Von Chester nach Baltimore

Customs and Borders Office

So, jetzt will ich Euch mal wieder auf den aktuellen Stand der Dinge bringen, bevor die Briefe aus der maritimen Vergangenheit Überhand gewinnen. Ganz aktueller Stand: Ich bin noch immer im Hostel in Baltimore, ich habe nun endlich – und hoffentlich – allen Papierkrams bewältigt, der zwischen mir und Josi lag, und ich krieg sie morgen nun hoffentlich Nr. 2 wirklich. Heute hatte das Hafenbüro schon geschlossen…

Was passierte nun zwischen dem Anlegen der „Independent Spirit“ in Chester und jetzt? Der Abschied vom Schiff und seiner Crew fiel mir nicht leicht – wurde mir aber von Tony versüßt. Der über 80-jährige Seemannsmissionar kommt immer an Bord, um die Crew mit Zeitschriften zu versorgen und bietet vielerlei Unterstützung an. In diesem Fall durfte er „this nice young lady passenger“ zu sich an Bord nehmen. Es dauerte ungefähr zwei Minuten, bis auch er sich als Biker outete – seine Harley „Bird“ ist wirklich schick. Motorradfahrer zeigen sich ja die Bilder ihrer Motorräder, wie Eltern sich die ihrer Kinder zeigen. Die Fahrt mit Tony war so witzig – seine Frau findet sich übrigens zu alt, um noch als Sozia mitzufahren. Konnten wir beide nicht verstehen – 80 ist doch kein Alter…

Tony fuhr mich zum Bahnhof in Philadelphia, von wo aus ich mit Zug oder Bus nach Baltimore weiterfahren wollte. Die Preise sprachen eindeutig für den Bus und der hatte seine Baltimore-Haltestalle an einer Mall außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes. Blöd, weil nun doch nochmal Taxikosten anfielen – aber der Fahrer Aladdin war es allemal wert. So jemanden habe ich noch nie erlebt.

 

Als der philippinische Taxifahrer hörte, dass ich Deutsche bin, verfiel er in absolute Schwärmerei für eine Carola Bürger, die Anfang der 90er auf den Inseln war. Die beiden verliebten sich ineinander, sie besuchte ihn drei Mal, er wollte seine Ausbildung fertig machen und dann nach Deutschland kommen und sie heiraten. Dazu kam es nie – er fand die Welt und andere Frauen zu spannend. Aber seit einigen Jahren sucht er nach Carola und ihren strahlend blauen Augen, seit Neuestem sogar über Facebook. Wer also eine Carola Bürger kennt…

Ich hab mich dann im Hostel eingerichtet, es waren witzige, aber auch anstrengende drei Tage. Die Kombination von lauter Musik, dem laufenden Fernseher, drei telefonierenden Leuten und den Gesprächen in der nahen Küche – die extra laut sein müssen, weil die Teppichreiniger im Haus unterwegs sind – ist nicht so ganz meins.

 

Gynsburgh hatte sich die Nächte mit mehreren anderen Frauen auch irgendwie anders vorgestellt und ist beleidigt. Aber wenn alles klappt, übernachten wir morgen schon woanders…

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One thought on “Von Chester nach Baltimore

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