Gute Zeiten für „book sniffers“

„Ich habe mir den Himmel immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“ Recht hat Borges, anders kann ein Himmel gar nicht aussehen.

Einblicke in den New Yorker Bücherhimmel, die Public Library, erlaubt der Film „Ex libris: The New York Public Library“, der heute in die guten Kinos kommt.

Ein Blick hinter die Kulissen und ins Publikum, wie er spannender kaum sein kann.

Für Bücherschnüffler und -liebhaber.

 

PS.: Wie meine Zeit in New York war? Anders, aber auch toll: http://eva-hin-und-weg.de/zwei-die-nicht-schlafen-und-frankie

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Wyoming is callin‘!

Jetzt hab ich auch wirklich lang genug damit gewartet, diesen Abschnitt zu schreiben – Ihr solltet inzwischen ähnliche Temperaturen haben wie ich damals, um Euch alles so richtig schön vorstellen zu können.
Nein, Quatsch, ich hab’s nicht früher geschafft. Aber temperaturmäßig passt es tatsächlich ganz gut 🙂

Wir sind noch immer in South Dakota, in der südwestlichsten Ecke. Frisch war es ja schon in den Badlands geworden, den ersten Nachtfrost gab es bei Porky. Weil es aber erst Mitte September war, hatte ich noch immer die Hoffnung auf warme Herbsttage und erträgliche Nächte. Schließlich wollte ich in den atemberaubenden Teton Nationalpark, durch den Yellowstone in Wyoming und dann in Montana den Indian Summer erleben. Ich Greenhorn.

In dieser Ecke South Dakotas kommt man natürlich nicht an Mt. Rushmore vorbei. Also, man kommt vorbei – aber man kommt im Grunde nicht daran vorbei, das Ding anzusehen. Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, extra dorthin zu fahren, um mir in Stein gehauene Köpfe anzuschauen. Dementsprechend fiel es mir auch sehr leicht, nach dem Blick auf die Jungs aus der ewig langen Schlange zum Monument auszuscheren…

… und weiter in Richtung Black Hills National Forest zu fahren. Tolle Straßen, viele Kurven und immer wieder perfekte Blicke auf Mt. Rushmore – ohne Wartezeiten.

Außerdem sind die Herren Präsidenten ohnehin auf jeder Straße präsent:

Von da an ging es nach Südwesten in Richtung Teton. Und ebenfalls von da an wurden die Nächte immer kälter. In Newcastle, Wyoming, dachte ich, das Plätzchen in einer geschützten Ecke an einer Kirche würde helfen, etwas Wärme im Zelt zu halten, aber Pustekuchen. Ich hab noch nie so gefroren. Allerhand Ratschläge gingen mir durch den Kopf und glaubt mir: Ich hab sie alle ausprobiert. Klamotten an, Klamotten aus, das ja, das nein – ich hätte sogar einen Kopfstand gemacht, wenn es geholfen hätte.

Um 4:12 Uhr hab ich aufgegeben, mich angezogen und bin durch die klirrend kalte Nacht mit klarem Himmel die Hauptstraße auf- und abgegangen. Dabei hab ich entdeckt, dass Wacken offenbar Ableger hat :-).

Die Lady, die ihren Coffee Shop  schon um 5:45 Uhr öffnete statt um 6:00 Uhr, hätte ich knutschen können. Da hab ich mich dann erstmal eineinhalb Stunden aufgewärmt und gefrühstückt, bevor ich zur Kirche zurück bin, um George zu holen. Aber wenn ich dachte, es könne nicht kälter werden, sollte ich noch zweimal eines besseren belehrt werden…

Bevor es soweit war, konnte ich auf dem Weg nach Casper, Wyoming, schönste Weite genießen. Da hat das klare Wetter ja auch seine guten Seiten… Am liebsten würde ich Euch die Bilder ganz groß und leuchtend hier in den Beitrag kopieren, aber ich hoffe, dass sie auch so wirken:

Als ich – schon im Dunklen – in Casper ankam, machte ich mich naiv zuversichtlich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Ich wusste noch nicht, dass es die schlimmste Nacht meiner (bisherigen) Reise werden sollte… Zunächst bin ich auf einen Hügel gefahren – schöne Ausblicke sind ja was Feines. Das Wohngebiet dort war allerdings so angelegt, dass ich keine Lücke für mich fand. Eine große, zugewachsene Wiese wäre eine Option gewesen – wir ignorieren jetzt bitte die Hunde, die dort in unserer Vorstellung rumhüpfen und mehr. Aber da oben pfiff ein kalter Wind, echt unangenehm, und der hätte die ganze Zeit entweder an mir oder an George gerüttelt. Auch nicht schön. Also weiter – und siehe da: ein größerer Kirchenkomplex. Mit Spielplatz, Garten, Hinterhof, allen Schikanen. Zuerst packte ich mich unter einen Baum – Mist immer noch der Wind. Also irgendwo eine windgeschützte Ecke suchen – aber es war einfach keine zu finden. Unglaublich.

Egal, wohinter ich mich versteckte: Der Wind wehte kalt über mich rüber. Also runter in die Stadt – vielleicht gibt es bei der Bibliothek eine gute Ecke? Dreimal umrundet: Nein. Unglaublich. Wind, Wind, Wind. Aber was ist das? Eine von allen vier Seiten von Plexiglas umgebene Bushaltestelle? Meine! Schlaf ich halt mal in einer Haltestelle, Hauptsache, ich kriege Schlaf! Inzwischen war es zwei Uhr und ich echt zermürbt. Ich wunderte mich kurz darüber, dass kein Obdachloser in der Haltestelle schlief, wusste aber auch bald, warum. Der Wind kam nicht nur durch die 20 cm hohe Lücke am Boden rein, die Verwirbelungen drinnen waren dann richtig schön. Alter, ich war durch. Später habe ich erfahren, dass Casper eine der windigsten Städte der USA ist. Ich würde wahnsinnig, wenn ich dort leben müsste!

Erklärung und Quelle hier.

Und während die Polizei sonst immer zu mir kommt, bin ich diesmal zu ihr gegangen – absolut ratlos, wo ich die letzten Stunden der Nacht verbringen sollte. Geld ausgeben wollte ich trotz allem nicht.

Ihr werdet es kaum glauben:

  • Die Polizeistation war offen.
  • Sie war warm.
  • Es war kein Mensch da.
  • Ich fand eine Möglichkeit, mich auszustrecken. Man wird ja bescheiden.

Und so schlief ich erschöpft und froh mit folgendem Bild vor Augen ein:


Selige Stunden von 2:30 bis 5:00 Uhr – was für ein Luxus!

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Higginsville, Missouri – das beste Lazarett

Ich liebe frühstücken. Das kann ich wirklich stundenlang tun – wobei das Frühstück und der Kaffee natürlich am besten zu mir kommen. Da dies auf dieser Reise eher nicht gegeben ist, vollbringe ich tatsächlich fast jeden Tag das Wunder, mich einigermaßen weltfein zu machen, George abzubauen und meinen Weg zum nächsten Kaffee zu finden. In diesem Fall bin ich in Waverly auf ein nettes Diner gestoßen – sehr lecker und sehr gemütlich:

Der Inhaber fand mich als deutsche Motorradreisende so spannend, dass er mir mein Frühstück spendierte – das war natürlich der Knaller. Und hat mich so erfreut, dass ich mal wieder mein Lieblingsmanöver durchgeführt habe: anfahren an einer Steigung und gleichzeitig in die Kurve gehen. Ich weiß nicht, wann ich lerne, dass ich da nicht gegen die Physik ankomme… Immerhin hab ich inzwischen gelernt, die fallende Josi sich selbst zu überlassen und Abstand zu nehmen. Nur hab ich diesmal leider mein Bein ordentlich am Rahmen gestoßen. Zuerst hab ich das gar nicht so richtig gemerkt, hab den beiden Jungs, die Josi wieder aufgerichtet haben, gedankt, „Ja, alles okay, wirklich!“ und bin losgefahren. Aber dann kam der Schmerz und zwar heftig. Bis auf Kopfschmerzen kann ich eigentlich ’ne Menge Schmerz ertragen, aber das hat mich an meine Grenzen gebracht. Ich hab fahrend unterm Helm geweint und gemerkt, dass ich nicht mehr weit komme. Ein Schild am Highway „Welcome to Higginsville! – 6 miles South“. Mist, ich wollte doch nach Nordwesten! Aber da kam erstmal nix, also blieb nur Higginsville. Wehe, da ist nichts, dann gibt es Ärger!

Und es gab tatsächlich einen richtigen Ort! Mein Lieblingsanlaufpunkt war wie immer die Bibliothek – es gab tatsächlich eine. Hier bin ich rein, noch mit Sonnenbrille und dem Versuch, ganz beherrscht zu sein. Bescheuert… Immerhin sah mein Schienbein inzwischen aus, als hätte ich ein weiteres Knie – da darf man auch leiden:


Miss Tina, die Bibliothekarin, hat sich rührend um mich gekümmert. Hat mir angeboten, dass ich bleiben könne, solange ich wollte. Hat Eis von einer Behörde nebenan besorgt. Hat mir schließlich angeboten, dass ich George auf dem Rasen der Bibliothek aufbauen und dort übernachten könnte. Dass ich in der Bibliothek meine Haare waschen könnte. Es war so wohltuend. Tina, thank you so very much for your great care!


Auch mein Liebster hat mich aus der Ferne bestens versorgt. Mit WhatsApp-Video-Untersuchungen und -Diagnosen, einem perfekten Versorgungsplan sowie regelmäßigen Check Ups. Ich küsse Dich!

Am ersten Tag war an Weiterfahren tatsächlich gar nicht zu denken. Also hab ich mich in der Bibliothek eingerichtet, dem Krabbelkreis zugeschaut und meine Mittagspause beim Mexikaner (ja, unglaublich, oder?) verbracht. Und bei ihm wieder eine Margarita probiert – der Traum geht weiter. Auch hier wurde ich mit Eis versorgt. Mit mehr als genug, um genau zu sein…

Besonders schön war, dass ich jetzt endlich mal Gelegenheit hatte, einen amerikanischen Rotary Club zu besuchen. Sonst war ich immer am falschen Tag vor Ort oder zur falschen Zeit oder war grad besonders ungeduscht oder hatte einfach keine Lust auf fremde Leute. Hier passte alles und es waren zwei unglaublich witzige Stunden, in denen ich mich sehr willkommen fühlte. Außerdem war es toll, Einblicke in die Arbeit des Clubs zu bekommen – die Mitglieder sind sehr aktiv und eng mit der Stadt verbunden. Thank you so very much for welcoming me – I wish I could have stayed longer!

Neben mir saß Chris, der ein Funeral Home betreibt – das ist ja in den USA etwas anders als bei uns. Das fand ich als Fan der Serie „Six feet under“ natürlich hochspannend und es war richtig cool, dass ich den Ort am nächsten Tag anschauen konnte. Thanx, Chris!

Ach, und dann musste ich auch weiter – es half ja alles nichts. Ich wär gern noch länger in Higginsville geblieben, zumal am kommenden Wochenende ein Rodeo stattfinden sollte. Schnief! Aber man kann nicht alles haben. Mein Bein war soweit okay, dass ich wieder laufen konnte, auch wenn länger Hochlegen bestimmt fein gewesen wäre.

Es ist schon verrückt, wie viele schöne Momente und Begegnungen aus so einem Motorrad-Umfaller entstehen können! Insofern nehm ich das alles gern in Kauf.

Thank you, Higginsville, it’s been great :-)!

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Der Übernachtungsreport – Teil I

„Wo übernachte ich heute?“ Diese Frage stellt sich naturgemäß jeden Tag, aber ich muss gestehen, dass ich die Antwort darauf meist erst sehr spät suche – selten vor vier oder fünf. Ich bin auch gern mal bis sieben oder acht unterwegs, schaue schon mal links und rechts, halte aber nicht an, wenn ich nichts Gutes sehe. Es geht ja nicht nur darum, dass ich mich sicher fühle und einen ebenen, geschützten Platz für George finde. Josi soll auch aus dem Blickfeld – ein verloren umherstehendes Motorrad lockt im besten Fall die Polizei an.

Ich hab mal versucht, verschiedene Übernachtungsvarianten zusammenzufassen, und siehe da: bisher sind es 13. Ganz schön viel dafür, dass ich erst einen Monat unterwegs bin. Hier ist der erste Schwung:

1. Right in the middle of nowhere

Das hab ich ja ganz am Anfang gemacht, als ich aus Baltimore raus war. Und abgesehen von den Mücken und meiner fehlenden Weisheit, Josi schlau abzustellen (das Lehrgeld wurde in Form von Schweiß, Flüchen, Matsch, Mückenstichen und Zeit gezahlt), war es super. Ich hab Glühwürmchen gesehen und Sterne und hab mich gefühlt wie eine echte Abenteurerin.

Ähnlich auf Cape Cod, wo ich – sogar ohne Zelt – in einem Wendehammer am Ende einer laaaangen Einfahrt übernachtet habe, auf einem Rasenstück gerade so außer Sichtweite des letzten Hauses. Ich hab immer wieder hingeschaut, weil Licht brannte, nur um am nächsten Tag festzustellen, dass es die Dreifachgarage war, die wie ein Haus beleuchtet war. Das eigentliche Haus lag komplett außer Sichtweite.
Die Polizei machte brav ihren Job und kam so gegen halb zwei vorbei, um sich nach einem netten Gespräch mit einem fürsorglichen „Be safe“ wieder zu verabschieden. Der Sternenhimmel war toll – allerdings hatte ich am Morgen für jeden Stern einen Mückenstich im Gesicht. Naja, wahre Schönheit kommt ja bekanntlich von innen…

Einmal hab ich einem Wäldchen übernachtet, das zum einen ganz in der Nähe der Polizeistation lag, zum anderen an ein irgendwie seltsames Gewerbegebiet angrenzte. Ich hab mich nur mäßig wohl gefühlt – und wollte nicht wieder mitten in der Nacht von der Polizei geweckt werden. Ich habe die Geschichte schon erzählt: Die Jungs durften mir das Campen dort nicht erlauben, schauten aber weg. Und so konnte ich mit einem guten Gefühl durchschlafen. Ich muss gestehen, dass ich diese Variante ziemlich clever finde 🙂

2. Auf dem Rasen von netten Menschen

Das hab ich inzwischen ein paar Mal gemacht – bei Paul, bei Karen und Bryan, gerade vorgestern bei John und seiner Frau in der 37. Nebenstraße eines Ortes – sowie bei ein, zwei anderen, deren Namen ich peinlicherweise schon vergessen habe… Ich find es einfach großartig, dass diese Leute spontan jemanden so in ihre Nähe lassen. Ich klopfe ja einfach – meist wie gesagt am mittleren Abend – und frage, ob ich mein Zelt für eine Nacht auf ihrem Rasen aufbauen darf. So mancher Deutsche würde schon allein wegen seines Rasens ablehnen, ganz zu schweigen davon, dass ja keiner der „Beklopften“ weiß, wen sie sich da auf ihr Grundstück holen. Schön an dieser Variante ist für mich zum einen, dass der Boden meist eben und frei von Steinen ist – Rasen eben :-). Und zum anderen, dass vorbeifahrende Polizisten keinen Grund haben nachzufragen. Es sei denn, es gibt ätzende Nachbarn… Was mehr als ausgeglichen wird durch so unglaublich nette Menschen wie Karen und Bryan, die sich mehrfach dafür entschuldigten, mir kein Gästezimmer anbieten zu können… A kiss for you!

3. „Hello? Anybody here?“

Mit verlassenen oder derzeit unbewohnten Häusern und Grundstücken wie diesem hier habe ich bisher nur geliebäugelt, obwohl ich sie total faszinierend finde. In einem verlassenen Haus wäre es mir wohl doch zu gruselig – wer weiß, wer da noch so auftaucht… Außerdem sind die selten sauber. Diese Stallung hier hat mich total fasziniert, aber die Spinnenweben waren so riiiiiiiieeeeesig, dass ich mit Sicherheit arachnophobische Albträume bekommen hätte. Schade eigentlich…

Aber auch gut, denn sonst hätte ich nicht den schönen Abend im Pub und das urgemütliche Sofa bei Donny gehabt. Mehr davon in Teil II 🙂

Auf einem unbewohnten Grundstück mein Zelt aufzuschlagen, könnte ich mir schon eher vorstellen. Als ich vor ein paar Tagen nach Woodstock, Vermont, kam, sah ich ein Haus an der Hauptstraße, das nicht verwahrlost aussah, aber doch irgendwie verlassen. Zwar standen die Gartenstühle draußen, aber es wuchs auch Unkraut in den Ritzen zwischen den Bodenplatten. Licht brannte keines, ein Auto war auch nicht da, die Einfahrt halb zugewachsen. Es gab eine perfekte Fläche für George und daneben Platz für Josi. Also klingelte ich bei der Nachbarin und fragte, ob das Haus bewohnt sei. Naja, halb, die Besitzer wohnen in Massachusetts – und kommen bestimmt nicht heute Nacht wieder. Sie könne zwar nicht die Erlaubnis geben, aber es würde bestimmt gut gehen. Perfekt – ist es auch.

Eine charmante Anekdote am Rande: Die Dame wies mich darauf hin, dass der Rasen der Kirche auch sehr schön sei 🙂

4. Zehn Meter vom Restaurant zum Zelt

Das war perfekt. Auf der Deer Isle nach leckersten Nachos direkt in den Schlafsack rutschen. Wenn nur das lästige Zähneputzen nicht wäre… Bei meiner Ankunft hatte ich die Rasenflächen rund um das Restaurant gesehen und drinnen – nach der Bestellung, versteht sich – nach dem Besitzer gefragt. Witzigerweise war es genau der sympathische Kerl, der gerade die Runde machte um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Cory hat mir das Übernachten erlaubt, was toll war. Die Freude darüber wurde einzig dadurch getrübt, dass er am Folgetag nicht wie gewohnt Frühstück und Kaffee anbot (also allgemein, meine ich, nicht nur mir ;-)). Aber auch das hatte sein Gutes – im Café 44 North Coffee bekam Josi nämlich ihr erstes Tattoo 🙂

5. Schutz und WLAN

Der perfekte „wilde“ Schlafplatz ist hinter Bibliotheken – das hab ich in Bremen und Camden (beides Maine) und in Ellsworth (New Hampshire) gemacht. Eine Variante wären Schulen, solange die Ferien noch andauern – aber bisher waren mir die Grünflächen dort zu weitläufig.

Und so schaue ich in Orten, in die ich nach 17 Uhr komme, immer erstmal nach der Bibliothek. Wo liegt sie, gibt es Rasenfläche, gibt es versteckte Rasenfläche. Dann ist die Sache eigentlich schon entschieden – denn neben einem guten Schlafplatz kann ich dem offenen WLAN einfach nicht widerstehen. Ein paar WhatsApp-Nachrichten, mal eben auf Spiegel Online und Facebook schauen, was so los ist (na gut, ich gebe es zu: umgekehrte Reihenfolge) und dann beim Fertigmachen und Tüdeln Deutschlandfunk Kultur. All das auch am Morgen, versteht sich – es ist so schön.

Natürlich ist das Zelten an Bibliotheken nicht legal. In Bremen hat keiner bemerkt, dass ich da war, in Camden auch nicht. In Ellsworth hat der Mitarbeiter Edmund George entdeckt, als ich gerade frühstücken war. Nein, das ist nicht dreist, sondern schlicht pragmatisch: Ich brauche Kaffee und Frühstück, George muss trocknen und außerdem war ich um halb sieben wach, während die Bibliothek erst um 9 Uhr öffnet. Es hätte also klappen können. Aber Edmund macht seinen Job gut und hat die Polizei gerufen. Als Mylady wach und gesättigt zurückkam, hat er sie ganz nett davon in Kenntnis gesetzt, dass die Polizei da war und dass sie das Zelt abbauen muss. Alles legitim – hab ich auch ganz schnell gemacht. Bei dem Gedanken, dass die Polizei und ich zum ersten Mal nicht zusammengetroffen sind, musste ich fast grinsen – und dann richtig, als ein Polizeiwagen vorfuhr, der Fahrer mich beim Abbau sah, lässig winkte, „Thank you“ (!!!) rief und wieder davonfuhr. Ich bin dann nochmal rein und hab mich bei Edmund für seine Freundlichkeit bedankt und mich verabschiedet – bye, bye, Ellsworth!

 

6. In einem Truck – jawohl!

Das war bisher das coolste – und von allen Nächten draußen auch die bequemste. Als Ossi-Kind kann ich es ja nicht lassen, an jeder Türklinke zu rütteln um zu schauen, ob sie nicht vielleicht doch offen ist. Ebenso bei gepflegt wirkenden Trucks, die in der beginnenden Dämmerung ganz einsam und allein an der Straße stehen. Na gut, an einem Haus. Na gut, an einer Werkstatt. Aber es war niemand mehr da. Und mehrere (!) der Trucks – und ein Schulbus – tatsächlich offen. Drinnen alles etwas müffelig, aber trocken und warm. Na, Entschuldigung, da fahr ich doch nicht weiter! Es war schon ganz schön spannend, meinen Krams in den Truck zu kriegen, und gleichzeitig die Innenraumbeleuchtung auszumachen, wenn Autos vorbeifuhren! Josi zu verst… äh, sinnvoll zu parken, war hingegen kein Problem – sie ist neben den Riesen quasi geschrumpft.

Die Nacht war gut – Gynsburgh hat aber auch gut aufgepasst. Gegenüber war übrigens mal wieder ein Friedhof und das Hobby der Dorfjugend scheint zu sein, mit den Autos ihrer Eltern zwischen den Grabreihen entlangzufahren. Naja, dann nehmen sie wenigstens keine Drogen…

Am nächsten Morgen stand dann doch plötzlich ein Auto da, das ich nicht einordnen konnte. Patrouille? Jugendliche? Inhaber?

Da – man sieht das Vorderteil!

Nichts dergleichen – ein armer Arbeiter, der um 6 Uhr zu Straßenarbeiten kommen sollte und nun wegen des feuchten Wetters wieder nach Hause geschickt wurde. Hab ich erfahren, nachdem ich Zähne putzend auf ihn zugegangen bin. Frech kommt weiter. So, jetzt einpacken und los, auch wenn der Abschied von so einem coolen Gefährt schwer fällt.

 

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Maine – so far, so wonderful

Bevor ich die Küste verlasse und erst nach Westen landeinwärts und dann inlandig (ist das ein Wort?) weiter nach Süden fahre, will ich Euch noch ein paar Bilder meines Küsten-Maines schicken. Natürlich sind es nur persönliche Eindrücke – aber wir sehen die Welt eben nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind. Das, was ich fotografiere, ist für mich wichtig – vielleicht für niemanden sonst. Insofern ist es auch weit entfernt von „Typisch Maine“ – zumal „typisch“ ja nun wirklich oft genug fotografiert wurde.

Es sind so unglaublich viele Eindrücke hier, so viele schöne Landschaften, so viele schöne und seltsame Dinge. Die Küste unterscheidet sich dabei naturgemäß vom Inland, das wohl sehr waldreich und viel menschenärmer sein soll. Schwer vorstellbar finde ich, dass alles hier auch hervorragendes Skigebiet ist – aber der Schnee ist dann offenbar da. Wie das Inland jetzt im Sommer ist, werde ich ja in den nächsten Tagen erfahren.

Richtig schnuckelig schön fand ich Camden. Urige Pubs, gute Coffeeshops mit leckerem Frühstück, ein schöner Hafen, Kultur (im Amphitheater neben der Bibliothek lief im Rahmen eines Shakespeare Festivals gerade „Romeo und Julia“) und viel Grün:

 

So, hier nun noch einfach ein paar Eindrücke – viel Spaß!

Flamingos scheinen wichtig zu sein – die sind alle aus Plastik und in ganz vielen Vorgärten zu finden. Die neuen Einhörner?

In JEDER Stadt – unglaublich. Besonders schön in der Stadt Mystic – „Mystic Psychic“.

Ein Kinderstuhl mit Seitenstützen für das Köpfchen – so fällt es nicht mehr in den Spinat. Genial!

Ich glaube, ich würde so einiges tun, um in diesem Haus und mit diesem Blick zu leben…

The Maine Beaches – nicht ganz so meins. Es gibt nur wenige Sandstrände, die meisten sind felsig.

Hab einen Sandstrand gefunden!

     

Die Bibliotheken haben es mir in den Neuenglandstaaten ja ohnehin angetan – offenes WLAN, sogar nachts. Und ich bin nicht die einzige, die es nutzt (offensichtlich – sie haben ja nicht auf mich gewartet ;-)). Den ganzen Tag über kommen die unterschiedlichsten Leute, um mit ihrem Laptop in der Bibliothek oder, wenn sie geschlossen ist, in unmittelbarer Nähe zu arbeiten. Ist das bei uns auch so? Ich könnte es gar nicht sagen.

Meist sind die kleinen Gemeindebibliotheken auch noch total süß:

 

Im nächsten Beitrag gibt es wieder den großen Übernachtungsreport – der geneigte Leser, der bis hierhin gekommen ist, darf gespannt sein!

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