass ich in diesen Stunden nicht nur entspannt bin. Wie immer vor großen Reisen oder verrückten Unternehmungen kriege ich kurz davor Panik, frage mich, warum ich meinen Arsch nicht zu Hause lassen kann wie andere Leute auch und was ich hier eigentlich tue. Oder habe ich irgendwelche Dokumente vergessen, sodass alles platzt und ich zurück nach Kiel schleichen muss? Zum Glück geht das Ganze bald wieder vorbei – der Satz „Augen auf und durch“ reicht in der Regel. Und meist wird es dann ja auch super und ich bin heilfroh, dass mein Hintern und ich nicht zu Hause geblieben sind.

Mit einem Taxi und all meinem Hab und Gut fahre ich am frühen Nachmittag zum Hafen – fest entschlossen, mein Gepäck dort oder sogar auf dem Schiff zu lassen. Auf dem Weg erfahre ich, dass wir erst Mittwochmorgen ablegen werden und ich an Bord abendessen und übernachten kann. Wahnsinn!

 

Meine Kabine ist richtig schön groß – es ist perfekt. Dazu ein kleines, aber ausreichendes Badezimmer mit Dusche und insgesamt drei Fenster, zwei nach hinten raus (noch spreche ich landrattisch), eines nach links. Alles unverstellt von Containern. Es hat sich gelohnt, die Eigner-Suite für knapp 100 Euro pro Tag zu nehmen. Als Abendessen (ich habe hier Vollpension) gibt es Gulasch mit Kartoffelbrei – gute Hausmannskost. Lecker 😊.

Nach einem kurzen Besuch auf der Brücke falle ich recht bald ins Bett. Noch liegen wir ja im Hafen von Antwerpen, morgen Vormittag soll es losgehen. Und ich bin ganz schön erledigt. Zur Nacht gibt es hier noch ein paar Bilder aus dem Hafen und von der Beladung.

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Two nights in Antwerp

Irgendwo zwischen Großbritannien und Irland – mit Liverpool im Rücken – versuche ich mal, diesen Bericht noch zu Euch zu schicken. Es ist herrlich altmodisch, so weit rückblickend zu erzählen – scheiß auf zeitgleich und hyperaktuell. Da es hier ohnehin nicht anders geht und der nächste Bericht wohl erst von der US-Küste kommt, machen wir jetzt einen auf retro. Ich liebe es!
Die Bilder haken m.E. ein wenig – das bringe ich jenseits des Atlantiks in Ordnung.

Liverpool, 30. Juni
Ihr Lieben, ich bin in Liverpool, sitze auf der Brücke meines Frachters, habe die ersten beiden Tage und Nächte auf See ohne jede Übelkeit hinter mir – jippieh!

Weil ich es aber nicht komplett durcheinander berichten will und ich nicht weiß, wie lange mir das gute alte Internet noch zur Verfügung steht, kommen jetzt erstmal die Eindrücke aus Antwerpen. Dahin wurde ja mein Startpunkt verlegt, mein Abenteuer hat also nicht erst in der Neuen, sondern schon der Alten Welt begonnen 🙂

Antwerpen, 26. Juni
Antwerpen ist schön. Ich habe zwar nicht viel von dieser alten Stadt gesehen, aber das, was ich gesehen habe, war aufgrund meines Gepäckschleppschneckentempos sehr intensiv. Ein wenig marode (Antwerpen, meine ich. Na gut, ich auch…), aber liebevoll in vielen Details. Die flandrische Architektur ist wunderschön und der ehemalige Reichtum überall sichtbar.

Die letzten beiden Punkte treffen auf mein Hostel leider nicht zu, aber ich habe es auch nicht nach Schönheit ausgesucht. Für 21 Euro inkl. Frühstück ist es vollkommen in Ordnung, zumal es wirklich im Zentrum der Altstadt liegt. Ich habe ein Bett in einem 16-Betten-Raum – zum Glück ist außer mir nur eine Dame anwesend. Die beiden entsprechenden Herren-Räume hingegen scheinen voll belegt. Ob das junge Flüchtlinge sind? Ich bin zu müde für ein entsprechendes Gespräch.
Sobald es dunkel wird, habe ich von meinem Bett aus den schönsten Blick zum Einschlafen – die verzierten Zinnen der alten Häuser am Grote Markt.

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Noch 1 Tag…

… und das bedeutet: MORGEN!

Es ist unglaublich, dass jetzt alles so nah ist. Ich schreibe diese Zeilen in Aachen, wo ich auf meiner Reise von Kiel nach Antwerpen bei meiner Schwester und meinen drei Neffen übernachtet habe. Die letzte Nacht auf deutschem Boden – heute geht es weiter nach Antwerpen, wo mein Schiff „Independent Spirit“ in See sticht.

Aber der Reihe nach. Nach einer Erledigungs- und Packorgie bin ich Freitagnacht gegen 23 Uhr aus Kiel losgefahren.

Geplant war 19 Uhr – aber wie war das mit Gott und den Plänen? Und obwohl ich erst um 1:30 Uhr bei meiner Studienfreundin Cornelia in Tostedt ankam, hat der Ritt durch Nacht und Regen sich gelohnt, weil ich den Samstag etwas entspannter angehen konnte.

Bis 12 Uhr sollte Josi am Terminal in Bremerhaven sein – 11:45 Uhr waren wir da. Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss 🙂

So beeindruckend das Containerhafengelände auch war, so schwer fiel mir doch der Abschied von Josi. Auf Wiedersehen in der Neuen Welt! Und weil ich nun das gesamte Gepäck allein ohne fahrbaren Untersatz nach Antwerpen bringen musste, wurde der Abschied von ihr im wahrsten Sinne des Wortes mit jedem Schritt schwerer… Viel weiter ging es an diesem Samstag auch nicht mehr – nur mit Taxifahrer Ted ins Havenhostel, wo ich ein 6-Bett-Zimmer ganz für mich allein hatte.

Gestern – Sonntag – weiter. Ziel: So weit die Kräfte reichen.

Also von Bremerhaven mit dem Zug nach Bremen, von da mit dem Flixbus nach Dortmund, von da mit dem Zug nach Aachen, von da mit Chauffeur (Schwager Dominik) ans Tagesziel. Ein Traum…

Heute – Montag – geht es mit dem Zug nach Antwerpen. Das zweimalige Umsteigen werde ich hoffentlich schaffen – ich hab überall Muskelkater vom gestrigen Schlepperballett. In Antwerpen werde ich mich wieder in ein Hostel einmieten und kurz mit meinem Agenten (jawohl :-)) sprechen. Dienstagabend oder Mittwochmorgen soll das Schiff starten – bei Containerschiffen ist immer etwas Spiel.

Ich werde berichten!

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