Überbrückungsbücher

Ihr Lieben,

weil Ihr ja noch bis zum Frühling 2020 auf mein Buch warten müsst, dachte ich mir heute so, dass ich Euch ja mal Bücher zeigen könnte, die ich ganz grandios finde. Und die mich in meinem Reisen und Schreiben beeinflusst haben. Dass ich sie hiermit zum Kauf und zum Lesen empfehle, versteht sich von selbst, oder?

Die drei Bücher von heute kommen alle vom selben Autor: Andreas Altmann. Ich finde ihn einfach wunderbar, weil er schon immer kompromisslos sein Ding gemacht hat. Und während auf meiner “Was mache ich, um mir meinen Traum zu verwirklichen”-Liste nur putzen, verkaufen und Wohnung vermieten stehen, hat Altmann als Gärtner, Taxifahrer, Privatchauffeur, Spüler, Kellner, Anlageberater, Straßenarbeiter, Dressman und Buchclubvertreter gearbeitet.

Jetzt ist er Reisejournalist, und ich verehre ihn sehr. Warum? Weil er mit einem ganz besonderen Blick auf die Menschen vor sich und auf die Welt um sich herum schaut: immer klar, manchmal spöttisch, meist liebevoll. Er nennt Sinnliches ebenso beim Namen wie Schreckliches – und immer fühlt man sich an seiner Seite sicher.

Außerdem hat der Mann so viel gelesen und so viel nachgedacht – und lässt den Leser daran teilhaben -, dass jedes seiner Bücher zu mindestens zehn anderen führt, die man gern lesen würde.

Man kann aber auch mit dem Interview von Anfang Oktober anfangen (verfügbar bis 1.10.2020)

Sucht nach Leben
Dieses Buch ist ein Sammelsurium aus seinen Reisegeschichten. Hier speist er mit einer Geisha, begibt sich in die Hände eines amerikanischen Fernseh-Evangelisten, lässt sich als Sex-Schwächling von indischen Quacksalbern kurieren und vieles mehr.

Einer meiner Lieblingssätze: »Was freilich bedenklich stimmt, ist diese Nachlässigkeit im Umgang mit unseren Sehnsüchten, von denen wir so kleinlaut Abschied nehmen.«

34 Tage / 33 Nächte
Ich hatte auf meiner Tour durch die Staaten ja ein bisschen Geld. Gut, ich musste sparen, habe in den letzten Wochen auch mal den einen oder die andere um Geld gebeten und Krams, den ich nicht mehr brauchte, gegen Geld oder gleich gegen einen Kaffee getauscht.
Altmann ist ganz ohne Geld los – zu Fuß von Paris nach Berlin. Er hatte wirklich nur das, was er bei sich trug. Bei einigen seiner Erfahrungen musste ich grinsen, aber lest selbst!

Einer meiner Lieblingssätze: »Mitten in der Scheiße macht das Leben eine Kurve.«

Im Land der Freien
Dass dieses Buch hierhin gehört, versteht sich von selbst.
Und auch wenn ich nicht mit Altmann hätte tauschen wollen (die ganze Zeit sitzen, womöglich noch in schlechter Luft), so habe ich das Buch sehr genossen. Weil wie bei meiner Tour die zufälligen Begegnungen zu Geschenken werden.
Altmann spricht vor allem mit Menschen aus unteren Schichten (Bus fährt nur, wer so arm ist, dass er kein Auto hat), und auch bei ihnen tun sich Universen auf.

Einer meiner Lieblingssätze kommt gleich zu Beginn: »Man darf den Amerikanern alles vorwerfen, nur nicht den Mangel an Unterhaltungswert.«

Also: Lesen!

Ihr habt Zeit bis zum Frühling, dann kommt mein Buch 🙂

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Oglala Lakota des Indianerreservats Pine Ridge

South Dakota – Himmel und Hölle

Nur eineinhalb Tage war ich auf meiner Tour in South Dakota. Keine 48 Stunden – das ist nichts.

Aber diese Stunden haben mich mehr geprägt als viele, viele andere während der fünf Monate. Jetzt, wo ich für das darüber schreibe, ist die Zeit in der Pine Ridge Reservation wieder präsent, die Beklemmung, die ich damals gefühlt habe (Artikel).

Natürlich wird es nicht besser, wenn man dann solche Artikel liest – mit “Statistiken aus der Hölle”.

Ich bin immer hin- und hergerissen zwischen “Man, das ist so schlimm, und man kann sowieso nichts tun, und es gibt so viel Schlimmes auf der Welt – ich kann mich nicht mit allem belasten!” und “Andere mussten/ müssen es erleben, dann sollte ich mich ja wohl zumindest damit beschäftigen!”

Keine Ahnung, wo die Wahrheit liegt – sicher wie immer irgendwo dazwischen. Und sie bewegt sich zumindest bei mir auch abhängig von Tagesform und eigener Situation mal mehr zum einen, mal mehr zum anderen Pol.

In meiner Kindheit und Jugend habe ich meine Indianerbücher (“Die Söhne der großen Bärin”) rauf- und runtergelesen. Bin mit dem Indianerjungen Harka in eiskaltes Wasser getaucht (nur nicht so lange) und mit ihm durch die Prärie geritten. Wenn ich die Natives im Reservat so sehe oder im Artikel oben über die Situation der Kids lese, könnte ich heulen.

Ich hab für diesen Artikel keinen netten Twist, kein versöhniches Ende. Ich weiß nur, dass mir damals der nicht weit entfernte Badlands Nationalpark geholfen hat, wieder durchzuatmen.

Wer noch ein paar Bilder gebrauchen kann, findet sie hier.

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Beitragsbild: (c) Aaron Huea/ Alamy

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Mini Frau ganz groß

Ruth Bader Ginsburg ist Richterin am Supreme Court der USA. Und sie ist 86 Jahre alt – eine absolut toughe Frau.

Vor einiger Zeit lief eine Dokumentation über ihr Leben im Kino, und ich habe selten einen so spannenden und unterhaltsamen Bericht gesehen.

Der Max Moor von ttt empfiehlt den Film hier…

 

… und das ZDF hat den ganzen Film noch bis zum 19. Juli 2019 in der Mediathek. Es lohnt sich!

Gynsburgh freut sich natürlich über den Bericht aus der Familie :-D!

 

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Friedrich

Hin und weg – mal ganz anders.

Florian Jänicke, Photograph, portraitiert seit nunmehr 14 Jahren seinen Sohn Friedrich. Weil dieser schwerst behindert ist, sind die Bilder nicht immer nur schön. Dafür aber immer ehrlich und selbst in ihrer Verzweiflung zärtlich.

Wie der Vater im Interview.

Mich berühren die Photos sehr, ich tu mich so schwer im Umgang mit behinderten Menschen. Vielleicht auch, weil man im Alltag keinen selbstverständlichen Umgang entwickeln kann – man sieht sie ja kaum.

Das ZEIT-Magazin veröffentlicht derzeit eine Auswahl der Photos. Bilder und Kommentare sind sehr besonders – traut Euch!

Fotokolumne ZEIT Magazin – Jänicke 9/21

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Beitragsbild: Ausschnitt von 19/21 (c) Florian Jänicke

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Cruisin’ on memory road

Ich schwelge gerade mal wieder…

Obwohl ich brav an meinem Schreibtisch sitze und schreibe, bin ich auch gerade in Ashland, Tennessee. In dieser Kleinstadt habe ich auf meiner Tour im Cody’s Diner gefrühstückt, und wenn ich jetzt darüber schreibe, bekomme ich sofort eine sonderbare Mischung aus Fern- und Heimweh.

Cody’s Diner ist einer dieser besonderen kleinen Familienbetriebe voller Herzlichkeit, rauem Lachen, entspannten Gästen, mit witziger Einrichtung, leckerem Essen und einer besonderen Geschichte. Enkel Cody, nach dem das Diner benannt ist, erkrankte als kleines Kind an Krebs, kaum jemand setzte einen Cent auf seine Heilung. Zu Unrecht – heute treibt er seine Eltern als Teenager in den Wahnsinn.

Ich bilde mir ein, dass man die Dankbarkeit der Familie im Diner spürt. Man weiß, was wirklich zählt.

Wenn Ihr mal in Tennessee seid: Esst in Cody’s Diner! Meist ist das Wetter auch besser als auf meinem Bild oben.

Bis dahin gibt es hier Einblicke:

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*Unterwegs auf der Straße der Erinnerung

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