Time flies

Ich weiß nicht, wo dieses halbe Jahr geblieben ist. Sowohl mein Handy als auch mein Laptop zeigen an, dass wir den 14. Dezember haben – aber kann das wirklich sein? Ich bin doch grad erst mit der Independent Spirit in Chester, Philadelphia, eingelaufen – habe doch grad erst vergeblich einen Tag lang nach Bruce Springsteen gesucht, musste Josi in Moab zurücklassen, bin über den Great Salt Lake gefahren, habe mit meinem Liebsten die Westküste erfahren, mich mit Utah versöhnt, in Jemez, New Mexico, getanzt und auf der Route 66 breit gegrinst…

Aber allein die mehr oder weniger geschmackvolle Weihnachtsdeko hier in Florida zeigt, dass es wohl stimmen muss. Untermalt wird die Weihnachtsdeko momentan von Bollywoodmusik aus dem Handy des Motel-Portiers. Der Gute hat gerade extra für mich nochmal Kaffee gekocht – ihm geht es mit seinem Tee wie mir mit meinem Kaffee. Man kann sicher ohne überleben, aber ist das ein Leben?!

Ich fange schon wieder an zu erzählen – es gibt aber auch so viel, das zu erzählen sich lohnt! So hat mich gestern der Pastor einer Kirchengemeinde (Harleyfahrer) in das Motel hier in Perry verfrachtet. Er fand es unzumutbar, meiner Bitte zu entsprechen und mich auf dem Boden in der Kirche mein Schlaflager aufschlagen zu lassen… Kommt alles ins Buch.

Es ist also der 14. Punkt. Nicht zu leugnen. Am 18. will ich Josi bei dem Bekannten eines Freundes in Miami abgeben. Er wird sie irgendwann in den nächsten Monaten mit einer Ladung US-Oldtimer über den Ozean bringen. Das wird eine schöne Fahrt für sie. Ich selbst fliege am 19. ab Miami nach Hamburg. Insofern sind die Kälte und der Frost der letzten Tage (selbst hier in Florida!) wohl die perfekte Vorbereitung…

Ich habe noch vier Tage, um von Perry zu den Keys im Süden Floridas zu kommen, bis Key West zu fahren und wieder zurück nach Miami. Es wird knapp, aber es sollte klappen. Denn mit dem Motorrad diese 290 km zu fahren, über Brücken, die über 200 kleine Inseln verbinden, das muss toll sein.

Aber zunächst habt Ihr einen Rückblick auf die vergangenen zwei Wochen verdient. Kurz vor der Grenze von New Mexico zu Texas habe ich die Route 66 verlassen. Ich hätte wieder auf einer Interstate fahren müssen und dagegen bin ich inzwischen ziemlich allergisch. Die Belohnung folgte auf dem Fuße: ein Autofriedhof! Einfach so im Grenzlandnichts.

 

Über dieses verlassene Gelände zu streifen hat mich abwechselnd in größtes Entzücken (Oh, was ist das da denn? Oh, ist der schön!) und in Herzschmerz gestürzt, weil diese Schätze da so vor sich hinfaulen. Wenn man sich die alle neu vorstellt…

Vom Autofriedhof führte eine unauffällige Schotterstraße durch das Geisterörtchen Glenrio…

… über die Grenze nach Texas. Ich hatte mir vorgenommen, Texas mit Scheuklappen zu durchfahren, damit ich rechtzeitig in Miami bin. Das habe ich auch fast durchgehalten. Aber die riesigen Baumwollfelder konnte ich nicht ignorieren, zumal ich mit ihnen überhaupt nicht gerechnet hatte.

Im Süden von Texas bin ich dann tatsächlich vom Schnee eingeholt worden – aber ich wollte ja nicht mehr über die Kälte schimpfen…

Die Küste des Golfs von Mexiko, die ich in Texas, Louisiana, Alabama und Florida kennengelernt habe, ist grandios. Und erstaunlich vielfältig – im Schönen wie im Schwierigen. In Texas gibt es schönste Häuser, natürlich auf Stelzen, und eine deutliche Prägung durch die Ölgewinnung und -verarbeitung. Louisiana wirkt wilder, unentdeckter (ich weiß, das kann man nicht steigern). Die Häuser auf Stelzen sind schlichter, manchmal sind es auch Container. Ich bin an vielen verlassenen und verfallenen Häusern, Geschäften und Orten vorbeigekommen – nach den Hurrikanes ist die Ölindustrie hier zu großen Teilen nicht wieder aufgebaut worden. Und wenn die Arbeiter fehlen, fällt alles in sich zusammen. Alabama scheint wieder nobel, Florida hingegen unendlich langweilig. Sicher, es sind alles nur flüchtige Eindrücke, aber spannend ist es allemal.

Mit diesen Bildern lasse ich Euch wieder allein – ich will heute noch ein bisschen vorankommen!

 

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2 thoughts on “Time flies

  1. Pingback: Wer braucht schon Schnee… | Eva-hin-und-weg

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