Ein bisschen Geld muss sein.

Mit meinem neuen Teilzeitjob ist es finanziell gerade etwas kuschelig bei mir (aber keine Sorge: Spinatpizza und Wein sind noch drin – es gibt also noch Reserven).

Vielleicht sprechen mich deshalb die nicht ganz ernst zu nehmenden Aussagen zu den Themen „Geld und Leben“, „Geld und Reisen“, „Geld und überhaupt“ im Netz so an – vielleicht findet sich die eine oder der andere ja wieder 😉.

Lasst Euch damit die Wartezeit bis zur nächsten Folge Am Samstag vorgelesen versüßen – bis morgen!

PS: Das ist kein getarnter Hilferuf.

PPS: Obwohl… so ein kleines Reisesponsoring… oder ein größeres?

PPPS: Ich schreib auch drüber!

 

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Higginsville, Missouri – das beste Lazarett

Ich liebe frühstücken. Das kann ich wirklich stundenlang tun – wobei das Frühstück und der Kaffee natürlich am besten zu mir kommen. Da dies auf dieser Reise eher nicht gegeben ist, vollbringe ich tatsächlich fast jeden Tag das Wunder, mich einigermaßen weltfein zu machen, George abzubauen und meinen Weg zum nächsten Kaffee zu finden. In diesem Fall bin ich in Waverly auf ein nettes Diner gestoßen – sehr lecker und sehr gemütlich:

Der Inhaber fand mich als deutsche Motorradreisende so spannend, dass er mir mein Frühstück spendierte – das war natürlich der Knaller. Und hat mich so erfreut, dass ich mal wieder mein Lieblingsmanöver durchgeführt habe: anfahren an einer Steigung und gleichzeitig in die Kurve gehen. Ich weiß nicht, wann ich lerne, dass ich da nicht gegen die Physik ankomme… Immerhin hab ich inzwischen gelernt, die fallende Josi sich selbst zu überlassen und Abstand zu nehmen. Nur hab ich diesmal leider mein Bein ordentlich am Rahmen gestoßen. Zuerst hab ich das gar nicht so richtig gemerkt, hab den beiden Jungs, die Josi wieder aufgerichtet haben, gedankt, „Ja, alles okay, wirklich!“ und bin losgefahren. Aber dann kam der Schmerz und zwar heftig. Bis auf Kopfschmerzen kann ich eigentlich ’ne Menge Schmerz ertragen, aber das hat mich an meine Grenzen gebracht. Ich hab fahrend unterm Helm geweint und gemerkt, dass ich nicht mehr weit komme. Ein Schild am Highway „Welcome to Higginsville! – 6 miles South“. Mist, ich wollte doch nach Nordwesten! Aber da kam erstmal nix, also blieb nur Higginsville. Wehe, da ist nichts, dann gibt es Ärger!

Und es gab tatsächlich einen richtigen Ort! Mein Lieblingsanlaufpunkt war wie immer die Bibliothek – es gab tatsächlich eine. Hier bin ich rein, noch mit Sonnenbrille und dem Versuch, ganz beherrscht zu sein. Bescheuert… Immerhin sah mein Schienbein inzwischen aus, als hätte ich ein weiteres Knie – da darf man auch leiden:


Miss Tina, die Bibliothekarin, hat sich rührend um mich gekümmert. Hat mir angeboten, dass ich bleiben könne, solange ich wollte. Hat Eis von einer Behörde nebenan besorgt. Hat mir schließlich angeboten, dass ich George auf dem Rasen der Bibliothek aufbauen und dort übernachten könnte. Dass ich in der Bibliothek meine Haare waschen könnte. Es war so wohltuend. Tina, thank you so very much for your great care!


Auch mein Liebster hat mich aus der Ferne bestens versorgt. Mit WhatsApp-Video-Untersuchungen und -Diagnosen, einem perfekten Versorgungsplan sowie regelmäßigen Check Ups. Ich küsse Dich!

Am ersten Tag war an Weiterfahren tatsächlich gar nicht zu denken. Also hab ich mich in der Bibliothek eingerichtet, dem Krabbelkreis zugeschaut und meine Mittagspause beim Mexikaner (ja, unglaublich, oder?) verbracht. Und bei ihm wieder eine Margarita probiert – der Traum geht weiter. Auch hier wurde ich mit Eis versorgt. Mit mehr als genug, um genau zu sein…

Besonders schön war, dass ich jetzt endlich mal Gelegenheit hatte, einen amerikanischen Rotary Club zu besuchen. Sonst war ich immer am falschen Tag vor Ort oder zur falschen Zeit oder war grad besonders ungeduscht oder hatte einfach keine Lust auf fremde Leute. Hier passte alles und es waren zwei unglaublich witzige Stunden, in denen ich mich sehr willkommen fühlte. Außerdem war es toll, Einblicke in die Arbeit des Clubs zu bekommen – die Mitglieder sind sehr aktiv und eng mit der Stadt verbunden. Thank you so very much for welcoming me – I wish I could have stayed longer!

Neben mir saß Chris, der ein Funeral Home betreibt – das ist ja in den USA etwas anders als bei uns. Das fand ich als Fan der Serie „Six feet under“ natürlich hochspannend und es war richtig cool, dass ich den Ort am nächsten Tag anschauen konnte. Thanx, Chris!

Ach, und dann musste ich auch weiter – es half ja alles nichts. Ich wär gern noch länger in Higginsville geblieben, zumal am kommenden Wochenende ein Rodeo stattfinden sollte. Schnief! Aber man kann nicht alles haben. Mein Bein war soweit okay, dass ich wieder laufen konnte, auch wenn länger Hochlegen bestimmt fein gewesen wäre.

Es ist schon verrückt, wie viele schöne Momente und Begegnungen aus so einem Motorrad-Umfaller entstehen können! Insofern nehm ich das alles gern in Kauf.

Thank you, Higginsville, it’s been great :-)!

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Ganz viel Regen und Engel am Wegesrand

Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich die vielen kleinen Momente und Geschenke verpacken und erzählen kann – sie passieren einfach so zwischen den größeren und großen und grandiosen Momenten. Und sind dabei genauso wertvoll, deshalb möchte ich sie nicht vergessen.

So gab es zum Beispiel einen richtig fiesen Regentag, der als Nieselregentag getarnt anfing und so Hoffnung auf Besserung ließ. Ha, Pustekuchen. Der Regen wurde mehr und stärker, sodass ich endlich meine supersonderimprägnierte – Ihr wisst schon – Regenhose anziehen wollte. Wobei ich mich inzwischen auch nicht mehr beschweren darf: Walmart hat Imprägnierspray. Muss ich nur kaufen. Aber immer, wenn ich da bin, scheint die Sonne und wir haben 30°… Egal. Irgendwann war meine normale Hose durch und es musste dringend etwas passieren. Eine Blasenentzündung brauche ich auf diesem Trip ganz bestimmt nicht. Die Billardbar am Straßenrand behauptete „OPEN“ und „Biker welcome“ – here I come. Die Tür war offen, drinnen ein riesiger Saal, Billardtische, eine Bar, bläuliches Licht, eine Bühne, eine Pole-Dance-Stange. Na gut, ist ja auch ein Sport.

„Hello… hello? Anybody here?“ Nichts und niemand rührte sich – ich hab allen Ernstes hinter die Bar geschaut, ob da jemand nach einem Herzinfarkt nicht wieder aufgestanden ist. Dann endlich kam Don, eine ganz besondere Gestalt:


Don, der Rocker mit hawaiianisch-japanischen Vorfahren, brachte mir Kaffee, obwohl ich abwehrte; ich hätte kein Geld dabei, weil ich es noch nicht zur Bank geschafft hatte. Brachte mir noch einen Kaffee – der Mann weiß, was gut tut. Er sammelt Motorräder, die müssen ein Traum sein. Ich blieb eine ganze Weile, um wieder warm zu werden und machte zum Ende der Pause dieses Abschiedsbild. Beim Händeschütteln am Ende war was zwischen uns. Nein, nichts Romantisches, sondern 40 Dollar, die er mir in die Hand drückte. „Get yourself something nice to eat!“ Wieder Protest (ehrlich!), dass ich Geld hätte, nur eben nicht hier – es war nichts zu machen. „That’s what we do. We help people.“ Offenbar eine der Maximen seines Motorradclubs – das find ich schon sehr cool. Am Abend hab ich mir dann tatsächlich was Schönes gegönnt und auf Don getrunken. Thank you so much!


Nach dem Essen bin ich weitergefahren – der Regen war ein bisschen schwächer geworden. Aber alle, denen ich begegnete, warnten mich vor mehr und stärkerem Regen – wir waren am Rande von Orkan Harvey. Am liebsten hätte ich angesichts dieser Vorhersage natürlich irgendwo drinnen übernachtet. Und ich hätte tanken müssen, die Reserveleuchte machte bereits ihren Job. Aber dann entdeckte ich diesen perfekten Ort: In einem State Park ( = übernachten erlaubt, = kostenfrei) wartete an einem Bogenschießstand dieser Unterstand auf uns. Kein Weg ging daran vorbei, es war 17 Uhr – es würde also niemand mehr kommen – und Josi und George passten beide darunter. Leider war der Boden zementiert, sodass George an den Rand musste, damit ich ihn befestigen konnte, aber trotzdem: Perfekt.


Gegen 18 Uhr ging der Regen dann richtig los – wieder einmal: Perfekt! Und das war heftig. Ich weiß nicht, ob ich in den letzten Jahren einen so starken Regen erlebt habe. Ich konnte super schlafen, weil ich mich und Josi sicher wusste – ich war sogar ziemlich stolz auf mich. Mit einer Zigarette am Mini-Feuer haben wir das gefeiert :-).

Am nächsten Morgen regnete es immer noch so stark – ich musste weiterschlafen! Einfach unerträglich… Gegen 12 bin ich wieder aufgewacht (Ja, schlafen kann ich!) und es war nur noch leichter Regen.

Also zusammenpacken und aufbrechen – obwohl das fast ein bisschen schade war. Im Park stieg überall Nebel auf und bis auf den Idioten, der an der benachbarten Schießanlage seine Übungen machte, und seinen dämlichen Dackel, der jeden Schuss mit unerträglichem Kläffen begleitete (und mich wohlwollend an das Känguru und seinen Umgang mit kleinen, nervigen Hunden denken ließ – Kenner wissen, wovon ich schreibe), war es total still.

Wieder auf der Straße leuchtete die Reservelampe natürlich immer noch – irgendwie hatte niemand über Nacht den Tank gefüllt. Seltsam. Aber irgendwie auch gut, weil ich im Grunde schon immer mal wissen wollte, wie weit mein Reservetank mich bringt. Sicher – es hätte nichts dagegen gesprochen, das im Handbuch nachzulesen, aber seien wir doch mal ehrlich: Das ist langweilig. Und wir wollen Nervenkitzel, nicht wahr? Damit wäre dann auch eindeutig geklärt, zu welcher der beiden Arten von Menschen ich gehöre…


Im Laufe der verbleibenden Stunden bin ich an drei Tankstellen vorbeigekommen – immer Shell, immer mit dem horrend hohen Preis von 2,39 Dollar pro Gallone. Wer mag, kann das umrechnen – für alle anderen: Ein Witz. Aber 20 Cent mehr als ich es gewohnt war und wir lassen uns ja nicht alles bieten von den bösen Konzernen, nicht wahr?

Ohne Probleme und ohne dass meine Reservelampe von gelb auf rot umgesprungen war, erreichte ich das Department of Child Care, dessen hinteren Bereich ich zu meinem Schlafgemach erklärte. Die Angestellten würden um 8 Uhr anfangen – bis dahin sollte ich weg sein.


Am nächsten Morgen kam ich tatsächlich rechtzeitig weg – und zwar haargenau bis zum Rand des Parkplatzes. Beim Anlassen auf dem hinteren Parkplatz hatte Josi ein wenig gemeckert, was ich von ihr gar nicht kenne. Aber natürlich hilft gutes Zureden – bei Frau Strehler fährt ein Motorrad dann auch ohne Sprit. Bis zum vorderen Parkplatz. Und wieder mal musste ich über mich selbst lachen angesichts dieser absurden Situation: Die Angestellten des Departments bogen auf den Parkplatz ein, während ich Josi mit Mühe (Steigung!) aus dem Störbereich schob, um zur Tankstelle (!) zu laufen, die nach rechts in Sichtweite (!!) auf mich wartete. Oder auch nicht – war nämlich keine, sondern eine Waschanlage. Also wieder zurück, Josi und Gynsburgh einmal ermutigend zugeredet und nach links runter. Der Mensch bei der Waschanlage hatte gesagt: „Right down the hill.“ Kurz hatte ich überlegt, mit Josi da runterzurollen, aber die paar Meter Steigung vorher waren für mich nicht zu überwinden.

Nach etwa 100 Metern war mein Leidensweg aber auch schon vorbei: Aus seinem Truck rief Tom mir zu, ob ich Hilfe bräuchte. Mein erster Gedanke: „Ja, Kaffee!“ Er hatte Josi gesehen und dann mich in meiner Motorradjacke. Und dann eins und eins – ihr wisst schon. Wir sind also diesen Berg runtergefahren, um nach 10 Minuten (!) die Tankstelle zu erreichen. Ich hätte mir einen Wolf gelaufen, vor allem zurück…

Während ich mir einen Kaffee holen durfte, besorgte Tom, mein Held des Tages, einen Kanister von der ansässigen Feuerwehr. Ach ja, und dann ging alles ganz einfach…

Thank you so very much, Tom! It’s been a pleasure and I’m really glad you got up too early this very morning :-)!

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Ich schulde euch was!

Ihr Lieben, heute gibt es ein bisschen Natur – das habe ich bisher sträflich vernachlässigt. Naja, eigentlich will Gynsburgh nochmal die tollen Bilder von sich sehen – meinetwegen auch das. Als Bär ist er ja auch irgendwie Natur… Also, es geht um den Blue Ridge Parkway, eine 755 km (469 Meilen) lange, traumhafte Straße längs der Blue Ridge Mountains – einem Teil der Appalachen, die gefühlt ein Gegengewicht zu den Rocky Mountains bilden – jetzt mal total unwissenschaftlich geschrieben.
Ich hab noch keine gute Übersetzung für Parkway gefunden – es ist irgendwas zwischen Panorama- und Kammstraße. Alle 20-30 Meilen geht es links und/ oder rechts in die Ortschaften hinab. Offenbar wurde dieser Parkway eigens für den Zweck angelegt, die Nutzer durch die Natur und die grandiosen Ausblicke zu beglücken. Das finde ich schon ziemlich genial. Es gibt massig Kurven und alle paar Meilen Aussichtspunkte, dafür keinen Durchgangs- oder Tagesverkehr. Trucks sind ohnehin verboten. Unter der Woche ist man fast allein dort unterwegs, das ist wunderschön.

Ich habe den Blue Ridge Parkway schon in Zusammenhang mit Flunker-Phil (danke, Jörg, für diesen wunderbaren Namen!) und mit meinem Herzensstädtchen Floyd erwähnt. Hier kommen nun endlich ein paar Bilder:

Das Ganze geht auch in neblig und regennass – und ist trotzdem wunderschön:

Besonders entzückend war die kleine Szene, die ich zufällig beobachtet hab, als ich mich gerade zum Weiterfahren fertigmachte:

Am Ende des Parkways hatte ich meine Hoffnungen auf das kleine Städtchen Gatlinburg gesetzt: vielleicht ein gemütliches Lokal mit offenem WLAN und dann ein kleines, dunkles Plätzchen für George. Aber mich erwartete der absolute Schock – Gatlinburg war natürlich nicht nur der Endpunkt der Mountains und des zugehörigen Skigebiets, sondern auch der Anfang. Und das wird ordentlich ausgeschlachtet. Die Leute fahren sogar mit den Skiliften über den Schneisen entlang – das wirkte dann doch irgendwie traurig.

Aber es ist ja bekanntlich gegen fast alles ein Kraut gewachsen, in diesem Falle in einem mexikanischen Restaurant. Nachos und Mojito im zweiten Stock, sodass ich auf die Verrückten runterschauen konnte – was braucht man mehr?

Irgendwann bin ich dann aus der Stadt rausgefahren, aber ich weiß ums Verrecken nicht mehr, wo ich übernachtet habe. Aber wo es auch war: Es scheint gut gegangen zu sein 🙂 . Sherry, war ich da schon bei Euch im Horseshoe?

So, und weil das Beste und Schönste bekanntlich immer zum Schluss kommt, sind hier nun endlich die Bilder von Model Gynsburgh. Brille: Leihgabe der Lady in Red, die wir während der Sonnenfinsternis kennengelernt haben. Tuch: privat. Kulisse: Appalachen. Agentur: Strehler. Auf Wunsch des Models nicht als Slider – die geballte Schönheit soll auf einen Blick sichtbar sein. Nun denn.

Stylish.

Kontemplativ.

Das möge jeder selbst beurteilen.

 

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Deer Isle

Ihr Lieben, wer jetzt den angekündigten Übernachtungsreport erwartet, muss sich noch ein wenig gedulden. Erst muss ich Euch noch von der Deer Isle erzählen, die meinen Abschied von der Ostküste markiert. Ich bin durch John Steinbeck auf die kleine Insel in Maine aufmerksam geworden – ich hatte Euch von seinem Reisebericht erzählt und davon, dass Gynsburgh seitdem auf der Suche nach illustrer Verwandtschaft ist.

Steinbeck wurde damals geraten, niemals jemanden aus Maine oder gar von der Isle nach dem Weg zu fragen. „Wir finden es irgendwie lustig, die Leute in die Irre zu schicken, und dabei lächeln wir nicht, aber wir lachen innerlich. Das ist unsere Natur.“ Mir ist nichts dergleichen passiert, aber mit diesen Worten im Kopf musste ich doch grinsen, als ich das Schild sah :-).

Die Isle ist tatsächlich traumhaft schön. Es waren wenig Touristen da – und ich weiß, dass das angesichts der Tatsache, dass ich selbst eine Touristin bin, eine zwiespältige Aussage ist. Alles ist verlangsamt, überall blitzt das Meer durch. In ganz Maine spielen Ebbe und Flut eine große Rolle – je nördlicher, umso stärker und offenbar bis zu 15m im hohen Norden. Ich muss gestehen, dass ich das gar nicht auf dem Schirm hatte… Die Straßen auf der Insel sind ein Traum. Es gibt nicht nur überraschend viele Kurven, sondern ebenso überraschend viele  Steigungen und Gefälle, die diese Namen auch verdienen – großartig. Ich war selig, Gynsburgh war kotzübel. Aber er wollte ja unbedingt vorn sitzen…

Meine Entscheidung, in Corys Restaurant „There’s a Treat“ Nachos zu essen, bedeutete gleich mehrere schöne Treats für mich: Ich durfte auf dem Rasen hinter dem Restaurant zelten, George konnte dort am nächsten Morgen in Ruhe trocknen…

… und Cory empfahl mir das Café „44 North Coffee“. Der Kaffee dort ist wirklich phantastisch und die Aktion, aus Strandplastik was Schönes zu machen, gefiel mir ohnehin.

Alles zusammen führte dazu, dass Josi jetzt einen weiteren Aufkleber trägt, der mich zudem immer zum Lächeln bringt, weil ich an die Deer Isle erinnert werde:

Hier einige Eindrücke von der Insel:

Ich habe auch tatsächlich einen Strand gefunden, der diesen Namen verdient. Neben den überfüllten dunkelsandigen Stränden direkt an den Hauptstraßen gibt es in Maine nämlich fast nur felsige Bereiche, um ins Wasser zu gehen. Wenn also die Namen Rockport, Rockbeach, Rockland, Rocky Beach usw. auftauchen, darf man das durchaus wörtlich nehmen. Der „Sandy Beach“ hier sah auf den ersten Blick tatsächlich sandig aus. Auf einer Skala zwischen grobem Kiesel (10) und Sand (1) lag dieser Strand bei 4 – also top für hiesige Verhältnisse. Und der Ausblick war ohnehin phänomenal:

Muscheln, Krabben und Hummer bilden für viele Bewohner immer noch die Lebensgrundlage – auch wenn einiges darauf hindeutet, dass es schwieriger wird, davon zu leben. Ich muss aber gestehen, dass ich zu faul war und bin, eine Recherche zu starten, ob das wirklich so ist.

Mein letzter Stop auf der Deer Isle – Ebbe. Ich glaub, ich will mal wiederkommen und ein paar Tage bleiben.

 

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Verrückt

„Kajak- oder Kanufahren in schöner Landschaft“ hat es nicht auf meine Wunschliste für Amerika geschafft. Letztlich habe ich es nur vergessen – es hätte definitiv dazugehört. Und heute war es soweit, auch wenn das am Morgen noch in keiner Weise abzusehen war. Aber das war nicht das einzig Verrückte heute…

Gestern war ich mal wieder auf der Suche nach einem schönen Platz für Josi, George und mich. Ich bin auf den kleinen Straßen der Landzungen gefahren, die es an der Küste Maines massenhaft gibt:

Auf der Karte hatte ich schon die Ortschaft Bremen gesehen – Ehrensache, dass ich da hin musste. Eine ganz kleine Ortschaft und viele Grundstücke und Häuser an der Straße, die verlassen aussahen. Eines hatte sogar den perfekten Platz für George (hinter Josi). Beim Haus allerdings war ich mir nicht sicher, ob es nun bewohnt war oder nicht – einerseits schien so viel sich selbst überlassen, andererseits flatterte ein Shirt an der Leine und einige Nicht-Unkraut-Blumen blühten. Hm, und nun?

Und nun kam ein Pickup vorbei – Nachbarn. Ja, das Haus ist bewohnt. Nein, sonst fällt ihnen hier in der Umgebung nichts ein. Und sie raten mir, einfach auf den Bewohner zu warten, der ist ein total netter Kerl, da darf ich bestimmt zelten. Na super – bis der heimkommt, kann ich alt und grau geworden sein… Also: weitersuchen.

Fündig wurde ich dann bei der Bremen Town Hall und der Bremen Town Library. Bis auf das Gewitter eine gute Nacht – und tatsächlich mal ohne Polizei. Am Abend hab ich noch auf den Stufen der Bibliothek gesessen und mit dem offenen WLAN WhatsApp und DeutschlandfunkKultur genossen. Am Morgen saß da tatsächlich schon ein Fremder – an meinem WLAN-Platz! Unverschämtheit, aber ich war trotzdem nett. Und fragte nach einem guten Ort für Frühstück und Kaffee. Es folgten zwei, drei Vorschläge samt Wegbeschreibungen – nichts davon konnte ich mir ohne Kaffee merken. Mein ständiges Dilemma hier. Der Fremde, ein netter Typ namens David, lud mich auch zu sich zum Frühstück ein, aber nee – dann muss ich ja reden. Und reagieren. Und reden. Also Wegbeschreibungen zweiter Versuch – nicht besser. Als David seine Einladung erneuerte und mich außerdem zum Kajakfahren einlud, war die Nummer durch. Und dann wäre es auch albern gewesen, woanders zu frühstücken.

Also fuhr er mit dem Rad vor und ich mit Josi langsam hinterher. Auch mal schön, so wenig Lärm zu machen. Und was soll ich sagen? Ihr ahnt es schon: David war der total nette Besitzer und Bewohner des Hauses, das ich am Vorabend ins Auge gefasst hatte. Schon crazy. Seit zehn Jahren wohnt er hier, macht alles selbst und versucht, so wenig wie möglich neuen Krams zu kaufen. Er hat sich da ein richtig gemütliches Heim geschaffen – trotz der Dinge, die noch zu tun sind. Außerdem macht David phantastisches Rührei mit Käse und Knoblauch auf selbstgebackenem Brot – soooo lecker.

 

Und dann sind wir tatsächlich Kajak gefahren – in dieser traumhaft schönen Landschaft, in dieser Weite und in dieser Ruhe. Ihr wisst, dass ich das seit meiner Ankunft hier in den USA gesucht habe – heute habe ich es gefunden.

Thank you so much, David, for your cooking and for taking me kayaking! This has been very special to me and will always be one of the most valuable memories to me!

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