Venedig-Tour 1: Zeitreise mit Zelt

Ich wollte schon immer nach Venedig.

Am liebsten im Herbst und am allerliebsten natürlich ohne Touristen. Was ja unter normalen Umständen ein illusorischer Wunsch ist. Aber Corona-Zeiten sind keine normalen Umstände. Ich weiß nicht, wie viele Touris in diesen Wochen durch Venedig ziehen – aber es sind definitiv weniger als sonst. Also hin!

Aber nicht schnell, nicht geradeaus, nicht Autobahn. Sondern entspannt und schön über Land. Am frühen Nachmittag verlasse ich Kiel über eine Bundesstraße. Geplant war 11 Uhr, aber wenigstens bin ich dem Feierabendverkehr zuvorgekommen.

Von meiner Umgebung sehe allerdings nicht viel – Nebel und feinster Sprühregen schaffen eine Atmosphäre, die meiner Vorstellung von Venedig im Herbst durchaus entspricht. Es dürfte allerdings gern etwas wärmer sein, nach etwa einer Stunde fange ich an zu frieren.

Lüneburg wird zum ersten und letzten Stopp des Tages. Es ist erst 17 Uhr, die Küche des Italieners meiner Wahl beginnt erst in einer Stunde zu kochen. Das ist nicht schlimm, denn ich muss ohnehin erstmal warm werden. Ein heißes Wasser und ein Mojito sind tatsächlich eine perfekte Kombination.

Beim Essen habe ich dann genug Zeit, mir einen Übernachtungsplatz zu überlegen. Kirchen bzw. Rasenflächen im Bereich von Kirchen fallen in historischen Altstädten meist flach – die Städte sind einfach zu dicht bebaut. Mir fällt ein, dass ich in Maine einmal auf einem Sportplatz gezeltet habe. Und wer hat Sportplätze? Richtig – Schulen!

Der Zufall will es, dass ich eine Lüneburger Schule besonders gut kenne. Vor drei Ewigkeiten habe ich mich dort als Lehrerin versucht, bevor ich nach einigen Monaten merkte, dass das Lehrersein so gar nichts für mich ist.

Das Übernachten an der Schule hingegen schon. Jenseits der Scheiben habe ich so manche Lehrerkonferenz durchgestanden…

… diesseits der Scheiben passen Josi und mein Zelt perfekt hin – und es ist sogar überdacht.

Gestört wurde ich übrigens nicht, nur ein paar Gassigänger schauten etwas irritiert.

Mein Frühstück gibt es im Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Dieses Kleinod suche ich eigentlich immer auf, wenn ich in der Nähe bin (und ich suche auch wirklich immer, fragt mich nicht, warum…).

Bei Kaffee und Sandwich checke ich die Karte und beschließe: Tagesziel ist Naumburg. Die weibliche Domfigur kennt man aus dem Kreuzworträtsel (UTA), sie soll wunderschön sein. Schönheit ist immer gut – also los.

Kurz nach fünf parke ich Josi auf dem alten Kopfsteinpflaster, das den Naumburger Dom umgibt. Es ist schon fast dunkel, aber zum Glück kann man bis 18 Uhr die wichtigsten Teile des Doms besichtigen. Und die Uta.

Die Figur ist tatsächlich so zart und vornehm und aussdrucksstark, wie ich gelesen hatte. Leider ist mein Foto nicht so gut – ich hoffe, es kommt trotzdem rüber.

 

Auch wenn Naumburg ähnlich dicht bebaut und zugepflastert ist wie Lüneburg, streife ich ein wenig durch die Gassen, es ist einfach zu schön.

In einem Hinterhof mit Kneipe entdecke ich eine ruhige Ecke und frage ich ein Pärchen, ob dort wohl übernachten könnte. Sie denken, dass ich das kann – bieten mir aber dann eine ganze Wohnung an. Die nehm ich!

 

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