Nackte Tatsachen

Ich sitze hier, nicht nackt, schreibend und von einem Ohr zum anderen grinsend. Welche Verschwendung wäre es, Dich nicht am Grund dieses Grinsens teilhaben zu lassen!

Es geht aber nicht um Gynsburgh, obwohl er ja meist als kleiner Nackedei durch die Gegend hüpft . Und obwohl er es sehr gern hat, wenn es um ihn geht.

Nein, es geht um die totale Sonnenfinsternis, die ich am 21. August 2017 mit Flunker-Phil in den Blue Ridge Mountains erlebt habe. Die Amerikaner nannten sie Great American Solar Eclipse, und was zunächst klischeehaft größenwahnsinning klingt, hatte in diesem Fall seine Berechtigung.

Es war nämlich die erste Sonnenfinsternis seit 1918, die in der Totale (Streifen) über das gesamte Land zog, alle anderen Staaten konnten sie zumindest als nicht-totale Finsternis sehen. Idealerweise natürlich mit einer Schutzbrille; wir erinnern uns aber auch (gern) an dieses Bild:

Der Superpräsident, der keine Brille braucht.
Eine Zeitung kommentierte: „Not too bright – Nicht allzu hell(e)“

Bildquelle

Aber das war nicht das, weshalb ich grinsen musste. Sondern weil bisher niemand nachgefragt hat, was hinter der folgenden Grafik steckt, die ich sowohl im Blog als auch bei Vorträgen über die Tour gern verwende:

Die Zahlenangaben sind ja schon eigenartig…

In der kühnen Annahme, dass (sich) nun jemand fragt: Diese Grafik zeigt den Nutzerrückgang auf einer Pornoseite während der Finsternis (Quelle). Ja, solche Grafiken gibt es wirklich – und man soll ja nur Darstellungen glauben, die man selbst aus dem Netz geklaut hat.

Und ich schwöre, ich habe nach guten Grafiken gesucht und diese gefunden – nicht andersrum!

Das ist übrigens Phil…

… der König der Flunkerer. Wer ihn noch nicht kennt, hat eindeutig etwas verpasst und kann das hier nachholen. Wir lassen uns derweil die postekliptische Sonne auf den Bauch scheinen.

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Selig in Floyd

Ihr Lieben, ich sitze in Marshall, Missouri, bei einem Mexikaner (sehr lecker! Also, das Essen…) und habe zwei Margaritas intus. Die ersten meines Lebens und ich bin nicht mal sicher, ob man die wirklich so schreibt. War da nicht noch irgendwo ein -u-? Oder ein -h-? Ich weiß es nicht. Aber allein die Tatsache, dass ich mich das frage, zeigt, dass noch Reste von mir übrig sind. Dass ich die beiden getrunken habe, ist auch kein Grund zur Sorge – es gab einfach keinen Mojito. Ist ja auch voll Land hier. Auf jeden Fall mache ich drei Kreuze, dass ich den Text über Floyd, Virginia, schon offline vorgeschrieben habe und nur die Bilder einsetzen muss. Ungenauigkeiten und Fehler werden demnächst in nüchternem Zustand korrigiert. Oder auch nicht.


Ihr Lieben, ich muss Euch von Floyd erzählen, einem kleinen Städtchen in Virginia. Es liegt am Rande des Blue Ridge Parkways, einer Panoramastraße, die sich auf fast 800 km durch die gesamten Appalachen zieht. Auf diesem Parkway war ich unterwegs, seit dem Tag der Sonnenfinsternis.

Die Tage davor und danach waren doof – ich hab den Ozean vermisst und Maine. Unmittelbar nach der Sonnenfinsternis hat mich außerdem irgendwas Magen-Darm-Mäßiges erwischt, mit dem ich zwei Nächte und den dazwischenliegenden Tag komplett flachlag und nur Wasser zu mir nehmen konnte. Und das in einem Hotel, an dem zum einen überall mit viel Lärm gebaut wurde, und das zum anderen so schrecklich heruntergekommen war, dass ich mich nach der zweiten Nacht irgendwie mit meinem Krams auf Josi gehievt habe – hier konnte es mit mir nicht besser werden.

 

Insgesamt war ich also noch total matschig und mäßig gelaunt, als die Lady in einem kleinen Diner mir empfahl, doch mal in Floyd vorbeizuschauen, das sei ein süßes kleines Städtchen. Also hin – so etwas brauchte ich. Und was soll ich sagen: Von Anfang an hab ich mich in dem 425(!)-Seelen-Ort wohl gefühlt. Es war Freitag – und jeden Freitag gibt es in Floyd Livemusik und Tanz. Für George fand ich ein perfektes Eckchen zwischen einer stillgelegten Kirche und einer Galerie – nur von einer Seite aus einsehbar und die wirkte nicht sehr belebt. Eine Hotelzufahrt und ein Lagerhaus, das müsste gehen.

Stolz wie Bolle angesichts dieses genialen Nachtplätzchens bin ich zum Country Store gefahren (der ist sogar mit einem Bild bei Wikipedia), habe etwas gegessen, am Laptop gearbeitet und vor allem die Atmosphäre genossen. Irgendwann fing die Musik an – auch draußen auf der Straße spielten Bands. Einfach toll.

Bis auf die Tatsache, dass irgendwann zwei Typen zu Pferde auftauchten und krude Ideen verbreiten wollten. Sie ließen sich – im wahrsten Sinne des Wortes – zwar dazu herab, mit dem Fußvolk zu diskutieren, aber wirkliche Standpunktänderungen waren nicht zu erwarten. Gerade nach meinem Besuch in Charlottesville war das schon ein bisschen gruselig. Auch, dass sie einfach so und sichtlich stolz davonreiten konnten.

 

So gegen elf (bin ja nicht mehr die Jüngste) bin ich selig (wegen des Platzes und der Musik – nicht wegen der Reiter) in meinen Schlafsack gekrabbelt und gegen halb acht aufgewacht. Tatsächlich mal wieder eine Nacht ohne Polizei 😊.

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Scheiße, der Akku ist alle, keine Steckdose in Sicht und überhaupt muss ich mich jetzt mal um einen Schlafplatz kümmern. Ich hoffe, dass hier in Fußentfernung irgendwas ist – fahren kann ich nämlich nicht mehr…

Gute Nacht! Ich geb Euch trotzdem schon mal den ganzen Text, die Bilder kommen mit den Korrekturen. Oder auch nicht 😀

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Zum zweiten – hoffentlich nüchterneren Teil – geht es hier.

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Ich schulde euch was!

Ihr Lieben, heute gibt es ein bisschen Natur – das habe ich bisher sträflich vernachlässigt. Naja, eigentlich will Gynsburgh nochmal die tollen Bilder von sich sehen – meinetwegen auch das. Als Bär ist er ja auch irgendwie Natur… Also, es geht um den Blue Ridge Parkway, eine 755 km (469 Meilen) lange, traumhafte Straße längs der Blue Ridge Mountains – einem Teil der Appalachen, die gefühlt ein Gegengewicht zu den Rocky Mountains bilden – jetzt mal total unwissenschaftlich geschrieben.
Ich hab noch keine gute Übersetzung für Parkway gefunden – es ist irgendwas zwischen Panorama- und Kammstraße. Alle 20-30 Meilen geht es links und/ oder rechts in die Ortschaften hinab. Offenbar wurde dieser Parkway eigens für den Zweck angelegt, die Nutzer durch die Natur und die grandiosen Ausblicke zu beglücken. Das finde ich schon ziemlich genial. Es gibt massig Kurven und alle paar Meilen Aussichtspunkte, dafür keinen Durchgangs- oder Tagesverkehr. Trucks sind ohnehin verboten. Unter der Woche ist man fast allein dort unterwegs, das ist wunderschön.

Ich habe den Blue Ridge Parkway schon in Zusammenhang mit Flunker-Phil (danke, Jörg, für diesen wunderbaren Namen!) und mit meinem Herzensstädtchen Floyd erwähnt. Hier kommen nun endlich ein paar Bilder:

Das Ganze geht auch in neblig und regennass – und ist trotzdem wunderschön:

Besonders entzückend war die kleine Szene, die ich zufällig beobachtet hab, als ich mich gerade zum Weiterfahren fertigmachte:

Am Ende des Parkways hatte ich meine Hoffnungen auf das kleine Städtchen Gatlinburg gesetzt: vielleicht ein gemütliches Lokal mit offenem WLAN und dann ein kleines, dunkles Plätzchen für George. Aber mich erwartete der absolute Schock – Gatlinburg war natürlich nicht nur der Endpunkt der Mountains und des zugehörigen Skigebiets, sondern auch der Anfang. Und das wird ordentlich ausgeschlachtet. Die Leute fahren sogar mit den Skiliften über den Schneisen entlang – das wirkte dann doch irgendwie traurig.

Aber es ist ja bekanntlich gegen fast alles ein Kraut gewachsen, in diesem Falle in einem mexikanischen Restaurant. Nachos und Mojito im zweiten Stock, sodass ich auf die Verrückten runterschauen konnte – was braucht man mehr?

Irgendwann bin ich dann aus der Stadt rausgefahren, aber ich weiß ums Verrecken nicht mehr, wo ich übernachtet habe. Aber wo es auch war: Es scheint gut gegangen zu sein 🙂 . Sherry, war ich da schon bei Euch im Horseshoe?

So, und weil das Beste und Schönste bekanntlich immer zum Schluss kommt, sind hier nun endlich die Bilder von Model Gynsburgh. Brille: Leihgabe der Lady in Red, die wir während der Sonnenfinsternis kennengelernt haben. Tuch: privat. Kulisse: Appalachen. Agentur: Strehler. Auf Wunsch des Models nicht als Slider – die geballte Schönheit soll auf einen Blick sichtbar sein. Nun denn.

Stylish.

Kontemplativ.

Das möge jeder selbst beurteilen.

 

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Die Spinne im Halstuch

Ich wurde von einer Spinne gebissen!

ICH!

Von einer SPINNE!

Das war gestern und ich finde es immer noch unsäglich.

Während der Fahrt (Richtung Sparta – wie passend) habe ich immer mal wieder gemerkt, dass etwas in meinem Halstuch kratzt. Ich hab mich gewundert – ich schneide diese nervigen Schildchen immer sofort raus. Also hab ich das Tuch während der Fahrt anders gerichtet, hab einen Teil nach außen gedreht – aber immer wieder war so ein komisches Kratzen da.

Und schließlich war es vorn, zwischen den Schlüsselbeinen (wann nutzt man das mal im Plural?). Das wurde mir dann doch zu komisch, ich wollte das Tuch ganz nach außen ziehen, aber zu spät. Ein stechender Schmerz an besagter Stelle und ich dachte nur: „Scheiße.“ Sah mich nach einem Wespenstich mit zuschwellender Luftröhre über Josi hängen und röchelnd denken: „Shit – jetzt hatte Mama doch recht, dass irgendwas passiert…“ Was natürlich das Schlimmste überhaupt an der Sache wäre 🙂

Irgendwie hab ich Josi an den Straßenrand geschlängelt, hab meine Jacke aufgerissen, das Tuch hochgezogen und dachte, ich seh nicht recht, als mir im Spiegel dieses Spinnenvieh entgegenschaute. Ich hab es natürlich panisch weggewischt, die Jacke ausgezogen, das hinterhältige Tuch von mir geworfen und bin auf und ab gegangen, um mich zu beruhigen. Dabei hab ich noch nach der Spinne geschaut, um ein Angeberfoto zu machen, aber sie hatte sich schon verdrückt. Feiges Stück.

Achtung, Porno!
Hier ist der Biss noch klein, brennt aber tierisch.

Der Biss, denn das war es ja nun wohl, tat weh wie Sau und irgendwie war ich auch nur halb entspannt. Als ein schnuckeliger Typ (jetzt!!!) seinen Pickup neben mir anhielt, sagte ich dann auch sofort und auf Beruhigung hoffend: „You don’t have poisonous spiders here, do you?“ Zu meinem Entsetzen antwortete er „Well, we do.“ Und fing allen Ernstes an, ein paar Arten aufzuzählen. Unfassbar – es gibt Gründe, warum ich nicht nach Australien fahre! Ruhiger wurde ich erst, als er meinte, diese Sorten würden eher am Straßenrand im Abfluss und in Kanälen leben. Nun, ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich mich dort nicht gewälzt habe.

Er fuhr dann weiter (in die Gegenrichtung, schnief…) und ich beschloss, selbiges zu tun. Wenn ich bis jetzt nicht an Atemnot, Herzstillstand und ähnlichen Fiesheiten gestorben war, würde ich die Sache wahrscheinlich überleben.

Nun, bis jetzt – etwa 18 Stunden später – sieht alles danach aus, auch wenn Schwellung und Rötung an der Stelle noch viel zu stark ausgeprägt sind. Aber weil das die einzigen Symptome sind, mache ich mir keine Sorgen. Nein, stimmt nicht: Akute Übelkeit kam hinzu, als ich eben eine Stunde lang im Netz Bilder von „Spiders of North Carolina“ ansah, um mein Expemplar zu finden. Was für Ekelviecher… und ich campe da draußen??? Mein persönliches Monster hab ich nicht gefunden, es scheint ganz selten zu sein. Wobei die Frage ist, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist…

Diese Raupe hier hat mich übrigens heute morgen gebissen, gestochen, angepinkelt – was auch immer diese Viecher nun wieder tun. Und das nur, weil ich sie vor meiner Abfahrt vom Reifen entfernen wollte. Undankbares Volk. Die Was-auch-immer-Wunde ist übrigens inzwischen verheilt.

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The Great American Solar Eclipse – und Phil

Ich weiß, das ist jetzt schon lange nicht mehr aktuell, aber besonders und witzig war es trotzdem. Und deshalb kriegt Ihr jetzt auch noch den Bericht dieses Großevents. Seit ich hier in den Staaten bin, ist die Eclipse ein großes Thema. Wo sieht man sie am besten, wie verhält man sich am besten, welche Brille ist die beste, wie fotografiert man das Ganze am besten?

Durch die Brille fotografiert – aber leider zu spät…

Natürlich lief auch Bonnie Tylers Hit „Total Eclipse of the Heart“ rauf und runter, sie ist auch auf irgendeinem Kreuzfahrer aufgetreten – ein ähnlich beglückender Anblick wie Jennifer Rush. Manches sollte in der Vergangenheit bleiben.

Krankenhäuser, Gastronomie und Hotellerie entlang der Hauptkampfzone haben massenhaft zusätzliches Personal eingestellt, es wurde ein regelrechter Eclipse-Tourismus erwartet. Ob der eingetreten ist, kann ich gar nicht sagen. Ich habe mitbekommen, dass viele Berufstätige den Tag freigenommen haben. Schulen haben den Kids freigegeben, und viele haben einen Familientag daraus gemacht. Eigentlich auch irgendwie süß – wem würde das in Deutschland einfallen?

Ich bin aus der Stadt rausgefahren – mir war das zu viel Trubel. Viel besser waren da die ersten Kilometer auf dem Blue Ridge Parkway, einer wunderschönen, knapp 800 km langen Straße entlang der Appalachen. Kaum ein Mensch war dort unterwegs – zum Fahren war das ein Traum.

Irgendwann legte ich mich zu einem Mittagschläfchen hin und wachte ohne jedes Zeitgefühl wieder auf. Ich war gerade dabei, meinen Krams zusammenzupacken, als das Licht sich veränderte. Es war immer noch hell, aber ohne Leuchten – ganz krass. Das war das erste Mal, dass das Wort „Zwielicht“ so richtig passte. Natürlich hatte ich keine Brille (kein Kommentar – danke!), aber mit meiner Sonnenbrille und beiden Händen übereinander zu einem winzigen Guckrohr gerollt, konnte ich die Sonnenfinsternis sehen. Ich war in der 85%-Zone und das war schon sehr cool – vor allem die Geschwindigkeit, mit der Mond da vorbeigerauscht ist. So, wie ich mich auch immer die letzten Minuten eines Sonnenuntergangs wundere, wie schnell die Sonne untergeht. Jedesmal denke ich: Wenn die Erde sich so schnell dreht, müssten die Tage viel kürzer sein. Ist natürlich Quatsch…

Ich bin dann losgefahren und das Gefühl, eine kurze Zeit lang unter einer Sonnensichel zu fahren, war toll. Das war es nämlich tatsächlich, was ich sah, wenn ich durch Sonnenbrille und Sonnenvisier des Helms nach oben linste. Sehr cool. Mit den Fünfen auf dem Foto traf ich dann an einem Aussichtspunkt Menschen, die ganz vernünftig mit Schutzbrille in die Sonne schauten. Ich durfte auch – das war schon was anderes. Sehr, sehr toll.

Wir hatten eine Menge Spaß und plauderten so vor uns hin, als uns plötzlich das eigentliche Naturereignis dieses Tages heimsuchte: Phil. Mit seiner dicken Harley und unfassbarer Lautstärke spülte er sich in den Aussichtspunkt. Stieg ab, schaute auf Josi, schaute auf mich, fragte mit dröhnender Stimme: „’s that your bike?“ Und auf mein stummes Nicken: „Hi, I’m Phil! ‚you married?“ Woraufhin wir natürlich alle in Lachen ausbrachen.

Und ganz ehrlich: So etwas wie das, was dann kam, hab ich noch nie erlebt. Dieser Jeff-Bridges-Verschnitt hatte quasi seine Bühne gefunden, wir waren das wohlwollende Publikum. Innerhalb einer Viertelstunde erzählte er bestimmt zehn Geschichten – alle absolut haarsträubend, aber so genial erzählt, dass man sie einfach glauben wollte.

Die beste war die von seinem Surfausflug, bei dem ein Hai plötzlich ein Stück seiner Wade rausbiss – man sieht den Krater auf dem ersten Bild. Phil beobachtet das Vieh geistesgegenwärtig – das wiederum dreht eine weitere Runde ums Surfbrett. Als es seitlich auf der richtigen Höhe ist, sticht Phil ihm mit den Fingern in die Augen und zieht den Hai so bis ans Ufer – obwohl er natürlich immer noch tierisch blutet. Da wird er verarztet, das Tier untersucht und siehe da: eine unbekannte Haiart! Phil wird angeboten, sie zu benennen, und er schlägt Black Manifold vor. Sein Gegenüber fragt „Warum?“ und Phil sagt: „Naja, schwarzer Auspuffkrümmer, daran hab ich mir das Bein tatsächlich versaut.“

So in der Richtung und das mit einer Stimme, in der Whisky und Zigaretten von 40 Jahren stecken. Dann noch von seinen drei Frauen und wie er es geschafft hat, den Verlobungsring immer  wiederzukriegen und schließlich zu einem man’s ring zu verarbeiten.

Und dann ist der Zauber vorbei. Phil dröhnt auf seiner Krokodilssitz-Harley davon – Radio an – und wir schauen uns an: „Was war das denn?“ Wir müssen uns innerlich schütteln und versuchen, alle Geschichten zusammenzukriegen, die Phil in der kurzen Zeit erzählt hat. Keine Chance.

 

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Washington bei Nacht – wann sonst?

Eigentlich wollte ich von Vermont aus relativ gerade und vor allem fix runter nach Süden bzw. Südwesten fahren, um auf dem sogenannten Blue Ridge Parkway für etwa 800 Kilometer die traumhafte Landschaft der Appalachen zu genießen.

„Eigentlich“ sagt dann ja auch schon alles – denn ein Moment am vorigen Sonntagabend änderte die Punkte „gerade“ und „fix“. Knapp vier Wochen zuvor war ich schon einmal an Washington vorbeigefahren – auf dem Weg von Baltimore zur Chesapeake Bay Bridge. Es war Samstagnachmittag, es war 33 Grad heiß und ich steckte im Interstate-Verkehrswahnsinn – einer irre machenden Mischung aus Stau und Raserei (also der Verkehr, ich noch nicht). Da war mir nicht wirklich nach Hauptstadtbesichtigung, zumal all die komischen Touristen ja auch da waren ;-).

Nun stand ich an einer Ampel in Richtung Süden, es war schon dunkel und plötzlich sah ich ein Schild in Richtung Washington. 34 Meilen. Scheiße. Das kann ich doch jetzt nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – links liegenlassen! Nicht an einem Sonntagabend, wo alle Tatort schauen, die Touristen weg sind und die Pendler noch zu Hause! Also: Spur gewechselt, abgebogen und allein schon an der Vorfreude gemerkt: Das war die richtige Entscheidung.

Wieder alles beleuchtet zu sehen, die Straßen für mich zu haben, in Ruhe auch mal langsam fahren, suchend herumeiern und auch entspannt am Straßenrand stehenbleiben zu können: Das macht es für mich mehr als wett, dass ich in keines der Gebäude reinkann.

Und so hab ich mich natürlich auf den Bürgersteig gestellt, um Josi zu fotografieren 🙂

Mein Glück war an dieser Stelle perfekt. Aber Moment – ich hatte heute noch keine… Das Geräusch einer dicken Harley näherte sich – es gehörte zu einem Polizisten. Jetzt war die Welt wieder in Ordnung. Er hielt auf der anderen Seite der Poller, nahm seinen Helm ab und sagte: „I like your bike!“ Smalltalk – ein guter Start. „Well, I like yours – and it definetely sounds better!“ Zufriedenes Grinsen seinerseits – ich alte Schmeichelbacke. Aber dann: Augen auf und durch. „But that’s not what you’re here for, right?“ – „Nope. Parking on the sideway – that’s not allowed.“ Ach ja, weiß ich ja, aber ich konnte nicht widerstehen. Und ich bin auch schon fertig und gleich weg – hab alle Bilder gemacht, die ich machen wollte. „Pictures? Where are you from?“ Nach der Antwort war das Eis dann endgültig gebrochen und er hat mich sogar mit seinem Bike fotografiert! Rauf durfte ich leider nicht – state property. Ist auch egal – das war so schon so unendlich cool!

Noch einige kleine Gänge und Fahrten durch das nächtliche Washington – dabei bin ich auf ein Denkmal für den guten Albert Einstein gestoßen. Bei dem Präsidenten ist sein Ausspruch wohl passend wie selten: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Gegen elf bin ich dann wieder raus aus Washington. Eigentlich wollte ich es bis zurück auf meine ursprüngliche Route schaffen, aber ich war einfach zu müde. Und deshalb froh, als ich mal wieder eine Kirche mit Rasenfläche entdeckte – auch Josi konnte sicher stehen. Ihr wisst ja inzwischen, worauf es ankommt 🙂

Trotzdem war ich bei jedem vorbeifahrenden Auto unruhig – die Straße führte in einer Kurve an der Kirche vorbei, sodass ich jedesmal etwas davon hatte. Gegen 3:30 wurde ich wach, weil ein Auto mit laufendem Motor neben George stand, der Fahrer telefonierte. Ich wollte mich schnell anziehen und rausgehen – kommt ja immer gut an. Aber als ich – leicht nachtverschwitzt und deshalb klebrig – meine ebenfalls klebrige Motorradhose (weil mit Regeninlay) auf eine annehmbare Höhe gezerrt hatte und aus dem Zelt gestolpert war, hörte ich nur noch „Okay, I’ll take care of it.“ und ein davonfahrendes Auto.

Wer oder was auch immer das war – in dieser Nacht kam niemand mehr. Und als ich morgens dann auf der Suche nach Kaffee zur Tankstelle ging (ein Segen im wahrsten Sinne des Wortes), kam ich auch noch bei einem Medium (Psychic – Reader and Adviser) vorbei. Mir hätte in dieser Nacht also überhaupt nichts passieren können…

 

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