Porky

Dieser verrückt-wunderbare Mensch verdient einen eigenen Artikel.

Kennengelernt habe ich Porky (ich glaube, in echt heißt er Bill) in Rockerville (!), South Dakota. Da hab ich – vollkommen durchgefroren nach meiner langen Tour durch die Badlands und den Nationalpark – im Restaurant & Saloon “Gaslight” Zuflucht gesucht. Porky setzte sich kurz nach mir an die Bar und war ein so ungewöhnlicher Anblick, dass ich ihn einfach fotografieren musste.

Offenbar war er dort Stammgast, flachste mit den Bedienungen und Gästen herum. Es war so gegen sieben und weil die Nächte frostig wurden (wirklich!), war mir nicht unbedingt danach, draußen zu schlafen. Also fragte ich die Lady hinter der Bar, ob es in der Nähe was Günstiges gäbe. Und witzigerweise schaute sie sofort zu dem komischen Menschen nicht weit von mir, lehnte sich ihm gegenüber auf den Tresen und fragte ihn, ob er eine Idee habe. Hatte er sofort: Bei ihm war ein Zimmer frei. Einerseits fand ich es komisch, dass das so schnell ging, andererseits dachte ich mir: Wenn die Lady das vermittelt, kann es ja nicht gefährlich sein. Und dann stellte sich heraus, dass eine Kollegin von ihr, die weiter weg wohnte, nach ihrer Spätschicht regelmäßig bei Porky übernachtete – so auch diese Nacht. Das erklärte einiges – und so hab ich mit Freuden mein Zimmer bezogen. Ein Bett und vier Wände – nur für mich! Porky war erst wenige Monate zuvor in das Haus gezogen, aber schon war es witzig eingerichtet.

Vom Abend selbst hab ich nichts mehr mitbekommen, ich war hundemüde. Am nächsten Morgen – mir war gesagt worden, ich könne ausschlafen und dann sei unten Kaffee fertig – bin ich im Schlafanzug runtergeschlurft, Kaffee war fertig und im Wohnzimmer saßen Porky und Patty, die Kollegin aus dem Gaslight. Es war so unendlich entspannt, dort zu lümmeln, mit den beiden Hunden zu raufen, Kaffee zu trinken und langsam fit für den Tag zu werden. Und es hatte in der Nacht tatsächlich etwas Frost gegeben!

Porky betreibt seit zwanzig Jahren eine Motorradwerkstatt – spezialisiert auf Harleys. Hatte ich das schon erwähnt? Die wollte ich natürlich unbedingt sehen und ich sollte nicht enttäuscht werden:

Aber das war noch nicht alles – der kombinierte Lager-Kino-Gruselraum setzt dem Ganzen die Krone auf:

Porky, it’s been the greatest pleasure meeting you! Thank you so very much for letting me spend the night at your place – and please say hi to Patty!

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Nebraska – jetzt aber!

Von wegen Nebraska ist öde und langweilig – allein schon, dass ich drei Beiträge darüber schreiben muss (eins und zwei), beweist eindeutig das Gegenteil.

Heute kommen wir in die Metropole Johnstown. 2010 hatte der Ort 57 Einwohner – 2016 laut Wikipedia schon 61. Hier tut sich was – Johnstown rockt!

Das erste, was ich in der Abenddämmerung und auf der Suche nach einer Stätte für mein müdes Haupt in dieser Kapitale entdeckte, war ein freier Platz mit Picknicktisch. Ideal – da will ich schlafen! Aber als ich Josi am Straßenrand gegenüber parkte, sah ich mich gleich dem Sheriff des Ortes gegenüber. Na gut – ob Polizei oder Sheriff, ich bleib mir treu :-).

Der Sheriff bewacht den Saloon von Lynn und Jimmie. Die beiden sind zwei unglaublich nette Menschen – wir haben viel zusammen gelacht und genossen, u.a. das Frühstück am nächsten Morgen. Falls Unsicherheiten bestehen: Es sind alle satt geworden.

Früher hatte der Sheriff laut Lynn übrigens sogar einen Sheriffstern, aber den hat man ihm geklaut. Wie dreist muss man sein – dem Sheriff den Stern zu klauen???

Lynn und Jimmie besitzen und führen den Saloon, der in einem uralten Gebäude in Johnstown untergebracht ist, seit einigen Jahren. Gleich daneben war früher die Bank – sehr praktisch.

Lynn erlaubte mir sofort, auf dem Platz gegenüber zu übernachten – er wurde extra dafür eingerichtet. Der Platz ist viel größer als hier fotografiert, aber ich habe George und mich mit dem Baum vor Laternenlicht von links geschützt.

Am nächsten Morgen wollte ich Josi endlich, endlich mit der Steckdose versehen, die ich schon bei Louis in Kiel gekauft hatte. Bisher hatte ich immer rechtzeitig Steckdosen in Restaurants gefunden, um wahlweise die Powerbank, das Handy, das Laptop, die Kamera oder die Zahnbürste aufzuladen. Mit der USB-Steckdose für Josi könnte ich all das während der Fahrt erledigen und so Energieengpässe im eigentlichen Wortsinn vermeiden.

Mit dem Rest von Nebraska sowie Wyoming und Montana vor mir – die am dünnsten besiedelten Staaten der USA – sollte die Steckdose nun endlich ran. Ich will Krams wie diesen ja immer selber machen, um ihn zu verstehen – im Notfall hätte ich den Louis-Mann meines Vertrauens (hi, Hini) per WhatsApp-Videokonferenz dazugeholt. Aber kaum hatte ich angefangen, kam Jimmie, um mir zu helfen. Wir beide haben versucht, den Sicherungsteil des Ganzen zu verstehen, und hier muss ich eindeutig an meiner Dominanz arbeiten. Irgendwann hat er – mit viel Freude und ich bin auch dankbar! – allein gewerkelt und ich habe Werkzeug angereicht. Aber als dann ein Mensch in Camouflage dazukam und die beiden zu fachsimpeln anfingen, war ich raus. Dann ein Dritter, der hilfreiche Kommentare gab – ich hab mir das alles nur noch aus der Ferne angesehen, es war wie Comedy.

Und am Ende auch funktionstüchtig und fertig. Wenn man von den vier Schrauben absieht, die wir, trotz wieder gemeinsamer Anstrengungen, einfach nicht mehr unterbringen konnten. Ich warte immer noch darauf, dass irgendwas auseinanderfällt…

Nach getaner Arbeit haben wir zufrieden vor dem Saloon auf der Bank mit den vorgegebenen Hinternabdrücken gesessen und eine geraucht. Wen das Schicksal so zusammenführt – verrückt und wunderbar!

Thank you, Lynn, thank you, Jimmieh, thank you, Johnstown – being with you was great! Especially, when you introduced me to my first cowboys! Ich hatte kurz überlegt, mich auf die Zehenspitzen zu stellen, aber das hätte so rein gar nichts geändert…

Auch hier musste ich Abschied nehmen – ich hatte mir vor der Reise nicht klargemacht, dass es mir so schwerfallen könnte, von Menschen, Orten, Landschaften und Staaten Abschied zu nehmen. Immer mal wieder hatte ich den Gedanken: Mist, ein halbes Jahr ist zu kurz! Verrückt, aber wahr.

Nun, es geht weiter durch die (Mais-)Weiten Nebraskas und ich lasse Euch natürlich an einigen Eindrücken teilhaben:

Ich hab wieder einen Chevy gesehen! Zwar nicht wirklich in gutem Zustand – nun, eigentlich in einem miserablen Zustand – aber trotzdem schön…

Am Ende noch eine Perle – hier in Nebraska läuft die Zeit tatsächlich anders 🙂

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Der Übernachtungsreport – Teil II

Der geneigte Leser des Übernachtungsreports Teil I (wie jetzt: nicht gelesen??? Das geht ja gar nicht! Hier isser!) mag sich fragen, warum ich so einen Aufwand betreibe und George nicht einfach auf einem Campingplatz aufstelle – da gehören Zelte schließlich hin. Jep, die Frage ist berechtigt, an dem Einwand etwas dran. Und ich habe es tatsächlich probiert:

7. Campingplätze

Allerdings waren die ersten Male herbe Enttäuschungen. Das lag zum einen daran, dass ich in der Ferien- und Haupturlaubszeit in einer der beliebtesten Regionen überhaupt unterwegs war – Pech. Eine Person, ein Motorrad, ein Zelt: 60 bis 124 Dollar. Da kommt Freude auf! Wenn man denn überhaupt reingelassen wird. Viele nehmen keine Motorradfahrer (vielleicht wegen der lauten Harleys?) und keine Einzelübernachtungen an. Da fühlt man sich so richtig willkommen… In einem State Park wurden morgens um 8 Uhr die Rasenmäher und die Rasenkantenschneider in Gang gesetzt. Bis 11 Uhr – ungelogen. IN EINEM STATE PARK!!!

Der “Campingplatz am Meer” – aber Baden verboten

An einigen Plätzen, die mich genommen hätten, wollte ich nicht bleiben. Oft waren es regelrechte Eventzentren mit Bespaßung und Musik in jedem Winkel. Und/ oder an belebten Straßen gelegen und somit auch auf diesem Kanal schweinelaut. Ganz ehrlich: Schlecht schlafen krieg ich auch billiger.

In der letzten Woche aber wurde mein Glaube an Campingplätze durch zwei Plätze wiederhergestellt. Beide klein, beide ein bisschen schraddelig, sehr naturnah und beide mit vielen liebevollen Details von den – so vermute ich – Dauerbewohnern.

Der zweite Platz lag nicht nur nicht (!) an der Hauptstraße, sondern richtig weit weg davon. Gegen 18 Uhr sah ich das Schild “Lakeside Camping 5 mi”. Na gut, ich kann ja auch mal früh irgendwo sein. Aus der Hauptstraße wurde eine Nebenstraße, daraus eine kleine Straße, daraus ein Schotterweg, daraus ein Sandweg. Aus 5 mi wurden 3, dann 2, dann wieder 3, dann 1. Die wildesten Gedanken gingen durch meinen Kopf: “Wenn ich die Einzige da bin, drehe ich wieder um.” – “Hier draußen überlebt doch niemals ein amerikanischer Campingplatz!” – “Warum kommt mir hier niemand entgegen? Ist das etwa ‘Camping im Hotel California’? ‘You can check in any time you like but you can never leave?'”

Irgendwann war ich da und wurde an der Schranke von der versammelten Campingplatzjugend beäugt. Und wieder ein wilder Gedanke: “Die sind doch irgendwie komisch. Alle. Bestimmt Inzest. Die Familien kommen bestimmt seit Jahren hierher…” Wie dem auch sei: Der Campingwart (seit 30 Jahren – ich sag’s ja!) war sehr nett, mein Platz in Ordnung, der gesamte Platz total entzückend und der See, in den ich gleich gesprungen bin, ein Traum. Und alles für 27,95 Dollar. Heute morgen habe ich nach meinem Morgenplantschen sogar einen Kaffee abstauben können. Ach, manchmal ist es fein, ein blonde German girl zu sein…

8. Kirchen

Ach ja, die Kirche(n) und ich – eine never ending story. Ich hab ja schon ein wenig ein schlechtes Gewissen, die so zu nutzen (auszunutzen?), wo ich doch sonst nix mehr mit ihr zu tun habe. Ein bisschen wie die Leute, die kirchlich heiraten, weil es ach so schön ist – sonst aber nie da sind. Na gut, Weihnachten. Egal. Von einigen “kirchlichen” Übernachtungen hatte ich ja schon erzählt. Die eine Nacht am Friedhof, in der ich gar nicht schlafen konnte. Die Nacht, in der Pastor Edward mich einlud, auf dem Sofa eines Gemeinderaumes zu schlafen.

Und nun eine Nacht im Schatten einer katholischen Kirche in einer Kleinstadt. Sie war echt massiv, der Parkplatz dahinter riesig.

Dann ein Grasstreifen – und in der Ecke, die am verstecktesten war, ein Müllcontainer. Nun ja, das ist wohl die Buße, die fällig ist. Als George steht, bin ich ganz schön stolz – das könnte klappen. Josi steht hinter dem Container, auch perfekt.

An eine Sache allerdings hab ich nicht gedacht – so ein Mist:

Katholiken. Messe um acht. Ächz…

Also früh raus, damit ich rechtzeitig weg bin. Hat auch alles geklappt – nicht mal die Polizei kam vorbei. Ich fühle mich vernachlässigt.

9. Von Starbucks bis zum Pub

Was sich beim Essen und Trinken so ergibt, ist echt witzig. Einiges hatte ich schon erzählt – von der Starbucks Gang zum Beispiel und von Lisa und ihrer Schwester Bonnie. Neu sind die spontanen Einladungen von Lisa und Donny, wobei letzterer im Grunde nicht anders konnte, als mir Unterschlupf zu gewähren.

Hier war angeblich kein Platz mehr frei…

Nachdem ich einen Tag in den wunderschönen und kurvenreichen White Mountains in New Hampshire verbracht hatte, war mir nach einem Besuch in Berlin (ein Kaff, aber was soll’s) und einem Wein. Also beschloss ich, dass ich in Berlin schon was zum Übernachten finden würde – der örtliche Pub war schnell gefunden. Inzwischen bin ich es gewohnt, dass die Gespräche verstummen (ungelogen!) und alle kurz gucken. Na gut, ein Mädel in Motorradklamotten mit einem Tankrucksack unterm Arm, in dem ein anzüglich grinsender Plüschbär steckt, ist ja auch was. Ein frisch-fröhliches “Hey there!” und die armen Menschen sind erlöst und können weiter essen und reden. So auch hier und mit einigen Leuten an der Bar bin ich ins Gespräch gekommen und habe gefragt, wo hier vielleicht ein Fleckchen für mich und mein Zelt sein könnte. Und nach einer Weile meinte Lisa, ich sei auf ihrem Rasen willkommen. Total genial! Spannend war, dass es für sie auch ein Abenteuer war – “I’ve never done anything like that before!” Nun, ich hoffe, ich habe mich so benommen, dass sie es wieder tun würde. Liebste Grüße, Lisa!

 

Auch Donny habe ich in einem Pub kennengelernt – allerdings wurde ich an ihn verwiesen. Im kleinen Kaff Thornton saß ich nämlich an einem Abend, wieder mit dem Entschluss, hier was zu finden. Der Gin Tonic ließ eindeutig darauf schließen. Ziemlich bald hab ich mitbekommen, dass sich alle im Raum kennen – großartig. Also bin ich zur Kellnerin, die sehr sympathisch wirkte, und hab sie gefragt, wer von den Anwesenden wohl Platz für ein Zelt auf seinem Grundstück hätte – ich würde dann fragen… Brauchte ich gar nicht. Sie zupfte am Ärmel des Typen, der mit ihrem Verlobten rumalberte – das war dann Donny. Also nicht der Verlobte – der andere. Und Donny ist ihr Nachbar und sie kennt ihn seit Jahren. Sicherer konnte ich also gar nicht sein. Donny hat mir dann aber quasi verboten, auf seinem Rasen zu zelten, und mir seine Couch zur Verfügung gestellt. Heaven… Und die Dusche am Morgen! Und der Kaffee! Thank you, Donny, that was great!

 

So, die letzen vier Übernachtungsarten kommen in einem neuen Artikel – so viel auf einmal will doch kein Mensch lesen. Außerdem muss ich mich so langsam auf die Suche nach einer Schlafstätte machen 🙂

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Der Übernachtungsreport – Teil I

“Wo übernachte ich heute?” Diese Frage stellt sich naturgemäß jeden Tag, aber ich muss gestehen, dass ich die Antwort darauf meist erst sehr spät suche – selten vor vier oder fünf. Ich bin auch gern mal bis sieben oder acht unterwegs, schaue schon mal links und rechts, halte aber nicht an, wenn ich nichts Gutes sehe. Es geht ja nicht nur darum, dass ich mich sicher fühle und einen ebenen, geschützten Platz für George finde. Josi soll auch aus dem Blickfeld – ein verloren umherstehendes Motorrad lockt im besten Fall die Polizei an.

Ich hab mal versucht, verschiedene Übernachtungsvarianten zusammenzufassen, und siehe da: bisher sind es 13. Ganz schön viel dafür, dass ich erst einen Monat unterwegs bin. Hier ist der erste Schwung:

1. Right in the middle of nowhere

Das hab ich ja ganz am Anfang gemacht, als ich aus Baltimore raus war. Und abgesehen von den Mücken und meiner fehlenden Weisheit, Josi schlau abzustellen (das Lehrgeld wurde in Form von Schweiß, Flüchen, Matsch, Mückenstichen und Zeit gezahlt), war es super. Ich hab Glühwürmchen gesehen und Sterne und hab mich gefühlt wie eine echte Abenteurerin.

Ähnlich auf Cape Cod, wo ich – sogar ohne Zelt – in einem Wendehammer am Ende einer laaaangen Einfahrt übernachtet habe, auf einem Rasenstück gerade so außer Sichtweite des letzten Hauses. Ich hab immer wieder hingeschaut, weil Licht brannte, nur um am nächsten Tag festzustellen, dass es die Dreifachgarage war, die wie ein Haus beleuchtet war. Das eigentliche Haus lag komplett außer Sichtweite.
Die Polizei machte brav ihren Job und kam so gegen halb zwei vorbei, um sich nach einem netten Gespräch mit einem fürsorglichen “Be safe” wieder zu verabschieden. Der Sternenhimmel war toll – allerdings hatte ich am Morgen für jeden Stern einen Mückenstich im Gesicht. Naja, wahre Schönheit kommt ja bekanntlich von innen…

Einmal hab ich einem Wäldchen übernachtet, das zum einen ganz in der Nähe der Polizeistation lag, zum anderen an ein irgendwie seltsames Gewerbegebiet angrenzte. Ich hab mich nur mäßig wohl gefühlt – und wollte nicht wieder mitten in der Nacht von der Polizei geweckt werden. Ich habe die Geschichte schon erzählt: Die Jungs durften mir das Campen dort nicht erlauben, schauten aber weg. Und so konnte ich mit einem guten Gefühl durchschlafen. Ich muss gestehen, dass ich diese Variante ziemlich clever finde 🙂

2. Auf dem Rasen von netten Menschen

Das hab ich inzwischen ein paar Mal gemacht – bei Paul, bei Karen und Bryan, gerade vorgestern bei John und seiner Frau in der 37. Nebenstraße eines Ortes – sowie bei ein, zwei anderen, deren Namen ich peinlicherweise schon vergessen habe… Ich find es einfach großartig, dass diese Leute spontan jemanden so in ihre Nähe lassen. Ich klopfe ja einfach – meist wie gesagt am mittleren Abend – und frage, ob ich mein Zelt für eine Nacht auf ihrem Rasen aufbauen darf. So mancher Deutsche würde schon allein wegen seines Rasens ablehnen, ganz zu schweigen davon, dass ja keiner der “Beklopften” weiß, wen sie sich da auf ihr Grundstück holen. Schön an dieser Variante ist für mich zum einen, dass der Boden meist eben und frei von Steinen ist – Rasen eben :-). Und zum anderen, dass vorbeifahrende Polizisten keinen Grund haben nachzufragen. Es sei denn, es gibt ätzende Nachbarn… Was mehr als ausgeglichen wird durch so unglaublich nette Menschen wie Karen und Bryan, die sich mehrfach dafür entschuldigten, mir kein Gästezimmer anbieten zu können… A kiss for you!

3. “Hello? Anybody here?”

Mit verlassenen oder derzeit unbewohnten Häusern und Grundstücken wie diesem hier habe ich bisher nur geliebäugelt, obwohl ich sie total faszinierend finde. In einem verlassenen Haus wäre es mir wohl doch zu gruselig – wer weiß, wer da noch so auftaucht… Außerdem sind die selten sauber. Diese Stallung hier hat mich total fasziniert, aber die Spinnenweben waren so riiiiiiiieeeeesig, dass ich mit Sicherheit arachnophobische Albträume bekommen hätte. Schade eigentlich…

Aber auch gut, denn sonst hätte ich nicht den schönen Abend im Pub und das urgemütliche Sofa bei Donny gehabt. Mehr davon in Teil II 🙂

Auf einem unbewohnten Grundstück mein Zelt aufzuschlagen, könnte ich mir schon eher vorstellen. Als ich vor ein paar Tagen nach Woodstock, Vermont, kam, sah ich ein Haus an der Hauptstraße, das nicht verwahrlost aussah, aber doch irgendwie verlassen. Zwar standen die Gartenstühle draußen, aber es wuchs auch Unkraut in den Ritzen zwischen den Bodenplatten. Licht brannte keines, ein Auto war auch nicht da, die Einfahrt halb zugewachsen. Es gab eine perfekte Fläche für George und daneben Platz für Josi. Also klingelte ich bei der Nachbarin und fragte, ob das Haus bewohnt sei. Naja, halb, die Besitzer wohnen in Massachusetts – und kommen bestimmt nicht heute Nacht wieder. Sie könne zwar nicht die Erlaubnis geben, aber es würde bestimmt gut gehen. Perfekt – ist es auch.

Eine charmante Anekdote am Rande: Die Dame wies mich darauf hin, dass der Rasen der Kirche auch sehr schön sei 🙂

4. Zehn Meter vom Restaurant zum Zelt

Das war perfekt. Auf der Deer Isle nach leckersten Nachos direkt in den Schlafsack rutschen. Wenn nur das lästige Zähneputzen nicht wäre… Bei meiner Ankunft hatte ich die Rasenflächen rund um das Restaurant gesehen und drinnen – nach der Bestellung, versteht sich – nach dem Besitzer gefragt. Witzigerweise war es genau der sympathische Kerl, der gerade die Runde machte um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Cory hat mir das Übernachten erlaubt, was toll war. Die Freude darüber wurde einzig dadurch getrübt, dass er am Folgetag nicht wie gewohnt Frühstück und Kaffee anbot (also allgemein, meine ich, nicht nur mir ;-)). Aber auch das hatte sein Gutes – im Café 44 North Coffee bekam Josi nämlich ihr erstes Tattoo 🙂

5. Schutz und WLAN

Der perfekte “wilde” Schlafplatz ist hinter Bibliotheken – das hab ich in Bremen und Camden (beides Maine) und in Ellsworth (New Hampshire) gemacht. Eine Variante wären Schulen, solange die Ferien noch andauern – aber bisher waren mir die Grünflächen dort zu weitläufig.

Und so schaue ich in Orten, in die ich nach 17 Uhr komme, immer erstmal nach der Bibliothek. Wo liegt sie, gibt es Rasenfläche, gibt es versteckte Rasenfläche. Dann ist die Sache eigentlich schon entschieden – denn neben einem guten Schlafplatz kann ich dem offenen WLAN einfach nicht widerstehen. Ein paar WhatsApp-Nachrichten, mal eben auf Spiegel Online und Facebook schauen, was so los ist (na gut, ich gebe es zu: umgekehrte Reihenfolge) und dann beim Fertigmachen und Tüdeln Deutschlandfunk Kultur. All das auch am Morgen, versteht sich – es ist so schön.

Natürlich ist das Zelten an Bibliotheken nicht legal. In Bremen hat keiner bemerkt, dass ich da war, in Camden auch nicht. In Ellsworth hat der Mitarbeiter Edmund George entdeckt, als ich gerade frühstücken war. Nein, das ist nicht dreist, sondern schlicht pragmatisch: Ich brauche Kaffee und Frühstück, George muss trocknen und außerdem war ich um halb sieben wach, während die Bibliothek erst um 9 Uhr öffnet. Es hätte also klappen können. Aber Edmund macht seinen Job gut und hat die Polizei gerufen. Als Mylady wach und gesättigt zurückkam, hat er sie ganz nett davon in Kenntnis gesetzt, dass die Polizei da war und dass sie das Zelt abbauen muss. Alles legitim – hab ich auch ganz schnell gemacht. Bei dem Gedanken, dass die Polizei und ich zum ersten Mal nicht zusammengetroffen sind, musste ich fast grinsen – und dann richtig, als ein Polizeiwagen vorfuhr, der Fahrer mich beim Abbau sah, lässig winkte, “Thank you” (!!!) rief und wieder davonfuhr. Ich bin dann nochmal rein und hab mich bei Edmund für seine Freundlichkeit bedankt und mich verabschiedet – bye, bye, Ellsworth!

 

6. In einem Truck – jawohl!

Das war bisher das coolste – und von allen Nächten draußen auch die bequemste. Als Ossi-Kind kann ich es ja nicht lassen, an jeder Türklinke zu rütteln um zu schauen, ob sie nicht vielleicht doch offen ist. Ebenso bei gepflegt wirkenden Trucks, die in der beginnenden Dämmerung ganz einsam und allein an der Straße stehen. Na gut, an einem Haus. Na gut, an einer Werkstatt. Aber es war niemand mehr da. Und mehrere (!) der Trucks – und ein Schulbus – tatsächlich offen. Drinnen alles etwas müffelig, aber trocken und warm. Na, Entschuldigung, da fahr ich doch nicht weiter! Es war schon ganz schön spannend, meinen Krams in den Truck zu kriegen, und gleichzeitig die Innenraumbeleuchtung auszumachen, wenn Autos vorbeifuhren! Josi zu verst… äh, sinnvoll zu parken, war hingegen kein Problem – sie ist neben den Riesen quasi geschrumpft.

Die Nacht war gut – Gynsburgh hat aber auch gut aufgepasst. Gegenüber war übrigens mal wieder ein Friedhof und das Hobby der Dorfjugend scheint zu sein, mit den Autos ihrer Eltern zwischen den Grabreihen entlangzufahren. Naja, dann nehmen sie wenigstens keine Drogen…

Am nächsten Morgen stand dann doch plötzlich ein Auto da, das ich nicht einordnen konnte. Patrouille? Jugendliche? Inhaber?

Da – man sieht das Vorderteil!

Nichts dergleichen – ein armer Arbeiter, der um 6 Uhr zu Straßenarbeiten kommen sollte und nun wegen des feuchten Wetters wieder nach Hause geschickt wurde. Hab ich erfahren, nachdem ich Zähne putzend auf ihn zugegangen bin. Frech kommt weiter. So, jetzt einpacken und los, auch wenn der Abschied von so einem coolen Gefährt schwer fällt.

 

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