Mut zur Lücke – oder eher zu Gräben

Meine Lieben, ich kann das Gerede von Kälte und Frieren nicht mehr hören – geht es Euch auch so? Deshalb schreibe ich das nächste Mal aus Texas und dann wieder aus Florida. Dann ist mir warm und Euch wird es das vielleicht beim Lesen.

Nein, Quatsch, das ist nicht der Grund dafür, dass ich jetzt ein paar Lücken in meinem Bericht ungefüllt lasse. Es ist einfach so, dass ich sehr viel mehr erlebe, als ich in der entsprechenden Zeit aufschreiben kann. Hinzu kommt, dass ich – abgesehen von Ost- und Westküste – nicht selbstverständlich davon ausgehen kann, einen Ort zu finden, dessen WLAN ich nutzen kann. Auch das gehört zu den Realitäten hier. Ab und zu kaufe ich mir etwas Netz, aber das dient eher dem Kontakthalten nach Hause und meinen Facebook-Weisheiten. Einen Artikel, der inklusive Bildbearbeitung mehrere Stunden braucht, um auf die Welt zu kommen, will ich für 3 Euro pro 10 min nicht schreiben – ich hoffe, Ihr vergebt mir das.

Außerdem will ich mich jetzt auf die letzten drei Wochen konzentrieren, will Euch noch auf der Route 66, in einige Canyons, nach New Orleans und über die Florida Keys mitnehmen. Ich hoffe, das klingt gut!

Und noch ein sehr guter Grund für die Lücken in meinem Blog: Ich will ein Buch schreiben! Über diese Reise, über die Menschen, die ich kennenlernen durfte, über das, was diese Tour mit mir gemacht hat. Und damit Ihr das Buch auch schön kauft, dürft Ihr natürlich noch nicht alles wissen! Aber ein bisschen neugierig kann ich Euch machen, okay?

So fragt sich der geneigte Leser vielleicht, was zum Himmel ich denn nun tatsächlich in einem Polizeiauto mache…

… wie es um den sozialen Wohnungsbau in Aspen, Colorado, steht…

… wie ich in höchsten Höhen plötzlich zur Celebrity wurde…

… wie man so viel Schönheit wie in Colorado überhaupt aushält…

… wie Gynsburgh sich verliebte…

… und ich mich trösten musste…

… wie ich eine Salzfarm erkundete – oder doch nicht?

… und jede Menge weitere Grenzerfahrungen.

Also, ich würde das Buch kaufen wollen. Ihr auch? Super. Der Plan ist, dies zu Weihnachten 2018 möglich zu machen. Dann habt Ihr auch gleich ein Geschenk für alle Eure Lieben 🙂

Eine wesentliche Erkenntnis dieser Reise ist übrigens, dass bei allen Unterschieden zwischen Deutschland und Amerika einige Dinge auch gleich sind – wie Kuhmistinspektor Gynsburgh heldenmutig (das Wort verdient, für ihn erfunden zu werden) feststellte:

So, ich mach mich wieder auf die Straße, Ihr vergebt mir die Lücken und Gräben und kauft dafür dann mein Buch. See you later!

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Eiskaltes Vergnügen

Wer mich kennt, der weiß, dass bei mir im Zweifelsfall die Abenteuerlust über die Vernunft siegt. Wie viel Trotz in der Abenteuerlust ist und wie viel „Ach, wird schon gut gehen!“-Zuversicht, variiert von Fall zu Fall.

In Casper wurde für mich trotz Jacquies Warnungen klar: Ich will, ich will, ich will den Teton Nationalpark sehen. Und dann nach Montana – das wird schon irgendwie gehen. Wettervorhersagen treffen schließlich nicht immer ein und die Waldbrände in Montana sollten sie ja wohl auch so langsam unter Kontrolle kriegen. Ich muss gestehen, dass ich Yellowstone gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte – er war für mich eher Durchgangsstation nach Montana.

Also verabschiedete ich mich von der kopfschüttelnden Jacquie und machte mich gen Westen auf. Ohne viele Worte nehme ich Euch mit den folgenden Bildern mit durch diese – wieder einmal – grandiose Weite:

Ich hab schon in diesen Momenten gedacht: Selbst wenn ich wegen Schnee und Kälte nicht weiterkomme, hat es sich allein wegen dieser Anblicke schon gelohnt, nach Westen rauszufahren. Denn genau deshalb wollte ich diese Tour machen – um in grandiose Weiten hineinzufahren. Und allein diese Farben in den Felsen…

Und wie gut, dass ich das gedacht habe, denn der erste Schnee wurde sichtbar.

Die Fahrt war so erfrischend, wie dieser Schnee es verspricht, und so war ich heilfroh, als ich gleich am Beginn des kleinen Ortes Dubois (sprich: dübeus, nicht etwa französisch: düboa) auf Mary-Ellen traf. Ihre Kirchengemeinde hatte es sich zur Aufgabe gemacht, durchreisenden Wanderern und Radfahrern ein kostenloses Quartier zur Verfügung zu stellen – was für eine tolle Idee! Zum Glück qualifizierte sie Josi auch als „Rad“ und so konnte ich mich drei Nächte lang einkuscheln, aufwärmen und ausruhen.

Das Motto der Gemeinde finde ich toll – davon kann man sich inspirieren lassen:

Dubois ist eine süße kleine Stadt (knapp 1.000 Einwohner). Bei dem Bild, das Google Search zur Stadt als erstes zeigt, musste ich gerade herzlich lachen. Sie sehen: Richtig – nichts. Zumindest keine Stadt. Aber Dubois hat tatsächlich so einiges zu bieten.

Hier in Dubois kann man sich noch so richtig das Leben in den Westernzeiten vorstellen. Inklusive Cowboystiefel für Kids, die gerade laufen gelernt haben. Oder lernen sie darin laufen?

Und einiges, das dann doch befremdlich ist, gibt es auch:

Aber warum blieb ich drei Nächte lang? Weil natürlich schon in der ersten Nacht Schnee fiel.

Tagsüber verzog das weiße Mistzeug sich immer in höhere Lagen…

… aber das tröstete nur bedingt: Zum einen waren die Temperaturen nun auch alles andere als motorradfahrfreundlich, zum anderen liegen die National Parks höher als Dubois und wurden also langsam und liebevoll eingeschneit. Straßen wurden gesperrt, von der Durchquerung von Teton und Yellowstone abgeraten. Ich hatte eine Weile lang Hoffnung auf den jeweils nächsten Tag – in den Bergen weiß man ja nie.

In der Wartezeit suchte ich mir – natürlich – ein schnuckeliges Café zum Sein, Warten und Arbeiten. Und ich hatte gleich das Gefühl: Hier werde ich verstanden!

Es gab – wiederum natürlich – Stammgäste; Tom war einer von ihnen. Seinen Namen habe ich erst bei meinem letzten Besuch erfahren. Wenn er nicht im Café war, war er auf der Jagd – zu den absonderlichsten Uhrzeiten, aber so ist das wohl bei der Jagd. Im Ort liefen viele Menschen in diesen Klamotten rum, auch Pärchen und sogar Kinder. Ob die wohl mit auf die Jagd gehen? Wundern würde es mich, ehrlich gesagt, nicht.

Nicht im Café, sondern in einem Restaurant lernte ich Biggy kennen. Zunächst befanden wir uns auf unterschiedlichen Seiten des Bartresens. Aber schon bald wurde klar, dass auch sie Deutsche ist – wie verrückt ist das denn? Birgit aus Luckenwalde war schon als junges Mädchen von Pferden und Indianerfilmen fasziniert. Also ist sie ausgewandert, hat Wyoming entdeckt, hat Pferde gezüchtet und lebt jetzt – soweit ich das beurteilen kann – mit ihren Pferden glücklich in ihrem Paradies. Ich find das so genial: Das war ihr Traum, also hat sie es umgesetzt. Es war bestimmt nicht immer leicht und auch jetzt arbeitet sie ja zusätzlich im Restaurant. Aber sie nimmt das auf sich, um ihren Traum zu leben. Ich hatte in vielen Gesprächen auf der Tour den Eindruck, dass Menschen zwar einen großen Traum haben, aber offenbar darauf warten, dass sich das Traumpanorama von allein entfaltet. Ohne Aufwand, ohne Verzicht. Hmm… Sehr unwahrscheinlich.

Am dritten Tag musste ich einsehen, dass es mit Teton und Yellowstone nichts werden würde. Es war zum Heulen, denn Montana fiel damit auch erstmal flach. Wobei fraglich ist, was ich angesichts der Waldbrände davon gehabt hätte. Gesperrte Straßen, diesige Sicht, Kratzen im Hals? Na, danke.

Da ich aber immer noch Mitte Oktober in Seattle sein wollte, musste eine neue Route her. Natürlich südlich der Rockys, denn Schnee konnte ich auch hier haben. Der neue Plan lautete also – in der Genauigkeit all meiner Pläne bisher: südlich aus Wyoming raus, dann durch die linke obere Ecke von Colorado nach Nordwesten, dann durch das 12-15-Viertel von Utah nach Nordosten, dann durch Idaho, Oregon nach Washington. Alles klar?

Na, dann kann’s ja losgehen! Machen wir aus der geplatzten Teton-Montana-Seifenblase einfach eine Utah-Colorado-Wunderblase.

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Casper – ausruhen im Wind

Wir haben mein frierendes, übermüdetes Ich im windigen Casper, Wyoming, zurückgelassen, wisst Ihr es noch? Damals habe ich – wie schon manches Mal zuvor – an die Obdachlosen gedacht. Ich meine, ICH kann mich ja jederzeit irgendwo einmieten, will es nur nicht, weil ich meine Lieben zuhause dann früher anpumpen müsste. Aber die homeless people haben diese Wahl nicht. Sie müssen sich irgendwo niederlassen – egal, welche Temperaturen herrschen, egal, wie verletzlich sie an ihrem Platz sind. Auf meiner Tour hab ich fast jeden Obdachlosen gegrüßt, ich fühlte mich irgendwie verbunden. Auch wenn es sicher anmaßend ist. Interessant, dass diese Menschen in Deutschland „nur“ kein Obdach haben, im englischen Sprachraum aber auch kein Zuhause…

Mit diesen und anderen, ähnlich hellen Gedanken fuhr ich langsam die noch leeren Straßen von Casper ab – auf Josi fühlte ich mich weniger verloren. Dass der Wind um jede Ecke fegte, brauche ich nicht mehr zu erwähnen, oder? Und endlich, endlich – gegen 5:30 Uhr – war ich erlöst. Ein kleines, schnuckeliges Café war erleuchtet: Jacquie’s Bistro, Brunch and Bar, also mit Sicherheit auch Kaffee, an dem ich mich festhalten und mir die Hände wärmen konnte, bis ich wieder aufgetaut war.

Jacquie hat ein so großes Herz, dass es kaum in den Laden passt. Zunächst ließ sie mich einfach in Ruhe warm werden und schüttete regelmäßig Kaffee in den Pott in meinen Händen. Dann gab’s was zu essen und während ich langsam wieder ich selbst wurde, hatte sie schon längst all ihre Freunde in der Stadt über Facebook gebeten, mir für eine Nacht Unterkunft zu gewähren. Sie hat sogar ein Frühstück ausgelobt – unglaublich, aber zum Glück wahr!
Jacquie, you’re the best – thank you for everything!Leider hat sie offenbar nur so seltsame Freunde, die sich morgens eher mit Wachwerden, Aufstehen, ihren Kids, der Fahrt zum Job und dem Start desselben beschäftigen, als damit, ihre Facebook-Nachrichten zu checken. Sehr seltsam – jedenfalls hatte bis neun, halb zehn noch niemand fest zugesagt. Weil ich nach dieser Nacht im Wind und der vorigen Nacht in der Kälte Newcastles vor Müdigkeit fast vom Stuhl fiel, hab ich mich in ein günstiges Motel eingebucht – geführt von einem Indian. Das will ich ja unterstützen. Dass er – um es mit Robin Williams im Film „Good Will Hunting“ zu sagen – ein Indian mit einem Punkt auf der Stirn und nicht mit einer Feder auf dem Kopf war, hat mich ebenso wenig gestört wie die, nun sagen wir mal „charaktervollen“ Darstellungen von Feder-Indianern. Ich lag um 10 Uhr morgens im Bett und hab geschlafen.

Nach einigen Monaten unterwegs habe ich gemerkt, dass ich nach einer Weile in der amerikanischen Weite immer wieder so zwei bis drei Tage brauche, die ich an einem kleinen, überschaubaren Ort verbringe. Wo ich Menschen wiedertreffe, wo die Orte mir ansatzweise vertraut werden, wo ich mal nichts Neues sehe, das verarbeitet werden will. Die Deer Isle in Maine war so ein Ruhepunkt, Floyd in Virginia ebenso, Higginsville in Missouri auch. Und Green River in Utah, nach dem Abenteuer beim Arches National Park. Offenbar war mal wieder so eine Zeit dran, denn am nächsten Tag fühlte ich mich in keiner Weise fit zum Weiterfahren. Ein ruhiges spätes Frühstück bei Jacquie, dann ein bisschen arbeiten, ein bisschen am Blog schreiben und dann zu einer Freundin von Jacquie, bei der ich übernachten konnte.

Mal so zwischendrin, während ich mich im Motel erhole:

Casper lag genau auf der Route der Sonnenfinsternis!

Und Casper ist romantisch…

Und Casper ist tier- und menschenlieb 😉

Am nächsten Tag – natürlich – Frühstück bei Jacquie. Als ich ihr jedoch sagte, dass ich mich tatsächlich nach Westen in Richtung Yellowstone aufmachen wollte, schüttelte sie nur den Kopf und zeigte mir eine Unwetterwarnung für die Region. Die Temperaturen sollten noch mehr fallen, es sollte Schnee im Yellowstone geben. Großartig… Wenn ich auf eines so gar keine Lust mehr hatte, dann frieren. Das hatte ich seit Wounded Knee getan. Auf der anderen Seite wollte ich unbedingt in den Teton Nationalpark und dann durch den Yellowstone nach Montana – Teton und Montana waren zwei der großen Träume dieser Tour! Scheiße…

Erstmal noch einen Kaffee, Karte studieren, nachdenken. Und dann schau’n wir mal.

 

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Wyoming is callin‘!

Jetzt hab ich auch wirklich lang genug damit gewartet, diesen Abschnitt zu schreiben – Ihr solltet inzwischen ähnliche Temperaturen haben wie ich damals, um Euch alles so richtig schön vorstellen zu können.
Nein, Quatsch, ich hab’s nicht früher geschafft. Aber temperaturmäßig passt es tatsächlich ganz gut 🙂

Wir sind noch immer in South Dakota, in der südwestlichsten Ecke. Frisch war es ja schon in den Badlands geworden, den ersten Nachtfrost gab es bei Porky. Weil es aber erst Mitte September war, hatte ich noch immer die Hoffnung auf warme Herbsttage und erträgliche Nächte. Schließlich wollte ich in den atemberaubenden Teton Nationalpark, durch den Yellowstone in Wyoming und dann in Montana den Indian Summer erleben. Ich Greenhorn.

In dieser Ecke South Dakotas kommt man natürlich nicht an Mt. Rushmore vorbei. Also, man kommt vorbei – aber man kommt im Grunde nicht daran vorbei, das Ding anzusehen. Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, extra dorthin zu fahren, um mir in Stein gehauene Köpfe anzuschauen. Dementsprechend fiel es mir auch sehr leicht, nach dem Blick auf die Jungs aus der ewig langen Schlange zum Monument auszuscheren…

… und weiter in Richtung Black Hills National Forest zu fahren. Tolle Straßen, viele Kurven und immer wieder perfekte Blicke auf Mt. Rushmore – ohne Wartezeiten.

Außerdem sind die Herren Präsidenten ohnehin auf jeder Straße präsent:

Von da an ging es nach Südwesten in Richtung Teton. Und ebenfalls von da an wurden die Nächte immer kälter. In Newcastle, Wyoming, dachte ich, das Plätzchen in einer geschützten Ecke an einer Kirche würde helfen, etwas Wärme im Zelt zu halten, aber Pustekuchen. Ich hab noch nie so gefroren. Allerhand Ratschläge gingen mir durch den Kopf und glaubt mir: Ich hab sie alle ausprobiert. Klamotten an, Klamotten aus, das ja, das nein – ich hätte sogar einen Kopfstand gemacht, wenn es geholfen hätte.

Um 4:12 Uhr hab ich aufgegeben, mich angezogen und bin durch die klirrend kalte Nacht mit klarem Himmel die Hauptstraße auf- und abgegangen. Dabei hab ich entdeckt, dass Wacken offenbar Ableger hat :-).

Die Lady, die ihren Coffee Shop  schon um 5:45 Uhr öffnete statt um 6:00 Uhr, hätte ich knutschen können. Da hab ich mich dann erstmal eineinhalb Stunden aufgewärmt und gefrühstückt, bevor ich zur Kirche zurück bin, um George zu holen. Aber wenn ich dachte, es könne nicht kälter werden, sollte ich noch zweimal eines besseren belehrt werden…

Bevor es soweit war, konnte ich auf dem Weg nach Casper, Wyoming, schönste Weite genießen. Da hat das klare Wetter ja auch seine guten Seiten… Am liebsten würde ich Euch die Bilder ganz groß und leuchtend hier in den Beitrag kopieren, aber ich hoffe, dass sie auch so wirken:

Als ich – schon im Dunklen – in Casper ankam, machte ich mich naiv zuversichtlich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Ich wusste noch nicht, dass es die schlimmste Nacht meiner (bisherigen) Reise werden sollte… Zunächst bin ich auf einen Hügel gefahren – schöne Ausblicke sind ja was Feines. Das Wohngebiet dort war allerdings so angelegt, dass ich keine Lücke für mich fand. Eine große, zugewachsene Wiese wäre eine Option gewesen – wir ignorieren jetzt bitte die Hunde, die dort in unserer Vorstellung rumhüpfen und mehr. Aber da oben pfiff ein kalter Wind, echt unangenehm, und der hätte die ganze Zeit entweder an mir oder an George gerüttelt. Auch nicht schön. Also weiter – und siehe da: ein größerer Kirchenkomplex. Mit Spielplatz, Garten, Hinterhof, allen Schikanen. Zuerst packte ich mich unter einen Baum – Mist immer noch der Wind. Also irgendwo eine windgeschützte Ecke suchen – aber es war einfach keine zu finden. Unglaublich.

Egal, wohinter ich mich versteckte: Der Wind wehte kalt über mich rüber. Also runter in die Stadt – vielleicht gibt es bei der Bibliothek eine gute Ecke? Dreimal umrundet: Nein. Unglaublich. Wind, Wind, Wind. Aber was ist das? Eine von allen vier Seiten von Plexiglas umgebene Bushaltestelle? Meine! Schlaf ich halt mal in einer Haltestelle, Hauptsache, ich kriege Schlaf! Inzwischen war es zwei Uhr und ich echt zermürbt. Ich wunderte mich kurz darüber, dass kein Obdachloser in der Haltestelle schlief, wusste aber auch bald, warum. Der Wind kam nicht nur durch die 20 cm hohe Lücke am Boden rein, die Verwirbelungen drinnen waren dann richtig schön. Alter, ich war durch. Später habe ich erfahren, dass Casper eine der windigsten Städte der USA ist. Ich würde wahnsinnig, wenn ich dort leben müsste!

Erklärung und Quelle hier.

Und während die Polizei sonst immer zu mir kommt, bin ich diesmal zu ihr gegangen – absolut ratlos, wo ich die letzten Stunden der Nacht verbringen sollte. Geld ausgeben wollte ich trotz allem nicht.

Ihr werdet es kaum glauben:

  • Die Polizeistation war offen.
  • Sie war warm.
  • Es war kein Mensch da.
  • Ich fand eine Möglichkeit, mich auszustrecken. Man wird ja bescheiden.

Und so schlief ich erschöpft und froh mit folgendem Bild vor Augen ein:


Selige Stunden von 2:30 bis 5:00 Uhr – was für ein Luxus!

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Porky

Dieser verrückt-wunderbare Mensch verdient einen eigenen Artikel.

Kennengelernt habe ich Porky (ich glaube, in echt heißt er Bill) in Rockerville (!), South Dakota. Da hab ich – vollkommen durchgefroren nach meiner langen Tour durch die Badlands und den Nationalpark – im Restaurant & Saloon „Gaslight“ Zuflucht gesucht. Porky setzte sich kurz nach mir an die Bar und war ein so ungewöhnlicher Anblick, dass ich ihn einfach fotografieren musste.

Offenbar war er dort Stammgast, flachste mit den Bedienungen und Gästen herum. Es war so gegen sieben und weil die Nächte frostig wurden (wirklich!), war mir nicht unbedingt danach, draußen zu schlafen. Also fragte ich die Lady hinter der Bar, ob es in der Nähe was Günstiges gäbe. Und witzigerweise schaute sie sofort zu dem komischen Menschen nicht weit von mir, lehnte sich ihm gegenüber auf den Tresen und fragte ihn, ob er eine Idee habe. Hatte er sofort: Bei ihm war ein Zimmer frei. Einerseits fand ich es komisch, dass das so schnell ging, andererseits dachte ich mir: Wenn die Lady das vermittelt, kann es ja nicht gefährlich sein. Und dann stellte sich heraus, dass eine Kollegin von ihr, die weiter weg wohnte, nach ihrer Spätschicht regelmäßig bei Porky übernachtete – so auch diese Nacht. Das erklärte einiges – und so hab ich mit Freuden mein Zimmer bezogen. Ein Bett und vier Wände – nur für mich! Porky war erst wenige Monate zuvor in das Haus gezogen, aber schon war es witzig eingerichtet.

Vom Abend selbst hab ich nichts mehr mitbekommen, ich war hundemüde. Am nächsten Morgen – mir war gesagt worden, ich könne ausschlafen und dann sei unten Kaffee fertig – bin ich im Schlafanzug runtergeschlurft, Kaffee war fertig und im Wohnzimmer saßen Porky und Patty, die Kollegin aus dem Gaslight. Es war so unendlich entspannt, dort zu lümmeln, mit den beiden Hunden zu raufen, Kaffee zu trinken und langsam fit für den Tag zu werden. Und es hatte in der Nacht tatsächlich etwas Frost gegeben!

Porky betreibt seit zwanzig Jahren eine Motorradwerkstatt – spezialisiert auf Harleys. Hatte ich das schon erwähnt? Die wollte ich natürlich unbedingt sehen und ich sollte nicht enttäuscht werden:

Aber das war noch nicht alles – der kombinierte Lager-Kino-Gruselraum setzt dem Ganzen die Krone auf:

Porky, it’s been the greatest pleasure meeting you! Thank you so very much for letting me spend the night at your place – and please say hi to Patty!

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