Steinbeck – ich, Rosinante – Josi, Charley – Gynsburgh. Noch Fragen?

Höchstens eine weitere Parallele: Nämlich, dass die von uns (wenn auch zeitlich knapp versetzt) unternommenen Reisen durch die USA viele gemeinsame Abschnitte hatten.

Gynsburgh hat seine Nähe zu Steinbeck und dessen Freunden ja bereits auf unserer Überfahrt in die Staaten entdeckt:

Wer ihn kennt, ahnt, dass es von da noch ein kleines bisschen schwerer mit dem Dicken auszuhalten war. Aber natürlich muss man ihn einfach lieben… Und meine Mutter konnte das ja nicht ahnen, als sie mir das Buch geschenkt hat. Das sich übrigens auch noch grandios liest.

Wie dem auch sei: Natürlich haben wir das Steinbeck-Museum in Salinas, Kalifornien, besucht und waren hellauf begeistert. Bücher und Filme sind hochspannend und kreativ dargestellt – wer in Kalifornien ist, muss da einfach hin.

Wer jetzt genug von Gynsburgh gesehen hat und noch mehr von Steinbeck sehen und erfahren will, wird hier fündig. Arte hat bis Ende April eine Doku über die Steinbecks Tour in der Mediathek.

Viel Spaß!


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Deer Isle

Ihr Lieben, wer jetzt den angekündigten Übernachtungsreport erwartet, muss sich noch ein wenig gedulden. Erst muss ich Euch noch von der Deer Isle erzählen, die meinen Abschied von der Ostküste markiert. Ich bin durch John Steinbeck auf die kleine Insel in Maine aufmerksam geworden – ich hatte Euch von seinem Reisebericht erzählt und davon, dass Gynsburgh seitdem auf der Suche nach illustrer Verwandtschaft ist.

Steinbeck wurde damals geraten, niemals jemanden aus Maine oder gar von der Isle nach dem Weg zu fragen. „Wir finden es irgendwie lustig, die Leute in die Irre zu schicken, und dabei lächeln wir nicht, aber wir lachen innerlich. Das ist unsere Natur.“ Mir ist nichts dergleichen passiert, aber mit diesen Worten im Kopf musste ich doch grinsen, als ich das Schild sah :-).

Die Isle ist tatsächlich traumhaft schön. Es waren wenig Touristen da – und ich weiß, dass das angesichts der Tatsache, dass ich selbst eine Touristin bin, eine zwiespältige Aussage ist. Alles ist verlangsamt, überall blitzt das Meer durch. In ganz Maine spielen Ebbe und Flut eine große Rolle – je nördlicher, umso stärker und offenbar bis zu 15m im hohen Norden. Ich muss gestehen, dass ich das gar nicht auf dem Schirm hatte… Die Straßen auf der Insel sind ein Traum. Es gibt nicht nur überraschend viele Kurven, sondern ebenso überraschend viele  Steigungen und Gefälle, die diese Namen auch verdienen – großartig. Ich war selig, Gynsburgh war kotzübel. Aber er wollte ja unbedingt vorn sitzen…

Meine Entscheidung, in Corys Restaurant „There’s a Treat“ Nachos zu essen, bedeutete gleich mehrere schöne Treats für mich: Ich durfte auf dem Rasen hinter dem Restaurant zelten, George konnte dort am nächsten Morgen in Ruhe trocknen…

… und Cory empfahl mir das Café „44 North Coffee“. Der Kaffee dort ist wirklich phantastisch und die Aktion, aus Strandplastik was Schönes zu machen, gefiel mir ohnehin.

Alles zusammen führte dazu, dass Josi jetzt einen weiteren Aufkleber trägt, der mich zudem immer zum Lächeln bringt, weil ich an die Deer Isle erinnert werde:

Hier einige Eindrücke von der Insel:

Ich habe auch tatsächlich einen Strand gefunden, der diesen Namen verdient. Neben den überfüllten dunkelsandigen Stränden direkt an den Hauptstraßen gibt es in Maine nämlich fast nur felsige Bereiche, um ins Wasser zu gehen. Wenn also die Namen Rockport, Rockbeach, Rockland, Rocky Beach usw. auftauchen, darf man das durchaus wörtlich nehmen. Der „Sandy Beach“ hier sah auf den ersten Blick tatsächlich sandig aus. Auf einer Skala zwischen grobem Kiesel (10) und Sand (1) lag dieser Strand bei 4 – also top für hiesige Verhältnisse. Und der Ausblick war ohnehin phänomenal:

Muscheln, Krabben und Hummer bilden für viele Bewohner immer noch die Lebensgrundlage – auch wenn einiges darauf hindeutet, dass es schwieriger wird, davon zu leben. Ich muss aber gestehen, dass ich zu faul war und bin, eine Recherche zu starten, ob das wirklich so ist.

Mein letzter Stop auf der Deer Isle – Ebbe. Ich glaub, ich will mal wiederkommen und ein paar Tage bleiben.

 

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Der letzte Tag auf See

Gerade bin ich aufgewacht – 8:30 Uhr, offenbar meine biologische Aufwachzeit (muss ich unbedingt meiner Chefin sagen, man soll ja mit dem Biorhythmus leben – dann ist man auch leistungsfähiger…). Ich trinke den löslichen Kaffee, den es hier an Bord gibt, und bin ein klein wenig melancholisch. Natürlich – es waren ja auch großartige zwei Wochen. Heute Abend gegen 20 Uhr werden wir Land sehen, dann kommt gegen 22:30 Uhr der Lotse aus Chester an Bord und führt uns in die Hafenanlagen.

Über Nacht werden schon Container ab- und neu aufgeladen, morgen dann die ganzen Formalitäten. Ein Zollbeamter kommt an Bord, um alles zu kontrollieren. Dann bin ich frei, mich nach Baltimore aufzumachen und Josi zu finden. Sie müsste in diesen Tagen ankommen oder ist vielleicht schon da – das erfahre ich, sobald ich wieder Internet habe. Also wahrscheinlich morgen, der für uns zuständige Agent kommt mit einem Modem an Bord. Luxus!

Wobei das Internet mir tatsächlich kaum gefehlt hat. Sicher, manchmal hätte ich mich über das Blinken einer neuen Nachricht auf dem Smartphone gefreut, aber das war’s auch schon. Hätte ich Netz und Facebook gehabt, hätte ich sicher mehr auf den Bildschirm geschaut als aufs Meer.
Die zwei Wochen Runterkommen und Ausschlafen waren Gold wert für mich; ich hätte mich gar nicht direkt aus Kieler Alltag in den Flug und ins Abenteuer stürzen können. Den Atlantik in seiner Weite zu erleben, war grandios. Mit den witzigen und entspannten Menschen zusammen zu sein, war perfekt – zumal sie ja arbeiten mussten und ich so genau die richtige Mischung aus Kontakt und Zeit für mich hatte. Natürlich wird das, was kommt, einmalig. Aber die Melancholie ist trotzdem da – was ja nur für diese zwei Wochen Frachtschiffreise spricht.

Nebenbei: Ich habe ein neues Urlaubsziel: Kroatien. Ein Teil der Crew ist ja kroatisch – und die Bilder, die sie mir von ihrem Land gezeigt haben, sind atemberaubend. Die Straßen sollen es für Motorradfahrer ohnehin sein.

Aber jetzt erstmal die USA. Irgendwie verrückt – die meisten Menschen, die ich treffen werde, sind schon da. Die Landschaften, die ich durchfahren werde – schon da. Fehle nur noch ich, um das Bild zu vervollständigen 😊. Vieles von dem, was ich erleben werde, ist schon angelegt – ich weiß nur noch nichts davon. Steinbeck schreibt, „dass wir eine Reise nicht unternehmen, sondern von ihr unternommen werden. Führer, Fahrpläne, Reservierungen, so ehern und unvermeidlich sie sind, zerschellen an den Eigenarten der Reise. Nur wenn er dies erkannt hat, kann der wahre Tramp sich entspannt dem Lauf der Dinge hingeben. Nur dann ist er gegen alle Frustrationen gefeit.“ (S. 8)

Ein paar Stunden später

Bah, ich sitze hier, die Sonne scheint traumhaft schön auf mein Plätzchen auf der Brücke und mir ist total übel. Die ganze Theorie ist ja gut und schön, auch Erfahrung ist nicht schlecht, aber nichts hilft gegen dieses verdammte Aufgeregtsein. In den nächsten zwei Stunden soll Amerika am Horizont erscheinen, in den Funksprüchen tauchen immer öfter Fetzen wie „Rhode Island“ etc. auf und so langsam kriecht die Erkenntnis in mich rein: Ich werde tatsächlich in Amerika ankommen. Das ist so krass…

Dann mache ich mich auf die Suche nach meinem sonnengelben Motorrad und dann… geht’s noch nicht los. Glaub ich. Vjekoslav, der Chief Officer fragte mich vorhin, ob ich denn gleich „the road hitten“ würde, und ich hab gemerkt: Nein. Ich muss erstmal auf dem Festland ankommen, die Seereise abschließen, bevor die Motorradreise anfängt. Und eben Josi abholen. Vielleicht werde ich irgendwo übernachten, den Abend ruhig bei einem schönen Cocktail verbringen und auf die Karte schauen. Und dann am nächsten Morgen los. In den gedachten Sonnenaufgang – den echten schaffe ich Faultier nicht.

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Träume und Wünsche

In den letzten Tagen kamen mir immer wieder Gedanken darüber, was ich in den nächsten Monaten machen bzw. erleben möchte. Neben dem Motorradfahren natürlich. Also – auf dass ich es wahrmache:

  • schnorcheln
  • unter freiem Himmel schlafen – am liebsten mit wenig Licht um mich rum und unter einem fetten Sternenhimmel
  • an einem selbst errichteten Lagerfeuer sitzen
  • weiter Menschen nach ihrem großen Traum fragen – ich mag die Reaktionen und Gespräche, die sich daraus entwickeln
  • ein paar Tage auf einer Farm in Wyoming oder Montana verbringen und dort endlich wieder im Westernsattel reiten. Das letzte Mal ist 22 Jahre her…
  • im Oregon Crater Lake schwimmen (das ist er)
  • die Ozeanorgel bei San Francisco hören (das ist sie)
  • in einem richtig coolen US-Car fahren – am liebsten natürlich am Steuer

Hm, so richtig abwegig ist davon gar nix… Wie cool!

Gynsburgh hat seit ein paar Tagen auch einen Traum: seinen berühmten amerikanischen Verwandten treffen, dem John Steinbeck einen Reisebericht gewidmet hat. Ob der wirklich berühmt ist und ob die beiden wirklich verwandt, weiß der Himmel.

 

Steinbeck ist in seinem umgebauten Laster Rosinante (es lache noch einmal jemand über „Josi“) durch die USA gefahren – spannenderweise in weiten Teilen Strecken, die ich auch angedacht habe. Mal sehen, wie sich das berührt! Und ob wir den berühmten Verwandten finden.

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