Selig in Floyd – der nüchterne Rest

Na, dann wollen wir diesen Artikel mal ordentlich zu Ende bringen, bevor wieder Margarita-Zeit ist! Teil eins schon wieder vergessen? Hier isser :-).

Einen Schlafplatz hatte ich nach meinen beiden Premieren-Margaritas in Marshall tatsächlich gefunden – gefühlt mitten in der Stadt, aber wunderbar gelegen. Sichtschutz für George, ein Stellplatz für Josi und sogar ein Klo! Wahnsinn, besser hätte es kaum kommen können. Und wieder einmal musste ich über mich selbst den Kopf schütteln, weil ich in diesen Plumsklos regelmäßig nach der Spülung greife. Geht das noch jemandem so? Bitte…

Weil Bauarbeiter meist früh anfangen, bin ich so gegen sechs aufgestanden und hab nach einem Kaffee (ich Glückspilz!) mit Abbauen und Packen angefangen. Und dann kamen sie doch noch, meine Polizisten – ich hatte mich schon gewundert! Allerdings kamen sie nicht wegen George, sondern weil jemand in der Nacht Josi in Verbindung mit der angeblich verschlossenen Toilette gesehen hatte – und drei Stunden später nochmal. Die Polizei hatte nun Sorge, dass im Klohäuschen jemand in ganz schlechtem Zustand war. War aber nicht. Alles in Ordnung. Und weil ich durch Josi zumindest indirekt beteiligt war und drei Polizisten (mit drei Autos!) auch eher ungewöhnlich, hab ich mir trotzdem mein Foto geholt.

Marshall darf man offenbar nicht erwähnen, ohne von Jim, dem Wunderhund, zu erzählen. Was ich hiermit im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten tue.

 

So, jetzt aber zurück nach Floyd und zur eigentlichen Geschichte, die hier begann!


… und gegen halb acht aufgewacht. Tatsächlich mal wieder eine Nacht ohne Polizei 😊.

Dafür tüdelten beim Lagerhaus zwei Männer rum, die immer wieder mal zu mir rüberschauten. Na gut, wer sollte ihnen das verdenken… Nach dem Zähneputzen bin ich hin und habe Tommy und Dan kennengelernt. Die beiden haben zusammen das Geschäft Finders and Keepers – ein einziger Stöbertraum. Tommy ist der Finder, der auch Fundstücke aufbereitet, Dan ist für den Laden mit Möbeln und Deko zuständig.

Tommy und Dan mit ihrem Neffen David (v.r.)

Wir haben uns gleich super verstanden und die beiden haben mich zu einem Theaterstück am Abend eingeladen. Erstmal aber hab ich mich der Dame in der Galerie vorgestellt – sie hatte rein gar nix gegen mein Campen auf der Wiese. Jippieh!

Den Tag verbrachte ich zwischen Country Store, Farmers Market (=Wochenmarkt) und George (Mittagschlaf :-). Immer wieder wurde ich angesprochen – wegen meiner Motorradklamotten, wegen Josi, wegen meines Akzents (dabei hab ich gar keinen…).

Besonders charmant war die Begegnung mit Chris, der mir zum Abschied seine Karte gab. Was die Red Rake Ranch, deren denn CEO er laut Karte war, denn für eine Ranch sei, fragte ich.. Er grinste breit: „Ich hab etwas Land. Naja, nicht viel. Eigentlich reicht es gerade, um mich auf dem Rasenmäher beschäftigt zu halten. Aber davon bin ich Chef.“ Zu schön.

Am Abend bin ich zum Theaterstück gefahren und es war einfach großartig – ich habe lange nicht mehr so gelacht. Im Stück wurden das amerikanische Fernsehen und die Lokalpolitik aufs Korn genommen. Dan war einer der Schauspieler und es war einfach zu gut. Ich hab sogar ein Autogramm bekommen! Und er hat mir angeboten, bei ihm zu übernachten und zu duschen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so ein Angebot mal ablehnen würde, aber jetzt, wo ich quasi legal mit George campen durfte, wollte ich das auch mal genießen. Die Dusche hingegen hab für den nächsten Morgen gern angenommen…

Auf dem Rückweg in die Stadt bin ich nochmal beim Country Store vorbeigefahren – ich kann ja nicht genug kriegen von dieser Bluegrass- und Country-Musik. Schon gar nicht, wenn es live ist. Leider kam ich zu spät – es wurden noch zwei Lieder gespielt, dann war Schluss. Wie gut, dass es am Sonntagmittag weiterging 😊. Aus dieser Session hab ich mich dann aber rausgeschlichen – es half ja alles nichts, irgendwann musste ich weiterfahren. Dafür hat Josi noch einen Floyd-Aufkleber bekommen. Was muss, das muss.

Floyd hat mir richtig gutgetan: nette Menschen, Musik, ein überschaubarer Kontext. Ich brauch das einfach – gerade wenn ich hier sonst so losgelöst durch die Gegend fahre. Tommy and Dan, thank you for being so awfully nice to me! It’s been a pleasure to fool around with you!

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Selig in Floyd

Ihr Lieben, ich sitze in Marshall, Missouri, bei einem Mexikaner (sehr lecker! Also, das Essen…) und habe zwei Margaritas intus. Die ersten meines Lebens und ich bin nicht mal sicher, ob man die wirklich so schreibt. War da nicht noch irgendwo ein -u-? Oder ein -h-? Ich weiß es nicht. Aber allein die Tatsache, dass ich mich das frage, zeigt, dass noch Reste von mir übrig sind. Dass ich die beiden getrunken habe, ist auch kein Grund zur Sorge – es gab einfach keinen Mojito. Ist ja auch voll Land hier. Auf jeden Fall mache ich drei Kreuze, dass ich den Text über Floyd, Virginia, schon offline vorgeschrieben habe und nur die Bilder einsetzen muss. Ungenauigkeiten und Fehler werden demnächst in nüchternem Zustand korrigiert. Oder auch nicht.


Ihr Lieben, ich muss Euch von Floyd erzählen, einem kleinen Städtchen in Virginia. Es liegt am Rande des Blue Ridge Parkways, einer Panoramastraße, die sich auf fast 800 km durch die gesamten Appalachen zieht. Auf diesem Parkway war ich unterwegs, seit dem Tag der Sonnenfinsternis.

Die Tage davor und danach waren doof – ich hab den Ozean vermisst und Maine. Unmittelbar nach der Sonnenfinsternis hat mich außerdem irgendwas Magen-Darm-Mäßiges erwischt, mit dem ich zwei Nächte und den dazwischenliegenden Tag komplett flachlag und nur Wasser zu mir nehmen konnte. Und das in einem Hotel, an dem zum einen überall mit viel Lärm gebaut wurde, und das zum anderen so schrecklich heruntergekommen war, dass ich mich nach der zweiten Nacht irgendwie mit meinem Krams auf Josi gehievt habe – hier konnte es mit mir nicht besser werden.

 

Insgesamt war ich also noch total matschig und mäßig gelaunt, als die Lady in einem kleinen Diner mir empfahl, doch mal in Floyd vorbeizuschauen, das sei ein süßes kleines Städtchen. Also hin – so etwas brauchte ich. Und was soll ich sagen: Von Anfang an hab ich mich in dem 425(!)-Seelen-Ort wohl gefühlt. Es war Freitag – und jeden Freitag gibt es in Floyd Livemusik und Tanz. Für George fand ich ein perfektes Eckchen zwischen einer stillgelegten Kirche und einer Galerie – nur von einer Seite aus einsehbar und die wirkte nicht sehr belebt. Eine Hotelzufahrt und ein Lagerhaus, das müsste gehen.

Stolz wie Bolle angesichts dieses genialen Nachtplätzchens bin ich zum Country Store gefahren (der ist sogar mit einem Bild bei Wikipedia), habe etwas gegessen, am Laptop gearbeitet und vor allem die Atmosphäre genossen. Irgendwann fing die Musik an – auch draußen auf der Straße spielten Bands. Einfach toll.

Bis auf die Tatsache, dass irgendwann zwei Typen zu Pferde auftauchten und krude Ideen verbreiten wollten. Sie ließen sich – im wahrsten Sinne des Wortes – zwar dazu herab, mit dem Fußvolk zu diskutieren, aber wirkliche Standpunktänderungen waren nicht zu erwarten. Gerade nach meinem Besuch in Charlottesville war das schon ein bisschen gruselig. Auch, dass sie einfach so und sichtlich stolz davonreiten konnten.

 

So gegen elf (bin ja nicht mehr die Jüngste) bin ich selig (wegen des Platzes und der Musik – nicht wegen der Reiter) in meinen Schlafsack gekrabbelt und gegen halb acht aufgewacht. Tatsächlich mal wieder eine Nacht ohne Polizei 😊.

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Scheiße, der Akku ist alle, keine Steckdose in Sicht und überhaupt muss ich mich jetzt mal um einen Schlafplatz kümmern. Ich hoffe, dass hier in Fußentfernung irgendwas ist – fahren kann ich nämlich nicht mehr…

Gute Nacht! Ich geb Euch trotzdem schon mal den ganzen Text, die Bilder kommen mit den Korrekturen. Oder auch nicht 😀

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Zum zweiten – hoffentlich nüchterneren Teil – geht es hier.

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Ich schulde euch was!

Ihr Lieben, heute gibt es ein bisschen Natur – das habe ich bisher sträflich vernachlässigt. Naja, eigentlich will Gynsburgh nochmal die tollen Bilder von sich sehen – meinetwegen auch das. Als Bär ist er ja auch irgendwie Natur… Also, es geht um den Blue Ridge Parkway, eine 755 km (469 Meilen) lange, traumhafte Straße längs der Blue Ridge Mountains – einem Teil der Appalachen, die gefühlt ein Gegengewicht zu den Rocky Mountains bilden – jetzt mal total unwissenschaftlich geschrieben.
Ich hab noch keine gute Übersetzung für Parkway gefunden – es ist irgendwas zwischen Panorama- und Kammstraße. Alle 20-30 Meilen geht es links und/ oder rechts in die Ortschaften hinab. Offenbar wurde dieser Parkway eigens für den Zweck angelegt, die Nutzer durch die Natur und die grandiosen Ausblicke zu beglücken. Das finde ich schon ziemlich genial. Es gibt massig Kurven und alle paar Meilen Aussichtspunkte, dafür keinen Durchgangs- oder Tagesverkehr. Trucks sind ohnehin verboten. Unter der Woche ist man fast allein dort unterwegs, das ist wunderschön.

Ich habe den Blue Ridge Parkway schon in Zusammenhang mit Flunker-Phil (danke, Jörg, für diesen wunderbaren Namen!) und mit meinem Herzensstädtchen Floyd erwähnt. Hier kommen nun endlich ein paar Bilder:

Das Ganze geht auch in neblig und regennass – und ist trotzdem wunderschön:

Besonders entzückend war die kleine Szene, die ich zufällig beobachtet hab, als ich mich gerade zum Weiterfahren fertigmachte:

Am Ende des Parkways hatte ich meine Hoffnungen auf das kleine Städtchen Gatlinburg gesetzt: vielleicht ein gemütliches Lokal mit offenem WLAN und dann ein kleines, dunkles Plätzchen für George. Aber mich erwartete der absolute Schock – Gatlinburg war natürlich nicht nur der Endpunkt der Mountains und des zugehörigen Skigebiets, sondern auch der Anfang. Und das wird ordentlich ausgeschlachtet. Die Leute fahren sogar mit den Skiliften über den Schneisen entlang – das wirkte dann doch irgendwie traurig.

Aber es ist ja bekanntlich gegen fast alles ein Kraut gewachsen, in diesem Falle in einem mexikanischen Restaurant. Nachos und Mojito im zweiten Stock, sodass ich auf die Verrückten runterschauen konnte – was braucht man mehr?

Irgendwann bin ich dann aus der Stadt rausgefahren, aber ich weiß ums Verrecken nicht mehr, wo ich übernachtet habe. Aber wo es auch war: Es scheint gut gegangen zu sein 🙂 . Sherry, war ich da schon bei Euch im Horseshoe?

So, und weil das Beste und Schönste bekanntlich immer zum Schluss kommt, sind hier nun endlich die Bilder von Model Gynsburgh. Brille: Leihgabe der Lady in Red, die wir während der Sonnenfinsternis kennengelernt haben. Tuch: privat. Kulisse: Appalachen. Agentur: Strehler. Auf Wunsch des Models nicht als Slider – die geballte Schönheit soll auf einen Blick sichtbar sein. Nun denn.

Stylish.

Kontemplativ.

Das möge jeder selbst beurteilen.

 

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