Santa Season in Santa Fe

Geht es Euch auch so? An den Tagen nach Weihnachten werde ich immer ein wenig wehmütig.

Vor dem 24.12. der ganze Stress (dem ich ja diesmal entgangen bin), dann mit Glück einen, mit Pech zwei und mit viel Pech drei Tage mit Menschen, deren Gesellschaft nicht zwingend ganz oben auf der eigenen Wunschliste steht.

Und wenn das alles geschafft ist, lugt der Alltag schon wieder grinsend um die Ecke. Einige müssen zwischen den Jahren arbeiten – ob am Arbeitsplatz oder am Schreibtisch zu Hause -, andere müssen schon wieder Dringendes erledigen in Geschäften, denen man die Weihnachtstage nur an den reduzierten Weihnachtssachen anmerkt.

Mir geht das Ganze jedenfalls immer viel zu schnell vorbei. Ebenso wie die gesamte Dezemberbeleuchtung, der irgendwann im Januar der Strom abgedreht wird. Als ob die Zeit nach Weihnachten, der Rest des Januars und der Februar mit Kälte und Dunkelheit nicht auch etwas extra Schönheit vertragen könnten.

Deshalb dachte ich mir, ich entführe Euch nach Santa Fe. In dieser ganz besonderen Stadt war ich Ende November – und fand die Atmosphäre ganz wunderbar.

In den Wintermonaten werden massenhaft Chilis geerntet und zu unterschiedlichsten Hängegebilden verarbeitet. Die werden dann zusammen mit Weihnachtsbäumen überall in der Stadt verkauft und dann an Türen, Gebäuden und auf Plätzen aufgehängt. Allein durch ihr kräftiges Rot wirken die Chilischoten weihnachtlich – und durch die Nähe zum Weihnachtsgrün nochmal mehr.

Die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Alten Marktplatz von Santa Fe wurde an verschiedenen Stellen beworben. Bei der “Ersterleuchtung” Ende November scheint alles voller Menschen zu sein, die “Ah!” und “Oh!” rufen. Das hatte ich zwar um ein paar Tage verpasst, wollte aber trotzdem sehen, was da so schön ist.

Auf dem Weg vom Hostel in die Innenstadt gab es einiges zu bestaunen. Ich bin zu Fuß gegangen – die Entfernung gab das her – und es war beeindruckend, wie einheitlich das Stadtbild ist, ohne gezwungen oder langweilig zu wirken. Von Einfamilienhäusern über Reihenhäuser, Verwaltungsgebäude, Autowerkstätten bis hin zu McDonald’s ist alles im Adobe-Stil gehalten. Adobe ist die Bezeichnung für einen luftgetrockneten Lehmziegel, aus denen seit Jahrtausenden kleine Häuser und riesige Pyramiden hergestellt werden. Und eben auch die Häuser in Santa Fe. Eine stringente Stadtplanung seit den frühen 1900-er Jahren hat das ermöglicht: Neue Gebäude durften nur in diesem altmexikanischen Pueblo- bzw. Adobe-Stil erbaut werden; bestehende Gebäude wurden restauriert. Nur wenige Gebäude haben mehrere Stockwerke. So sieht dann sogar ein McDonald’s erträglich aus.

Die ganze Stadt wirkt entspannt, bodenständig, menschenfreundlich. So etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen. Hier sind einige Bilder von Onkel Google.

Allerdings habe ich mich auf dem gesamten Weg gefragt, was diese unsäglichen Plastikzipfeltütchen sein sollten, die fast jedes dieser schönen Häuser verunstalteten. Schutz für irgendwelche Holzteile? Restaurierungen? Keine Ahnung…

Während ich durch die Straßen streifte, entdeckte ich in der katholischen Kirche, dass Santa Fe tatsächlich sein eigenes Wunder erlebt hat: Mit St. Kateri Tekakwitha wurde hier die bisher einzige Native American der amerikanischen Geschichte heiliggesprochen. Ihr Leben war dafür auch nicht ganz so spaßig – ich hoffe, das war es wert…

Am Alten Markt angekommen, konnte ich zusehen, wie er immer bunter wurde. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber zum Farbenlernen ist es grandios:

Wer braucht schon Drogen, wenn er das hier anschauen kann?

Auf dem Rückweg ins Hostel wurde dann klar, wofür die Plastikzipfelmützchen auf den Häusern dienten: Es waren Windlichter! Hier war also die Weihnachtsbeleuchtung für die Spießer, zu denen ich mich in diesem Fall gern zähle. Ruhig, dezent, stilvoll, wunderschön und über die ganze Stadt verteilt:

Meine Kamera konnte das nicht angemessen einfangen, aber ich hoffe, dass Ihr einen Eindruck bekommen habt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, dass Ihr schöne, ruhige Weihnachtstage hattet und dass Ihr die Stimmung noch eine Weile mitnehmen könnt!

Und ich danke Euch sehr dafür, dass Ihr meinen Blog bis hierhin gelesen habt – und hoffentlich dabei bleibt! Gern möchte ich Euch nämlich Anteil daran geben, wie aus der Reise hoffentlich ein Buch sowie Abende mit Erzählen, Lesen und Bilderschau werden!

Ein erster aufregender Termin steht schon fest: ein zweistündiges Radiointerview Ende Januar. Der genaue Termin folgt selbstverständlich!

Liebe Grüße aus Kiel

Eva

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Boston – been there, was fine

Ich glaube, ich werde es beibehalten, abends oder nachts in unbekannte Großstädte einzufahren. Die Straßen sind leerer, die Fahrer nicht mehr so gestresst, die ganze Stadt atmet irgendwie aus. Das fand ich schon in New York gut und hier in Boston war es wieder so. Ich bin eine Weile umhergefahren – das Bett im Hostel hatte ich ja sicher. Bostons Skyline gefällt mir besser als die von New York; sie ist kompakter und nicht so hoch, dafür eher eine selbstbewusst-bodenständige Einheit. New York wirkte zwar cool, durch die einzelnen Skyscraper – fast wie eine Ansammlung von leuchtenden Zahnstochern – auch sehr individuell und irgendwie arrogant. Aber trotzdem cool, bitte nicht falsch verstehen.

Boston am Tag ist auch gut. Ich wollte schon immer mal hierher, ohne genaue Vorstellungen davon zu haben, was mich erwarten würde. Ich hatte keine Skyline vor Augen, nur Backsteinhäuser – und die nicht allzu hoch. Damit lag ich ja schon mal richtig. Es gibt sehr viel Grün, viele Kids, die hier happy rumflitzen (die Eltern sind in der Nähe – mal mehr, mal weniger happy), viele schöne Gebäude, viele liebevolle Details an den Häusern und in den Straßen.

 

Ich schaue in die Public Library rein (die erste der US – aber hab ich das nicht schon in Baltimore gehört?). Hier ist es laut (die Leute telefonieren!), die Räume sind irgendwie fake-chic – kein Vergleich zur Peabody Library in Baltimore. Aber immerhin arbeiten mehr als zwei Leute tatsächlich mit einem Buch 🙂

 

So, wieder raus – reicht auch. Ich schlendere noch ein wenig durch die Stadt – hier sind ein paar Eindrücke:

 

Natürlich will ich Euch auch ein wenig am Hostelleben teilhaben lassen – vor allem am Frühstück.

 

Gleich geht es raus aus der Stadt in Richtung Norden, weiter auf der US 1 oder der etwas kleineren und verschlungen parallel laufenden 1A. Auf beiden bin ich schon seit ein paar Tagen unterwegs – sie führen die Küste entlang bis hoch nach Kanada. Jetzt freue ich mich auf ein Stück von New Hampshire und dann auf Maine, auf etwas mehr Weite (und hoffentlich gute Schlafplätze). Portland soll schön sein und der Acadia National Park um Bar Harbor sowieso. Wir werden sehen!

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On the road – finally

Und endlich, endlich ist alles bereit für den Start! Sicher wäre es klug gewesen, am Vorabend zu packen und früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen und früh loszufahren. Weil dann die Straßen leer sind und die Temperatur noch unter 30°. Aber klug ist eine Sache – meine Morgenabläufe eine andere. Aber was soll’s – ich brauche meine Zeit zum Wachwerden und Asphalt ist auch nur dann schön, wenn er die 30° von unten zurückstrahlt.

Beim obligatorischen Kaffee hab ich innerlich Abschied vom Hostel und den Leuten genommen, die ich dort kennengelernt habe. Die unterschiedlichsten Menschen übrigens – natürlich auch die obligatorischen deutschen Mädels, die nach dem Abi durch die USA reisen. Aber auch die Frau, deren Bruder gestorben ist – sie räumte sein Haus aus. Der Mann, der aus New York wegziehen will. Die Mieten und Lebenshaltunskosten steigen offenbar ins Unermessliche, nun sucht er in Baltimore nach einem Haus für sich. Der Immobilienmakler, der seine Lizenzen erneuern muss. Der Lehrer, der drei Tage pro Woche in New York arbeitet und zwei in Baltimore. Er nimmt dafür je drei Stunden Fahrt und das Wohnen im Hostel auf sich – weil er hofft, dass die Stelle in Baltimore sich irgendwann zu einer Vollzeitstelle entwickelt.

Mögen sie ihr Glück finden – ich hab meines :-). In der Mittagshitze geht es auf in den Wochenendverkehr – ist ja zu Hause auch die beste Zeit, um sich auf die A7 zu begeben. Ich krieg gleich zwei totale Extreme: kilometerlange Stau und absolute Raserphasen. Im Stau gehe ich in meinen Klamotten fast ein, aber weil ich mich schon ein bisschen heimisch fühle, nehme ich den Seitenstreifen. In den Phasen, in denen gefahren werden kann, bin ich platt – die Amis rasen wie verrückt, überholen auf allen Seiten, gern auch im Slalom. Das Konzept des Sicherheitsabstandes scheint unbekannt: Tut sich mal aus Versehen so viel Platz auf, dass er diese Funktion erfüllen könnte, wird es sofort als Einladung zum Einscheren verstanden. Das ist kein Fahren, das ist Speedkuscheln.

Das ist echt nicht meins und ich fahre so schnell wie möglich wieder runter. Tanke (eine Füllung = 7 Dollar). Cruise ein wenig durch die Gegend – viel besser. Und schaue so langsam nach einem Schlafplatz, ich will es wagen. Fahre in eine Nebenstraße, von da in einen Nebenweg, von da in einen Nebenpfad. Kein Mensch, viel Grün, viel Ruhe, ein Tümpel. Natürlich will ich wissen, was auf der anderen Seite des Tümpels ist – wobei ich nicht weiß, ob ich da lieber Menschen hätte oder lieber nicht. 

Die Nacht ist irgendwas zwischen verzaubert und sehr irdisch: Ganz viele Glühwürmchen fliegen auf dem Platz herum, der Sternenhimmel ist wunderschön. Die Grillen veranstalten ein Konzert in Wacken-Lautstärke und bei jedem Geräusch fürchte ich, dass nun doch jemand kommt – in welcher Absicht auch immer. Aber alles geht gut und ich muss zugeben, dass ich doch ein wenig stolz bin, das gewagt zu haben, zumal ich es öfter machen will.

Ohrenstöpsel helfen übrigens phantastisch gegen Mücken. Nein, nicht gegen die Stiche – aber man hört die Mistviecher nicht und schläft ganz ruhig. Man ist dann am nächsten Morgen auch fit genug, um die Verwüstungen im Spiegel zu ertragen und um zu versuchen, die Stiche zu zählen. Mein Auge schwoll immer weiter zu, auf der linken Wange hatte ich neun Stiche. Hab dann nicht mehr weitergezählt – wollte ja irgendwann loskommen 🙂

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Von Chester nach Baltimore

Customs and Borders Office

So, jetzt will ich Euch mal wieder auf den aktuellen Stand der Dinge bringen, bevor die Briefe aus der maritimen Vergangenheit Überhand gewinnen. Ganz aktueller Stand: Ich bin noch immer im Hostel in Baltimore, ich habe nun endlich – und hoffentlich – allen Papierkrams bewältigt, der zwischen mir und Josi lag, und ich krieg sie morgen nun hoffentlich Nr. 2 wirklich. Heute hatte das Hafenbüro schon geschlossen…

Was passierte nun zwischen dem Anlegen der “Independent Spirit” in Chester und jetzt? Der Abschied vom Schiff und seiner Crew fiel mir nicht leicht – wurde mir aber von Tony versüßt. Der über 80-jährige Seemannsmissionar kommt immer an Bord, um die Crew mit Zeitschriften zu versorgen und bietet vielerlei Unterstützung an. In diesem Fall durfte er “this nice young lady passenger” zu sich an Bord nehmen. Es dauerte ungefähr zwei Minuten, bis auch er sich als Biker outete – seine Harley “Bird” ist wirklich schick. Motorradfahrer zeigen sich ja die Bilder ihrer Motorräder, wie Eltern sich die ihrer Kinder zeigen. Die Fahrt mit Tony war so witzig – seine Frau findet sich übrigens zu alt, um noch als Sozia mitzufahren. Konnten wir beide nicht verstehen – 80 ist doch kein Alter…

Tony fuhr mich zum Bahnhof in Philadelphia, von wo aus ich mit Zug oder Bus nach Baltimore weiterfahren wollte.

Die Preise sprachen eindeutig für den Bus und der hatte seine Baltimore-Haltestalle an einer Mall außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes. Blöd, weil nun doch nochmal Taxikosten anfielen – aber der Fahrer Aladdin war es allemal wert. So jemanden habe ich noch nie erlebt.

Unterwegs mit Aladdin

Als der philippinische Taxifahrer hörte, dass ich Deutsche bin, verfiel er in absolute Schwärmerei für eine Carola Bürger, die Anfang der 90er auf den Inseln war. Die beiden verliebten sich ineinander, sie besuchte ihn drei Mal, er wollte seine Ausbildung fertig machen und dann nach Deutschland kommen und sie heiraten. Dazu kam es nie – er fand die Welt und andere Frauen zu spannend. Aber seit einigen Jahren sucht er nach Carola und ihren strahlend blauen Augen, seit Neuestem sogar über Facebook. Wer also eine Carola Bürger kennt…

Ich hab mich dann im Hostel eingerichtet, es waren witzige, aber auch anstrengende drei Tage. Die Kombination von lauter Musik, dem laufenden Fernseher, drei telefonierenden Leuten und den Gesprächen in der nahen Küche – die extra laut sein müssen, weil die Teppichreiniger im Haus unterwegs sind – ist nicht so ganz meins.

Gynsburgh hatte sich die Nächte mit mehreren anderen Frauen auch irgendwie anders vorgestellt und ist beleidigt.

Aber wenn alles klappt, übernachten wir morgen schon woanders…

 

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Two nights in Antwerp

Irgendwo zwischen Großbritannien und Irland – mit Liverpool im Rücken – versuche ich mal, diesen Bericht noch zu Euch zu schicken. Es ist herrlich altmodisch, so weit rückblickend zu erzählen – scheiß auf zeitgleich und hyperaktuell. Da es hier ohnehin nicht anders geht und der nächste Bericht wohl erst von der US-Küste kommt, machen wir jetzt einen auf retro. Ich liebe es!
Die Bilder haken m.E. ein wenig – das bringe ich jenseits des Atlantiks in Ordnung.

Liverpool, 30. Juni
Ihr Lieben, ich bin in Liverpool, sitze auf der Brücke meines Frachters, habe die ersten beiden Tage und Nächte auf See ohne jede Übelkeit hinter mir – jippieh!

Weil ich es aber nicht komplett durcheinander berichten will und ich nicht weiß, wie lange mir das gute alte Internet noch zur Verfügung steht, kommen jetzt erstmal die Eindrücke aus Antwerpen. Dahin wurde ja mein Startpunkt verlegt, mein Abenteuer hat also nicht erst in der Neuen, sondern schon der Alten Welt begonnen 🙂

Antwerpen, 26. Juni
Antwerpen ist schön. Ich habe zwar nicht viel von dieser alten Stadt gesehen, aber das, was ich gesehen habe, war aufgrund meines Gepäckschleppschneckentempos sehr intensiv. Ein wenig marode (Antwerpen, meine ich. Na gut, ich auch…), aber liebevoll in vielen Details. Die flandrische Architektur ist wunderschön und der ehemalige Reichtum überall sichtbar.

Die letzten beiden Punkte treffen auf mein Hostel leider nicht zu, aber ich habe es auch nicht nach Schönheit ausgesucht. Für 21 Euro inkl. Frühstück ist es vollkommen in Ordnung, zumal es wirklich im Zentrum der Altstadt liegt. Ich habe ein Bett in einem 16-Betten-Raum – zum Glück ist außer mir nur eine Dame anwesend. Die beiden entsprechenden Herren-Räume hingegen scheinen voll belegt. Ob das junge Flüchtlinge sind? Ich bin zu müde für ein entsprechendes Gespräch.
Sobald es dunkel wird, habe ich von meinem Bett aus den schönsten Blick zum Einschlafen – die verzierten Zinnen der alten Häuser am Grote Markt.

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