Cruisin’ on memory road

Ich schwelge gerade mal wieder…

Obwohl ich brav an meinem Schreibtisch sitze und schreibe, bin ich auch gerade in Ashland, Tennessee. In dieser Kleinstadt habe ich auf meiner Tour im Cody’s Diner gefrühstückt, und wenn ich jetzt darüber schreibe, bekomme ich sofort eine sonderbare Mischung aus Fern- und Heimweh.

Cody’s Diner ist einer dieser besonderen kleinen Familienbetriebe voller Herzlichkeit, rauem Lachen, entspannten Gästen, mit witziger Einrichtung, leckerem Essen und einer besonderen Geschichte. Enkel Cody, nach dem das Diner benannt ist, erkrankte als kleines Kind an Krebs, kaum jemand setzte einen Cent auf seine Heilung. Zu Unrecht – heute treibt er seine Eltern als Teenager in den Wahnsinn.

Ich bilde mir ein, dass man die Dankbarkeit der Familie im Diner spürt. Man weiß, was wirklich zählt.

Wenn Ihr mal in Tennessee seid: Esst in Cody’s Diner! Meist ist das Wetter auch besser als auf meinem Bild oben.

Bis dahin gibt es hier Einblicke:

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*Unterwegs auf der Straße der Erinnerung

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“Wenn ich groß bin…

… werde ich Niki Lauda!”

Der größte Traum meines kleinen Bruders, er hätte alles dafür getan.

Mit dem Krebs kam die Lähmung – die Sache mit dem Rennfahren wurde schwierig.

Aber Christian wäre nicht Christian gewesen, wenn er sich nicht mit ansteckender Energie einen neuen Traum gesucht hätte: Bauarbeiter! Das ging auch im Sitzen – so konnte es weitergehen, auch ohne zu gehen.

Mein kleiner Bruder war cool. Und ich bin sicher, er hätte seine Träume wahrgemacht.

Mit vier Jahren ist er gestorben. Und heute, mit 70, Niki Lauda. Es ist seltsam, wenn der Traum eines Menschen stirbt, der schon gestorben ist.

Wer mich kennt und/ oder diesen Blog eine Weile gelesen hat, weiß, dass ich eine Traumtante bin. Meine Träume sind mir wichtig. Und wenn ich bei anderen auf große oder kleine Träume stoße, versuche ich zu ermutigen, wo ich kann.

Manchmal denke ich, wir schulden die Verwirklichung unserer Träume all denen, die ihre nicht verwirklichen können. Aber das stimmt nicht. Wir schulden sie nur uns selbst.

Das aber so richtig.

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Er ist einfach der Größte

Nein, nicht Gynsburgh. Der hadert damit, dass der Wunsch nach einem Hund mich nicht loslässt, und schmollt. Aber es ist ja noch Zeit.

Nein, ich meine Bruce Springsteen. Während es von mir nichts Neues gibt, weil ich schreibe, schreibe und schreibe, hat er der Welt gerade eine Single aus seinem neuen Album geschenkt. Das erscheint im Juni – und nun kann ich es einmal mehr nicht erwarten.

Ein Lied für den Frühling, fürs Unterwegssein, für Weite und tiefes Durchatmen.

Ich hab ihn ja mal fast getroffen!

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Fundstücke – Wolfgang Herrndorf

Wenn ich Bücher lese, werden sie meist mit einem Schmierzettel und einem Bleistift ausgestattet. Mit dem Bleistift werden (erwartbar) besondere Stellen markiert, der Schmierzettel liefert kleine Zettelchen, die beim Wiederfinden der markierten Stellen helfen.

Und seit knapp 25 Jahren (ich ächze beim Schreiben dieser Zahl…) schreibe ich diese besonderen Stellen heraus. Irgendwie sind sie mir dann näher – und ich erinnere mich leichter an sie.

So auch bei “Arbeit und Struktur” von Wolfgang Herrndorf. Beinahe hätte ich mich vom Titel des Buches abschrecken lassen – mir wäre Gutes entgangen. In seinem Online-Tagebuch schreibt der an einem Hirntumor erkrankte Autor (u.a. “Tschick”) über sein Leben mit Diagnose und Krankheit, über das Schreiben, über Freundschaft, Beziehungen und darüber, wie er versucht, seinen Weg ohne Kompromisse zu gehen.

Viele Stellen haben mich berührt – hier sind einige davon.

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11.8.2010

C. liest das Kapitel und gibt den Ratschlag, den sie immer gibt: Kürzen, das muss alles schneller in die Handlung münden, und wie immer hat sie recht. Was ich bräuchte, wären im Grunde Korrekturleser, die direkt hinter mir den Besen durchschwingen. Ich verplempere unglaublich Zeit, nicht nur damit, dass ich an aussichtslosen Stellen herumfeile, ich kann auch die Qualität der guten nicht erkennen.

 

27.12.2010

Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt. Der Hausmeister hat in den Ferien die Schlösser der Halle ausgetauscht, und ein Dutzend 70-Jähriger steigt hinten über den Zaun und marschiert durch den halbmetertiefen Schnee auf dem Sportplatz zum Hintereingang, um mit der Begeisterung, (und teilweise auch den Fähigkeiten) von Fünfjährigen eine Stunden zu kicken. So hatte ich mir mein Alter auch immer vorgestellt.

 

20.3.2011

Interessante Zeiten, wo eine drohende Kernschmelze in gleich mehreren Atomreaktoren nur noch auf Platz 3 der Nachrichten steht.

 

28.3.2011

… Bilanz eines Jahres: Hirn-OP, zweimal Klapse, Strahlen, Temodal. 1¾ Romane, erster großer Urlaub, viele Freunde, viel geschwommen, kaum gelesen. Ein Jahr in der Hölle, aber auch ein tolles Jahr. Im Schnitt kaum glücklicher oder unglücklicher als vor der Diagnose, nur die Ausschläge nach beiden Seiten größer.

Insgesamt vielleicht sogar ein bisschen glücklicher als früher, weil ich so lebe, wie ich immer hätte leben sollen. Und es nie getan habe, außer vielleicht als Kind.

 

Fragmente (4)

Ich kann sagen, dass ich in meinem Leben nichts getan habe, was ich nicht wollte. Wenn ich unfreiwillig etwas getan habe, weil ich Geld verdienen musste zum Beispiel, habe ich mir immer Arbeiten gesucht, die keinen Geist erforderten, rein körperlich waren. Lieber habe ich am Existenzminimum herumgekrebst, als etwas zu tun, was mit Unfreiheit verbunden war … Schreiben wollte ich immer.

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Beitragsbild: Shirin Abedinirad – Evocation

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