Verrückt

„Kajak- oder Kanufahren in schöner Landschaft“ hat es nicht auf meine Wunschliste für Amerika geschafft. Letztlich habe ich es nur vergessen – es hätte definitiv dazugehört. Und heute war es soweit, auch wenn das am Morgen noch in keiner Weise abzusehen war. Aber das war nicht das einzig Verrückte heute…

Gestern war ich mal wieder auf der Suche nach einem schönen Platz für Josi, George und mich. Ich bin auf den kleinen Straßen der Landzungen gefahren, die es an der Küste Maines massenhaft gibt:

Auf der Karte hatte ich schon die Ortschaft Bremen gesehen – Ehrensache, dass ich da hin musste. Eine ganz kleine Ortschaft und viele Grundstücke und Häuser an der Straße, die verlassen aussahen. Eines hatte sogar den perfekten Platz für George (hinter Josi). Beim Haus allerdings war ich mir nicht sicher, ob es nun bewohnt war oder nicht – einerseits schien so viel sich selbst überlassen, andererseits flatterte ein Shirt an der Leine und einige Nicht-Unkraut-Blumen blühten. Hm, und nun?

Und nun kam ein Pickup vorbei – Nachbarn. Ja, das Haus ist bewohnt. Nein, sonst fällt ihnen hier in der Umgebung nichts ein. Und sie raten mir, einfach auf den Bewohner zu warten, der ist ein total netter Kerl, da darf ich bestimmt zelten. Na super – bis der heimkommt, kann ich alt und grau geworden sein… Also: weitersuchen.

Fündig wurde ich dann bei der Bremen Town Hall und der Bremen Town Library. Bis auf das Gewitter eine gute Nacht – und tatsächlich mal ohne Polizei. Am Abend hab ich noch auf den Stufen der Bibliothek gesessen und mit dem offenen WLAN WhatsApp und DeutschlandfunkKultur genossen. Am Morgen saß da tatsächlich schon ein Fremder – an meinem WLAN-Platz! Unverschämtheit, aber ich war trotzdem nett. Und fragte nach einem guten Ort für Frühstück und Kaffee. Es folgten zwei, drei Vorschläge samt Wegbeschreibungen – nichts davon konnte ich mir ohne Kaffee merken. Mein ständiges Dilemma hier. Der Fremde, ein netter Typ namens David, lud mich auch zu sich zum Frühstück ein, aber nee – dann muss ich ja reden. Und reagieren. Und reden. Also Wegbeschreibungen zweiter Versuch – nicht besser. Als David seine Einladung erneuerte und mich außerdem zum Kajakfahren einlud, war die Nummer durch. Und dann wäre es auch albern gewesen, woanders zu frühstücken.

Also fuhr er mit dem Rad vor und ich mit Josi langsam hinterher. Auch mal schön, so wenig Lärm zu machen. Und was soll ich sagen? Ihr ahnt es schon: David war der total nette Besitzer und Bewohner des Hauses, das ich am Vorabend ins Auge gefasst hatte. Schon crazy. Seit zehn Jahren wohnt er hier, macht alles selbst und versucht, so wenig wie möglich neuen Krams zu kaufen. Er hat sich da ein richtig gemütliches Heim geschaffen – trotz der Dinge, die noch zu tun sind. Außerdem macht David phantastisches Rührei mit Käse und Knoblauch auf selbstgebackenem Brot – soooo lecker.

 

Und dann sind wir tatsächlich Kajak gefahren – in dieser traumhaft schönen Landschaft, in dieser Weite und in dieser Ruhe. Ihr wisst, dass ich das seit meiner Ankunft hier in den USA gesucht habe – heute habe ich es gefunden.

Thank you so much, David, for your cooking and for taking me kayaking! This has been very special to me and will always be one of the most valuable memories to me!

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One thought on “Verrückt

  1. Marco

    Hallo Eva,
    seit dem ersten Tag bin ich dein treuer Verfolger und freue mich jeden Tag aufs Neue auf deine Eindrücke aus diesem großartigen Land.

    Liebe Grüße von Marco

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