No more kicks on Route 66

Nach den Bildern des lebendigen oder zum Teil irgendwie am Leben gehaltenen Mythos Route 66 kommen hier die traurigen Bilder davon, wie er an anderer Stelle einfach und im wahrsten Sinne des Wortes in sich zusammenfällt.

In den meisten Orten entlang der noch bestehenden Route 66 wird man noch angemessen willkommen geheißen…

 

… aber dann sieht man sich auch schon schnell mit dem Verfall konfrontiert – es bricht einem echt das Herz. All die Motels…

… Cafés, Diners und Läden…

… verfallen einfach so vor sich hin. Und doch spürt man es noch: Hier war richtig was los.

Man kann den Niedergang natürlich auch mit Humor sehen:

Ich habe keine Ahnung, wie man das Ganze wiederbeleben könnte – zumal die Straße wie gesagt nicht mehr durchgängig und zum Teil richtig beschissen befahrbar ist. Stichwort „Bad roads are worse than no roads.“ Außerdem ist mit den schönen großen Oldtimern offenbar auch die Lust am Fahren als solches verlorengegangen – zumindest bei den Autofahrern. Motorradfahrer reichen als Zielgruppe bestimmt nicht aus.

Bisher bemühen sich einige Anwohner zumindest um einen würdevollen Verfall der Reste. Das ist bei Autos sicherlich einfacher als bei Gebäuden – von uns Menschen wollen wir jetzt mal gar nicht erst reden…

A propos „Verfall“: Wer immer schon mal überlegt hat, die Route 66 oder Teile davon zu fahren: MACHEN! Es lohnt sich noch immer – und links und rechts gibt es hunderttausende toller Dinge zu sehen und zu tun.

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Get your kicks on Route 66

„Was? Du fährst durch die USA? Mit dem Motorrad? Dann fährst Du die Route 66, oder?“

Es war spannend zu erleben, wie viele meiner Freunde und Bekannten diese Straße als Inbegriff von Freiheit und Fahren in den USA abgespeichert haben – sicher befördert durch Lieder und verschiedene Filme. Die muss man nicht mal selbst gesehen haben, um die Mythosluft zu schnuppern, die sie verströmen. Ich sag nur Easy Rider. Na, klappt’s?

Dann lasst mich den Mythos der Route 66 mal mit einigen Fakten unterfüttern:

  • Sie war ab 1926 eine der ersten durchgehend befestigten Straßenverbindungen von der Ost- zur Westküste.
  • Sie war ursprünglich 3.944 Kilometer (2.451 Meilen) lang.
  • Sie verläuft von Chicago (Illinois) nach Santa Monica/ Los Angeles (Kalifornien).
  • Sie wurde und wird liebevoll Mother Road oder Main Street of America genannt.
  • Heute ist sie leider nicht mehr durchgehend befahrbar.

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, auf der 66 zu fahren, weil es mir bei meiner Tour vor allem um die Landschaften geht. Und die 66 führt eben nicht zwangsläufig durch die schönsten Gegenden. Sie wurde rein pragmatisch angelegt, um dem steigenden Verkehrsaufkommen und dem wachsenden landesweiten Handel gerecht zu werden. In ihrer Blütezeit entstanden links und rechts neue Orte, schon bestehende verzeichneten einen unerhofften Aufschwung – Unmengen von Tankstellen, Diners und Motels wurden gebaut und genutzt. Aber letztlich hatte das arme Ding als einspurige Straße von vornherein verloren. In dem Maße, in dem der Verkehr zunahm und die Trucks erst erfunden und dann größer, schwerer und länger wurden, war sie überlastet.
In den 1950er Jahren wurden auf Initiative von Präsident Dwight D. Eisenhower die ersten Interstates gebaut. Der Gute hat sich dabei in Teilen am deutschen Autobahnnetz orientiert:

  • Wichtige Interstates erhalten ein- bis zweistellige Nummern.
  • Gerade Nummern verlaufen in Ost-West-Richtung, ungerade Nummern in Nord-Süd-Richtung.
  • Je nördlicher bzw. östlicher, desto höher die Straßennummer.
  • Interstates, deren Nummer glatt durch 5 teilbar ist, sind die wichtigsten Routen, die über besonders lange Strecken führen.

Mit den neuen Interstates verlor die Route 66 ihre Bedeutung, Orte und Einrichtungen entlang der Strecke verfielen. Teilweise gibt es noch Abschnitte der 66 entlang der Interstates, teilweise ist sie komplett verwahrlost und teilweise gibt es noch richtig schöne Stücke. Zwei davon lagen tatsächlich auf meinem Weg – beziehungsweise habe ich meinen Weg von Las Vegas nach Utah ein wenig danach ausgerichtet.

Wenn man die Straße fährt, gibt es auch außerhalb der Ortschaften einiges an Abwechslung. Zum einen die unterschiedlichen Landschaften, durch die die 66 führt, zum anderen ihre unterschiedlichen Zustände. Da ist echt alles dabei – Josi hatte ihre helle Freude.

Ich allerdings auch – denn mit Löwen am Rande der Straße hätte ich nun ganz gewiss nicht gerechnet. Zwei Stück standen dort einige hundert Meter voneinander entfernt. Aus Marmor, etwa zweieinhalb Meter hoch, stolz. Jetzt kann sich jeder eine schöne Geschichte ausdenken, wie sie dorthin kamen – und warum sie allein dort blieben…

So, genug der Preliminarien – jetzt kommen Bilder von dem, was man heute noch an „Route 66“ erleben kann.

Natürlich wird an allen möglichen und unmöglichen Stellen damit geworben. Warum sich aber gerade Seligman, Arizona, als Geburtstort der Route 66 bezeichnet, ist nicht ganz klar. Und vielleicht auch egal.

Lilo, die ich leider weder gesehen noch getroffen habe, ist vor 25 Jahren von Deutschland nach Seligman ausgewandert und hat hier ihr Restaurant eröffnet. Unnötig zu erwähnen, dass Deutsche hier besonders willkommen sind.

Ein ganz besonders interessantes Menü hat das Roadkill Café:

Die werden wahrscheinlich nie Nachschubschwierigkeiten haben…

Als wäre das alles noch nicht genug Nostalgie, geht es an einigen Stellen noch weiter zurück:

Das Witzige ist, dass man irgendwie so sehr in diese Route 66-Welt eingetaucht ist, dass einem diese Dinge als Reise in die Vergangenheit vorkommen, nach deren Betrachtung man wieder in die Gegenwart (!) der Route 66 zurückkehrt.

Ich glaube, wir bleiben da noch eine Weile. Bilder vom Verfall zeige ich Euch extra – die machen echt traurig.

Jetzt aber ist Freuen angesagt – über Josis neues Tattoo. Was muss, das muss!

Wisst Ihr, was total verrückt ist? Dass es sich tatsächlich einfach genial anfühlt, auf der Route 66 zu fahren. Obwohl sie natürlich nur eine Straße ist wie x andere auch. Zumindest physikalisch. Ich bin ja auch ohne Erwartungen an die Sache rangefahren – aber trotzdem. Sie hat schon was. Jedenfalls dann, wenn sie nicht gerade neben einer Interstate verläuft. Das kann man sich natürlich schenken. Aber fernab davon und in den Orten, die damals pulsierten – da kriegt man noch seine Kicks.

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