South Dakota II – Der Badlands National Park

Hier ist South Dakota I  🙂

Weiter geht’s in Richtung Badlands National Park. Der soll atemberaubend schön sein – „unlike anything else in the United States“ sagte mein Bekannter Chris aus Higginsville, Missouri. Er sollte Recht behalten – aber vorher müssen noch ein paar Orte auf der Reservation durchfahren werden, alle wahrlich keine Perlen. Aber woher soll der Glanz auch kommen?

So hat Scenic (scenic = malerisch, wunderschön) zum Beispiel zwei Hauptattraktionen – die Tankstelle mit Werkstatt und Laden sowie das Gefängnis:

In diesem Kaff, dessen Namen ich nicht mehr weiß, durften Indianer immerhin schon in den Saloon – das Gefängnis war dafür umso unwirtlicher. Keinerlei Privatsphäre…


Und warum das wunderschöne Health Center in Kyle so verlassen aussieht wie die gesamten Badlands, weiß ich auch nicht…

Umso schöner wird es jetzt. Durch den Park führt eine Straße, an deren Rand man in regelmäßigen Abständen zum Schauen, Staunen und Fotografieren anhalten kann. Bei Ansicht der Bilder habe ich gemerkt, dass ich keines aussortieren mag und auch keine schlauen Kommentare geben will. Schaut es Euch einfach an.

Wilde Tiere gab es auch (neben Signore):

Ein Weg hinaus aus dem Park…

 

Und nächstes Mal lernt Ihr Porky kennen, einen der verrücktesten und großherzigsten Menschen, die ich auf meiner Tour kennengelernt habe.

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Das schönste Satzzeichen der Welt

Das hier ist ein bisschen persönlich und nicht nur schön – wer das nicht will/ mag/ kann: Der nächste Artikel ist wieder anders 😉


Es fing in Independence, Missouri, an. Kein schlechter Ort für etwas Neues. Obwohl – eigentlich hab ich den Gedanken an dieses Tattoo schon seit einigen Jahren im Kopf. Weil ich in meinem Leben ein paarmal mit schweren Episoden dieser scheißdreckätzendfuckingblöden Depression zu tun hatte; die meisten von Euch wissen das. Jedesmal dachte ich: Diesmal ist mein Leben vorbei. Es geht mir so scheiße, ich bin aus allem rausgefallen, es kann gar nicht wieder gut werden. Es schien wie ein Punkt, ein Schlusspunkt.

Aber jedesmal ging es weiter – und ich bin dafür unendlich dankbar. Ich kann wieder lachen, arbeiten und reisen, und nichts davon ist selbstverständlich. Für dieses „Es ist nicht vorbei – es geht weiter.“ steht das Semikolon. Das Ganze ist nicht meine Idee, sondern seit 2013 online und in der Tattoo-Welt zu finden.

Und genau deshalb hab ich jetzt dieses Tattoo:

Es wäre naiv anzunehmen, dass ich nie wieder eine Depression bekomme. Ich tue alles dafür, damit das nicht passiert (na gut, ich könnte mehr Sport machen 😉 ). Aber sollte es wieder passieren, hab ich jetzt diese Erinnerung bei mir, an mir. Als Ermutigung: Es geht weiter. Auch diese Kackepisode geht vorbei. Der Satz geht weiter, das Leben geht weiter – mit viel mehr tollen Dingen, als ich mir vorstellen kann. Hätte mir vor zweieinhalb Jahren jemand gesagt, dass ich tatsächlich Josi durch die USA fahren würde, hätte ich ihn sanft und vorsichtig zum nächsten freien Klinikbett geführt.

Und jetzt ist es genau so – ich fahre mit Josi und George und Gynsburgh (hm… ich sollte wohl in dieses Bett!) durch die USA. Und es ist wundervoll.

Also: In Independence fing es an – und zwar damit, dass ich NICHT nach Kansas City gefahren bin. Ein Bekannter hatte mir eine großartige Bluegrass-Band dort empfohlen, aber mir war das zu viel. Also bin ich nach Norden gefahren, bis zum Ort Liberty. Ein guter Ort zum Übernachten, dachte ich mir, und fand hinter einem Gebäude eine schöne Grasfläche für George und eine Stellfläche für Josi. Und ganz ehrlich: Wer solch nette Wünsche an die Hauswand schreibt, muss mit Schlafgästen rechnen, oder?

Das Gebäude stellte sich als Dark Lotus Tattoo-Studio heraus – und damit lag schon etwas in der Luft.

Die Öffnungszeit um 11 Uhr war toll – ausschlafen!!! Aber ich wollte nicht so viel Zeit vertrödeln; ich hatte ja grad zwei Tage wegen meines Beines „verloren“. Na, abwarten. Am nächsten Morgen kam um 7:30 Uhr Kens Stimme in mein schlafendes Bewusstsein: „Hey, you in the tent, get out and show yourself!“ – „Eh, yes, hold on, give me a minute!“ – „You alone?“ – „Yes!“ Scheint zu helfen, wenn eine Frauenstimme das sagt :-). Zumindest hat er das Wesen, das kontaktlinsenlos und im Morgenlook (Ihr kennt ihn inzwischen) auf ihn zuwankte, nicht mit gezogener Waffe begrüßt. Als Inhaber der benachbarten Reinigung ist er lediglich zu Arbeit gekommen, hat Josis Hinterteil gesehen und dann George. Mein Morgenlook scheint direkt das männliche „Gib dem armen Mädchen Kaffee und was zu Essen!“-Zentrum zu aktivieren, unabhängig vom Alter. Gefällt mir.

Ken mit dem Heiligenstrahl, den er verdient.
Er sagt, er guckt immer so.

Was Ihr hier nicht seht, sind Kens Tattoos, die – Überraschung – in meinem Herbergsstudio gemacht worden waren. Und natürlich war Ken ganz begeistert von den Jungs. Scheiße. Okay, erstmal George abbauen, dabei weiter nachdenken, ob oder ob nicht.

Britt, einer der Tattoo-Guys kam zum Dienst, war auch nett. Na super, wann bitte kommt der Moment mit dem schlechten Bauchgefühl??? Gar nicht. Britt hat sich Zeit genommen, sich meine Vorstellungen anzuhören, mir alles zu erklären, die Nachteile von Tattoos an der Hand zu erklären (verblassen durch die starke Nutzung relativ schnell – muss ich jetzt halt kürzer treten…). Um 16 Uhr hatte er einen Termin für mich. Jo, ist dann so. Witzigerweise hab ich nicht mal da (fünf Stunden Leerlauf) überlegt, das Ganze zu lassen. Ich bin in ein hübsches Café gegangen, habe gearbeitet und war nervös. So weit, so gut.

Gegen halb vier bin ich zurück ins Studio – es kann ja nicht schaden, schon ein bisschen Atmosphäre zu schnuppern und zu schauen, wie sehr die Patienten leiden (ha, doppeltgemoppelt!). Inzwischen war ich scheißnervös. Wenig hilfreich war, dass auf mehreren Monitoren ein Vietnam-Kracher lief – die Tatsache, dass selbst Mel Gibson weinte, hat mir nicht wirklich geholfen…

Britt war super, hat die Vorlage immer wieder aufgemalt, bis es mir perfekt gefiel (und wer mich kennt, weiß, dass ich echt penibel sein kann) und dann losgelegt. Meine große Sorge war, dass die untere Spitze des Semikolons zu breit oder schief oder plump wird – das hätte ich mir nicht ständig anschauen wollen. Aber Britt ist ein Könner, er hat das richtig fein hinbekommen.


Der Insider sieht, dass wir diese Bilder erst nach der OP gemacht haben. Als hätte ich vorher an so etwas Profanes wie Erinnerungsbilder denken können 😀


Thank you, Britt, for this wonderful tattoo and for telling me your story! It’s been a real pleasure to meet you!

And boss: Thanx for being so cool about me camping behind your building!

And Ken: You are the best!

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Higginsville, Missouri – das beste Lazarett

Ich liebe frühstücken. Das kann ich wirklich stundenlang tun – wobei das Frühstück und der Kaffee natürlich am besten zu mir kommen. Da dies auf dieser Reise eher nicht gegeben ist, vollbringe ich tatsächlich fast jeden Tag das Wunder, mich einigermaßen weltfein zu machen, George abzubauen und meinen Weg zum nächsten Kaffee zu finden. In diesem Fall bin ich in Waverly auf ein nettes Diner gestoßen – sehr lecker und sehr gemütlich:

Der Inhaber fand mich als deutsche Motorradreisende so spannend, dass er mir mein Frühstück spendierte – das war natürlich der Knaller. Und hat mich so erfreut, dass ich mal wieder mein Lieblingsmanöver durchgeführt habe: anfahren an einer Steigung und gleichzeitig in die Kurve gehen. Ich weiß nicht, wann ich lerne, dass ich da nicht gegen die Physik ankomme… Immerhin hab ich inzwischen gelernt, die fallende Josi sich selbst zu überlassen und Abstand zu nehmen. Nur hab ich diesmal leider mein Bein ordentlich am Rahmen gestoßen. Zuerst hab ich das gar nicht so richtig gemerkt, hab den beiden Jungs, die Josi wieder aufgerichtet haben, gedankt, „Ja, alles okay, wirklich!“ und bin losgefahren. Aber dann kam der Schmerz und zwar heftig. Bis auf Kopfschmerzen kann ich eigentlich ’ne Menge Schmerz ertragen, aber das hat mich an meine Grenzen gebracht. Ich hab fahrend unterm Helm geweint und gemerkt, dass ich nicht mehr weit komme. Ein Schild am Highway „Welcome to Higginsville! – 6 miles South“. Mist, ich wollte doch nach Nordwesten! Aber da kam erstmal nix, also blieb nur Higginsville. Wehe, da ist nichts, dann gibt es Ärger!

Und es gab tatsächlich einen richtigen Ort! Mein Lieblingsanlaufpunkt war wie immer die Bibliothek – es gab tatsächlich eine. Hier bin ich rein, noch mit Sonnenbrille und dem Versuch, ganz beherrscht zu sein. Bescheuert… Immerhin sah mein Schienbein inzwischen aus, als hätte ich ein weiteres Knie – da darf man auch leiden:


Miss Tina, die Bibliothekarin, hat sich rührend um mich gekümmert. Hat mir angeboten, dass ich bleiben könne, solange ich wollte. Hat Eis von einer Behörde nebenan besorgt. Hat mir schließlich angeboten, dass ich George auf dem Rasen der Bibliothek aufbauen und dort übernachten könnte. Dass ich in der Bibliothek meine Haare waschen könnte. Es war so wohltuend. Tina, thank you so very much for your great care!


Auch mein Liebster hat mich aus der Ferne bestens versorgt. Mit WhatsApp-Video-Untersuchungen und -Diagnosen, einem perfekten Versorgungsplan sowie regelmäßigen Check Ups. Ich küsse Dich!

Am ersten Tag war an Weiterfahren tatsächlich gar nicht zu denken. Also hab ich mich in der Bibliothek eingerichtet, dem Krabbelkreis zugeschaut und meine Mittagspause beim Mexikaner (ja, unglaublich, oder?) verbracht. Und bei ihm wieder eine Margarita probiert – der Traum geht weiter. Auch hier wurde ich mit Eis versorgt. Mit mehr als genug, um genau zu sein…

Besonders schön war, dass ich jetzt endlich mal Gelegenheit hatte, einen amerikanischen Rotary Club zu besuchen. Sonst war ich immer am falschen Tag vor Ort oder zur falschen Zeit oder war grad besonders ungeduscht oder hatte einfach keine Lust auf fremde Leute. Hier passte alles und es waren zwei unglaublich witzige Stunden, in denen ich mich sehr willkommen fühlte. Außerdem war es toll, Einblicke in die Arbeit des Clubs zu bekommen – die Mitglieder sind sehr aktiv und eng mit der Stadt verbunden. Thank you so very much for welcoming me – I wish I could have stayed longer!

Neben mir saß Chris, der ein Funeral Home betreibt – das ist ja in den USA etwas anders als bei uns. Das fand ich als Fan der Serie „Six feet under“ natürlich hochspannend und es war richtig cool, dass ich den Ort am nächsten Tag anschauen konnte. Thanx, Chris!

Ach, und dann musste ich auch weiter – es half ja alles nichts. Ich wär gern noch länger in Higginsville geblieben, zumal am kommenden Wochenende ein Rodeo stattfinden sollte. Schnief! Aber man kann nicht alles haben. Mein Bein war soweit okay, dass ich wieder laufen konnte, auch wenn länger Hochlegen bestimmt fein gewesen wäre.

Es ist schon verrückt, wie viele schöne Momente und Begegnungen aus so einem Motorrad-Umfaller entstehen können! Insofern nehm ich das alles gern in Kauf.

Thank you, Higginsville, it’s been great :-)!

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Selig in Floyd – der nüchterne Rest

Na, dann wollen wir diesen Artikel mal ordentlich zu Ende bringen, bevor wieder Margarita-Zeit ist! Teil eins schon wieder vergessen? Hier isser :-).

Einen Schlafplatz hatte ich nach meinen beiden Premieren-Margaritas in Marshall tatsächlich gefunden – gefühlt mitten in der Stadt, aber wunderbar gelegen. Sichtschutz für George, ein Stellplatz für Josi und sogar ein Klo! Wahnsinn, besser hätte es kaum kommen können. Und wieder einmal musste ich über mich selbst den Kopf schütteln, weil ich in diesen Plumsklos regelmäßig nach der Spülung greife. Geht das noch jemandem so? Bitte…

Weil Bauarbeiter meist früh anfangen, bin ich so gegen sechs aufgestanden und hab nach einem Kaffee (ich Glückspilz!) mit Abbauen und Packen angefangen. Und dann kamen sie doch noch, meine Polizisten – ich hatte mich schon gewundert! Allerdings kamen sie nicht wegen George, sondern weil jemand in der Nacht Josi in Verbindung mit der angeblich verschlossenen Toilette gesehen hatte – und drei Stunden später nochmal. Die Polizei hatte nun Sorge, dass im Klohäuschen jemand in ganz schlechtem Zustand war. War aber nicht. Alles in Ordnung. Und weil ich durch Josi zumindest indirekt beteiligt war und drei Polizisten (mit drei Autos!) auch eher ungewöhnlich, hab ich mir trotzdem mein Foto geholt.

Marshall darf man offenbar nicht erwähnen, ohne von Jim, dem Wunderhund, zu erzählen. Was ich hiermit im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten tue.

 

So, jetzt aber zurück nach Floyd und zur eigentlichen Geschichte, die hier begann!


… und gegen halb acht aufgewacht. Tatsächlich mal wieder eine Nacht ohne Polizei 😊.

Dafür tüdelten beim Lagerhaus zwei Männer rum, die immer wieder mal zu mir rüberschauten. Na gut, wer sollte ihnen das verdenken… Nach dem Zähneputzen bin ich hin und habe Tommy und Dan kennengelernt. Die beiden haben zusammen das Geschäft Finders and Keepers – ein einziger Stöbertraum. Tommy ist der Finder, der auch Fundstücke aufbereitet, Dan ist für den Laden mit Möbeln und Deko zuständig.

Tommy und Dan mit ihrem Neffen David (v.r.)

Wir haben uns gleich super verstanden und die beiden haben mich zu einem Theaterstück am Abend eingeladen. Erstmal aber hab ich mich der Dame in der Galerie vorgestellt – sie hatte rein gar nix gegen mein Campen auf der Wiese. Jippieh!

Den Tag verbrachte ich zwischen Country Store, Farmers Market (=Wochenmarkt) und George (Mittagschlaf :-). Immer wieder wurde ich angesprochen – wegen meiner Motorradklamotten, wegen Josi, wegen meines Akzents (dabei hab ich gar keinen…).

Besonders charmant war die Begegnung mit Chris, der mir zum Abschied seine Karte gab. Was die Red Rake Ranch, deren denn CEO er laut Karte war, denn für eine Ranch sei, fragte ich.. Er grinste breit: „Ich hab etwas Land. Naja, nicht viel. Eigentlich reicht es gerade, um mich auf dem Rasenmäher beschäftigt zu halten. Aber davon bin ich Chef.“ Zu schön.

Am Abend bin ich zum Theaterstück gefahren und es war einfach großartig – ich habe lange nicht mehr so gelacht. Im Stück wurden das amerikanische Fernsehen und die Lokalpolitik aufs Korn genommen. Dan war einer der Schauspieler und es war einfach zu gut. Ich hab sogar ein Autogramm bekommen! Und er hat mir angeboten, bei ihm zu übernachten und zu duschen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so ein Angebot mal ablehnen würde, aber jetzt, wo ich quasi legal mit George campen durfte, wollte ich das auch mal genießen. Die Dusche hingegen hab für den nächsten Morgen gern angenommen…

Auf dem Rückweg in die Stadt bin ich nochmal beim Country Store vorbeigefahren – ich kann ja nicht genug kriegen von dieser Bluegrass- und Country-Musik. Schon gar nicht, wenn es live ist. Leider kam ich zu spät – es wurden noch zwei Lieder gespielt, dann war Schluss. Wie gut, dass es am Sonntagmittag weiterging 😊. Aus dieser Session hab ich mich dann aber rausgeschlichen – es half ja alles nichts, irgendwann musste ich weiterfahren. Dafür hat Josi noch einen Floyd-Aufkleber bekommen. Was muss, das muss.

Floyd hat mir richtig gutgetan: nette Menschen, Musik, ein überschaubarer Kontext. Ich brauch das einfach – gerade wenn ich hier sonst so losgelöst durch die Gegend fahre. Tommy and Dan, thank you for being so awfully nice to me! It’s been a pleasure to fool around with you!

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Selig in Floyd

Ihr Lieben, ich sitze in Marshall, Missouri, bei einem Mexikaner (sehr lecker! Also, das Essen…) und habe zwei Margaritas intus. Die ersten meines Lebens und ich bin nicht mal sicher, ob man die wirklich so schreibt. War da nicht noch irgendwo ein -u-? Oder ein -h-? Ich weiß es nicht. Aber allein die Tatsache, dass ich mich das frage, zeigt, dass noch Reste von mir übrig sind. Dass ich die beiden getrunken habe, ist auch kein Grund zur Sorge – es gab einfach keinen Mojito. Ist ja auch voll Land hier. Auf jeden Fall mache ich drei Kreuze, dass ich den Text über Floyd, Virginia, schon offline vorgeschrieben habe und nur die Bilder einsetzen muss. Ungenauigkeiten und Fehler werden demnächst in nüchternem Zustand korrigiert. Oder auch nicht.


Ihr Lieben, ich muss Euch von Floyd erzählen, einem kleinen Städtchen in Virginia. Es liegt am Rande des Blue Ridge Parkways, einer Panoramastraße, die sich auf fast 800 km durch die gesamten Appalachen zieht. Auf diesem Parkway war ich unterwegs, seit dem Tag der Sonnenfinsternis.

Die Tage davor und danach waren doof – ich hab den Ozean vermisst und Maine. Unmittelbar nach der Sonnenfinsternis hat mich außerdem irgendwas Magen-Darm-Mäßiges erwischt, mit dem ich zwei Nächte und den dazwischenliegenden Tag komplett flachlag und nur Wasser zu mir nehmen konnte. Und das in einem Hotel, an dem zum einen überall mit viel Lärm gebaut wurde, und das zum anderen so schrecklich heruntergekommen war, dass ich mich nach der zweiten Nacht irgendwie mit meinem Krams auf Josi gehievt habe – hier konnte es mit mir nicht besser werden.

 

Insgesamt war ich also noch total matschig und mäßig gelaunt, als die Lady in einem kleinen Diner mir empfahl, doch mal in Floyd vorbeizuschauen, das sei ein süßes kleines Städtchen. Also hin – so etwas brauchte ich. Und was soll ich sagen: Von Anfang an hab ich mich in dem 425(!)-Seelen-Ort wohl gefühlt. Es war Freitag – und jeden Freitag gibt es in Floyd Livemusik und Tanz. Für George fand ich ein perfektes Eckchen zwischen einer stillgelegten Kirche und einer Galerie – nur von einer Seite aus einsehbar und die wirkte nicht sehr belebt. Eine Hotelzufahrt und ein Lagerhaus, das müsste gehen.

Stolz wie Bolle angesichts dieses genialen Nachtplätzchens bin ich zum Country Store gefahren (der ist sogar mit einem Bild bei Wikipedia), habe etwas gegessen, am Laptop gearbeitet und vor allem die Atmosphäre genossen. Irgendwann fing die Musik an – auch draußen auf der Straße spielten Bands. Einfach toll.

Bis auf die Tatsache, dass irgendwann zwei Typen zu Pferde auftauchten und krude Ideen verbreiten wollten. Sie ließen sich – im wahrsten Sinne des Wortes – zwar dazu herab, mit dem Fußvolk zu diskutieren, aber wirkliche Standpunktänderungen waren nicht zu erwarten. Gerade nach meinem Besuch in Charlottesville war das schon ein bisschen gruselig. Auch, dass sie einfach so und sichtlich stolz davonreiten konnten.

 

So gegen elf (bin ja nicht mehr die Jüngste) bin ich selig (wegen des Platzes und der Musik – nicht wegen der Reiter) in meinen Schlafsack gekrabbelt und gegen halb acht aufgewacht. Tatsächlich mal wieder eine Nacht ohne Polizei 😊.

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Scheiße, der Akku ist alle, keine Steckdose in Sicht und überhaupt muss ich mich jetzt mal um einen Schlafplatz kümmern. Ich hoffe, dass hier in Fußentfernung irgendwas ist – fahren kann ich nämlich nicht mehr…

Gute Nacht! Ich geb Euch trotzdem schon mal den ganzen Text, die Bilder kommen mit den Korrekturen. Oder auch nicht 😀

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Zum zweiten – hoffentlich nüchterneren Teil – geht es hier.

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Ein großes DANKE an die Jungs von BMW!

Es wird höchste Zeit, den Jungs von BMW Motorcycles hier in den USA zu danken – sie sind einfach großartig.

Ken und Gregg (so um die 80) von BMW Motorcycles in Hoosick, New York, wäre ich bei meiner Ankunft beinahe um den Hals gefallen. Zum einen, weil ich mich da gleich so zuhause fühlte und es einfach immer wieder geil ist, von Motorrädern umgeben zu sein, zum anderen, weil es nach zwei Stunden Fahrt im Regen paradiesisch trocken war.

Zwar konnten die beiden mir keinen Service-Termin anbieten (bzw. erst zwei Tage später), aber sie waren super witzig und haben mir alle notwendigen BMW-Adressen für meine Tour und Imprägniertipps für meine Klamotten gegeben. Hatte ich schon erzählt, dass meine Supersonderimprägnierung für 80 Euro voll für’n A… Ja? Na, gut.
Grass Roots BMW Husqvarna Motorcycles in Cape Girardeau, Missouri, haben Josis Service an einem Samstag (!) vor einem langen (!!!) Wochenende – heute=Montag ist Labor Day, alle sitzen beim Barbecue – dazwischengeschoben. Brian und Hank haben sich perfekt um Josi und mich gekümmert. Innerhalb von nicht mal zwei Stunden war sie fertig (ich ja schon die ganze Zeit vor Freude) und bereit für die nächsten 20.000 km.

Dass wir da so einfach vorfahren konnten, hatte ich Ruth und ihrem Mann (scheiße – Namen vergessen – sorry!!!) zu verdanken. Ich hab sie auf einem Campingplatz ca. 20 km vor Cape Girardeau kennengelernt, wo ich den Service angepeilt hatte. Wegen der Regenausläufer durch Harvey kam ich aber zwei Tage nach meinem Plan – an einem Samstagvormittag… Ruths Mann kennt offenbar Gott und die Welt und den BMW-Mechaniker. Während ich im Wohnwagen der beiden duschte (Luxus!!!), machte er den Sondertermin klar. So super!

Die Dusche haben die beiden mir einfach so angeboten – obwohl mir der Kleine glaubhaft versichert hat, dass ich nicht stinke. Seine Mutter Ruth hat mir ebenso glaubhaft versichert, dass er es mir mit Sicherheit gesagt hätte.

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