Nebraska – jetzt aber!

Von wegen Nebraska ist öde und langweilig – allein schon, dass ich drei Beiträge darüber schreiben muss (eins und zwei), beweist eindeutig das Gegenteil.

Heute kommen wir in die Metropole Johnstown. 2010 hatte der Ort 57 Einwohner – 2016 laut Wikipedia schon 61. Hier tut sich was – Johnstown rockt!

Das erste, was ich in der Abenddämmerung und auf der Suche nach einer Stätte für mein müdes Haupt in dieser Kapitale entdeckte, war ein freier Platz mit Picknicktisch. Ideal – da will ich schlafen! Aber als ich Josi am Straßenrand gegenüber parkte, sah ich mich gleich dem Sheriff des Ortes gegenüber. Na gut – ob Polizei oder Sheriff, ich bleib mir treu :-).

Der Sheriff bewacht den Saloon von Lynn und Jimmie. Die beiden sind zwei unglaublich nette Menschen – wir haben viel zusammen gelacht und genossen, u.a. das Frühstück am nächsten Morgen. Falls Unsicherheiten bestehen: Es sind alle satt geworden.

Früher hatte der Sheriff laut Lynn übrigens sogar einen Sheriffstern, aber den hat man ihm geklaut. Wie dreist muss man sein – dem Sheriff den Stern zu klauen???

Lynn und Jimmie besitzen und führen den Saloon, der in einem uralten Gebäude in Johnstown untergebracht ist, seit einigen Jahren. Gleich daneben war früher die Bank – sehr praktisch.

Lynn erlaubte mir sofort, auf dem Platz gegenüber zu übernachten – er wurde extra dafür eingerichtet. Der Platz ist viel größer als hier fotografiert, aber ich habe George und mich mit dem Baum vor Laternenlicht von links geschützt.

Am nächsten Morgen wollte ich Josi endlich, endlich mit der Steckdose versehen, die ich schon bei Louis in Kiel gekauft hatte. Bisher hatte ich immer rechtzeitig Steckdosen in Restaurants gefunden, um wahlweise die Powerbank, das Handy, das Laptop, die Kamera oder die Zahnbürste aufzuladen. Mit der USB-Steckdose für Josi könnte ich all das während der Fahrt erledigen und so Energieengpässe im eigentlichen Wortsinn vermeiden.

Mit dem Rest von Nebraska sowie Wyoming und Montana vor mir – die am dünnsten besiedelten Staaten der USA – sollte die Steckdose nun endlich ran. Ich will Krams wie diesen ja immer selber machen, um ihn zu verstehen – im Notfall hätte ich den Louis-Mann meines Vertrauens (hi, Hini) per WhatsApp-Videokonferenz dazugeholt. Aber kaum hatte ich angefangen, kam Jimmie, um mir zu helfen. Wir beide haben versucht, den Sicherungsteil des Ganzen zu verstehen, und hier muss ich eindeutig an meiner Dominanz arbeiten. Irgendwann hat er – mit viel Freude und ich bin auch dankbar! – allein gewerkelt und ich habe Werkzeug angereicht. Aber als dann ein Mensch in Camouflage dazukam und die beiden zu fachsimpeln anfingen, war ich raus. Dann ein Dritter, der hilfreiche Kommentare gab – ich hab mir das alles nur noch aus der Ferne angesehen, es war wie Comedy.

Und am Ende auch funktionstüchtig und fertig. Wenn man von den vier Schrauben absieht, die wir, trotz wieder gemeinsamer Anstrengungen, einfach nicht mehr unterbringen konnten. Ich warte immer noch darauf, dass irgendwas auseinanderfällt…

Nach getaner Arbeit haben wir zufrieden vor dem Saloon auf der Bank mit den vorgegebenen Hinternabdrücken gesessen und eine geraucht. Wen das Schicksal so zusammenführt – verrückt und wunderbar!

Thank you, Lynn, thank you, Jimmieh, thank you, Johnstown – being with you was great! Especially, when you introduced me to my first cowboys! Ich hatte kurz überlegt, mich auf die Zehenspitzen zu stellen, aber das hätte so rein gar nichts geändert…

Auch hier musste ich Abschied nehmen – ich hatte mir vor der Reise nicht klargemacht, dass es mir so schwerfallen könnte, von Menschen, Orten, Landschaften und Staaten Abschied zu nehmen. Immer mal wieder hatte ich den Gedanken: Mist, ein halbes Jahr ist zu kurz! Verrückt, aber wahr.

Nun, es geht weiter durch die (Mais-)Weiten Nebraskas und ich lasse Euch natürlich an einigen Eindrücken teilhaben:

Ich hab wieder einen Chevy gesehen! Zwar nicht wirklich in gutem Zustand – nun, eigentlich in einem miserablen Zustand – aber trotzdem schön…

Am Ende noch eine Perle – hier in Nebraska läuft die Zeit tatsächlich anders 🙂

Beitrag teilen

Nebraska – gaaaaanz viel Gegend…

„Du wirst dich zu Tode langweilen!“ – „Nimm dir bloß Musik mit!“ – „Boah, das ist soooo öde da!“

Ich hab mich richtig auf Nebraska gefreut. Im Ernst. Ich war neugierig auf dieses öde Nichts, auf die Weite. Mich schreckt Nichts ja nicht so und bis ich mich langweile, muss schon einiges geschehen. Und eigentlich dachte ich auch, dass ich ein bisschen Nichts ganz gut gebrauchen könnte nach diesen intensiven ersten beiden Monaten. Was, nicht länger? Nein, nicht länger – und so viel erlebt. In Japan gibt es das Konzept des ma – die Leere zwischen den Dingen. Dieses ma ist ebensowichtig wie die Dinge selbst, weil es hilft, sie zu genießen. Nebraska sollte mein ma werden.

Gegend und Weite und Nichts gibt es in diesem Bundesstaat schon mal genug:

In alldem nur die Geräusche von Wind, zirpende Grillen und ab und zu ein Truck. Das war so wohltuend. Aber ich hab tatsächlich auch Musik gehört während des Fahrens – zum ersten Mal auf dieser Tour. Natürlich Bruce Springsteen mit seinem „Nebraska“-Album und anderes von ihm. Das passte toll zum Dahinfliegen!

Aber es gibt tatsächlich noch mehr in Nebraska – lasst euch überraschen!

Außerdem natürlich Antiquitäten – hier draußen auf dem Land findet man die ganz besonderen Schätze:

Campen & Co. sind in einer solchen Weite natürlich traumhaft. Niemand guckt 😉 und es findet sich immer ein Plätzchen für George. Einmal allerdings hab ich ihn auf einem schmalen Weg zwischen einer Pferde- und einer Kuhherde aufgebaut – das sind vielleicht Geräusche nachts! Und immer mal wieder komme ich über eine Zeitzonengrenze. Und jede Grenze bedeutet eine weitere Stunde für mich! Ich weiß, die muss ich auf dem Rückweg nach Miami wieder hergeben, aber für jetzt ist es schön.

Ach ja, neben ganz viel Gegend gibt es in Nebraska auch ganz viel Mais. Und eben Vieh – die Bewohner hier sprechen schlicht von „crop’n cattle“. Annabelle, die folgenden Bilder sind nur für Dich!

Natürlich gibt es dafür auch die entsprechenden Maschinen – John Deere ist hier ganz groß. Und ohne ins Pornografische abrutschen zu wollen, finde ich doch, dass Josi mit den Maschinen richtig gut aussieht!

Es gibt auch Menschen in Nebraska – und ich hab ein paar richtig nette kennengelernt. Aber dafür müsst ihr auf den nächsten Artikel warten…

Beitrag teilen