Jeden Tag ein Date

Hab ich euch schon meinen Muserich vorgestellt?

Nein? Dann wird es höchste Zeit. Musen sind ja die Wesen, die die Künstler küssen und ihnen auf diese schöne Weise Ideen schenken.

Nun finde ich Küsse von Mädels zum einen nur wenig reizvoll, zum anderen dürfen in den Zeiten der Gleichberechtigung ruhig auch ein paar männliche Musen – eben Museriche – unterwegs sein.

Stephen King hat auch einen, und das klappt ja ganz gut mit den beiden.

 

(c) David Zinn

So einen Überkorrekten brauche ich allerdings nicht – ich will ja auch ein bisschen Quatsch mit ihm machen.

Außerdem darf mein Muserich gern etwas tolpatschig sein, das entspannt mich.

(c) David Zinn

Inzwischen habe ich den perfekten Muserich für mich gefunden und bin jeden Tag in einem Café mit ihm verabredet. Natürlich kommt er nicht jeden Tag, aber falls er auftaucht, ist es wichtig, dass ich da bin.

In dem Café gibt es (noch) kein WLAN, also weniger Ablenkung. Manchmal vergessen die Angestellten, die Musik anzuschalten – das sind dann richtig gute Stunden. Inzwischen kenne ich einige der anderen Stammgäste, wir plaudern kurz und dann kümmert sich jeder wieder um seinen Krams. Es ist ein guter Ort zum Schreiben.

Darf ich also vorstellen: Mein Muserich heißt Sluggo und ist ein kleiner Kaffeejunkie, was natürlich sehr gut passt.

(c) David Zinn

Ins Leben gezeichnet hat ihn David Zinn, ein genialer Street Art Künstler aus Ann Arbor, Michigan.

Sluggo nascht ebenso gern wie ich und er ist ein Gentleman. Wenn es denn sein muss…

Ich freu mich jedenfalls über jedes Inspirationsgeschenk, das Sluggo mir für mein Buch macht…

(c) David Zinn

… und nach einem (weiteren) Kaffee seh ich auch mehr aus wie ich 🙂

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Fundstücke – Wolfgang Herrndorf

Wenn ich Bücher lese, werden sie meist mit einem Schmierzettel und einem Bleistift ausgestattet. Mit dem Bleistift werden (erwartbar) besondere Stellen markiert, der Schmierzettel liefert kleine Zettelchen, die beim Wiederfinden der markierten Stellen helfen.

Und seit knapp 25 Jahren (ich ächze beim Schreiben dieser Zahl…) schreibe ich diese besonderen Stellen heraus. Irgendwie sind sie mir dann näher – und ich erinnere mich leichter an sie.

So auch bei „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf. Beinahe hätte ich mich vom Titel des Buches abschrecken lassen – mir wäre Gutes entgangen. In seinem Online-Tagebuch schreibt der an einem Hirntumor erkrankte Autor (u.a. „Tschick“) über sein Leben mit Diagnose und Krankheit, über das Schreiben, über Freundschaft, Beziehungen und darüber, wie er versucht, seinen Weg ohne Kompromisse zu gehen.

Viele Stellen haben mich berührt – hier sind einige davon.

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11.8.2010

C. liest das Kapitel und gibt den Ratschlag, den sie immer gibt: Kürzen, das muss alles schneller in die Handlung münden, und wie immer hat sie recht. Was ich bräuchte, wären im Grunde Korrekturleser, die direkt hinter mir den Besen durchschwingen. Ich verplempere unglaublich Zeit, nicht nur damit, dass ich an aussichtslosen Stellen herumfeile, ich kann auch die Qualität der guten nicht erkennen.

 

27.12.2010

Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt. Der Hausmeister hat in den Ferien die Schlösser der Halle ausgetauscht, und ein Dutzend 70-Jähriger steigt hinten über den Zaun und marschiert durch den halbmetertiefen Schnee auf dem Sportplatz zum Hintereingang, um mit der Begeisterung, (und teilweise auch den Fähigkeiten) von Fünfjährigen eine Stunden zu kicken. So hatte ich mir mein Alter auch immer vorgestellt.

 

20.3.2011

Interessante Zeiten, wo eine drohende Kernschmelze in gleich mehreren Atomreaktoren nur noch auf Platz 3 der Nachrichten steht.

 

28.3.2011

… Bilanz eines Jahres: Hirn-OP, zweimal Klapse, Strahlen, Temodal. 1¾ Romane, erster großer Urlaub, viele Freunde, viel geschwommen, kaum gelesen. Ein Jahr in der Hölle, aber auch ein tolles Jahr. Im Schnitt kaum glücklicher oder unglücklicher als vor der Diagnose, nur die Ausschläge nach beiden Seiten größer.

Insgesamt vielleicht sogar ein bisschen glücklicher als früher, weil ich so lebe, wie ich immer hätte leben sollen. Und es nie getan habe, außer vielleicht als Kind.

 

Fragmente (4)

Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben nichts getan habe, was ich nicht wollte. Wenn ich unfreiwillig etwas getan habe, weil ich Geld verdienen musste zum Beispiel, habe ich mir immer Arbeiten gesucht, die keinen Geist erforderten, rein körperlich waren. Lieber habe ich am Existenzminimum herumgekrebst, als etwas zu tun, was mit Unfreiheit verbunden war … Schreiben wollte ich immer.

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Beitragsbild: Shirin Abedinirad – Evocation

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Ich hab dann mal (fast) einen Verlag

Mitte Februar ist schon eine kleine Weile her – höchste Zeit also, Euch auf den neuesten Stand in puncto Verlag zu bringen!

Der Programmleiter des Verlags und ich hatten ein sehr angenehmes Telefonat, und wer mich kennt, weiß, wieviel Überwindung mich das Telefonieren gekostet hat – mir wäre die gesamte Kommunikation schriftlich am liebsten. Ich war so aufgeregt!!!
Offenbar hat die Programmkonferenz mein Manuskript wirklich gut aufgenommen: Stil, Bilder, ich allein als Lady (manchmal) auf dem Motorrad und vor allem mein „etwas anderer Blick auf Land und Leute“ kamen an. Gerade über Letzteres habe ich mich total gefreut.

Die Buchveröffentlichung ist für Frühjahr 2020 geplant, was bedeutet, dass der Text Ende Oktober/ Anfang November fertig sein muss. In diese Zeit fällt auch mein Geburtstag – ich denke, ich werde mir das zum Geschenk machen.

Wir haben über die Bildauswahl, das Layout und den möglichen Ladenpreis gesprochen, und es entspricht alles sehr meinen Vorstellungen. Die kommenden Monate werde ich also meist in obiger Pose verbringen. Ab und zu werde ich selbige wohl auf den Balkon verlegen.

Und wenn nicht, bin ich mit Josi und meinem Liebsten unterwegs. Denn es wird endlich Frühling! Ich hab Josi auch schon ein bisschen geschmückt: Entdeckt Ihr den Deputy Sheriff-Stern? Erinnerungen an Wyoming, seufz…

Gynsburgh trägt seinen natürlich auch noch. Sollte ich ihn mal der Sonne aussetzen, wird sein Tuch wohl sternförmig ausbleichen.

PS.: Und warum nun das in Klammern gesetzte fast in der Überschrift? Weil es noch keinen unterschriebenen Vertrag gibt. Das kommt erst im Mai, wenn ich etwa ein Drittel eingereicht habe. Bisher kennen sie ja nur meine acht Manuskriptseiten.

PPS.: Natürlich wäre es mir anders lieber. Aber es ist ein renommierter Verlag und ich übe mich in Vertrauen. Außerdem will ich das Buch ja eh schreiben. Sollte es da also doch nix werden, ist nichts verloren. Ich werde es irgendwie auf den Markt bringen.

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Was macht dein Buch?

Das ist fertig und es kommt echt gut an! Ich bekomme ganz viele Rückmeldungen, dass es Spaß gemacht habe, es zu lesen, dass man sich gefühlt habe, als sei man dabei gewesen, dass man es sogar schon verschenkt habe und überhaupt.

Es ist so schön…

„In your dreams!“ würden die Amis jetzt sagen – und der pragmatische Norddeutsche „Is klar“. Denn so weit ist es natürlich noch lange nicht. Ich erwarte immer noch die Rückmeldung des Verlags und schreibe derweil weiter. Ich bin selbst erstaunt und froh, wie gut ich nach der langen Schreibpause seit Anfang November (Autorenwettbewerb, Fotoshow-Vorbereitung und das Leben allgemein) wieder reinkomme.

Mehr gibt es derzeit auch nicht zu sagen/ zu schreiben – ich wollte nur einen kurzen Zwischenstand geben.

Am Wegesrand in Plön.

Und einen schönen Artikel über das Reisen empfehlen. Es ist ein Interview u.a. mit Meike Winnemuth, die das tolle Buch „Das große Los“ geschrieben hat.

Wer nicht lesen mag, kann gucken. Aber ich warne: Dieser Blick auf das heutige Amerika ist eher traurig (in der arte-Mediathek verfügbar bis 22.4.19).

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„Hast du schon einen Verlag?“

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!

Am 19. Dezember hatte ich sechs Verlage meiner Wahl mit meinem Manuskript beglückt. Überblick, Zielgruppen, Stand der Dinge, Textprobe, Bilderauswahl.

Unglaublicherweise meldeten sich zwei (!) Verlage in den folgenden Tagen bei mir – mein Manuskript gefalle ihnen, man werde intern darüber sprechen und die Bilder prüfen. Der absolute Wahnsinn. Überall hört und liest man, dass es Monate dauere, bis man etwas von den Verlagseminenzen höre – wenn überhaupt. Denn Absagen werden nicht verschickt.

Ich denke, ich habe Glück, dass sowohl meine Geschichte als auch die dafür in Frage kommenden Verlage überschaubar sind. Meine Reisestory ist keine Belletristik, die in x Verlagen veröffentlicht werden könnte, dort aber bereits unter y ebenfalls unaufgefordert eingesandten Manuskripten verhungert.

Ich habe versucht, auf die Emails so erwachsen-freudig-cool-zugewandt-souverän und Alter-du-machst-Witze-ist-das-dein-Ernst-vermeidend zu antworten wie möglich: Klar, prüft das ruhig, alles easy, ich mach hier derweil locker weiter. Kein Ding.

Und am Dienstag nun schreibt mir dieser Mensch, dass sein Verlag tatsächlich mein Buch machen will!!! Ich hab schon gezittert, als ich seine Email im Posteingang sah. Ein „Ja“ und ein „Nein“ waren möglich – und der einzige Weg herauszufinden, was es ist, war nun, die Email tatsächlich zu lesen. Wo ist der Champagner? Einatmen… ausatmen… Email öffnen.

Gnädigerweise machte er schon im ersten Absatz klar, dass es ein „Ja“ ist. Den Rest habe ich nicht mehr wahrgenommen, ihn einfach irgendwo zwischen Augen und Gehirn geparkt. Und dann versucht weiterzuatmen.

Die Email hab ich an meinen Liebsten weitergeleitet, der kennt das schon. Er ist Lehrer, hat die Email gleich ausgedruckt, damit wir sie am Abend durchsprechen können. Wir hatten ohnehin einen Tisch bei unserem Haus-und-Hof-Italiener reserviert.

Eigentlich konnte das alles nicht wahr sein. Vielleicht war das ein Fake-Verlag? Oder einer, dem man erstmal tausende von Euro geben muss, bevor die was veröffentlichen? Was sagt Google, was Wikipedia? Okay, beide geben Entwarnung. Renommierter Verlag, europaweit. Krass… Die wollen mein Buch machen, die Suche ist vorbei.

Erst, als ich das breite Grinsen meines Liebsten sah und er mich stolz umarmte, drang ein wenig von dem, was geschehen war, wirklich zu mir durch. So ganz abgeschlossen ist dieser Prozess immer noch nicht – fragt mal die Angestellten der Buchhandlung, die ich mit Blicken auf und in Veröfflichungen aus diesem Verlag genervt habe…

Kurz und gut: Mein Buch wird entstehen.

Etwa Mitte Februar werden der Verlagsmensch und ich uns zusammensetzen um zu besprechen, wie es weitergeht: Stand des Buches, Zeitplan, Konditionen usw.

Und wenn ich unterschrieben habe, verrate ich auch den Verlag. Fühlt sich jetzt noch zu unausgegoren an.

Bis dahin: Einfach mit mir freuen!

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Psssst!

Ganz leise und nur unter uns: Verlage antworten tatsächlich!

Und man muss auch gar nicht immer die berühmten vier bis zehn Monate warten – manchmal reichen zehn bis zwanzig Tage. Klingt nach Angeben, ist es auch, aber nur ein ganz kleines bisschen!!!!

Ich kann Dir sagen: Ich platze fast vor Freude!

Mehr zu schreiben gehört sich an dieser Stelle nicht, aber sobald sich etwas Handfestes entwickelt, sage ich natürlich Bescheid.

Bis dahin: Freu Dich einfach mit mir!

Und ich gönn mir jetzt erstmal was.

(c) Eva Strehler: Fiedler – was sonst.

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Beitragsbild: (c) Eva Strehler: Kiel – irgendwo am Wegesrand.

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