„The Gang“ und kein Bruce

„Und wo wirst Du schlafen?“ war eine der häufigsten Fragen im Vorfeld meiner Reise und natürlich hat sie mich auch beschäftigt. Meist hab ich lässig geantwortet: „Ach, eine Mischung aus Motel, Hostel, Campingplatz und wild – und vielleicht lädt mich ja auch mal jemand ein. Das wird sich schon finden.“ Genau diese Mischung war es bisher auch, nur ein Motel war noch nicht dabei. Die Dinger sind – zumindest hier an der Ostküste – schweineteuer, ab 60 Dollar aufwärts. Aber ich bin tatsächlich schon zweimal eingeladen worden, einfach so! Das erste Mal musste ich mir allerdings angemessen verdienen…

Aber der Reihe nach: Ich fahre von Berlin, Maryland, in Richtung Norden. Auf der Suche nach einem Schlafplatz – ich war zu müde, mich noch zum angedachten Campingplatz in Keyport, New Jersey, durchzuschlagen – finde ich ein schnuckeliges Plätzchen hinter einer Kirche. Beziehungsweise hinter einem Container hinter einer Kirche. Natürlich schaue ich erstmal, ob aus Versehen eine Tür nicht abgeschlossen war. Office: nix. Office Storage: nix. Library: Ha, davon lass ich lieber die Finger – das mit dem Draht kenne ich aus dem Fernsehen!

 

Also hinter den Container, da ist auch Josi aus dem Blickfeld. Es ist stockduster, aber ich richte mich tapfer auf einem größeren Treppenabsatz ein. Kurz frage ich mich noch, was da wohl gegenüber unter den Bäumen ist, aber dann versuche ich einzuschlafen. Nach ein paar Stunden gebe ich auf. Die Luftfeuchtigkeit liegt gefühlt bei 90%, sie kriecht überall rein, ich friere wie Sau. Also packe ich zusammen, checke, was nun gegenüber ist (ein Friedhof – super!!!), mache noch ein paar Bilder und fahre dann hundemüde in Richtung Keyport. Da gibt es bestimmt Kaffee zum Aufwärmen und einen Park zum Schlafen für mich…

Aber es kommt besser. Ich stoppe beim erstbesten Starbucks von Keyport, New Jersey. Und komme über Josi mit einem Herrn ins Gespräch, der mich dann „der Gang“ vorstellt: ein halbes Dutzend Herren, die sich jeden (!) morgen um 6 (!!!) Uhr bei Starbucks treffen und bis 10 Uhr schauen, quatschen und die Probleme der Welt lösen. Fast jeder von ihnen spricht etwas Deutsch und natürlich reden wir über meine Tour. Als rauskommt, dass ich zum Umfallen müde bin, bietet Richard mir spontan sein Gästezimmer an – und das, obwohl er den ganzen Tag unterwegs sein würde. Das ist natürlich der Knaller und mir nur recht; ich bin ohnehin null gesellschaftsfähig.

 

Gesagt, getan: Um kurz nach zehn (vormittags) liege ich im Gästebett und schlafe selig. Kurz wache ich gegen fünf auf (das Alter…) und schlafe dann weiter bis zum nächsten Morgen 8 Uhr. Und natürlich ist Richard schon längst bei Starbucks. Thanx again, Richard, that was so great!

Natürlich fahre ich nochmal bei Starbucks vorbei und lerne dort auch Spring kennen – eine großartige Frau und Sängerin. Sie reist immer mit ihrem Teddy „Happy Bear“, was für Gynsburgh natürlich super war. Endlich ist er nicht mehr der Einzige…

 

So, Schnitt. Stellt Euch vor, Ihr werdet vor folgende Wahl gestellt: die Adresse von Bruce Springsteens Haus in Middletown (ca. 10 Meilen entfernt) oder die Adresse seines Fitnessstudios. Tja, nicht leicht, oder? Richard hatte beides – ganz selbstverständlich. Als Richard jung war, ist Bruce mit seiner damaligen Band in Richards Schule aufgetreten… Nachdem ich meine Schnappatmung angesichts der zweiten Möglichkeit in den Griff bekommen habe, lasse ich mir die Wohnadresse geben – da verbringt er schließlich mehr Zeit als im Studio, also kann ich da ein paar Mal rumfahren, er schaut zufällig aus seinem Küchenfenster und und lädt mich zum Abendbrot ein. Notfalls ertrage ich auch seine Frau. Nach dem Abendbrot fährt er dann eines seiner Motorräder aus der Garage und wir fahren zum Sonnenuntergang an der Küste entlang. Ach ja…

Es hätte so schön sein können und natürlich hätte ich Euch jetzt Fotos gezeigt, wenn es denn so gekommen wäre. Ist es aber nicht, schnief… Sein Haus liegt nicht direkt an der Straße und seine Küche geht nach hinten raus. Sonst… Nun gut.

Aber im Grunde hätte ich meine Tour dann auch beenden können – was sollte dann noch kommen? Wenn ich ein solches Treffen überhaupt überlebt hätte. Ich konnte damals beim Konzert in Glasgow schon kaum atmen und da war er um die 50 Meter entfernt. Also, alles gut.

Aber weil es doch irgendwie schön gewesen wäre, kommt hier ein Lied vom Boss.

Und hier das Bild, das die Brücke zur nächsten spannenden Nacht schlägt – mehr davon in Kürze 🙂

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2 thoughts on “„The Gang“ und kein Bruce

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