b4b – Bilder für das Buch

Ach ja… wenn man Hilfe braucht, soll man darum bitten.

Ich will meine 5.300 Fotos reduzieren, eine Vorauswahl für das Buch treffen – für das immerhin schon das Inhaltsverzeichnis steht ;-).

Aber schon zu Beginn scheitere ich an der mir selbst gestellten Herausforderung, die jeweils drei besten Fotos pro Tour-Etappe auszuwählen – es sind immer zu viele. Vielleicht sollte ich einfach „Etappe“ neu definieren? Als Woche, Tag oder Stunde?

Oder Ihr helft mir – wie ist das?

Welche der Bilder sollen mit ins Buch, Kapitel „Überfahrt“? Schreibt es einfach in die Kommentare.

Wenn Ihr nochmal nachlesen wollt, wie die zwei Wochen auf dem Ozean waren, findet Ihr die Berichte ab hier.

Danke!

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(c) Beitragsbild: Elena Eliachevitch_Getty Images

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„Traveling is my favorite activity.“

Um in die USA zu kommen, habe ich den Atlantik an Bord der „Independent Spirit“ überquert – zwei großartige Wochen, an die ich voller Sehnsucht zurückdenke.

Das hat ganz bestimmt auch mit der tollen 22-köpfigen Crew zu tun. Ein Crewmitglied war Dmytro, ein freundlicher Hüne aus der Ukraine. Der Chief Engineer will seinen großen Traum in diesem Jahr umsetzen:

„Ich will im Sommer mit meiner Familie durch Europa fahren. Einfach ins Auto steigen und dann von Odessa durch Polen und Deutschland nach Dänemark. Und dann über die Niederlande, Belgien und Frankreich bis nach Spanien.

Ich hab so etwas schon einmal gemacht, aber das war eine kleinere Tour. Diesmal will ich mir mehr Zeit nehmen. So acht bis neun Wochen – darauf freue ich mich.“

Dmytro, wir wollen Fotos von der Reise – habt ganz viel Spaß!

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(c) Karte

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Der letzte Tag auf See

Gerade bin ich aufgewacht – 8:30 Uhr, offenbar meine biologische Aufwachzeit (muss ich unbedingt meiner Chefin sagen, man soll ja mit dem Biorhythmus leben – dann ist man auch leistungsfähiger…). Ich trinke den löslichen Kaffee, den es hier an Bord gibt, und bin ein klein wenig melancholisch. Natürlich – es waren ja auch großartige zwei Wochen. Heute Abend gegen 20 Uhr werden wir Land sehen, dann kommt gegen 22:30 Uhr der Lotse aus Chester an Bord und führt uns in die Hafenanlagen.

Über Nacht werden schon Container ab- und neu aufgeladen, morgen dann die ganzen Formalitäten. Ein Zollbeamter kommt an Bord, um alles zu kontrollieren. Dann bin ich frei, mich nach Baltimore aufzumachen und Josi zu finden. Sie müsste in diesen Tagen ankommen oder ist vielleicht schon da – das erfahre ich, sobald ich wieder Internet habe. Also wahrscheinlich morgen, der für uns zuständige Agent kommt mit einem Modem an Bord. Luxus!

Wobei das Internet mir tatsächlich kaum gefehlt hat. Sicher, manchmal hätte ich mich über das Blinken einer neuen Nachricht auf dem Smartphone gefreut, aber das war’s auch schon. Hätte ich Netz und Facebook gehabt, hätte ich sicher mehr auf den Bildschirm geschaut als aufs Meer.
Die zwei Wochen Runterkommen und Ausschlafen waren Gold wert für mich; ich hätte mich gar nicht direkt aus Kieler Alltag in den Flug und ins Abenteuer stürzen können. Den Atlantik in seiner Weite zu erleben, war grandios. Mit den witzigen und entspannten Menschen zusammen zu sein, war perfekt – zumal sie ja arbeiten mussten und ich so genau die richtige Mischung aus Kontakt und Zeit für mich hatte. Natürlich wird das, was kommt, einmalig. Aber die Melancholie ist trotzdem da – was ja nur für diese zwei Wochen Frachtschiffreise spricht.

Nebenbei: Ich habe ein neues Urlaubsziel: Kroatien. Ein Teil der Crew ist ja kroatisch – und die Bilder, die sie mir von ihrem Land gezeigt haben, sind atemberaubend. Die Straßen sollen es für Motorradfahrer ohnehin sein.

Aber jetzt erstmal die USA. Irgendwie verrückt – die meisten Menschen, die ich treffen werde, sind schon da. Die Landschaften, die ich durchfahren werde – schon da. Fehle nur noch ich, um das Bild zu vervollständigen 😊. Vieles von dem, was ich erleben werde, ist schon angelegt – ich weiß nur noch nichts davon. Steinbeck schreibt, „dass wir eine Reise nicht unternehmen, sondern von ihr unternommen werden. Führer, Fahrpläne, Reservierungen, so ehern und unvermeidlich sie sind, zerschellen an den Eigenarten der Reise. Nur wenn er dies erkannt hat, kann der wahre Tramp sich entspannt dem Lauf der Dinge hingeben. Nur dann ist er gegen alle Frustrationen gefeit.“ (S. 8)

Ein paar Stunden später

Bah, ich sitze hier, die Sonne scheint traumhaft schön auf mein Plätzchen auf der Brücke und mir ist total übel. Die ganze Theorie ist ja gut und schön, auch Erfahrung ist nicht schlecht, aber nichts hilft gegen dieses verdammte Aufgeregtsein. In den nächsten zwei Stunden soll Amerika am Horizont erscheinen, in den Funksprüchen tauchen immer öfter Fetzen wie „Rhode Island“ etc. auf und so langsam kriecht die Erkenntnis in mich rein: Ich werde tatsächlich in Amerika ankommen. Das ist so krass…

Dann mache ich mich auf die Suche nach meinem sonnengelben Motorrad und dann… geht’s noch nicht los. Glaub ich. Vjekoslav, der Chief Officer fragte mich vorhin, ob ich denn gleich „the road hitten“ würde, und ich hab gemerkt: Nein. Ich muss erstmal auf dem Festland ankommen, die Seereise abschließen, bevor die Motorradreise anfängt. Und eben Josi abholen. Vielleicht werde ich irgendwo übernachten, den Abend ruhig bei einem schönen Cocktail verbringen und auf die Karte schauen. Und dann am nächsten Morgen los. In den gedachten Sonnenaufgang – den echten schaffe ich Faultier nicht.

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Mondzeit

Plötzlich ist das Ende der Überfahrt in Sicht. Land noch nicht – immerhin. Und Netz hab ich auch noch nicht. Aber die ersten Frachter sind am Horizont zu sehen, während wir in den letzten Tagen komplett allein auf dem Atlantik waren. Die ersten Funksprüche sind zu hören, die Crew ist im Endspurt für die Inspektion in Chester, und der Kapitän gibt mir die Dokumente für den Zoll und für das Homeland Department. Ich überlege noch, ob ich tatsächlich einen Anschlag plane und die bei meinen Kontaktlinsen versteckten Waffen angebe. Den Sinn dieser Fragen habe ich nie verstanden – die entsprechenden Leute haben doch keine Skrupel, bei diesen Fragen zu lügen…

Heute ist Freitag, am Montagabend sollen wir im Hafen anlegen, am Dienstagvormittag dann von Bord können. Jetzt muss ich mir sagen, dass es immerhin noch zweieinhalb volle Seetage sind – und das ist ja nicht wenig. Mist, ich mag diese Art, von A nach B zu kommen; ich will mehr davon… Wo sonst kann man einfach aus der Luke krabbeln und einen mondbeschienen Ozean atmen?

 

Wie dem auch sei – heute habe ich nochmal Wäsche gewaschen und endlich die Protektoren in meinen Motorradanzug befördert – schließlich gehören sie dahin, aber ich habe es vor meiner Abfahrt einfach nicht geschafft. Und ich muss den Anzug nochmal imprägnieren. Die 80-Euro-Supersonderimprägnierung bei einer Reinigung in Kiel hat mich trocken bis Kaltenkirchen gebracht. In Großenaspe fing der Regen an. Gutgläubig, wie ich bin, habe ich meinen Regenanzug nicht mitgenommen – wozu auch bei einer 80-Euro-Supersonderimprägnierung? Na, ich werde in den USA etwas finden, wenn es nötig ist. Aber ich mag diese Ganzkörperkondome auch nicht wirklich, sie sind unhandlich und man schwitzt sich tot. Ein Grund, weshalb ich die 80-Euro-Supersonder… na, lassen wir das.

Hab ich schon vom Fahren durch die verschiedenen Zeitzonen erzählt? Das geht so:

 

Genau. So geht das.

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Und was machst Du da den ganzen Tag???

Einige von Euch haben mich vor meiner Abreise gefragt, was ich denn den ganzen Tag an Bord machen würde. Inzwischen hat sich da ein ganz charmanter Rhythmus entwickelt:

ausschlafen – frühstücken – Mittag essen – Mittagschlaf – Abendbrot essen – schlafen gehen

Wenig überraschend – wer mich kennt, weiß, dass schlafen sein muss. Zwischendrin ist es relativ ruhig – die meiste Zeit verbringe ich auf der Brücke in einer kleinen Sitzecke für Passagiere. Hier lese ich, schreibe etwas für den Blog, ziehe auf der Suche nach guten Bildern übers Schiff, arbeite, spiele Solitaire und höre Musik. Und all das in wechselnden Reihenfolgen. Abends trinke ich ein Glas Wein bei Sonnenuntergang, bei einem Buch oder beim Kapitän, der gern ein paar Leute spontan zu einer Bier- und Plauderrunde einlädt.

Ich hab mich auch mal wieder an einem Selfie versucht – ich bin einfach nicht dafür gemacht. Euer Wohlwollen vorausgesetzt, lasse ich Euch trotzdem daran teilhaben:

 

Zwischendurch unterhalte ich immer wieder mit der Besatzung, die gerade auf der Brücke Dienst hat – sie wechselt alle vier Stunden. Genug Abwechslung also und genug Ruhe – ich könnte das eine ganze Weile so machen. Bei dem Gedanken daran, dass nur noch 10 Tage auf See vor mir liegen, bin ich kurz zusammengezuckt. Sollte sich irgendeine Möglichkeit ergeben, wieder mit einem Frachter zurückzufahren, werde ich das tun. Auch wenn die See dann womöglich nicht so ruhig ist wie jetzt.

Allein schon wegen dieser Sonnenuntergänge…

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Menschen an Bord

Eine Frage kommt immer wieder: „Bist Du da der einzige Passagier?!?“ Gern auch: „… die einzige Frau?!?!??!?!??“ Eine Antwort für beide Fragen: Ja. Ich muss gestehen, dass ich gar keine Mitreisenden gewollt hätte – die hätten mit in meiner Ecke auf der Brücke gesessen, ich hätte mit ihnen reden müssen, bah… So war es perfekt: Alle haben ihren Krams zu tun und zwischendurch redet man mal ein paar Sätze. Oder eben auch nicht. Großartig. Und als einzige Frau bin ich total nett behandelt worden, ohne jeden Stress. Die Jungs haben gut auf mich aufgepasst, mich mit Schokolade und zollfreien Zigaretten versorgt (ja, manchmal rauche ich), meine Reisepläne angemessen bewundert. Und abends haben wir oft auf Bier, Wein, Zigaretten und Seemannsgarn zusammengesessen. Das waren Stunden, die ich nie vergessen werde – ich vermisse sie schon jetzt.

Die Crew der Independent Spirit besteht zum großen Teil aus Philippinos; Offiziere und Ingenieure sind aus Kroatien und der Ukraine, der 3. Offizier ist ebenfalls Philippino – das gefällt mir. Alle sind offen und entspannt – und ich fühle mich jedes Mal in ???-Hörspielsphären versetzt, weil die Offiziere sich mit „Erster“, „Zweiter“ und „Dritter“ ansprechen 😊.

 

Die Crew heuert immer für sechs bis zehn Monate an, Offiziere und Ingenieure für drei bis vier. Danach ist theoretisch frei – aber gerade die Ordinary Seamen verdienen dann nichts oder nur wenig. Also versuchen sie, ein bis zwei Anschlussverträge zu bekommen. Die Wahl zwischen Pest und Cholera: kein Verdienst oder keine Zeit zuhause. Das stelle ich mir nicht leicht vor, zumal es nicht auf allen Schiffen Internet gibt. In Küstennähe rutscht immer noch mal eine WhatsApp oder eine Facebook-Nachricht durch, aber man kann sich nicht darauf verlassen. Offenbar soll hier aber Abhilfe geschaffen werden: Die Reederei installiert in den kommenden Monaten satellitengestütztes Internet auf all ihren Schiffen. Unser Kapitän hat eine vier Monate alte Tochter – wie toll wäre es, wenn er täglich ein paar Bilder oder eine Skype-Verbindung hätte!

 

Meine Independent Spirit fährt unter liberianischer Flagge. Ich muss gestehen, dass ich bei der nächsten Möglichkeit erstmal nachsehen muss, wo dieses Land überhaupt liegt. Natürlich sind steuerliche und allgemein finanzielle Aspekte die Gründe dafür, dass so viele Schiffe deutscher Reedereien unter ausländischer Flagge fahren (2010 wurden laut „Frachtschiffreisen verstehen“ insgesamt 1.773 Containerschiffe von deutschen Reedereien bereedert, aber nur 293 fuhren unter deutscher Flagge). Die entsprechend anderen Länder freuen sich über Steuereinnahmen, während die deutschen Reedereien nicht nur diese sparen – auch die Standards für Sicherheit & Co sind niedriger und somit günstiger. Da die Deutschen in dieser Hinsicht die aller-, aller-, allerstrengsten sind, scheinen viele Reedereien die entsprechend niedrigeren Standards auch für ausreichend zu halten. Und investieren ja schließlich ihr eigenes Geld und Personal.

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