Washington bei Nacht – wann sonst?

Eigentlich wollte ich von Vermont aus relativ gerade und vor allem fix runter nach Süden bzw. Südwesten fahren, um auf dem sogenannten Blue Ridge Parkway für etwa 800 Kilometer die traumhafte Landschaft der Appalachen zu genießen.

„Eigentlich“ sagt dann ja auch schon alles – denn ein Moment am vorigen Sonntagabend änderte die Punkte „gerade“ und „fix“. Knapp vier Wochen zuvor war ich schon einmal an Washington vorbeigefahren – auf dem Weg von Baltimore zur Chesapeake Bay Bridge. Es war Samstagnachmittag, es war 33 Grad heiß und ich steckte im Interstate-Verkehrswahnsinn – einer irre machenden Mischung aus Stau und Raserei (also der Verkehr, ich noch nicht). Da war mir nicht wirklich nach Hauptstadtbesichtigung, zumal all die komischen Touristen ja auch da waren ;-).

Nun stand ich an einer Ampel in Richtung Süden, es war schon dunkel und plötzlich sah ich ein Schild in Richtung Washington. 34 Meilen. Scheiße. Das kann ich doch jetzt nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – links liegenlassen! Nicht an einem Sonntagabend, wo alle Tatort schauen, die Touristen weg sind und die Pendler noch zu Hause! Also: Spur gewechselt, abgebogen und allein schon an der Vorfreude gemerkt: Das war die richtige Entscheidung.

Wieder alles beleuchtet zu sehen, die Straßen für mich zu haben, in Ruhe auch mal langsam fahren, suchend herumeiern und auch entspannt am Straßenrand stehenbleiben zu können: Das macht es für mich mehr als wett, dass ich in keines der Gebäude reinkann.

Und so hab ich mich natürlich auf den Bürgersteig gestellt, um Josi zu fotografieren 🙂

Mein Glück war an dieser Stelle perfekt. Aber Moment – ich hatte heute noch keine… Das Geräusch einer dicken Harley näherte sich – es gehörte zu einem Polizisten. Jetzt war die Welt wieder in Ordnung. Er hielt auf der anderen Seite der Poller, nahm seinen Helm ab und sagte: „I like your bike!“ Smalltalk – ein guter Start. „Well, I like yours – and it definetely sounds better!“ Zufriedenes Grinsen seinerseits – ich alte Schmeichelbacke. Aber dann: Augen auf und durch. „But that’s not what you’re here for, right?“ – „Nope. Parking on the sideway – that’s not allowed.“ Ach ja, weiß ich ja, aber ich konnte nicht widerstehen. Und ich bin auch schon fertig und gleich weg – hab alle Bilder gemacht, die ich machen wollte. „Pictures? Where are you from?“ Nach der Antwort war das Eis dann endgültig gebrochen und er hat mich sogar mit seinem Bike fotografiert! Rauf durfte ich leider nicht – state property. Ist auch egal – das war so schon so unendlich cool!

Noch einige kleine Gänge und Fahrten durch das nächtliche Washington – dabei bin ich auf ein Denkmal für den guten Albert Einstein gestoßen. Bei dem Präsidenten ist sein Ausspruch wohl passend wie selten: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Gegen elf bin ich dann wieder raus aus Washington. Eigentlich wollte ich es bis zurück auf meine ursprüngliche Route schaffen, aber ich war einfach zu müde. Und deshalb froh, als ich mal wieder eine Kirche mit Rasenfläche entdeckte – auch Josi konnte sicher stehen. Ihr wisst ja inzwischen, worauf es ankommt 🙂

Trotzdem war ich bei jedem vorbeifahrenden Auto unruhig – die Straße führte in einer Kurve an der Kirche vorbei, sodass ich jedesmal etwas davon hatte. Gegen 3:30 wurde ich wach, weil ein Auto mit laufendem Motor neben George stand, der Fahrer telefonierte. Ich wollte mich schnell anziehen und rausgehen – kommt ja immer gut an. Aber als ich – leicht nachtverschwitzt und deshalb klebrig – meine ebenfalls klebrige Motorradhose (weil mit Regeninlay) auf eine annehmbare Höhe gezerrt hatte und aus dem Zelt gestolpert war, hörte ich nur noch „Okay, I’ll take care of it.“ und ein davonfahrendes Auto.

Wer oder was auch immer das war – in dieser Nacht kam niemand mehr. Und als ich morgens dann auf der Suche nach Kaffee zur Tankstelle ging (ein Segen im wahrsten Sinne des Wortes), kam ich auch noch bei einem Medium (Psychic – Reader and Adviser) vorbei. Mir hätte in dieser Nacht also überhaupt nichts passieren können…

 

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