Porky

Dieser verrückt-wunderbare Mensch verdient einen eigenen Artikel.

Kennengelernt habe ich Porky (ich glaube, in echt heißt er Bill) in Rockerville (!), South Dakota. Da hab ich – vollkommen durchgefroren nach meiner langen Tour durch die Badlands und den Nationalpark – im Restaurant & Saloon “Gaslight” Zuflucht gesucht. Porky setzte sich kurz nach mir an die Bar und war ein so ungewöhnlicher Anblick, dass ich ihn einfach fotografieren musste.

Offenbar war er dort Stammgast, flachste mit den Bedienungen und Gästen herum. Es war so gegen sieben und weil die Nächte frostig wurden (wirklich!), war mir nicht unbedingt danach, draußen zu schlafen. Also fragte ich die Lady hinter der Bar, ob es in der Nähe was Günstiges gäbe. Und witzigerweise schaute sie sofort zu dem komischen Menschen nicht weit von mir, lehnte sich ihm gegenüber auf den Tresen und fragte ihn, ob er eine Idee habe. Hatte er sofort: Bei ihm war ein Zimmer frei. Einerseits fand ich es komisch, dass das so schnell ging, andererseits dachte ich mir: Wenn die Lady das vermittelt, kann es ja nicht gefährlich sein. Und dann stellte sich heraus, dass eine Kollegin von ihr, die weiter weg wohnte, nach ihrer Spätschicht regelmäßig bei Porky übernachtete – so auch diese Nacht. Das erklärte einiges – und so hab ich mit Freuden mein Zimmer bezogen. Ein Bett und vier Wände – nur für mich! Porky war erst wenige Monate zuvor in das Haus gezogen, aber schon war es witzig eingerichtet.

Vom Abend selbst hab ich nichts mehr mitbekommen, ich war hundemüde. Am nächsten Morgen – mir war gesagt worden, ich könne ausschlafen und dann sei unten Kaffee fertig – bin ich im Schlafanzug runtergeschlurft, Kaffee war fertig und im Wohnzimmer saßen Porky und Patty, die Kollegin aus dem Gaslight. Es war so unendlich entspannt, dort zu lümmeln, mit den beiden Hunden zu raufen, Kaffee zu trinken und langsam fit für den Tag zu werden. Und es hatte in der Nacht tatsächlich etwas Frost gegeben!

Porky betreibt seit zwanzig Jahren eine Motorradwerkstatt – spezialisiert auf Harleys. Hatte ich das schon erwähnt? Die wollte ich natürlich unbedingt sehen und ich sollte nicht enttäuscht werden:

Aber das war noch nicht alles – der kombinierte Lager-Kino-Gruselraum setzt dem Ganzen die Krone auf:

Porky, it’s been the greatest pleasure meeting you! Thank you so very much for letting me spend the night at your place – and please say hi to Patty!

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Ein großes DANKE an die Jungs von BMW!

Es wird höchste Zeit, den Jungs von BMW Motorcycles hier in den USA zu danken – sie sind einfach großartig.

Ken und Gregg (so um die 80) von BMW Motorcycles in Hoosick, New York, wäre ich bei meiner Ankunft beinahe um den Hals gefallen. Zum einen, weil ich mich da gleich so zuhause fühlte und es einfach immer wieder geil ist, von Motorrädern umgeben zu sein, zum anderen, weil es nach zwei Stunden Fahrt im Regen paradiesisch trocken war.

Zwar konnten die beiden mir keinen Service-Termin anbieten (bzw. erst zwei Tage später), aber sie waren super witzig und haben mir alle notwendigen BMW-Adressen für meine Tour und Imprägniertipps für meine Klamotten gegeben. Hatte ich schon erzählt, dass meine Supersonderimprägnierung für 80 Euro voll für’n A… Ja? Na, gut.
Grass Roots BMW Husqvarna Motorcycles in Cape Girardeau, Missouri, haben Josis Service an einem Samstag (!) vor einem langen (!!!) Wochenende – heute=Montag ist Labor Day, alle sitzen beim Barbecue – dazwischengeschoben. Brian und Hank haben sich perfekt um Josi und mich gekümmert. Innerhalb von nicht mal zwei Stunden war sie fertig (ich ja schon die ganze Zeit vor Freude) und bereit für die nächsten 20.000 km.

Dass wir da so einfach vorfahren konnten, hatte ich Ruth und ihrem Mann (scheiße – Namen vergessen – sorry!!!) zu verdanken. Ich hab sie auf einem Campingplatz ca. 20 km vor Cape Girardeau kennengelernt, wo ich den Service angepeilt hatte. Wegen der Regenausläufer durch Harvey kam ich aber zwei Tage nach meinem Plan – an einem Samstagvormittag… Ruths Mann kennt offenbar Gott und die Welt und den BMW-Mechaniker. Während ich im Wohnwagen der beiden duschte (Luxus!!!), machte er den Sondertermin klar. So super!

Die Dusche haben die beiden mir einfach so angeboten – obwohl mir der Kleine glaubhaft versichert hat, dass ich nicht stinke. Seine Mutter Ruth hat mir ebenso glaubhaft versichert, dass er es mir mit Sicherheit gesagt hätte.

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Ganz viel Regen und Engel am Wegesrand

Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich die vielen kleinen Momente und Geschenke verpacken und erzählen kann – sie passieren einfach so zwischen den größeren und großen und grandiosen Momenten. Und sind dabei genauso wertvoll, deshalb möchte ich sie nicht vergessen.

So gab es zum Beispiel einen richtig fiesen Regentag, der als Nieselregentag getarnt anfing und so Hoffnung auf Besserung ließ. Ha, Pustekuchen. Der Regen wurde mehr und stärker, sodass ich endlich meine supersonderimprägnierte – Ihr wisst schon – Regenhose anziehen wollte. Wobei ich mich inzwischen auch nicht mehr beschweren darf: Walmart hat Imprägnierspray. Muss ich nur kaufen. Aber immer, wenn ich da bin, scheint die Sonne und wir haben 30°… Egal. Irgendwann war meine normale Hose durch und es musste dringend etwas passieren. Eine Blasenentzündung brauche ich auf diesem Trip ganz bestimmt nicht. Die Billardbar am Straßenrand behauptete “OPEN” und “Biker welcome” – here I come. Die Tür war offen, drinnen ein riesiger Saal, Billardtische, eine Bar, bläuliches Licht, eine Bühne, eine Pole-Dance-Stange. Na gut, ist ja auch ein Sport.

“Hello… hello? Anybody here?” Nichts und niemand rührte sich – ich hab allen Ernstes hinter die Bar geschaut, ob da jemand nach einem Herzinfarkt nicht wieder aufgestanden ist. Dann endlich kam Don, eine ganz besondere Gestalt:


Don, der Rocker mit hawaiianisch-japanischen Vorfahren, brachte mir Kaffee, obwohl ich abwehrte; ich hätte kein Geld dabei, weil ich es noch nicht zur Bank geschafft hatte. Brachte mir noch einen Kaffee – der Mann weiß, was gut tut. Er sammelt Motorräder, die müssen ein Traum sein. Ich blieb eine ganze Weile, um wieder warm zu werden und machte zum Ende der Pause dieses Abschiedsbild. Beim Händeschütteln am Ende war was zwischen uns. Nein, nichts Romantisches, sondern 40 Dollar, die er mir in die Hand drückte. “Get yourself something nice to eat!” Wieder Protest (ehrlich!), dass ich Geld hätte, nur eben nicht hier – es war nichts zu machen. “That’s what we do. We help people.” Offenbar eine der Maximen seines Motorradclubs – das find ich schon sehr cool. Am Abend hab ich mir dann tatsächlich was Schönes gegönnt und auf Don getrunken. Thank you so much!


Nach dem Essen bin ich weitergefahren – der Regen war ein bisschen schwächer geworden. Aber alle, denen ich begegnete, warnten mich vor mehr und stärkerem Regen – wir waren am Rande von Orkan Harvey. Am liebsten hätte ich angesichts dieser Vorhersage natürlich irgendwo drinnen übernachtet. Und ich hätte tanken müssen, die Reserveleuchte machte bereits ihren Job. Aber dann entdeckte ich diesen perfekten Ort: In einem State Park ( = übernachten erlaubt, = kostenfrei) wartete an einem Bogenschießstand dieser Unterstand auf uns. Kein Weg ging daran vorbei, es war 17 Uhr – es würde also niemand mehr kommen – und Josi und George passten beide darunter. Leider war der Boden zementiert, sodass George an den Rand musste, damit ich ihn befestigen konnte, aber trotzdem: Perfekt.


Gegen 18 Uhr ging der Regen dann richtig los – wieder einmal: Perfekt! Und das war heftig. Ich weiß nicht, ob ich in den letzten Jahren einen so starken Regen erlebt habe. Ich konnte super schlafen, weil ich mich und Josi sicher wusste – ich war sogar ziemlich stolz auf mich. Mit einer Zigarette am Mini-Feuer haben wir das gefeiert :-).

Am nächsten Morgen regnete es immer noch so stark – ich musste weiterschlafen! Einfach unerträglich… Gegen 12 bin ich wieder aufgewacht (Ja, schlafen kann ich!) und es war nur noch leichter Regen.

Also zusammenpacken und aufbrechen – obwohl das fast ein bisschen schade war. Im Park stieg überall Nebel auf und bis auf den Idioten, der an der benachbarten Schießanlage seine Übungen machte, und seinen dämlichen Dackel, der jeden Schuss mit unerträglichem Kläffen begleitete (und mich wohlwollend an das Känguru und seinen Umgang mit kleinen, nervigen Hunden denken ließ – Kenner wissen, wovon ich schreibe), war es total still.

Wieder auf der Straße leuchtete die Reservelampe natürlich immer noch – irgendwie hatte niemand über Nacht den Tank gefüllt. Seltsam. Aber irgendwie auch gut, weil ich im Grunde schon immer mal wissen wollte, wie weit mein Reservetank mich bringt. Sicher – es hätte nichts dagegen gesprochen, das im Handbuch nachzulesen, aber seien wir doch mal ehrlich: Das ist langweilig. Und wir wollen Nervenkitzel, nicht wahr? Damit wäre dann auch eindeutig geklärt, zu welcher der beiden Arten von Menschen ich gehöre…


Im Laufe der verbleibenden Stunden bin ich an drei Tankstellen vorbeigekommen – immer Shell, immer mit dem horrend hohen Preis von 2,39 Dollar pro Gallone. Wer mag, kann das umrechnen – für alle anderen: Ein Witz. Aber 20 Cent mehr als ich es gewohnt war und wir lassen uns ja nicht alles bieten von den bösen Konzernen, nicht wahr?

Ohne Probleme und ohne dass meine Reservelampe von gelb auf rot umgesprungen war, erreichte ich das Department of Child Care, dessen hinteren Bereich ich zu meinem Schlafgemach erklärte. Die Angestellten würden um 8 Uhr anfangen – bis dahin sollte ich weg sein.


Am nächsten Morgen kam ich tatsächlich rechtzeitig weg – und zwar haargenau bis zum Rand des Parkplatzes. Beim Anlassen auf dem hinteren Parkplatz hatte Josi ein wenig gemeckert, was ich von ihr gar nicht kenne. Aber natürlich hilft gutes Zureden – bei Frau Strehler fährt ein Motorrad dann auch ohne Sprit. Bis zum vorderen Parkplatz. Und wieder mal musste ich über mich selbst lachen angesichts dieser absurden Situation: Die Angestellten des Departments bogen auf den Parkplatz ein, während ich Josi mit Mühe (Steigung!) aus dem Störbereich schob, um zur Tankstelle (!) zu laufen, die nach rechts in Sichtweite (!!) auf mich wartete. Oder auch nicht – war nämlich keine, sondern eine Waschanlage. Also wieder zurück, Josi und Gynsburgh einmal ermutigend zugeredet und nach links runter. Der Mensch bei der Waschanlage hatte gesagt: “Right down the hill.” Kurz hatte ich überlegt, mit Josi da runterzurollen, aber die paar Meter Steigung vorher waren für mich nicht zu überwinden.

Nach etwa 100 Metern war mein Leidensweg aber auch schon vorbei: Aus seinem Truck rief Tom mir zu, ob ich Hilfe bräuchte. Mein erster Gedanke: “Ja, Kaffee!” Er hatte Josi gesehen und dann mich in meiner Motorradjacke. Und dann eins und eins – ihr wisst schon. Wir sind also diesen Berg runtergefahren, um nach 10 Minuten (!) die Tankstelle zu erreichen. Ich hätte mir einen Wolf gelaufen, vor allem zurück…

Während ich mir einen Kaffee holen durfte, besorgte Tom, mein Held des Tages, einen Kanister von der ansässigen Feuerwehr. Ach ja, und dann ging alles ganz einfach…

Thank you so very much, Tom! It’s been a pleasure and I’m really glad you got up too early this very morning :-)!

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Die Retterin des verlorenen Schatzes

Ach, es fließt doch eines ins andere… Vor allem natürlich bei Regen 🙂

Ich hatte euch von dem angesagten schweren Regen erzählt, den Ausläufern von Orkan Harvey (hier). Ich war also unterwegs – im Grunde noch ein bisschen sorglos. Wird schon nicht so schlimm werden – Regen halt. Gefährlich ist ja immer woanders. Als ich aber von einem Military-Ranger aus militärischem Sperrgebiet herausgeführt wurde* und er so richtig besorgt um mich war, begann ich doch, das Ganze etwas ernster zu nehmen. Weshalb ich auch zum ersten Mal ernsthaft überlegte, in einem verlassenen Haus zu übernachten. Ich fand auch schnell eines am Feldrand, das wild-romantisch wirkte (“Und über dem Feld sieht das Gewitter bestimmt richtig toll aus!”).


Ich bin über die Veranda auf der Rückseite rein, ganz langsam und auch ein bisschen schissig. Alles sah so furchtbar heruntergekommen aus, dass da eigentlich niemand, aber auch wirklich niemand mehr wohnen konnte. Aber man weiß ja nie. Schritt für Schritt hab ich mich vorgetastet – über die Veranda (toller Blick!) durch die Küche bis ins Wohnzimmer. Ich könnte wetten, dass das im Ganzen bestimmt zehn Minuten gedauert hat…

Der Gedanke, hier zu übernachten, hatte sich schon beim ersten Schritt ins Haus erledigt. Zum einen wegen des unerträglichen Geruchs – Schimmel, Verdorbenes, Feuchtes und ich will nicht wissen, was sonst noch alles. Zum anderen, weil ich keine zehn Quadratzentimeter Boden gefunden habe, die frei waren von Ekelkrams. Trotzdem war ich natürlich neugierig (und der Regen noch weit weg), sodass ich weiter ins Wohnzimmer hinein ging. Und plötzlich ein Buch auf dem Boden liegen sah. Ein Buch, das gar nicht so sehr angegriffen schien. Seht ihr es auch?


Bei Büchern setzt der Verstand bei mir ein bisschen aus (nur ein bisschen) und ich bin hin. Ich dachte, ich seh nicht recht, und ich schwöre, es lag genau so da. Die Motorradfahrer unter euch kennen es mit Sicherheit:


Ist das krass oder ist das krass? Ich stand da echt ein paar Momente und hab nur draufgestarrt, weil ich es kaum glauben konnte. Dieses Buch in diesem Müll? Ich habe das arme Ding aufgehoben und etwas saubergemacht. Und in diesem Moment knarrte eine Tür.

Alter, ich war schneller wieder draußen als man “Zen” sagen kann, mit Herzklopfen bis sonstwohin und dem Buch fest an mich gedrückt. Draußen dauerte es einen Moment, bis ich wieder bei mir war, und dann ging das Rattern los: “Hm, wenn da jemand ist, dann geht es ihm gar nicht gut, dann ist er sehr, sehr langsam. Krank oder alt oder voller Drogen. Denn sonst wäre er schon lange rausgekommen. Und überhaupt waren da drin so gar keine Spuren von etwas Aktuellem – keine staubfreie Zone, kein Essenskarton aus jüngerer Zeit. Also: nicht fit, nicht jung, nicht gefährlich. Krank, alt, Drogen? Mag sein, aber dann wäre schon irgendein Laut gekommen. Und wer so langsam läuft, hält auch kein Gewehr mehr. Also ist da vielleicht doch gar keiner?”

Ich beschloss, mich erstmal in sicherer Entfernung vom Haus hinzusetzen und ein paar Nachos aus meiner Box zu essen. Was man eben so macht in einer solchen Situation, richtig? Und das war tatsächlich die beste Entscheidung, denn nach einer Weile knarrte die Tür wieder. Und nochmal. Und was soll ich sagen? Es war die Terrassentür im Wind…

Natürlich konnte ich die Niederlage, die meine Flucht aus dem Haus bedeutete, nicht auf mir sitzenlassen. Also bin ich wieder rein, um den Rest des Hauses zu erkunden. Und um nicht sagen zu müssen, dass ich mich nicht wieder reingetraut habe 🙂

Den größten Schatz hatte ich aber schon gerettet. Und es gab überhaupt keinen Zweifel daran, dass ich das Buch mitnehme. Nicht, um es zu lesen – ich besitze es dreimal und jedes einzelne hat seinen besonderen Wert für mich – aber um es in einem Café oder in einer offenen Bibliothek zu lassen. Wer weiß, wen es auf welche Weise berühren wird?

Wo das Buch jetzt ist, wollt ihr wissen? Das kann ich verstehen :-). Nun, zusammen haben wir den Regen überstanden und es ist einige Tage mit mir gereist. Als ich dann mit Josi in Cape Girardeau zum Service war, habe ich einige Zeit in einem Café verbracht. Das hat zwar von außen mehr versprochen als es von innen gehalten hat, aber diese Bücherwand war wie geschaffen für mein Buch. Und da steht es nun – trocken und warm – und ich wünschte, ich könnte irgendwie verfolgen, was mit ihm geschieht :-).

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* Zu meiner Verteidigung (no pun intended :-)) kann ich sagen, dass es zum einen weder ein “Stay away”-Schild gab und mir zum anderen die ganze Zeit Trecker entgegenkamen und mich weder die schnuckeligen Jungs obendrauf noch die verstörend jungen Soldaten in den Panzern auf meinen Irrtum aufmerksam machten. Ich ging also von einer, nun, sagen wir mal “dualen Nutzung” des Gebiets aus.

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Washington bei Nacht – wann sonst?

Eigentlich wollte ich von Vermont aus relativ gerade und vor allem fix runter nach Süden bzw. Südwesten fahren, um auf dem sogenannten Blue Ridge Parkway für etwa 800 Kilometer die traumhafte Landschaft der Appalachen zu genießen.

“Eigentlich” sagt dann ja auch schon alles – denn ein Moment am vorigen Sonntagabend änderte die Punkte “gerade” und “fix”. Knapp vier Wochen zuvor war ich schon einmal an Washington vorbeigefahren – auf dem Weg von Baltimore zur Chesapeake Bay Bridge. Es war Samstagnachmittag, es war 33 Grad heiß und ich steckte im Interstate-Verkehrswahnsinn – einer irre machenden Mischung aus Stau und Raserei (also der Verkehr, ich noch nicht). Da war mir nicht wirklich nach Hauptstadtbesichtigung, zumal all die komischen Touristen ja auch da waren ;-).

Nun stand ich an einer Ampel in Richtung Süden, es war schon dunkel und plötzlich sah ich ein Schild in Richtung Washington. 34 Meilen. Scheiße. Das kann ich doch jetzt nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – links liegenlassen! Nicht an einem Sonntagabend, wo alle Tatort schauen, die Touristen weg sind und die Pendler noch zu Hause! Also: Spur gewechselt, abgebogen und allein schon an der Vorfreude gemerkt: Das war die richtige Entscheidung.

Wieder alles beleuchtet zu sehen, die Straßen für mich zu haben, in Ruhe auch mal langsam fahren, suchend herumeiern und auch entspannt am Straßenrand stehenbleiben zu können: Das macht es für mich mehr als wett, dass ich in keines der Gebäude reinkann.

Und so hab ich mich natürlich auf den Bürgersteig gestellt, um Josi zu fotografieren 🙂

Mein Glück war an dieser Stelle perfekt. Aber Moment – ich hatte heute noch keine… Das Geräusch einer dicken Harley näherte sich – es gehörte zu einem Polizisten. Jetzt war die Welt wieder in Ordnung. Er hielt auf der anderen Seite der Poller, nahm seinen Helm ab und sagte: “I like your bike!” Smalltalk – ein guter Start. “Well, I like yours – and it definetely sounds better!” Zufriedenes Grinsen seinerseits – ich alte Schmeichelbacke. Aber dann: Augen auf und durch. “But that’s not what you’re here for, right?” – “Nope. Parking on the sideway – that’s not allowed.” Ach ja, weiß ich ja, aber ich konnte nicht widerstehen. Und ich bin auch schon fertig und gleich weg – hab alle Bilder gemacht, die ich machen wollte. “Pictures? Where are you from?” Nach der Antwort war das Eis dann endgültig gebrochen und er hat mich sogar mit seinem Bike fotografiert! Rauf durfte ich leider nicht – state property. Ist auch egal – das war so schon so unendlich cool!

Noch einige kleine Gänge und Fahrten durch das nächtliche Washington – dabei bin ich auf ein Denkmal für den guten Albert Einstein gestoßen. Bei dem Präsidenten ist sein Ausspruch wohl passend wie selten: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Gegen elf bin ich dann wieder raus aus Washington. Eigentlich wollte ich es bis zurück auf meine ursprüngliche Route schaffen, aber ich war einfach zu müde. Und deshalb froh, als ich mal wieder eine Kirche mit Rasenfläche entdeckte – auch Josi konnte sicher stehen. Ihr wisst ja inzwischen, worauf es ankommt 🙂

Trotzdem war ich bei jedem vorbeifahrenden Auto unruhig – die Straße führte in einer Kurve an der Kirche vorbei, sodass ich jedesmal etwas davon hatte. Gegen 3:30 wurde ich wach, weil ein Auto mit laufendem Motor neben George stand, der Fahrer telefonierte. Ich wollte mich schnell anziehen und rausgehen – kommt ja immer gut an. Aber als ich – leicht nachtverschwitzt und deshalb klebrig – meine ebenfalls klebrige Motorradhose (weil mit Regeninlay) auf eine annehmbare Höhe gezerrt hatte und aus dem Zelt gestolpert war, hörte ich nur noch “Okay, I’ll take care of it.” und ein davonfahrendes Auto.

Wer oder was auch immer das war – in dieser Nacht kam niemand mehr. Und als ich morgens dann auf der Suche nach Kaffee zur Tankstelle ging (ein Segen im wahrsten Sinne des Wortes), kam ich auch noch bei einem Medium (Psychic – Reader and Adviser) vorbei. Mir hätte in dieser Nacht also überhaupt nichts passieren können…

 

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Der Übernachtungsreport – Teil II

Der geneigte Leser des Übernachtungsreports Teil I (wie jetzt: nicht gelesen??? Das geht ja gar nicht! Hier isser!) mag sich fragen, warum ich so einen Aufwand betreibe und George nicht einfach auf einem Campingplatz aufstelle – da gehören Zelte schließlich hin. Jep, die Frage ist berechtigt, an dem Einwand etwas dran. Und ich habe es tatsächlich probiert:

7. Campingplätze

Allerdings waren die ersten Male herbe Enttäuschungen. Das lag zum einen daran, dass ich in der Ferien- und Haupturlaubszeit in einer der beliebtesten Regionen überhaupt unterwegs war – Pech. Eine Person, ein Motorrad, ein Zelt: 60 bis 124 Dollar. Da kommt Freude auf! Wenn man denn überhaupt reingelassen wird. Viele nehmen keine Motorradfahrer (vielleicht wegen der lauten Harleys?) und keine Einzelübernachtungen an. Da fühlt man sich so richtig willkommen… In einem State Park wurden morgens um 8 Uhr die Rasenmäher und die Rasenkantenschneider in Gang gesetzt. Bis 11 Uhr – ungelogen. IN EINEM STATE PARK!!!

Der “Campingplatz am Meer” – aber Baden verboten

An einigen Plätzen, die mich genommen hätten, wollte ich nicht bleiben. Oft waren es regelrechte Eventzentren mit Bespaßung und Musik in jedem Winkel. Und/ oder an belebten Straßen gelegen und somit auch auf diesem Kanal schweinelaut. Ganz ehrlich: Schlecht schlafen krieg ich auch billiger.

In der letzten Woche aber wurde mein Glaube an Campingplätze durch zwei Plätze wiederhergestellt. Beide klein, beide ein bisschen schraddelig, sehr naturnah und beide mit vielen liebevollen Details von den – so vermute ich – Dauerbewohnern.

Der zweite Platz lag nicht nur nicht (!) an der Hauptstraße, sondern richtig weit weg davon. Gegen 18 Uhr sah ich das Schild “Lakeside Camping 5 mi”. Na gut, ich kann ja auch mal früh irgendwo sein. Aus der Hauptstraße wurde eine Nebenstraße, daraus eine kleine Straße, daraus ein Schotterweg, daraus ein Sandweg. Aus 5 mi wurden 3, dann 2, dann wieder 3, dann 1. Die wildesten Gedanken gingen durch meinen Kopf: “Wenn ich die Einzige da bin, drehe ich wieder um.” – “Hier draußen überlebt doch niemals ein amerikanischer Campingplatz!” – “Warum kommt mir hier niemand entgegen? Ist das etwa ‘Camping im Hotel California’? ‘You can check in any time you like but you can never leave?'”

Irgendwann war ich da und wurde an der Schranke von der versammelten Campingplatzjugend beäugt. Und wieder ein wilder Gedanke: “Die sind doch irgendwie komisch. Alle. Bestimmt Inzest. Die Familien kommen bestimmt seit Jahren hierher…” Wie dem auch sei: Der Campingwart (seit 30 Jahren – ich sag’s ja!) war sehr nett, mein Platz in Ordnung, der gesamte Platz total entzückend und der See, in den ich gleich gesprungen bin, ein Traum. Und alles für 27,95 Dollar. Heute morgen habe ich nach meinem Morgenplantschen sogar einen Kaffee abstauben können. Ach, manchmal ist es fein, ein blonde German girl zu sein…

8. Kirchen

Ach ja, die Kirche(n) und ich – eine never ending story. Ich hab ja schon ein wenig ein schlechtes Gewissen, die so zu nutzen (auszunutzen?), wo ich doch sonst nix mehr mit ihr zu tun habe. Ein bisschen wie die Leute, die kirchlich heiraten, weil es ach so schön ist – sonst aber nie da sind. Na gut, Weihnachten. Egal. Von einigen “kirchlichen” Übernachtungen hatte ich ja schon erzählt. Die eine Nacht am Friedhof, in der ich gar nicht schlafen konnte. Die Nacht, in der Pastor Edward mich einlud, auf dem Sofa eines Gemeinderaumes zu schlafen.

Und nun eine Nacht im Schatten einer katholischen Kirche in einer Kleinstadt. Sie war echt massiv, der Parkplatz dahinter riesig.

Dann ein Grasstreifen – und in der Ecke, die am verstecktesten war, ein Müllcontainer. Nun ja, das ist wohl die Buße, die fällig ist. Als George steht, bin ich ganz schön stolz – das könnte klappen. Josi steht hinter dem Container, auch perfekt.

An eine Sache allerdings hab ich nicht gedacht – so ein Mist:

Katholiken. Messe um acht. Ächz…

Also früh raus, damit ich rechtzeitig weg bin. Hat auch alles geklappt – nicht mal die Polizei kam vorbei. Ich fühle mich vernachlässigt.

9. Von Starbucks bis zum Pub

Was sich beim Essen und Trinken so ergibt, ist echt witzig. Einiges hatte ich schon erzählt – von der Starbucks Gang zum Beispiel und von Lisa und ihrer Schwester Bonnie. Neu sind die spontanen Einladungen von Lisa und Donny, wobei letzterer im Grunde nicht anders konnte, als mir Unterschlupf zu gewähren.

Hier war angeblich kein Platz mehr frei…

Nachdem ich einen Tag in den wunderschönen und kurvenreichen White Mountains in New Hampshire verbracht hatte, war mir nach einem Besuch in Berlin (ein Kaff, aber was soll’s) und einem Wein. Also beschloss ich, dass ich in Berlin schon was zum Übernachten finden würde – der örtliche Pub war schnell gefunden. Inzwischen bin ich es gewohnt, dass die Gespräche verstummen (ungelogen!) und alle kurz gucken. Na gut, ein Mädel in Motorradklamotten mit einem Tankrucksack unterm Arm, in dem ein anzüglich grinsender Plüschbär steckt, ist ja auch was. Ein frisch-fröhliches “Hey there!” und die armen Menschen sind erlöst und können weiter essen und reden. So auch hier und mit einigen Leuten an der Bar bin ich ins Gespräch gekommen und habe gefragt, wo hier vielleicht ein Fleckchen für mich und mein Zelt sein könnte. Und nach einer Weile meinte Lisa, ich sei auf ihrem Rasen willkommen. Total genial! Spannend war, dass es für sie auch ein Abenteuer war – “I’ve never done anything like that before!” Nun, ich hoffe, ich habe mich so benommen, dass sie es wieder tun würde. Liebste Grüße, Lisa!

 

Auch Donny habe ich in einem Pub kennengelernt – allerdings wurde ich an ihn verwiesen. Im kleinen Kaff Thornton saß ich nämlich an einem Abend, wieder mit dem Entschluss, hier was zu finden. Der Gin Tonic ließ eindeutig darauf schließen. Ziemlich bald hab ich mitbekommen, dass sich alle im Raum kennen – großartig. Also bin ich zur Kellnerin, die sehr sympathisch wirkte, und hab sie gefragt, wer von den Anwesenden wohl Platz für ein Zelt auf seinem Grundstück hätte – ich würde dann fragen… Brauchte ich gar nicht. Sie zupfte am Ärmel des Typen, der mit ihrem Verlobten rumalberte – das war dann Donny. Also nicht der Verlobte – der andere. Und Donny ist ihr Nachbar und sie kennt ihn seit Jahren. Sicherer konnte ich also gar nicht sein. Donny hat mir dann aber quasi verboten, auf seinem Rasen zu zelten, und mir seine Couch zur Verfügung gestellt. Heaven… Und die Dusche am Morgen! Und der Kaffee! Thank you, Donny, that was great!

 

So, die letzen vier Übernachtungsarten kommen in einem neuen Artikel – so viel auf einmal will doch kein Mensch lesen. Außerdem muss ich mich so langsam auf die Suche nach einer Schlafstätte machen 🙂

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