Oglala Lakota des Indianerreservats Pine Ridge

South Dakota – Himmel und Hölle

Nur eineinhalb Tage war ich auf meiner Tour in South Dakota. Keine 48 Stunden – das ist nichts.

Aber diese Stunden haben mich mehr geprägt als viele, viele andere während der fünf Monate. Jetzt, wo ich für das darüber schreibe, ist die Zeit in der Pine Ridge Reservation wieder präsent, die Beklemmung, die ich damals gefühlt habe (Artikel).

Natürlich wird es nicht besser, wenn man dann solche Artikel liest – mit “Statistiken aus der Hölle”.

Ich bin immer hin- und hergerissen zwischen “Man, das ist so schlimm, und man kann sowieso nichts tun, und es gibt so viel Schlimmes auf der Welt – ich kann mich nicht mit allem belasten!” und “Andere mussten/ müssen es erleben, dann sollte ich mich ja wohl zumindest damit beschäftigen!”

Keine Ahnung, wo die Wahrheit liegt – sicher wie immer irgendwo dazwischen. Und sie bewegt sich zumindest bei mir auch abhängig von Tagesform und eigener Situation mal mehr zum einen, mal mehr zum anderen Pol.

In meiner Kindheit und Jugend habe ich meine Indianerbücher (“Die Söhne der großen Bärin”) rauf- und runtergelesen. Bin mit dem Indianerjungen Harka in eiskaltes Wasser getaucht (nur nicht so lange) und mit ihm durch die Prärie geritten. Wenn ich die Natives im Reservat so sehe oder im Artikel oben über die Situation der Kids lese, könnte ich heulen.

Ich hab für diesen Artikel keinen netten Twist, kein versöhniches Ende. Ich weiß nur, dass mir damals der nicht weit entfernte Badlands Nationalpark geholfen hat, wieder durchzuatmen.

Wer noch ein paar Bilder gebrauchen kann, findet sie hier.

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Beitragsbild: (c) Aaron Huea/ Alamy

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Für alle, die meinen Blog NICHT abonniert haben

Jetzt mal auf der Meta-Ebene 🙂

Offenbar gibt es Menschen, die die Abo-Funktion dieses Blogs…

  • … nicht kennen.
    Damit bekommt man automatisch eine Nachricht ins Email-Postfach, sobald ich die Welt mit einem neuen Artikel beglücke.
  • … nicht finden.
    Bei Computer und Laptop: rechts in der Seitenspalte.
    Auf Handys: irgendwo ganz unten unter den Texten, total bescheuert.
  • … nicht wollen.
    Sie schauen lieber alle paar Tage in den Blog, ob ganz oben ein neuer Artikel hinzugekommen ist. Total legitim und heutzutage vielleicht auch entspannter, als mit allem Möglichen konfrontiert zu werden.

Ohne die Abo-Funktion entgehen einem jedoch Artikel, die nicht fein als neueste ganz oben eingeordnet werden, sondern irgendwo zwischen anderen. Zum Beispiel, weil die Autorin nicht mit dem Schreiben hinterherkommt und immer mal wieder was aus der Gegenwart schreibt, bevor sie alle Lücken aus der Vergangenheit auffüllt. Schande.

Gruppe 1 und Gruppe 2 dürfte nun geholfen sein.

Gruppe 3 wollte ich eigentlich an dieser Stelle anbieten, immer einen kurzen Hinweis auf neu erschienene Artikel zu geben. Aber das ist doof, weil 1 und 2 dann auch eine Benachrichtungsemail für diesen Hinweis bekommen – zusätzlich zu der zum eigentlichen Artikel. Ich fürchte, das könnte nerven, zumal sie ja mit dem Abo alles richtig gemacht haben.

Wer also das hier liest und trotzdem kein Abo einrichtet (immer noch legitim!), muss einfach ab und zu mal im Verlauf schauen. Im Grunde ist die Lücke zwischen South Dakota Mitte September – unterbrochen vom Zwischenmist in Utah Anfang Oktober – und meinem Geburtstag in San Francisco Ende Oktober. Also da immer mal wieder schauen!

Oder hat jemand eine bessere Idee? Dann her damit!

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Wyoming is callin’!

Jetzt hab ich auch wirklich lang genug damit gewartet, diesen Abschnitt zu schreiben – Ihr solltet inzwischen ähnliche Temperaturen haben wie ich damals, um Euch alles so richtig schön vorstellen zu können.
Nein, Quatsch, ich hab’s nicht früher geschafft. Aber temperaturmäßig passt es tatsächlich ganz gut 🙂

Wir sind noch immer in South Dakota, in der südwestlichsten Ecke. Frisch war es ja schon in den Badlands geworden, den ersten Nachtfrost gab es bei Porky. Weil es aber erst Mitte September war, hatte ich noch immer die Hoffnung auf warme Herbsttage und erträgliche Nächte. Schließlich wollte ich in den atemberaubenden Teton Nationalpark, durch den Yellowstone in Wyoming und dann in Montana den Indian Summer erleben. Ich Greenhorn.

In dieser Ecke South Dakotas kommt man natürlich nicht an Mt. Rushmore vorbei. Also, man kommt vorbei – aber man kommt im Grunde nicht daran vorbei, das Ding anzusehen. Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, extra dorthin zu fahren, um mir in Stein gehauene Köpfe anzuschauen. Dementsprechend fiel es mir auch sehr leicht, nach dem Blick auf die Jungs aus der ewig langen Schlange zum Monument auszuscheren…

… und weiter in Richtung Black Hills National Forest zu fahren. Tolle Straßen, viele Kurven und immer wieder perfekte Blicke auf Mt. Rushmore – ohne Wartezeiten.

Außerdem sind die Herren Präsidenten ohnehin auf jeder Straße präsent:

Von da an ging es nach Südwesten in Richtung Teton. Und ebenfalls von da an wurden die Nächte immer kälter. In Newcastle, Wyoming, dachte ich, das Plätzchen in einer geschützten Ecke an einer Kirche würde helfen, etwas Wärme im Zelt zu halten, aber Pustekuchen. Ich hab noch nie so gefroren. Allerhand Ratschläge gingen mir durch den Kopf und glaubt mir: Ich hab sie alle ausprobiert. Klamotten an, Klamotten aus, das ja, das nein – ich hätte sogar einen Kopfstand gemacht, wenn es geholfen hätte.

Um 4:12 Uhr hab ich aufgegeben, mich angezogen und bin durch die klirrend kalte Nacht mit klarem Himmel die Hauptstraße auf- und abgegangen. Dabei hab ich entdeckt, dass Wacken offenbar Ableger hat :-).

Die Lady, die ihren Coffee Shop  schon um 5:45 Uhr öffnete statt um 6:00 Uhr, hätte ich knutschen können. Da hab ich mich dann erstmal eineinhalb Stunden aufgewärmt und gefrühstückt, bevor ich zur Kirche zurück bin, um George zu holen. Aber wenn ich dachte, es könne nicht kälter werden, sollte ich noch zweimal eines besseren belehrt werden…

Bevor es soweit war, konnte ich auf dem Weg nach Casper, Wyoming, schönste Weite genießen. Da hat das klare Wetter ja auch seine guten Seiten… Am liebsten würde ich Euch die Bilder ganz groß und leuchtend hier in den Beitrag kopieren, aber ich hoffe, dass sie auch so wirken:

Als ich – schon im Dunklen – in Casper ankam, machte ich mich naiv zuversichtlich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Ich wusste noch nicht, dass es die schlimmste Nacht meiner (bisherigen) Reise werden sollte… Zunächst bin ich auf einen Hügel gefahren – schöne Ausblicke sind ja was Feines. Das Wohngebiet dort war allerdings so angelegt, dass ich keine Lücke für mich fand. Eine große, zugewachsene Wiese wäre eine Option gewesen – wir ignorieren jetzt bitte die Hunde, die dort in unserer Vorstellung rumhüpfen und mehr. Aber da oben pfiff ein kalter Wind, echt unangenehm, und der hätte die ganze Zeit entweder an mir oder an George gerüttelt. Auch nicht schön. Also weiter – und siehe da: ein größerer Kirchenkomplex. Mit Spielplatz, Garten, Hinterhof, allen Schikanen. Zuerst packte ich mich unter einen Baum – Mist immer noch der Wind. Also irgendwo eine windgeschützte Ecke suchen – aber es war einfach keine zu finden. Unglaublich.

Egal, wohinter ich mich versteckte: Der Wind wehte kalt über mich rüber. Also runter in die Stadt – vielleicht gibt es bei der Bibliothek eine gute Ecke? Dreimal umrundet: Nein. Unglaublich. Wind, Wind, Wind. Aber was ist das? Eine von allen vier Seiten von Plexiglas umgebene Bushaltestelle? Meine! Schlaf ich halt mal in einer Haltestelle, Hauptsache, ich kriege Schlaf! Inzwischen war es zwei Uhr und ich echt zermürbt. Ich wunderte mich kurz darüber, dass kein Obdachloser in der Haltestelle schlief, wusste aber auch bald, warum. Der Wind kam nicht nur durch die 20 cm hohe Lücke am Boden rein, die Verwirbelungen drinnen waren dann richtig schön. Alter, ich war durch. Später habe ich erfahren, dass Casper eine der windigsten Städte der USA ist. Ich würde wahnsinnig, wenn ich dort leben müsste!

Erklärung und Quelle hier.

Und während die Polizei sonst immer zu mir kommt, bin ich diesmal zu ihr gegangen – absolut ratlos, wo ich die letzten Stunden der Nacht verbringen sollte. Geld ausgeben wollte ich trotz allem nicht.

Ihr werdet es kaum glauben:

  • Die Polizeistation war offen.
  • Sie war warm.
  • Es war kein Mensch da.
  • Ich fand eine Möglichkeit, mich auszustrecken. Man wird ja bescheiden.

Und so schlief ich erschöpft und froh mit folgendem Bild vor Augen ein:


Selige Stunden von 2:30 bis 5:00 Uhr – was für ein Luxus!

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Porky

Dieser verrückt-wunderbare Mensch verdient einen eigenen Artikel.

Kennengelernt habe ich Porky (ich glaube, in echt heißt er Bill) in Rockerville (!), South Dakota. Da hab ich – vollkommen durchgefroren nach meiner langen Tour durch die Badlands und den Nationalpark – im Restaurant & Saloon “Gaslight” Zuflucht gesucht. Porky setzte sich kurz nach mir an die Bar und war ein so ungewöhnlicher Anblick, dass ich ihn einfach fotografieren musste.

Offenbar war er dort Stammgast, flachste mit den Bedienungen und Gästen herum. Es war so gegen sieben und weil die Nächte frostig wurden (wirklich!), war mir nicht unbedingt danach, draußen zu schlafen. Also fragte ich die Lady hinter der Bar, ob es in der Nähe was Günstiges gäbe. Und witzigerweise schaute sie sofort zu dem komischen Menschen nicht weit von mir, lehnte sich ihm gegenüber auf den Tresen und fragte ihn, ob er eine Idee habe. Hatte er sofort: Bei ihm war ein Zimmer frei. Einerseits fand ich es komisch, dass das so schnell ging, andererseits dachte ich mir: Wenn die Lady das vermittelt, kann es ja nicht gefährlich sein. Und dann stellte sich heraus, dass eine Kollegin von ihr, die weiter weg wohnte, nach ihrer Spätschicht regelmäßig bei Porky übernachtete – so auch diese Nacht. Das erklärte einiges – und so hab ich mit Freuden mein Zimmer bezogen. Ein Bett und vier Wände – nur für mich! Porky war erst wenige Monate zuvor in das Haus gezogen, aber schon war es witzig eingerichtet.

Vom Abend selbst hab ich nichts mehr mitbekommen, ich war hundemüde. Am nächsten Morgen – mir war gesagt worden, ich könne ausschlafen und dann sei unten Kaffee fertig – bin ich im Schlafanzug runtergeschlurft, Kaffee war fertig und im Wohnzimmer saßen Porky und Patty, die Kollegin aus dem Gaslight. Es war so unendlich entspannt, dort zu lümmeln, mit den beiden Hunden zu raufen, Kaffee zu trinken und langsam fit für den Tag zu werden. Und es hatte in der Nacht tatsächlich etwas Frost gegeben!

Porky betreibt seit zwanzig Jahren eine Motorradwerkstatt – spezialisiert auf Harleys. Hatte ich das schon erwähnt? Die wollte ich natürlich unbedingt sehen und ich sollte nicht enttäuscht werden:

Aber das war noch nicht alles – der kombinierte Lager-Kino-Gruselraum setzt dem Ganzen die Krone auf:

Porky, it’s been the greatest pleasure meeting you! Thank you so very much for letting me spend the night at your place – and please say hi to Patty!

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South Dakota II – Der Badlands National Park

Hier ist South Dakota I  🙂

Weiter geht’s in Richtung Badlands National Park. Der soll atemberaubend schön sein – “unlike anything else in the United States” sagte mein Bekannter Chris aus Higginsville, Missouri. Er sollte Recht behalten – aber vorher müssen noch ein paar Orte auf der Reservation durchfahren werden, alle wahrlich keine Perlen. Aber woher soll der Glanz auch kommen?

So hat Scenic (scenic = malerisch, wunderschön) zum Beispiel zwei Hauptattraktionen – die Tankstelle mit Werkstatt und Laden sowie das Gefängnis:

In diesem Kaff, dessen Namen ich nicht mehr weiß, durften Indianer immerhin schon in den Saloon – das Gefängnis war dafür umso unwirtlicher. Keinerlei Privatsphäre…


Und warum das wunderschöne Health Center in Kyle so verlassen aussieht wie die gesamten Badlands, weiß ich auch nicht…

Umso schöner wird es jetzt. Durch den Park führt eine Straße, an deren Rand man in regelmäßigen Abständen zum Schauen, Staunen und Fotografieren anhalten kann. Bei Ansicht der Bilder habe ich gemerkt, dass ich keines aussortieren mag und auch keine schlauen Kommentare geben will. Schaut es Euch einfach an.

Wilde Tiere gab es auch (neben Signore):

Ein Weg hinaus aus dem Park…

 

Und nächstes Mal lernt Ihr Porky kennen, einen der verrücktesten und großherzigsten Menschen, die ich auf meiner Tour kennengelernt habe.

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Die Badlands in South Dakota – schlechtes, wunderschönes Land

Zurück auf meine ursprüngliche Route, zurück von meinen Vorgriffen auf die Abenteuer in Utah und den Geburtstag in San Francisco. Von Nebraska aus bin ich von Süden in South Dakota eingefahren. Ich habe in den ersten Stunden ständig angehalten, um diesen unglaublichen Horizont zu fotografieren – wissend, dass ich ihn ohnehin nicht richtig einfangen kann. Aber wer die folgenden Bilder auf einem großen Monitor anschaut, bekommt zumindest einen Eindruck.

Die Region South Dakotas, in die ich einfuhr, heißt Badlands – und landschaftlich gesehen ist sie genau das. Man kann dort kaum etwas anbauen, man kann dort kaum Vieh halten. Ideal also, um die ungeliebten Dakota-/Lakota-Indianer dorthin zu treiben und dieses unwirtliche Land zu ihrem Reservatszuhause zu erklären. In diesem Artikel geht es um nix anderes, wer also grad was Leichtes, Lustiges braucht, möge ihn auslassen.

Neben dem Niemandsland und dem Reservat gibt es im Norden den atemberaubend schönen Badlands National Park – mehr dazu im zweiten Teil. Das Land der Pine Ridge Reservation ist auch wunderschön, aber zum Leben eine Katastrophe. Einige Eindrücke (Zahlen aus Wikipedia):

  • Es ist wie eine Wüste, größere Städte und Supermärkte sind ewig weit weg – es gibt kaum Kontakt, geschweige denn Austausch.
  • Die Verkaufsgüter für die kleinen Trading Stores werden angeliefert – sicher auch nicht zu den günstigsten Preisen.
  • Die Arbeitslosenquote in der Pine Ridge Reservation liegt bei 85%, einfach unvorstellbar.
  • 2002 lebten 40% der Familien unterhalb der Armutsgrenze.
  • Die Suizidrate ist etwa viermal so hoch wie der Landesdurchschnitt.
  • Viele Familien haben weder Strom noch ein Telefon.
  • Mit einer Lebenserwartung von 47 Jahren für Männer und nur etwas mehr als 50 Jahren für Frauen ist die Lebenserwartung der Bewohner des Reservates eine der kürzesten aller Gruppen der westlichen Welt.
  • Geld verdienen kann man nur, wenn man einen der wenigen Jobs bei den Trading Posts, an der Grundschule, im Motel in Kyle oder im Casino hat. Oder man besitzt Motel oder Casino, das geht natürlich auch. Ich habe einige wenige bestens gekleidete Lakota gesehen und viele, viele in Zuständen, in denen ich mich auch entweder mit Drogen oder Alkohol zudröhnen würde. Ach ja, Handel mit Drogen ist auch noch eine Möglichkeit. Plenty of choices… Laut Wikipedia gibt es einen Solarplattenhandel und ein großes Familienunternehmen, das US-weit verkauft – ich habe davon nichts gesehen.
  • Etwa 75% der Haushalte auf Pine Ridge überleben durch Jagd auf Kleinwild, Sammeln von Wildfrüchten, Wurzeln und Samen oder (seltener) etwas Gartenbau. Zum Teil verkaufen sie die Erzeugnisse an andere Lakota-Familien oder in den Städten um das Reservat.

Und all das im 21. Jahrhundert in den USA! Ehrlich, es ist zum Weinen.

Immerhin gibt es eine Grundschule, ein College und sogar eine Waldorfschule:

Das Reservatsland gehört den Indianern nicht einmal. Vor einigen Jahren sollte es offenbar  in ihren Besitz übergehen, aber irgendwas kam dazwischen. So dürfen sie es zwar weiter mitverwalten, mehr aber auch nicht.

Es war auf der ganzen USA-Tour bisher seltsam, durch Orte und Gebiete oder über Flüsse zu fahren, die nach Indianerstämmen benannt sind, von denen wir als Kinder atemlos fasziniert gelesen haben. Und es ist ein beschissenes Gefühl, in Städte oder Orte einzufahren, die mit “… Reservation” enden. Wie gebrandmarkt.

In der Pine Ridge Reservation liegt die Ortschaft Wounded Knee – ganz klein, mit knapp 300 Einwohnern. Irgendwie kennt man den Namen, geht es Euch auch so? Meist durch das Buch Bury My Heart at Wounded Knee („Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“) von Dee Brown. Ich hatte es immer mal wieder in der Hand – zuletzt sogar in Cape Girardeau, Missouri, aber ich hatte nie den Mut, es zu lesen.
Bei dem Massaker 1890 wurden in Wounded Knee 150-350 (je nach Quelle) Lakota-Indianer – Männer, Frauen und Kinder – erschossen. Nach diesem Massaker war der letzte Widerstand der Indianer gegen die Weißen gebrochen (Infos).

Der Ort des Massakers in Wounded Knee. Man hätte rauf- und rübergehen können, aber das konnte ich nicht.

Das Massaker beschäftigt auch heute noch viele Menschen, vor allem, weil die Indianer dafür nie Gerechtigkeit erfahren haben. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wie die überhaupt aussehen könnte. Nach dem Anschlag in Las Vegas mit 58 Toten, der hier in den USA alle beschäftigt hat, waren auch Posts wie der nebenstehende in den sozialen Medien. Fand ich sehr interessant.

Gegenüber von der Massakerfläche (scheiß Wort – wer ein besseres weiß, sage es mir bitte) liegt auf einem Hügel ein kleiner Friedhof. Dort finden sich zum einen eine Stele für die Opfer von 1890, zum anderen weitere Gräber, alte und neue. Ich muss gestehen, dass hier bei mir das Gedenken hinter das Wundern und Grinsen angesichts der Namen zurücktrat. Und einmal dürft Ihr raten, welcher Name mir am besten gefiel 🙂

Zum größten Teil waren die Gräber verwahrlost, was im Gesamtkontext noch trauriger wirkte als verlassene Gräber allgemein schon. Dafür war die Kombination von indianischen Grabgaben mit schrecklich bunten Plastikblumen spannend. Dass die meisten Indianer auch deutlich christlich beerdigt wurden, lassen wir jetzt mal unkommentiert.

Am Friedhof befindet sich das Gemeindezentrum von Wounded Knee. In der ehemaligen Kirche verkaufen Bewohnerinnen Indianerschmuck – ein Versuch, auch hier ein Standbein aufzubauen. Zwei bis drei Bewohner kamen als Touristenführer auf Friedhofsbesucher zu und baten anschließend auf akzeptable Weise um Spenden. Auf meine Frage, ob der Ort Wounded Knee eher wachse oder schrumpfe, antwortete einer von ihnen – William Yellow Horse – ganz begeistert: “Er wird wachsen! 89 unserer Bewohner sind jung!” Mmh… Einflüsse von außen wären da eine ganz schöne Ergänzung…

Vom Gemeindezentrum führt ein Trampelpfad hinab zum Museum. Auch hier habe ich gekniffen, der Friedhof und die Gespräche mit den Indianern waren intensiv genug für mich. Außerdem kam hier eines der Kids auf mich zugerannt und rief mit vorgehaltenen Händen: “Donations, donations!” Es war schlimm.

Viel weiter bin ich an diesem Tag auch nicht mehr gekommen. Weil es kalt war und ich in der Reservation irgendwie nicht wild campen wollte, hab ich mir ein Zimmer in einem Motel in Kyle gegönnt – der Inhaber angeblich ein Indianer. So konnte ich mir einreden, doch noch was Gutes zu tun…

Am nächsten Tag bin ich in den Badlands National Park gefahren – dieser Bericht wird schöner!

 

 

 

 

 

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