Wenn die Recherche ganz kurz ausfällt

Nein, nicht ich bin die Recherche. Auch wenn ich zwischen den beiden Cowboys so richtig kurz bin.

Ich wollte Hintergrundinfos zu Johnstown, Nebraska, sammeln, dem Ort, in dem ich meine ersten Cowboys getroffen hatte. Aber ich habe nur den wohl kürzesten Wikipedia-Eintrag gefunden, der mir je angezeigt wurde:

Auch der Link auf die offizielle Webseite Johnstowns versprach mehr, als er hielt:

 

 

 

 

Geht es noch deprimierender?

Ich hoffe, es gibt den Ort noch – ich hatte mich doch so über den Einwohneranstieg von 53 (2000) auf 64 (2010) gefreut!

Es bleibt nur Nostalgie…

Nebraska – jetzt aber!

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Übernachtungsreport IV – meist ohne Wände

Es gab Beschwerden aus meiner Leserschaft – der Übernachtungsreport zu Hotels, Motels, Hostels war offenbar zu langweilig. Und was soll ich sagen? Ich kann es verstehen. Diese Unterkünfte sind warm, sicher und trocken – und in der Regel passiert da auch nix, was man dort nicht erwarten würde. Da checken die normalen Leute ein – also die wenigsten meiner Leser…

Dass so ein herrlich spießiges, warmes und kuscheliges Bett auf Reisen manchmal einfach sein muss, wird jeder verstehen. Jetzt aber schauen wir uns mal wieder meine im wahrsten Sinne des Wortes außerhäusigen Übernachtungen an.

Aber gehen wir es langsam, gesittet und legal an. So kann man in den National und auch in vielen State Parks wild campen, solange man alles so verlässt, wie man es vorgefunden hat. Das hatte ich auf dem Blue Ridge Parkway gleich mal ausprobiert – und, wie ich finde, sehr gelungen. Als gehörten Josi und George dahin, oder?

Auch die Übernachtung am Horseshoe Lake, Illinois, war großartig…

… und besonders aus zwei Gründen werde ich sie so bald nicht vergessen:

Zum einen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Mangroven gesehen und hätte sie tatsächlich eine ganze Weile einfach nur bestaunen können:

Zum anderen war nicht weit entfernt ein kleiner, feiner Pub, den Sherry vor Kurzem übernommen hatte. Sie hat mir einen grandiosen Hausdrink gemacht (ein perfekter Ersatz für den Mojito) und die Stimmung dort war so unglaublich gut, die Gäste so witzig, dass ich dort auch hätte durchmachen können.

 

In Städten gestaltet sich das ganze Übernachtungsthema schon schwieriger, wenn man kein Geld für eine Unterkunft ausgeben möchte. Aber auch da geht so einiges!

Zum Beispiel direkt zwischen Bibliothek und Schule. Bibliotheken mag ich ja, wie Ihr inzwischen wisst, auch wegen ihres meist offenen WLAN. Der Platz hier in Lincoln, Nebraska, war natürlich gewagt, und ich habe mich mehrfach gefragt, wer mich wohl aus dem Schlaf reißen und schlimmstenfalls vertreiben würde: die Polizei? Personal der Bibliothek? Der Hausmeister der Schule? Reinigungskräfte? Oder einfach Passanten, z.B. ein gewissenhafter Gassigeher?

Die Lösung lautet: Niemand. Ich hab tatsächlich bis sechs (ist unter diesen Umständen echt lange!) geschlafen und bis sieben alles abgebaut – ich war so naiv zu glauben, dass Lehrer ab sieben in die Schule kommen, um ihren Krams vorzubereiten. So war das jedenfalls bei mir! Aber nix da – Viertel vor acht kamen die ersten. Na, egal, ich hatte eine unerwartet gute Nacht.

In Nebraska City stand George fast unsichtbar außerhalb des Lichtkegels hinter einer Arztpraxis. Da die Straße in ein Industriegebiet führte, gab es keine Fußgänger, die links oder rechts hätten schauen können. Nur Autofahrer – und die schauen nicht hinter Gebäude :-). Tipp für Nachmacher: Die Öffnungszeiten der umliegenden Geschäfte prüfen und den Wecker entsprechend stellen! Gilt auch für Übernachtungen hinter katholischen Kirchen, erinnert Ihr Euch?


Ach, das ist für einige bestimmt schon wieder zu langweilig…

 

Also auf nach Kalifornien. Hier habe ich in kürzester Zeit ein paar verrücktere Übernachtungsplätze gesammelt.

Da war zum Beispiel Carmel Heights, ein kleines Wohngebiet südlich von Carmel-by-the-Sea und Monterey – alles wunderschön direkt am Meer gelegen. Eigentlich wollte ich auf dem Campingplatz im Big Sur Park übernachten. Aber der Preis von 60 (!!!) Dollar (bestimmt auch noch before tax) für Motorrad, Zelt und mich hat mich selbst um 22:30 Uhr noch zur Weiterreise bewegt. Da bin ich trotzig. Weil die Straße nach Süden irgendwann gesperrt war, bin ich zurück nach Norden und hab doch tatsächlich ein schnuckeliges Häuschen mit perfekter Rückfront gefunden – unter der Terrasse konnte ich wind-, regen- und blicksicher schlafen:

Und ich lüge jetzt nicht: Um viertel vor neun am nächsten Morgen, als ich grad die letzten Sachen auf Josi befestigte, kamen die beiden Wagen von der Baufirma. Wie rücksichtsvoll von ihnen, so lange zu warten!

Feuerwehren sind auch eine schöne Möglichkeit! Meist sind es ja nette, hilfsbereite, schnuckelige Jungs (jep, Sexismus, ich weiß) und fitte Mädels (das gleicht es nicht aus, oder?), die nix dagegen haben, wenn auf dem Grundstück für eine Nacht ein Zelt steht. In Los Alamos haben mir Tahj, Marissa und Mike Platz und Kaffee angeboten – mehr brauche ich ja nicht. Gynsburgh war auch ganz begeistert, endlich wieder unter Menschen in Uniform zu sein – aber er hat Marissa offenbar doch etwas eingeschüchtert. Auf mein Gesicht müsst Ihr in diesem Slider verzichten. Es war früh am Morgen und vor dem ersten Kaffee, aber ich wollte Euch Marissa und dieses coole Fahrzeug zeigen.

Und ich habe wieder nette Menschen gefunden, bei denen ich eine sichere Nacht verbringen konnte. Wobei man dabei natürlich auch mal überrascht werden kann…

Toni stand in Greenfield an der Straße und sprach mit einer Freundin im Auto. Ich war gerade aus einem Nachbarort geflohen, ohne mein Zelt aufzubauen – die Gestalten, die die Straße rauf- und runterschlenderten und mich beim Zeltaufbau beobachtet hätten, gefielen mir gar nicht. Nun wollte ich mir in Greenfield ein sicheres Plätzchen suchen und wollte Toni eigentlich nur fragen, ob sie mir eines empfehlen könne. Sobald ihr klar wurde, dass ich als Frau allein unterwegs bin, war es für sie ebenso klar, dass sie mir ihr Sofa anbietet. Und das in einem Haus von ca. 45 qm, das sie mit ihrem Lebensgefährten, zwei schulpflichtigen Enkelkindern und vier (!) Hunden bewohnte. In der Wohnung herrschte das größte Chaos, auch wenn man merkte, dass sie versuchte, es in den Griff zu bekommen. Es gab keine Heizung, nur einen Heizlüfter. Fenster schlossen nicht richtig und waren mit Kleidungsstücken abgedichtet. Das Waschbecken im Bad war kaputt, das in der Küche kaum zugänglich. Umso mehr war ich von ihrem Angebot gerührt – ich kenne ja meine Chaosgrenze, ab der niemand mehr in meine Wohnung darf…

Als ob all das nicht beklemmend genug wäre, waren an den Wänden zahlreiche Fotos von Familienmitgliedern angebracht. Mir wurden alle vorgestellt – und zwischendurch fielen die Worte “killed” und “raped and killed”. Schluck. Nachfragen? Nicht nachfragen? Nun, sie hatte es erwähnt und ich bin ja auch unterwegs, um Land und Leute kennenzulernen… Ihr Sohn wurde mit Anfang 20 von einer der hiesigen Gangs ermordet. Zusammen mit seiner Freundin, weil beide aus der Gang raus wollten. Eigentlich wäre das auch okay gewesen, aber irgendwie dann wohl doch nicht.

Und die Tochter von Tonis Lebensgefährten wurde mit 14 entführt, vergewaltigt, gefoltert und erstochen. Ist das zu glauben? Ich fühlte mich wie im sprichwörtlichen falschen Film. Ich meine, wie kann man so leben? Praktischerweise war der Mörder ein illegaler Einwanderer, sodass ihr Vater (offenbar ein legaler Einwanderer) Trost und Unterstützung bei einschlägigen Gruppierungen fand und findet. Die wiederum von Trump unterstützt werden, unter anderem bei regelmäßigen Treffen.
Auf dem Bild trägt der Vater ein Shirt mit allem, was seiner Tochter angetan wurde – und dann halten die beiden doch allen Ernstes die Daumen hoch. Mir fehlen noch jetzt die Worte dafür. Unter dem Bild hängt ein Haarteil, dass das Mädel getragen hat (wollte ich Euch nicht bildlich zumuten). Also, ich war nicht allzu traurig, am nächsten Morgen weiterzufahren. Und für Bett, Wärme, Sicherheit und Dusche bin ich Toni allemal dankbar – sie hat ein riesiges Herz.

Goleta, ein Vorort von Santa Barbara, ist das totale Gegenteil von Greenfield. Schon fast so, wie man sich Santa Barbara eben vorstellt. Diesmal bot sich wieder ein Vorgarten an, es war warm und trocken und es gab tatsächlich auch Vorgärten. Natürlich ist nicht jeder geeignet: Größe, Neigung, Format und Bepflanzung müssen passen, außerdem will der verwöhnte Camper ja nix Verwahrlostes. Und schließlich müssen die Bewohner zu Hause sein, damit man brav fragen kann. Ich hatte das Glück, bei Mary und Rick zu landen, einem fröhlichen und netten Paar in Pension. Ohne zu zögern haben sie mich in ihren Vorgarten gelassen und mich am Morgen zu Dusche und Frühstück eingeladen. Ich muss gestehen, dass ich die entsprechende Hoffnung hatte… Thank you, Mary and Rick, it’s been wonderful to meet you – and thank you for letting me stay!

Hier kam auch endlich mal wieder ein Polizist vorbei!

Er hielt allerdings in freundlichster Absicht: Er ist mit Mary und Rick befreundet, selbst BMW-Fahrer und offenbar fest entschlossen, so lange als Motorradfahrer unterwegs zu sein, wie er überhaupt laufen könnte.

Der folgenden Übernachtungsstätte trauere ich noch hinterher – in Santa Barbara wurde es nämlich richtig nobel: Ich habe mich unter dem Yacht Club einquartiert. Einfach perfekt: kein Zelt nötig, regengeschützt, mit Meeresrauschen im Ohr, am Morgen Kaffee im Hafen um die Ecke.

Zuerst wollte ich meerseitig unter das Gebäude krabbeln, das etwa einen halben Meter hoch auf Stelzen steht. Das haben aber anscheinend schon andere vor mir probiert – plötzlich fand ich mich in einem roten Laserstrahl wieder und ein helles Licht ging an. So muss es Catherine Zeta-Jones bei ihrem Training mit Sean Connery gegangen sein ;-).

Zum Glück kein lauter Alarm, aber ich rechnete doch fest damit, dass gleich ein Security-Mensch um die Ecke kommt und ich gehen muss. War aber nicht – und dann geh ich natürlich auch nicht.

Die Seite des Gebäudes lag ebenfalls in dunkelstem Schatten und weil an der Unterseite Rohre verliefen, war hier keine Alarmanlage installiert. So ganz hat sich mir der kausale Zusammenhang nicht erschlossen – ein bisschen tiefer bücken und wer will, kann hier dann ebensogut schlafen.

Also bin ich hier tief reingekrabbelt und habe eine traumhafte Nacht verbracht.Am nächsten Morgen wachte ich selig zu diesem Blick auf – hinter dem Wällchen das Meer. Einzig ein Hund hat mich entdeckt, ist aber verschreckt wieder weggerannt. Ich hoffe, es war nicht mein Geruch…

Über die Definition von “tief reinkrabbeln” hab ich dann tagsüber nochmal nachgedacht…

… aber da ist ja noch ausreichend Platz zur Seite.

So schön war es am Yacht Club – Ihr werdet verstehen, dass ich noch eine Nacht bleiben wollte.

Auch Monsieur fand es ganz schick da und hangelte sich durch die Rohre – natürlich wie Sean Connery. Nach meiner zweiten Nacht wollte er da auch den Tag verbringen und auf meine Sachen aufpassen. Nun gut.

Oder nicht gut – als ich am Nachmittag vorbeischaute, um Krams für einen Sprung ins Meer zu holen, war alles weg. Nur eine Schleifspur im Sand (breiter als Gynsburgh, keine Sorge) verriet, dass meine Sachen tatsächlich mal hier auf einer Plane lagen.

Im Übrigen war doch nicht alles weg – der kleine Hilfssheriff hing noch in den Rohren. Keineswegs kleinlaut – er gab eher den Zeugen als den Bewacher, der versagt hat.

Mein Gang nach Canossa bestand aus drei Etappen: zum Personal des Yachtclubs, das mich an das Hafenbüro verwies, und vom Hafenbüro zur Polizei, die meine Sachen eingelagert hatte. Ohne Probleme bekam ich sie wieder – wir hatten im Grunde nur zwei Gesprächsthemen: Wie viele Nächte ich schon da übernachtet hatte (“Two? Hmm, that was one in my shift and one in someone else’s, damn…”). Eigentlich kontrollieren sie den Yacht Club jede Nacht! Das zweite Thema war meine Tour – echt entspannte Polizisten. Sie haben sonst sicher mit mehr oder weniger ansprechbaren Obdachlosen zu tun, sodass ich eine angenehme, zumal geständige, Abwechslung war.

Und auch meine Trauer über den Schlafplatz hielt nicht zu lange an – dieser Blick über L.A. bei meinem Platz in der vergangenen Nacht war auch ganz okay 🙂

 

 

 

 

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Nebraska – jetzt aber!

Von wegen Nebraska ist öde und langweilig – allein schon, dass ich drei Beiträge darüber schreiben muss (eins und zwei), beweist eindeutig das Gegenteil.

Heute kommen wir in die Metropole Johnstown. 2010 hatte der Ort 57 Einwohner – 2016 laut Wikipedia schon 61. Hier tut sich was – Johnstown rockt!

Das erste, was ich in der Abenddämmerung und auf der Suche nach einer Stätte für mein müdes Haupt in dieser Kapitale entdeckte, war ein freier Platz mit Picknicktisch. Ideal – da will ich schlafen! Aber als ich Josi am Straßenrand gegenüber parkte, sah ich mich gleich dem Sheriff des Ortes gegenüber. Na gut – ob Polizei oder Sheriff, ich bleib mir treu :-).

Der Sheriff bewacht den Saloon von Lynn und Jimmie. Die beiden sind zwei unglaublich nette Menschen – wir haben viel zusammen gelacht und genossen, u.a. das Frühstück am nächsten Morgen. Falls Unsicherheiten bestehen: Es sind alle satt geworden.

Früher hatte der Sheriff laut Lynn übrigens sogar einen Sheriffstern, aber den hat man ihm geklaut. Wie dreist muss man sein – dem Sheriff den Stern zu klauen???

Lynn und Jimmie besitzen und führen den Saloon, der in einem uralten Gebäude in Johnstown untergebracht ist, seit einigen Jahren. Gleich daneben war früher die Bank – sehr praktisch.

Lynn erlaubte mir sofort, auf dem Platz gegenüber zu übernachten – er wurde extra dafür eingerichtet. Der Platz ist viel größer als hier fotografiert, aber ich habe George und mich mit dem Baum vor Laternenlicht von links geschützt.

Am nächsten Morgen wollte ich Josi endlich, endlich mit der Steckdose versehen, die ich schon bei Louis in Kiel gekauft hatte. Bisher hatte ich immer rechtzeitig Steckdosen in Restaurants gefunden, um wahlweise die Powerbank, das Handy, das Laptop, die Kamera oder die Zahnbürste aufzuladen. Mit der USB-Steckdose für Josi könnte ich all das während der Fahrt erledigen und so Energieengpässe im eigentlichen Wortsinn vermeiden.

Mit dem Rest von Nebraska sowie Wyoming und Montana vor mir – die am dünnsten besiedelten Staaten der USA – sollte die Steckdose nun endlich ran. Ich will Krams wie diesen ja immer selber machen, um ihn zu verstehen – im Notfall hätte ich den Louis-Mann meines Vertrauens (hi, Hini) per WhatsApp-Videokonferenz dazugeholt. Aber kaum hatte ich angefangen, kam Jimmie, um mir zu helfen. Wir beide haben versucht, den Sicherungsteil des Ganzen zu verstehen, und hier muss ich eindeutig an meiner Dominanz arbeiten. Irgendwann hat er – mit viel Freude und ich bin auch dankbar! – allein gewerkelt und ich habe Werkzeug angereicht. Aber als dann ein Mensch in Camouflage dazukam und die beiden zu fachsimpeln anfingen, war ich raus. Dann ein Dritter, der hilfreiche Kommentare gab – ich hab mir das alles nur noch aus der Ferne angesehen, es war wie Comedy.

Und am Ende auch funktionstüchtig und fertig. Wenn man von den vier Schrauben absieht, die wir, trotz wieder gemeinsamer Anstrengungen, einfach nicht mehr unterbringen konnten. Ich warte immer noch darauf, dass irgendwas auseinanderfällt…

Nach getaner Arbeit haben wir zufrieden vor dem Saloon auf der Bank mit den vorgegebenen Hinternabdrücken gesessen und eine geraucht. Wen das Schicksal so zusammenführt – verrückt und wunderbar!

Thank you, Lynn, thank you, Jimmieh, thank you, Johnstown – being with you was great! Especially, when you introduced me to my first cowboys! Ich hatte kurz überlegt, mich auf die Zehenspitzen zu stellen, aber das hätte so rein gar nichts geändert…

Auch hier musste ich Abschied nehmen – ich hatte mir vor der Reise nicht klargemacht, dass es mir so schwerfallen könnte, von Menschen, Orten, Landschaften und Staaten Abschied zu nehmen. Immer mal wieder hatte ich den Gedanken: Mist, ein halbes Jahr ist zu kurz! Verrückt, aber wahr.

Nun, es geht weiter durch die (Mais-)Weiten Nebraskas und ich lasse Euch natürlich an einigen Eindrücken teilhaben:

Ich hab wieder einen Chevy gesehen! Zwar nicht wirklich in gutem Zustand – nun, eigentlich in einem miserablen Zustand – aber trotzdem schön…

Am Ende noch eine Perle – hier in Nebraska läuft die Zeit tatsächlich anders 🙂

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… besondere Menschen und kleine Orte

Es geht weiter in Nebraska! Wer die Landschaften verpasst hat, muss nochmal hierhin  zurückgehen – darf dann aber hier weiterlesen. Oder andersrum – ist mir auch egal. Ich hatte eine Margarita, das merkt man, oder?

Die ersten besonderen Menschen, die ich in Nebraska wahrgenommen habe, waren die Amish. Ich hätte schon in Neuengland mehr als ausreichend Gelegenheiten gehabt, mich in Amish-Gegenden rumzutreiben und Museen oder sogar Dörfer zu besuchen, um sie zu sehen. Na, zu beobachten – das trifft es wohl eher. Denn ich find sie superspannend. Dass man tatsächlich heute noch so reduziert leben kann – gerade wenn die Alternative so nah und greifbar ist – finde ich krass.

Weil ich es aber komisch finde, Menschen so dezidiert zu beobachten, während sie einfach ihr Leben leben, habe ich es in Neuengland und vor allem in Pennsylvania gelassen (sorry, Richard – sorry, Richard’s sister!).

Und nun sah ich sie plötzlich in Nebraska – wo ich sie nun überhaupt nicht mehr vermutet hätte. Zuerst, als ich in einer Tanke saß und einen Kaffee trank. Plötzlich fuhr draußen eine Kutsche vorbei – einfach so! Ich konnte es gar nicht glauben, mein Mund stand offen. Kaum hatte ich das verdaut, kam die zweite Kutsche – ist das zu fassen? Natürlich war ich zu langsam – als ich mit meinem Fotoapparat draußen war, war die Kutsche längst weg. Und in den nächsten zehn Minuten, die ich draußen verbrachte, kam auch keine weitere. Klar, Murphy ist ein Mistkerl.

Aber dann – die dritte. Unglaublich. Ein Paar und ein etwa siebenjähriger Junge in schlichter Kleidung, die mich anlächelten, während sie vorbeifuhren. Ich mochte sie nicht einfach so fotografieren, deshalb gibt’s hier ein schönes Bild von hinten. Ich brauchte etwas, um mich aus dem Staunen zu lösen 🙂

In einem Laden in der Nähe verkaufen die Amish Produkte, die sie herstellen – ganz viel Handarbeit. Die Schaukel hat es mir angetan. So kann man mit seinem Schatz alt werden, oder? Daneben gab es allerdings ganz viel Kitschkrams, der oft auch noch in Plastik verschweißt war – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Amish das hingebungsvoll an langen Winterabenden fertigen…

Als ich weiterfuhr, bekam ich ein besonders schönes Amish-Abschiedsgeschenk: Auf einer Straße kam mir ungelogen ein Amish auf einem blauen Tretroller entgegen. Und es ist hügelig hier! Voller Elan schubste er sich bergauf und grinste dabei. Lebensfreude pur – und das bei einem Erwachsenen. Ich muss kurz überlegen, wann ich das das letzte Mal auf Deutschlands Straßen gesehen habe…

Und weiter geht es in die Weiten Nebraskas. Du weißt übrigens, dass Du in Nebraska bist, wenn ein Ort wie Taylor mit 190 (!) Einwohnern…

… auf der Gesamt-USA-Karte verzeichnet ist, die monatelang in meinem Wohnzimmer hing und mich jetzt auf meiner Tour führt:

Allerdings geht es auch noch kleiner – viel kleiner…

Ich frag mich angesichts der Schilder schon, wie oft die aktualisiert werden… Ach, kommt, ich nehme euch noch in zwei, drei kleinere Orte mit:

Deutsche Vorfahren hat hier tatsächlich fast jeder und ich muss gestehen, dass ich den Enthusiasmus, mit dem mir das mitgeteilt wird, inzwischen nicht mehr so sehr teilen kann. Ich meine, deshalb sind wir ja noch lange nicht verwandt und ich merke mir ja doch nicht, wessen Tante und wessen Urgroßvater wann nach Amerika gekommen sind. Wobei das Warum ja noch das Spannendste wäre – aber das ist selten bekannt. Wenn jetzt jemand kommt und mir fast um den Hals fällt mit den Worten “My ancestors are from Germany!”, muss ich echt aufpassen, nicht zu sagen “Well, mine aren’t!” Nicht nett, ich weiß. Aber ich kann einfach auch nicht alle Geschichten hören, nur weil ich zufällig Deutsche bin. Oder?

Jetzt hab ich so viel geschrieben, dass der Rest von Nebraska in den nächsten Artikel muss. Bis dann!

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Nebraska – gaaaaanz viel Gegend…

“Du wirst dich zu Tode langweilen!” – “Nimm dir bloß Musik mit!” – “Boah, das ist soooo öde da!”

Ich hab mich richtig auf Nebraska gefreut. Im Ernst. Ich war neugierig auf dieses öde Nichts, auf die Weite. Mich schreckt Nichts ja nicht so und bis ich mich langweile, muss schon einiges geschehen. Und eigentlich dachte ich auch, dass ich ein bisschen Nichts ganz gut gebrauchen könnte nach diesen intensiven ersten beiden Monaten. Was, nicht länger? Nein, nicht länger – und so viel erlebt. In Japan gibt es das Konzept des ma – die Leere zwischen den Dingen. Dieses ma ist ebensowichtig wie die Dinge selbst, weil es hilft, sie zu genießen. Nebraska sollte mein ma werden.

Gegend und Weite und Nichts gibt es in diesem Bundesstaat schon mal genug:

In alldem nur die Geräusche von Wind, zirpende Grillen und ab und zu ein Truck. Das war so wohltuend. Aber ich hab tatsächlich auch Musik gehört während des Fahrens – zum ersten Mal auf dieser Tour. Natürlich Bruce Springsteen mit seinem “Nebraska”-Album und anderes von ihm. Das passte toll zum Dahinfliegen!

Aber es gibt tatsächlich noch mehr in Nebraska – lasst euch überraschen!

Außerdem natürlich Antiquitäten – hier draußen auf dem Land findet man die ganz besonderen Schätze:

Campen & Co. sind in einer solchen Weite natürlich traumhaft. Niemand guckt 😉 und es findet sich immer ein Plätzchen für George. Einmal allerdings hab ich ihn auf einem schmalen Weg zwischen einer Pferde- und einer Kuhherde aufgebaut – das sind vielleicht Geräusche nachts! Und immer mal wieder komme ich über eine Zeitzonengrenze. Und jede Grenze bedeutet eine weitere Stunde für mich! Ich weiß, die muss ich auf dem Rückweg nach Miami wieder hergeben, aber für jetzt ist es schön.

Ach ja, neben ganz viel Gegend gibt es in Nebraska auch ganz viel Mais. Und eben Vieh – die Bewohner hier sprechen schlicht von “crop’n cattle”. Annabelle, die folgenden Bilder sind nur für Dich!

Natürlich gibt es dafür auch die entsprechenden Maschinen – John Deere ist hier ganz groß. Und ohne ins Pornografische abrutschen zu wollen, finde ich doch, dass Josi mit den Maschinen richtig gut aussieht!

Es gibt auch Menschen in Nebraska – und ich hab ein paar richtig nette kennengelernt. Aber dafür müsst ihr auf den nächsten Artikel warten…

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