Aus dem Steinstraßenschreibstübchen

Es ist Sonntag, ganz Kiel sitzt draußen in der Sonne und isst Eis. Ganz Kiel? Nein… In einem gemütlichen Zimmer im fünften Stock einer frühlingsfrischen Altbauwohnung sitze ich und schreibe. An meinem Buch. Endlich.

Nachdem ich mir einen Überblick über die Literatur zum Thema „Schreiben“ verschafft, mich in die Erfahrungen und Vorgehensweisen von Stephen King („Das Leben und das Schreiben“ – inspirierend) und Elizabeth George („Wort für Wort“ – nicht so meins) vertieft, etliche online-Tutorials angeschaut und verschiedene Schreibprogramme ausprobiert habe, ist folgender Rat als gemeinsamer Nenner übriggeblieben und offenbar am erfolgversprechendsten:

„Setz dich auf deinen Allerwertesten und schreib.“

Nun gut. Wie gesagt: Heute habe ich es endlich mal wieder geschafft, vorher lief ein paar Tage nix. Aber es war ja auch alles aufregend mit Bewerbungsgespräch und Job und Josi und überhaupt.

Ich fühle ich mich gerade ein wenig in die Reisezeit zurückversetzt, weil ich endlich Josis Taschen ausgeräumt habe. Bisher hab ich mich davor gedrückt – als ob meine Traumtour damit wirklich zu Ende ist. Dabei bin ich schon seit vier Monaten wieder hier! Mir war nicht klar, dass es so viele Enden für eine Sache geben kann.

Beim Anblick dieser Dinge werde ich zugleich froh und wehmütig:

  • meine „Weltkarte“ – die einzige USA-Karte, die ich genutzt habe. Von den hier dargestellten Straßen aus ging es nach Gefühl und Sonnenstand auf kleine und kleinste Straßen – irgendwann kam ja sicher wieder ein Highway;
  • Maine – ein Traum… und Moab – ohne Worte…
  • der Kompass, über den meine Jungs auf der Independent Spirit sich liebevoll kaputt gelacht haben, der mir aber ausreichende Dienste leistete;
  • die Wärmflasche, die ich mir tatsächlich das eine oder andere Mal in einem Diner oder einem Pub auffüllen ließ, um mich dann in Schlafsack und Zelt zu kuscheln – bestens versteckt, Ihr wisst schon;
  • meine Laufhose („Wenn ich irgendwo ankomme, laufe ich erstmal eine Runde – das ist bestimmt gut für meinen Rücken“). Das mag so sein, aber die Hose hat nicht einmal amerikanische Luft geschnuppert, sondern ist original zip-verpackt wieder mit nach Hause gekommen;
  • die Anti-Juck-Salbe, die wirklich gegen alle von Insekten verursachten Schmerzen half – danke, Lisa und Tina!
  • meine Visitenkarte, die ich an meinen kreativ gewählten Übernachtungsplätzen morgens im Zelt hinterlassen habe, wenn Kaffee und Frühstück in der Nähe waren. Niemand sollte sein Zelt abbauen und packen müssen, ohne vorher 1+x Kaffee genossen zu haben;

  • der Drumstick, den ich nach einer großartigen Bluesnacht in einem entzückenden Café im Mini-Örtchen Jemez, New Mexico, geschenkt bekam – Ronald Reagan moderierte zwischen den Cowboyfilmen, die den ganzen Tag liefen;

  • und natürlich der dicke, freche Gynsburgh, der sich bis heute geweigert hat, den Sheriffstern abzulegen, der ihm in Baggs, Wyoming, verliehen wurde. Dass der Dreck der gesamten 37.000 km auch noch an seinen Füßen sitzt, ist für ihn kein Widerspruch dazu…

Ach ja, genug geschwelgt… Weiter schreiben. Damit all die Erinnerungen im Buch einen kuscheligen gemeinsamen Raum finden.

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Der Übernachtungsreport – Teil III

Es wird mal wieder Zeit für einen Übernachtungsreport! Hotels, Motels und Hostels hab ich in Teil I und Teil II noch außen vor gelassen – die sollen nun zu ihrem Recht kommen.

Hmm, womit fangen wir denn mal an? Die Preishierarchie von oben nach unten, das wär doch was.

Hotels

Also zuerst die Hotels. Das gab es aus Budgetgründen eigentlich nur einmal während meiner Alleinreisezeit, und zwar in Maine. Ich war gerade in Maine angekommen und hatte das Gefühl, mir jetzt etwas gönnen zu können. Ein Gefühl, dem man ja fast immer nachgeben sollte. Als ich also das schnuckelige York Harbor Inn mit Ozeanblick sah, dachte ich mir: „Das wär’s!“

Vernünftig, wie ich bin, hatte ich ein Preislimit im Kopf, als ich das Hotel betrat: „100 Dollar, 100 Dollar, 100 Dollar.“ Mit Blick auf die Rezeption wiederholte Eva 1 leise: „100 Dollar“, und fragte laut: „Was kostet die Nacht für eine Person?“ – „129 Dollar.“ – „Okay,“ sagte Eva 2. Eva 1 schaute sie entsetzt an, Eva 2 schaute leise pfeifend und entschuldigend lächelnd zur Dame hinter dem Tresen. Plötzlich kam von dort: „154 dollars, please!“ Während Eva 1 so elegant wie möglich zu Boden sank, flüsterte Eva 2 – nun doch etwas schuldbewusst – „Ah, die Steuern, stimmt…“ Aus welchem Grund auch immer werden in der Regel die Preise before tax genannt und ausgezeichnet – am Ende kommt dann eine höhere Rechnung.

Nun gut, ich war drin und dann muss man sowas auch genießen. Selbst dann, wenn das Gesetz einem im Wege steht. Den Wein mit rausnehmen, um ihn bei Sonnenuntergang zu genießen? No way, das geht nicht, das ist verboten! Ja, is klar. Der Wein, die Reste vom Mittagessen und ich sind trotzdem auf die andere Straßenseite gegangen, um den Abend in einem kleinen Park zu genießen. Hatte was von einem Abend mit Rodin:

Nach meiner Rückkehr ins Zimmer konnte ich mich glücklich schätzen, noch einen Platz im Bett zu ergattern – wir haben das friedlich geregelt.


Motels

Da gibt es nicht viel Neues zu berichten – so oft hab ich da nicht übernachtet, die Preise lagen zwischen 60 und 170 (!) Dollar. Manchmal muss es aber doch sein: wenn das Wetter zu schlecht und/ oder ich zu erschöpft bin. Wichtigste Ausstattungsgegenstände sind nach wie vor eine Badewanne und eine Kaffeemaschine. Letztere ist in der Regel Standard – Gott sei Dank. Bei den Badewannen ist es Definitionssache, ob es sich um eine Dusch- oder eine Badewanne handelt. Es empfiehlt sich, weder allzu groß noch allzu schwer zu sein, dann ist man auf der sicheren Seite.

Ansonsten ist neben Bett, Kaffeemaschine und Badewanne das Allerbeste an einem Motelzimmer der PLATZ. Platz zum Ausbreiten, Auslüften, Trocknen – alles, was sonst draußen und bei blödem Wetter nicht geht. Insofern ist das zweite Bett mitnichten für Mitreisende gedacht 🙂

PS.: Wenn es ein B&B-Motel ist, lieber nochmal nachfragen. Das zweite „B“ kann nämlich auch schlechter Kaffee im Vorraum des Motels sein oder schlicht eine Liste mit Frühstücksempfehlungen für die Lokale im Ort 🙂

PPS.: Was mir wohl immer ein Rätsel bleiben wird, ist die Parkmentalität der Amis. Offenbar ist es unverzichtbar, dass das Gepäck vom Auto direkt ins Zimmer geworfen werden kann – geparkt wird unmittelbar vor der „Haus-„Tür. Ob das Auto so eine Art Familienmitglied ist?

Hostels

In drei Großstädten habe ich in Hostels übernachtet: in Baltimore (großartig), in Boston (groß, hip, nicht so meins) und in Portland. Portland war tatsächlich sehr urig, die Angestellten haben sich große Mühe gegeben, das Hostel für alle zu einem guten Ort zu machen. Einmal pro Woche gibt es sogar Live-Musik, aber das geht meines Erachtens eher nach hinten los. Wer von Euch hat „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ gesehen? Erinnert Ihr Euch an das Hippie-Pärchen, das auf einer der Hochzeiten gesungen hat? Dann brauche ich nicht mehr zu sagen… Doch: Sie waren bemüht.

Das schönste Hostel, in dem ich bisher übernachtet habe, war im Kreis Pescadero an der kalifornischen Küste zwischen San Francisco und LA. Drinnen wie viele andere Hostels auch, lässt schon der Blick aus meinem Bett Schönstes ahnen:

Das Hostel liegt direkt am Meer, neben dem Pigeon Point Lighthouse, einem alten Leuchtturm, der in den kommenden Jahren restauriert werden soll. Man kann da ganz zauberhaft spazierengehen…

… oder einfach hier sitzen, lesen, träumen…

… auf Wale warten oder der Sonne beim Untergehen zuschauen. Was braucht man mehr?

So, das war’s mal wieder. Meine mehr oder weniger konventionellen Übernachtungen mit George sind im nächsten Teil dran. Außerdem hab ich da mal all das zusammengestellt, was ich am Campen so toll finde – Ihr dürft gespannt sein!

 

 

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Deer Isle

Ihr Lieben, wer jetzt den angekündigten Übernachtungsreport erwartet, muss sich noch ein wenig gedulden. Erst muss ich Euch noch von der Deer Isle erzählen, die meinen Abschied von der Ostküste markiert. Ich bin durch John Steinbeck auf die kleine Insel in Maine aufmerksam geworden – ich hatte Euch von seinem Reisebericht erzählt und davon, dass Gynsburgh seitdem auf der Suche nach illustrer Verwandtschaft ist.

Steinbeck wurde damals geraten, niemals jemanden aus Maine oder gar von der Isle nach dem Weg zu fragen. „Wir finden es irgendwie lustig, die Leute in die Irre zu schicken, und dabei lächeln wir nicht, aber wir lachen innerlich. Das ist unsere Natur.“ Mir ist nichts dergleichen passiert, aber mit diesen Worten im Kopf musste ich doch grinsen, als ich das Schild sah :-).

Die Isle ist tatsächlich traumhaft schön. Es waren wenig Touristen da – und ich weiß, dass das angesichts der Tatsache, dass ich selbst eine Touristin bin, eine zwiespältige Aussage ist. Alles ist verlangsamt, überall blitzt das Meer durch. In ganz Maine spielen Ebbe und Flut eine große Rolle – je nördlicher, umso stärker und offenbar bis zu 15m im hohen Norden. Ich muss gestehen, dass ich das gar nicht auf dem Schirm hatte… Die Straßen auf der Insel sind ein Traum. Es gibt nicht nur überraschend viele Kurven, sondern ebenso überraschend viele  Steigungen und Gefälle, die diese Namen auch verdienen – großartig. Ich war selig, Gynsburgh war kotzübel. Aber er wollte ja unbedingt vorn sitzen…

Meine Entscheidung, in Corys Restaurant „There’s a Treat“ Nachos zu essen, bedeutete gleich mehrere schöne Treats für mich: Ich durfte auf dem Rasen hinter dem Restaurant zelten, George konnte dort am nächsten Morgen in Ruhe trocknen…

… und Cory empfahl mir das Café „44 North Coffee“. Der Kaffee dort ist wirklich phantastisch und die Aktion, aus Strandplastik was Schönes zu machen, gefiel mir ohnehin.

Alles zusammen führte dazu, dass Josi jetzt einen weiteren Aufkleber trägt, der mich zudem immer zum Lächeln bringt, weil ich an die Deer Isle erinnert werde:

Hier einige Eindrücke von der Insel:

Ich habe auch tatsächlich einen Strand gefunden, der diesen Namen verdient. Neben den überfüllten dunkelsandigen Stränden direkt an den Hauptstraßen gibt es in Maine nämlich fast nur felsige Bereiche, um ins Wasser zu gehen. Wenn also die Namen Rockport, Rockbeach, Rockland, Rocky Beach usw. auftauchen, darf man das durchaus wörtlich nehmen. Der „Sandy Beach“ hier sah auf den ersten Blick tatsächlich sandig aus. Auf einer Skala zwischen grobem Kiesel (10) und Sand (1) lag dieser Strand bei 4 – also top für hiesige Verhältnisse. Und der Ausblick war ohnehin phänomenal:

Muscheln, Krabben und Hummer bilden für viele Bewohner immer noch die Lebensgrundlage – auch wenn einiges darauf hindeutet, dass es schwieriger wird, davon zu leben. Ich muss aber gestehen, dass ich zu faul war und bin, eine Recherche zu starten, ob das wirklich so ist.

Mein letzter Stop auf der Deer Isle – Ebbe. Ich glaub, ich will mal wiederkommen und ein paar Tage bleiben.

 

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Maine – so far, so wonderful

Bevor ich die Küste verlasse und erst nach Westen landeinwärts und dann inlandig (ist das ein Wort?) weiter nach Süden fahre, will ich Euch noch ein paar Bilder meines Küsten-Maines schicken. Natürlich sind es nur persönliche Eindrücke – aber wir sehen die Welt eben nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind. Das, was ich fotografiere, ist für mich wichtig – vielleicht für niemanden sonst. Insofern ist es auch weit entfernt von „Typisch Maine“ – zumal „typisch“ ja nun wirklich oft genug fotografiert wurde.

Es sind so unglaublich viele Eindrücke hier, so viele schöne Landschaften, so viele schöne und seltsame Dinge. Die Küste unterscheidet sich dabei naturgemäß vom Inland, das wohl sehr waldreich und viel menschenärmer sein soll. Schwer vorstellbar finde ich, dass alles hier auch hervorragendes Skigebiet ist – aber der Schnee ist dann offenbar da. Wie das Inland jetzt im Sommer ist, werde ich ja in den nächsten Tagen erfahren.

Richtig schnuckelig schön fand ich Camden. Urige Pubs, gute Coffeeshops mit leckerem Frühstück, ein schöner Hafen, Kultur (im Amphitheater neben der Bibliothek lief im Rahmen eines Shakespeare Festivals gerade „Romeo und Julia“) und viel Grün:

 

So, hier nun noch einfach ein paar Eindrücke – viel Spaß!

Flamingos scheinen wichtig zu sein – die sind alle aus Plastik und in ganz vielen Vorgärten zu finden. Die neuen Einhörner?

In JEDER Stadt – unglaublich. Besonders schön in der Stadt Mystic – „Mystic Psychic“.

Ein Kinderstuhl mit Seitenstützen für das Köpfchen – so fällt es nicht mehr in den Spinat. Genial!

Ich glaube, ich würde so einiges tun, um in diesem Haus und mit diesem Blick zu leben…

The Maine Beaches – nicht ganz so meins. Es gibt nur wenige Sandstrände, die meisten sind felsig.

Hab einen Sandstrand gefunden!

     

Die Bibliotheken haben es mir in den Neuenglandstaaten ja ohnehin angetan – offenes WLAN, sogar nachts. Und ich bin nicht die einzige, die es nutzt (offensichtlich – sie haben ja nicht auf mich gewartet ;-)). Den ganzen Tag über kommen die unterschiedlichsten Leute, um mit ihrem Laptop in der Bibliothek oder, wenn sie geschlossen ist, in unmittelbarer Nähe zu arbeiten. Ist das bei uns auch so? Ich könnte es gar nicht sagen.

Meist sind die kleinen Gemeindebibliotheken auch noch total süß:

 

Im nächsten Beitrag gibt es wieder den großen Übernachtungsreport – der geneigte Leser, der bis hierhin gekommen ist, darf gespannt sein!

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Verrückt

„Kajak- oder Kanufahren in schöner Landschaft“ hat es nicht auf meine Wunschliste für Amerika geschafft. Letztlich habe ich es nur vergessen – es hätte definitiv dazugehört. Und heute war es soweit, auch wenn das am Morgen noch in keiner Weise abzusehen war. Aber das war nicht das einzig Verrückte heute…

Gestern war ich mal wieder auf der Suche nach einem schönen Platz für Josi, George und mich. Ich bin auf den kleinen Straßen der Landzungen gefahren, die es an der Küste Maines massenhaft gibt:

Auf der Karte hatte ich schon die Ortschaft Bremen gesehen – Ehrensache, dass ich da hin musste. Eine ganz kleine Ortschaft und viele Grundstücke und Häuser an der Straße, die verlassen aussahen. Eines hatte sogar den perfekten Platz für George (hinter Josi). Beim Haus allerdings war ich mir nicht sicher, ob es nun bewohnt war oder nicht – einerseits schien so viel sich selbst überlassen, andererseits flatterte ein Shirt an der Leine und einige Nicht-Unkraut-Blumen blühten. Hm, und nun?

Und nun kam ein Pickup vorbei – Nachbarn. Ja, das Haus ist bewohnt. Nein, sonst fällt ihnen hier in der Umgebung nichts ein. Und sie raten mir, einfach auf den Bewohner zu warten, der ist ein total netter Kerl, da darf ich bestimmt zelten. Na super – bis der heimkommt, kann ich alt und grau geworden sein… Also: weitersuchen.

Fündig wurde ich dann bei der Bremen Town Hall und der Bremen Town Library. Bis auf das Gewitter eine gute Nacht – und tatsächlich mal ohne Polizei. Am Abend hab ich noch auf den Stufen der Bibliothek gesessen und mit dem offenen WLAN WhatsApp und DeutschlandfunkKultur genossen. Am Morgen saß da tatsächlich schon ein Fremder – an meinem WLAN-Platz! Unverschämtheit, aber ich war trotzdem nett. Und fragte nach einem guten Ort für Frühstück und Kaffee. Es folgten zwei, drei Vorschläge samt Wegbeschreibungen – nichts davon konnte ich mir ohne Kaffee merken. Mein ständiges Dilemma hier. Der Fremde, ein netter Typ namens David, lud mich auch zu sich zum Frühstück ein, aber nee – dann muss ich ja reden. Und reagieren. Und reden. Also Wegbeschreibungen zweiter Versuch – nicht besser. Als David seine Einladung erneuerte und mich außerdem zum Kajakfahren einlud, war die Nummer durch. Und dann wäre es auch albern gewesen, woanders zu frühstücken.

Also fuhr er mit dem Rad vor und ich mit Josi langsam hinterher. Auch mal schön, so wenig Lärm zu machen. Und was soll ich sagen? Ihr ahnt es schon: David war der total nette Besitzer und Bewohner des Hauses, das ich am Vorabend ins Auge gefasst hatte. Schon crazy. Seit zehn Jahren wohnt er hier, macht alles selbst und versucht, so wenig wie möglich neuen Krams zu kaufen. Er hat sich da ein richtig gemütliches Heim geschaffen – trotz der Dinge, die noch zu tun sind. Außerdem macht David phantastisches Rührei mit Käse und Knoblauch auf selbstgebackenem Brot – soooo lecker.

 

Und dann sind wir tatsächlich Kajak gefahren – in dieser traumhaft schönen Landschaft, in dieser Weite und in dieser Ruhe. Ihr wisst, dass ich das seit meiner Ankunft hier in den USA gesucht habe – heute habe ich es gefunden.

Thank you so much, David, for your cooking and for taking me kayaking! This has been very special to me and will always be one of the most valuable memories to me!

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Blöde Kuh

Achtung, dieser Text ist weder politisch noch moralisch korrekt, aber das ist mir jetzt mal total egal. Die blöde Schnepfe war das schließlich auch nicht. Wie kann man so sein? Wahrscheinlich ist sie echt unglücklich in ihrem Leben oder einfach nur total doof oder sonst irgendwelche bösen Sachen, die ich trotz obiger Ankündigung nicht schreibe. Ach ja, wirklich wichtig ist der Text auch nicht – ist nur eben Teil meiner Reise und meiner Erfahrungen.

Was los ist? Seit einigen Tagen traue ich mich, am frühen Abend Leute anzusprechen, ob ich George (Ihr wisst schon, mein Zelt) auf ihrem Grundstück aufbauen darf. Und bisher war es total problemlos – im Falle von Karen und Bryan ja sogar einfach toll. Nun bin ich an der Küste von Maine unterwegs und es ist traumhaft schön. Aber natürlich sind hier – wie bisher überall in den Neuenglandstaaten – die schönen Küstenstücke privat. Irgendwelche Häuser, Anwesen und Zäune gibt es immer, und mit meiner kriminellen Vorgeschichte habe ich so gar keine Lust auf irgendetwas in Richtung Hausfriedensbruch. Wenn ich weiß, dass keiner guckt oder gucken wird, ist das natürlich was anderes 😉

Ich bin also eine traumhafte Straße entlanggefahren – rechts von mir nur ein Streifen mit tollen Anwesen, dahinter direkt die Steilküste. Es war schon dunkel und plötzlich war ich an einem riesigen Grundstück mit genügend ebener Rasenfläche, sodass ich weit genug vom Haus entfernt wäre, als dass die Besitzer sich belästigt fühlen könnten. Ich hab Josi im obersten Teil der Einfahrt abgestellt, sodass sie gerade von der Straße runter war, und habe bestimmt zehn Minuten geklopft, geklingelt und gerufen. Nichts tat sich – obwohl im hinteren Teil Licht brannte. Mist. Und nun?

Versuche ich es beim Nachbarn, dessen Rasenfläche an die hiesige angrenzt – unterschiedlich ist nur die Rasenhöhe. Ein älterer Herr – Paul – erlaubt mir nach drei Sätzen, auf seinem Grundstück zu campen. Perfekt! Also wieder zurück zu Josi, um sie zu umzustellen und meinen Krams aufzubauen.

Paul in seiner Holzwerkstatt. Die fertigen Produkte verschenkt er.

Inzwischen aber ist Madame nach Hause gekommen, steht vor Josi und antwortet auf mein „Hello? Are you looking for me?“ fast bellend mit „Is that yours? What do you want? Who are you?“ Ich versuche, ihr zu erklären, dass ich ursprünglich bei ihr wegen des Zeltes anfragen wollte – „No! Not here! My parents are over 80!“ Yeah, right – in deren Bett wollte ich auch schlafen. Dann fordert sie noch, ich möge Josi von ihrer Einfahrt entfernen „Yes, mam, of course.“ Ich fahre Josi auf neutralen Grund am Straßenrand und bringe George zum ausgewählten Platz. Als ich wiederkomme, sehe ich zwei Gestalten bei Josi rumwuseln – sie und ihren ach so gebrechlichen Vater. Und sie macht doch tatsächlich ein Foto von Josi! Ich bin so sauer geworden – ich hatte nichts mehr mit ihrem Grundstück zu tun. Auf meine Frage, was das solle, warum sie ein Foto gemacht hat, antwortete sie „Ich wollte sehen, ob Sie tatsächlich umgeparkt haben.“ Was für ein elender Schwachsinn – das hat sie auch ohne Foto gesehen! Sie merkt das wohl selbst und versteckt sich von nun an hinter ihrem Vater – eine Frau von knapp 50 Jahren. Unsäglich – allein sowas macht mich ja schon rasend. Nun verhört er mich, was ich denn hier mache. Blöderweise kann er mir nichts, weil sein Nachbar mir ja seine Erlaubnis gegeben hat. Also schwenkt er um auf Josi – die könne so nicht stehenbleiben. Ach, und warum nicht? Das sei zu gefährlich. Ah ja – na, das ist ja wohl meine Entscheidung, ob ich das Risiko eingehe. Zwei Meilen weiter gebe es einen Platz, an dem ich sie parken könne. Ja, is klar – ich fahr da jetzt hin und laufe zwei Meilen im Dunklen zurück. Wohl kaum. Im Hellen übrigens auch nicht. Na, dann werde er wohl die Polizei rufen müssen, damit die darüber entscheidet. Ja, bitte gern – ich baue derweil weiter mein Zelt auf. Alter, bin ich inzwischen geladen – wie unglücklich müssen Leute sein, um sich derart anzupissen???

Zunächst kommt nur ein Beamter – ungewöhnlich. Er befragt mich, checkt Josi („Well, it’s not on their property.“ – „I know.“) und George („Well, this isn’t either.“ – „I know.“) Irritiert fragt er mich: „So, what do they want?“ Ich versuche, ihm die Sache nüchtern zu erklären, rege mich aber doch wieder etwas auf und sage zum Schluss: „I wish I knew. I guess they are quite unhappy.“ Und ich schwöre, ich hab ein Grinsen in seinem Gesicht gesehen.

Während er sich aufmacht, um mit den Leuten zu sprechen, baue ich mein Zelt weiter auf. Plötzlich leuchtet mir eine Taschenlampe ins Gesicht und ich frage „Is that you again?“ Die Antwort kommt von weiter weg aus Richtung des Doofen-Hauses: „No, that’s the handsome one – so it ain’t me.“ Yeah, sowas mag ich. Ich frage zurück: „So, you are not doing good cop – bad cop any more, but handsome cop – not handsome cop?“ Daraufhin der handsome cop am Ende der Taschenlampe: „Well, I’m bad, too!“ Großartig!

Wir drei haben dann noch ein wenig gequatscht, die blöden reichen Idioten haben den Polizisten (die sie selbst gerufen haben!!!) nicht einmal ihre Tür aufgemacht, ich hab Josi noch einen halben Meter von der Straße weggerückt und das war’s. Vollkommen unnötig, der ganze Scheiß – nur weil Töchterchen nicht loslassen konnte oder zu viel Schiss hatte und Väterchen wohl hoffte, dass die Polizei mit mir schimpfen würde. Ha, Freundchen, nicht mit mir! Ich kenn die Jungs 🙂

Am Morgen hab ich echt noch überlegt, der Schnepfe einen Zettel zu hinterlassen. Wahlweise einen bösen („Dein Leben muss echt scheiße sein, dass Du sowas nötig hast.“) oder einen netten („Dein Leben scheint gerade echt schwer zu sein – ich hoffe, es wird bald wieder besser.“) Aber wenn ich ehrlich bin, wäre der nette Zettel nur ein getarnter böser gewesen. Auch von der Bitte, mir doch das Foto zuzumailen, hab ich Abstand genommen.

Dafür hab ich den Anzeiger ihres Briefkastens hochgeklappt. Ha, das wird ihr zu denken geben – das wird sie so schnell nicht vergessen! Und wehe, der Postbote wirft Briefe ein!

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