Ein ganzes ganzes Jahr.

Ein Jahr ist er her – der Aufbruch aus Kiel in mein großes Abenteuer.

Ja, ich weiß, dass die Zeit schneller vergeht, wenn man älter wird, aber sooo schnell??

Packen in Eile, weil natürlich alles viel knapper ist als geplant. 19 Uhr wollte ich los, es wurde 23 Uhr. 01:50 Uhr Ankunft in Tostedt, Übernachtung bei Cornelia, einer wunderbaren Studienfreundin.

Am nächsten Morgen weiter nach Bremerhaven – Josi abgeben. Meine Kleine fährt auf einem anderen Schiff über den Atlantik als ich, schnief…

Und ich mache mich mit dem ganzen Gepäck auf nach Antwerpen, wo die Independent Spirit auf mich wartet.

(Hier ist alles ausführlicher.)

Mehr braucht man nicht für ein halbes Jahr. Na gut, das Motorrad dann doch noch.

Eines muss ich gestehen: Wenn ich mehr Kohle hätte und weniger Schatz, würde ich sofort wieder losfahren. Die gleiche Strecke nochmal, diesmal aber mit viel mehr Zeit und hoffentlich mit ganz Wyoming, mit Montana, mit dem Crater Lake in Oregon.

Ich hab Sehnsucht.

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Ein Paradies vor der Haustür…

… eines von vielen, die wir hier in Deutschland haben. Sicher, im Havelland gibt es keine Berge oder dramatischen Schluchten, dafür aber Weite, viel (noch) ungestörte Natur, massenhaft Mohn- und Kornblumen, Wasser ohne Ende, wohltuende Stille, Obstbäume, Obstbäume, Obstbäume und weniger Menschen als woanders, die aber dafür richtig entspannt. Wem das jetzt zu ruhig klingt, dem sei gesagt, dass Berlin, Potsdam und Brandenburg nur eine halbe Stunde entfernt sind. Ehrlich.

Der Beweis: Potsdam.

Ich hab bisher nur einen kleinen Teil des Havellandes kennengelernt, aber man ahnt vielleicht schon, wie sehr ich es dort mag. Theodor Fontane (ja ja, was zusammengehört…) übrigens auch: Sein Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland  lebte hier (und ein Nachfahre lebt noch immer auf Gut Ribbeck), Effi Briest ist hier aufgewachsen und Fontane selbst ist hier auf seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg gegangen. Im entzückenden Örtchen Caputh hatte Albert Einstein vier Jahre lang seine Sommerresidenz, weil es hier einfach so schön war. Das Havelland lohnt sich also – drei große Geister können nicht irren.

 

 

 

Wer mich kennt, weiß, dass das kein Morgennebel ist.

 

Fähren gibt es natürlich jede Menge…

… auf so manchen Fährnamen (Hintergrund) muss man einfach genussvoll anstoßen.

 

Das schönste Mittagschlafplätzchen gehört mir.

 

 

 

 

Soljanka – wie früher…

Außerdem gibt es viele lustige Sachen im Havelland, wie z.B. Toiletten für Hunde, die entweder auf Stelzen unterwegs oder Meister im Hochsprung sind:

Aber davon gibt’s beim nächsten Mal mehr – bis dahin lasse ich Euch mit den Hundebildern im Kopf allein.

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Aus dem Steinstraßenschreibstübchen

Es ist Sonntag, ganz Kiel sitzt draußen in der Sonne und isst Eis. Ganz Kiel? Nein… In einem gemütlichen Zimmer im fünften Stock einer frühlingsfrischen Altbauwohnung sitze ich und schreibe. An meinem Buch. Endlich.

Nachdem ich mir einen Überblick über die Literatur zum Thema „Schreiben“ verschafft, mich in die Erfahrungen und Vorgehensweisen von Stephen King („Das Leben und das Schreiben“ – inspirierend) und Elizabeth George („Wort für Wort“ – nicht so meins) vertieft, etliche online-Tutorials angeschaut und verschiedene Schreibprogramme ausprobiert habe, ist folgender Rat als gemeinsamer Nenner übriggeblieben und offenbar am erfolgversprechendsten:

„Setz dich auf deinen Allerwertesten und schreib.“

Nun gut. Wie gesagt: Heute habe ich es endlich mal wieder geschafft, vorher lief ein paar Tage nix. Aber es war ja auch alles aufregend mit Bewerbungsgespräch und Job und Josi und überhaupt.

Ich fühle ich mich gerade ein wenig in die Reisezeit zurückversetzt, weil ich endlich Josis Taschen ausgeräumt habe. Bisher hab ich mich davor gedrückt – als ob meine Traumtour damit wirklich zu Ende ist. Dabei bin ich schon seit vier Monaten wieder hier! Mir war nicht klar, dass es so viele Enden für eine Sache geben kann.

Beim Anblick dieser Dinge werde ich zugleich froh und wehmütig:

  • meine „Weltkarte“ – die einzige USA-Karte, die ich genutzt habe. Von den hier dargestellten Straßen aus ging es nach Gefühl und Sonnenstand auf kleine und kleinste Straßen – irgendwann kam ja sicher wieder ein Highway;
  • Maine – ein Traum… und Moab – ohne Worte…
  • der Kompass, über den meine Jungs auf der Independent Spirit sich liebevoll kaputt gelacht haben, der mir aber ausreichende Dienste leistete;
  • die Wärmflasche, die ich mir tatsächlich das eine oder andere Mal in einem Diner oder einem Pub auffüllen ließ, um mich dann in Schlafsack und Zelt zu kuscheln – bestens versteckt, Ihr wisst schon;
  • meine Laufhose („Wenn ich irgendwo ankomme, laufe ich erstmal eine Runde – das ist bestimmt gut für meinen Rücken“). Das mag so sein, aber die Hose hat nicht einmal amerikanische Luft geschnuppert, sondern ist original zip-verpackt wieder mit nach Hause gekommen;
  • die Anti-Juck-Salbe, die wirklich gegen alle von Insekten verursachten Schmerzen half – danke, Lisa und Tina!
  • meine Visitenkarte, die ich an meinen kreativ gewählten Übernachtungsplätzen morgens im Zelt hinterlassen habe, wenn Kaffee und Frühstück in der Nähe waren. Niemand sollte sein Zelt abbauen und packen müssen, ohne vorher 1+x Kaffee genossen zu haben;

  • der Drumstick, den ich nach einer großartigen Bluesnacht in einem entzückenden Café im Mini-Örtchen Jemez, New Mexico, geschenkt bekam – Ronald Reagan moderierte zwischen den Cowboyfilmen, die den ganzen Tag liefen;

  • und natürlich der dicke, freche Gynsburgh, der sich bis heute geweigert hat, den Sheriffstern abzulegen, der ihm in Baggs, Wyoming, verliehen wurde. Dass der Dreck der gesamten 37.000 km auch noch an seinen Füßen sitzt, ist für ihn kein Widerspruch dazu…

Ach ja, genug geschwelgt… Weiter schreiben. Damit all die Erinnerungen im Buch einen kuscheligen gemeinsamen Raum finden.

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Mein Leben danach

So, das war jetzt aber eine ganz schön lange Pause seit dem letzten Eintrag. Was daran lag, dass ich mich hier in Kiel erstmal wieder sortieren musste. Wettertechnisch, klamottentechnisch, wohnungstechnisch, kontaktetechnisch, jobtechnisch, finanziell.

Ich bin froh, dass ich nicht in ein Loch gefallen bin – manch einem geht es nach einer langen Reise so. Ob es daran liegt, dass ich so gern schlafe? Ich habe mir eine richtig schöne Winterschlafphase gegönnt mit täglichem Mittagschlaf. Luxus pur. Und zwischendurch natürlich trotzdem einiges getan.

Vor der Reise hatte ich geplant, danach wieder in meinen alten Job zurückzugehen – was ja leider nicht klappte. Das hatte natürlich auch sein Gutes, weil ich nicht gleich ab Januar wieder funktionieren musste. Natürlich schaue ich nach Jobs, die mich interessieren – zwei sind tatsächlich gerade im Prozess. Nun ist freie Zeit gut und schön, aber man muss sie sich auch leisten können. Mein Arbeitslosengeld liegt 160 Euro über meinen Mietkosten und das ist selbst für mich eng. Natürlich würde Bernd mich bis sonstwohin unterstützen, aber ich denke, zu viel „Geschnorre“ tut einer Beziehung auch nicht gut. Außerdem soll er ja nicht für mein Abenteuer zahlen.

Nach einigem gedanklichen Hin und Her habe ich meine geliebte Wohnung nun an ein junges Pärchen zwischenvermietet. Und bin selbst zur Untermieterin geworden – ich fühle mich jetzt wieder studentisch jung. Jens, ein charmanter, großartig tattoowierter Kerl, den ich bis dato nur flüchtig kannte, und seine Alte Englische Bulldogge Balou haben mich in ihre Wohnung aufgenommen. Seitdem bin ich entspannter – und freue mich, dass ich mich ganz unkompliziert als Hundehalterin ausprobieren kann. Balou hilft mir sogar bei meinen altmodischen Fotoalben:

Was ist sonst noch passiert? Josi ist fast zu Hause! Wegen des fast komplett abgefahrenen Hinterreifens kam meine Kleine per Anhänger von Bremen zum BMW-Händler in Neumünster. Danke, Conny, für Zeit und Ausrüstung! In Neumünster wird Josi jetzt einmal komplett durchgecheckt und fit gemacht, damit wir endlich wieder auf die Straße können.

Eigentlich hätte ich schon in Seattle neue Reifen gebraucht, aber als ich erfuhr, dass Reifen plus Montage doppelt (!!!) so teuer sein würden wie in Deutschland – nämlich knapp 500 Dollar – war der Trotz stärker als die Vernunft. Ich weiß, dass das doof war, schließlich hatte ich noch zwei Drittel der Strecke vor mir. Aber irgendwie hat es bis zum Ende nie gepasst, sodass ich tatsächlich mit einem Set Reifen 34.000 km gefahren bin. Die empfohlene Kilometerzahl verschweige ich an dieser Stelle lieber. Was bleibt? Metzeler Tourance Reifen sind sehr zu empfehlen :-).

Und ich habe tatsächlich mit meinem Buch angefangen. Das fühlt sich noch richtig seltsam an, aber es ist schließlich auch das erste Mal. Wie immer vor einer mir neuen Sache kaufe ich mir erstmal x Bücher zum Thema. Als ich mich mit Mitte 20 in einen Typen meines Alters verliebte, der bereits Vater war, war die erste Anschaffung das Buch „Der gebrauchte Prinz“. Geholfen hat es nicht :-). Manchmal muss ich wegen dieser Angewohnheit über mich selbst lachen – aber das ist ja auch nicht das Schlimmste. Wie es mir mit dem Schreiben ergeht, erfahrt Ihr allerdings nicht mehr an dieser Stelle. Dafür ganz bald – versprochen!

 

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Foto-Challenge in Baltimore!

Diesmal habe ich meine Bilder immerhin auf 12 reduziert – alles schöne Erinnerungen an die drei Tage in der Ostküstenstadt.

Welche gefallen Euch am besten, welche sollen ins Buch?

Danke für Eure Hilfe!

Eva

Falls Ihr nochmal nachlesen wollt, was da so los war, geht einfach hierhin :-).

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